Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 14 › Seite 268
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juli 1915, Seite 268
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das Blatt zu verklagen. Er tat es, und die Klage ist nach einer
Reihe von Berufungen (appeals) erst vor einigen Wochen vom
höchsten New Horker Gerichtshof entschieden worden, und zwar
zugunsten der Zeitung. Den Russelliten ist der Wunderweizen⸗
fall sehr unangenehm, denn Russell hat sich dadurch lächerlich
gemacht; doch haben sie bisher, wenn man sie in bezug auf diesen
Fall fragt, geantwortet, der Prozeß sei „noch nicht entschieden“.
Jetzt ist er entschieden. übrigens kam bei den Verhandlungen
heraus, daß §2000 wert von dem Weizen verkauft worden war.
Man möchte fragen: Wie kam denn Russell auf diesen Einfall?
Die Sache ist höchst einfach: Russell predigt ja, Christus sei schon
seit vierzig Jahren wieder auf Erden und werde bald öffentlich
auftreten; die „Auserwählten“, also die Russelliten, kennten ihn
schon. Und als ein Wunder des angebrochenen Millenniums
stellte er auch eine neue, ungeahnte Fruchtbarkeit des Bodens in
Aussicht. Der „Wunderweizen“ sollte ein Zeichen sein, daß die
Weissagung anhebt sich zu erfüllen. Und die betörte Menge
glaubte ihrem Propheten, meinte, in diesem „Wunderweizen“
die Erstlinge des tausendjährigen Reichs zu sehen! Allerdings
redet auch der HErr von einer großen Weizenernte am Jüngsten
Tage; aber der Weizen — wer ist das? Das sind seine Gläu⸗
bigen, und das Unkraut, das zwischen dem Weizen wuchs —
wer ist das? Das sind „die Argernisse, und die unrecht tun“, die
der Menschensohn sammeln lassen wird und in den Feuerofen
werfen; da wird sein Heulen und Zähneklappern, Matth. 13, 42.
Statt sich mit phantastischen Träumen vom tausendjährigen Reich
abzugeben, sollten die Russelliten solche ernste Stellen der Heiligen
Schrift studieren und sich fragen, was Gottes Geist ihnen damit
sagen will. G.
Welche Strafe nach römischem Recht die Ketzer zu erwarten
haben. In seinen zu Rom erschienenen „Institutiones juris eccle-
siastici“ sagt Pater de Luca folgendes: „Die Kirche hat ver⸗
schiedene Strafen gegen die Häretiker (Ketzer! festgesetzt....
über die Todesstrafe ist nach Tannes folgendes zu bemerken:
1. Die weltliche Obrigkeit muß auf Befehl und im Auf⸗
trag der Kirche die Todesstrafe am Häretiker vollziehen
und kann den von der Kirche der weltlichen Gewalt übergebenen
der Todesstrafe nicht mehr entziehen. 2. Dieser Strafe ver⸗
fallen nicht nur diejenigen, welche als Erwachsene vom Glauben
gefallen sind, sondern auch jene, die getauft sind und mit der
Muttermilch die Häresie (Ketzerei! eingesogen haben und, er⸗
wachsen, sie hartnäckig festhalten. 3. Diese Strafe trifft auch,
wo sie eingeführt ist, alle rückfälligen Häretiker, auch wenn sie
sich bekehren wollen, sowie alle, die nach erfolgter Mahnung
hartnäckig sind.“ Das ist nicht die Stellung eines einzelnen
Priesters, um dessen Fanatismus sich niemand kümmert, sondern
das ist das eigentliche Prinzip des Papsttums, das alle Obrig⸗
keit zwingen will, das Schwert in den Dienst der Kirche zu
stellen und alle Ketzerei auszurotten. Wer da behauptet, das
Papsttum habe sich geändert, es verdamme selber die blutigen
Verfolgungen, die unter den Papisten des Mittelalters geschehen
sind, der kennt Rom nicht. Nach römischem Recht ist jeder ein
schändlicher, gewissenloser Mensch, ein treuloser Sohn der Kirche,
der nicht alles tut, was in seiner Macht steht, die Ketzer aus⸗
zurotten. Noch heute beansprucht der Papst ein zweifaches
Schwert, das geistliche und das leibliche: das geistliche, die Ge⸗
wissen zu regieren; das leibliche, das Schwert der Obrigkeit, um
Ungehorsam gegen sein Gesetz damit zu strafen.
(Australischer Kirchenbote.)
Erfreuliches von den deutschen Heerführern im Osten. Die
herrlichen Siege, die gerade im Osten, wo durch die furchtbare
zahlenmäßige überlegenheit der Russen die Gefahr am größten
war, errungen worden sind, werden auch von etlichen Führern
dort ausdrücklich Gott zugeschrieben. So schreibt General Litz⸗
mann, der den Durchbruch der von den Russen schon umringten
deutschen Truppen leitete, über diese glänzende Waffentat, bei
welcher die Deutschen den Russen noch 12,000 Gefangene —
mehr als die eigene Stärke — abnahmen, in einem Briefe an
seine Kusine unter anderm folgendes: „Ihre herzliche Anteil⸗
nahme an meinem Soldatenglück rührt mich tief, aber Sie dürfen
mein Verdienst nicht überschätzen. Das Beste an unsern Erfolgen
hat der gute, treue Gott getan, der unsere Herzen stählte, mir die
richtigen Entschlüsse eingab und — den von Ihnen so treffend be⸗
tonten Willen zum Siege auch dann erhielt, als alles, außer der
Waffenehre, verloren zu gehen schien. Ich wiederhole: Alles dies
war Gottes Werk; ich konnte gar nicht anders, als seiner Ein⸗
gebung folgen! Und dann — meine Jungens! Aber wie stehen
wir auch miteinander! Sie erblicken in mir ihren Vater; ich
liebe sie, meine teuren, tapferen Jungen, traure mit ihnen um
die Fallenden, suche die Verwundeten zu trösten. ... Wir sind
anfangs durch schnelle Erfolge verwöhnt gewesen; damals hatten
unsere Gegner ihre Riesenmassen noch nicht ins Feld führen kön⸗
nen, und wir waren stark. Jetzt heißt es, sich der überzahl er⸗
wehren; aber wir können das und werden siegen, wenn der Wille
zum Siegen festbleibt, und wenn hinter dem Heere ein Volk steht,
das sich mit uns eins weiß und fühlt in diesem Willen, und dann
— Gottvertrauen und sittlicher Ernst. Es ist noch keine Zeit zu
fröhlichen Festen!“ — Vom Generalfeldmarschall von Hinden⸗
burg, der bekanntlich alles, auch seine strategischen Pläne und
Entschließungen, nach ernstlichem Gebet faßt, wird neuerdings be⸗
richtet, daß er im engsten Kreise geäußert habe, er empfinde es
in seiner Arbeit, daß die Gebetskraft des deutschen Volkes nach⸗
gelassen habe. Darin mag er recht haben. Die zuerst drohende
Not der Überflutung Deutschlands durch feindliche Heere und Hor⸗
den trieb viele ins Gebet. Nachdem diese unmittelbare Not be⸗
seitigt ist, werden sie laß. Es liegt aber dem Empfinden, welches
der Feldmarschall hat, noch etwas anderes zugrunde. Viele beten
wohl noch, aber sie beten zu einem unbekannten Gott. Sie kennen
weder den lebendigen Gott, der sich in Christo, seinem lieben
Sohne, offenbart hat, noch seine teuren Verheißungen, noch
wissen sie auch den rechten Grund, auf dem wir stehen müssen
mit unserm Gebet, um erhört zu werden, nämlich das Verdienst
Christi. Und sodann beten viele mit einem bösen Vorsatz, ohne
von ihren Sünden ernstlich zu lassen. Sie wollen wohl Hilfe in
der Not, möchten gern Frieden haben, aber dann wollen sie un⸗
gestört im alten sündhaften Wesen fortfahren, das sie vor dem
Krieg getrieben haben. Es steht aber geschrieben: „Wo ich Un⸗
rechts vorhätte in meinem Herzen, so würde der SErr nicht
hören“, Ps. 66, 18; und: „Wer sein Ohr abwendet, zu hören
das Gesetz, des Gebet ist ein Greuel“, Spr. 28, 9. Hindenburgs
Klage wird zur Anklage gegen unser Volk. Und wenn wir auch ö
nicht hoffen dürfen, daß das ganze Volk sich bekehrt — denn dafür
haben wir keine Verheißung —, so sollten doch die Christen im
Volke diese Klage beherzigen und in rechtschaffener Buße Gottes
Gnade und dann seine Hilfe suchen. Das würden die Heerführer,
die sich von den Gebeten der Christen getragen wissen, bald
spüren, das würde den braven Truppen und schließlich dem ganzen
Lande zugute kommen.
die Säulen, die das Land tragen.
Gebet! (Luth. Freikirche.)
Kriegsbilder.
Eine Mitteilung aus Polen.
Das Königreich Polen ist nun seit Monaten ein Schauplatz
der blutigsten Kriegsoperationen. Auch unsere Stadt Lodz ist
nicht verschont geblieben. Neunzehn volle Tage währte eine furcht⸗
Luther sagt einmal, die Christen seien
Sie tragen es aber mit ihrem
—.—.H— *-
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