Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 14 › Seite 266
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juli 1915, Seite 266
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„„Tutheranede⸗
Zuletzt gab ich ihm die Sporen; es sprang und sank hinein
bis an den Hals. Nun war guter Rat teuer! Ich saß ab,
kletterte hinüber zur andern Seite und begann aus Leibes—
kräften zu ziehen. Das Pony half nun tapfer mit, und so
zog ich es glücklich hinüber.
In N. N. suchte ich 14 Familien auf, die alle versprachen,
zu einem englischen Gottesdienst zu kommen, da die Leute —
Norweger, Schweden usw. — kein Deutsch verstanden. Als
es an der Zeit war, den Gottesdienst anzufangen, war keine
Seele da außer den Leuten, in deren Hause der Gottesdienst
abgehalten werden sollte! Diesen taufte ich dann ein Kind.
Man sagte mir, die Leute verständen auch das Englische nicht
gut genug, um einer Predigt zu folgen.
Denke Dir, eine der Familien in P. V., die mit einem
Ochsengespann zum Gottesdienst gekommen war, war von
8 Uhr an bis 1.30 unterwegs gewesen! Von der Sorte
findet man nicht viele, wie?
Am Montag kehrte ich zurück von P. V. Ich stand um
½6 auf, fuhr um 7 Uhr weg, fuhr 46 Meilen bis 5.30,
nahm mein Abendessen ein und sah die Postsachen flüchtig
durch bis 7 Uhr, memorierte meine Silvesterpredigt bis 11.30
und arbeitete an meiner Neujahrspredigt bis 1.20 morgens.
Vom 22. Dezember bis zum 3. Januar bin ich nie vor 1 Uhr
morgens zu Bett gegangen, oft erst um 2 Uhr. Die Sonne
geht hier jetzt um ½10 Uhr auf und um 4 Uhr schon unter.
Die Leute hier, die fast gar nichts lesen, wissen nicht, wie sie
die langen Nächte zubringen sollen. Sie schlafen meistens zwölf
bis dreizehn Stunden! Wetter: schön und sonnig jeden Tag.
Temperatur: 15 bis 20 unter Null. W. A. S.
Taubstummenmission. Immer wieder macht der liebe Gott
auch unter den Taubstummen Herzen willig, sich in dem Worte
Gottes unterrichten zu lassen und ihren Glauben dann öffent—
lich zu bekennen. Am 7. Mai bekannten vor versammelter Ge⸗
meinde zu Gaylord, Minn., Herr und Frau Kuske von Arling—
ton ihren HErrn und Heiland. Mit großem Eifer lernten sie
Luthers Katechismus und Sprüche aus Gottes Wort und legten
an diesem Tage ein schönes Zeugnis ab von ihrem Glauben.
Nach der Konfirmation gingen diese beiden mit vier andern
Taubstummen, von denen drei in unserer Schule in North
Detroit konfirmiert worden sind, zum Tisch des HErrn. Jetzt
wird wieder eine Taubstumme aus Gaylord auf die Konfir—
mation vorbereitet. Gott wolle doch immer mehr unter diesen
Leuten hierzu willig machen!
Am 16. Mai wurde in St. Paul ein jüdisches taͤubstummes
Mädchen getauft. Nachdem sie unterrichtet worden war, wollte
sie zuerst heimlich getauft werden, da sie fürchtete, andere Taub—
stumme würden es ihrem taubstummen Bruder und dieser
wieder der Mutter mitteilen. Doch zuletzt wollte sie nicht
nur vor Zeugen, sondern öffentlich vor den Taubstummen ge—
tauft werden und sagte, sie würde sich nicht darum kümmern,
wenn es ihre Mutter erführe. So bekannte sie denn in einem
Taubstummengottesdienst ihren Heiland IEsum Christum und
wurde auf seinen Namen getauft. Gott gebe, daß sie treu
bleibe!
In Minneapolis werden gegenwärtig fünf erwachsene
Taubstumme unterrichtet, und diese wollen in unserm neuen
Kirchlein konfirmiert werden. In Minneapolis haben wir
nämlich eine Taubstummengemeinde von 13 stimmfähigen und
35 kommunizierenden Gliedern. Wie unsern Lesern wohl be—
kannt sein wird, wird seit einiger Zeit Geld gesammelt, um
ein Kirchlein für die Taubstummen und in Verbindung damit
eine Wohnung für den Missionar zu bauen. Vor einem Jahre
wurde ein Brief an unsere Frauenvereine gesandt mit der
Bitte, unserer Taubstummengemeinde in Minneapolis eine
Gabe für diesen Zweck zukommen zu lassen. Bis jetzt haben
nur sehr wenige dieser Bitte Folge geleistet. Wir haben etwa
noch 84000 nötig. Sollte nun irgendein Frauenverein oder
auch sonst jemand willens sein, für diesen Zweck etwas zu
geben, so wird man gebeten, es jetzt zu tun, da auf Rat der
Kommission mit dem Bau begonnen worden ist. Bisher
haben wir unsere Gottesdienste in einem Klassenzimmer des
V. M. C. A.Gebäudes abgehalten. Wie schön wird es sein,
wenn wir ein eigenes Kirchlein haben, in welchem wir zur
Ehre des Heilandes aller Menschen, auch der Taubstummen,
uns werden versammeln können! J. S.
Indien. Die statistischen Berichte unserer Missionare in
Indien für das Jahr 1914 sind eingetroffen. Wir geben hier
eine summarische Zusammenstellung.
Stationen: 11 (gleich 1913, nur wurde in der Travan⸗
core-Konferenz eine neue Bezeichnung der Felder eingeführt);
Missionare: 14 (1 weniger als 1913); Orte: 58 (14 mehr
als 1913); Evangelisten: 1; Katecheten: 16 (1 mehr); durch-
schnittliche Zuhörerzahl: 1791 (266 mehr); Katechumenen:
1584 (263 mehr); getaufte Christen: 807 (132 mehr); Kom⸗
munizierende: 210 (52 mehr); Krankenpflegerin: 1; Bei⸗
träge eingeborner Christen: R. 807.6.5 (R. 114.0.6 mehr);
Schulen: 44 (3 mehr); lutherische Lehrer: 32 (6 mehr); ge⸗
taufte Schüler: 222 (29 mehr); nicht getaufte Schüler: 1318
(206 weniger); Schulgeld bezahlt: R. 1032.10.6 (R. 156.6.1
weniger); Government Grant in Aid: R. 2452.15.10 (kein
Bericht für 1913); Heidentaufen: 114 (4 weniger); Chri⸗
stenkinder getauft: 84 (7 mehr); konfirmiert: 14 (57 weni—
ger); kommuniziert: 646 (152 mehr); getraut: 20 Paare
(11 mehr); begraben: 22 (13 weniger).
über die folgenden Punkte lag 1913 kein Bericht vor:
Grundstücke: 36; Größe der Grundstücke: etwa 83 Acker;
unsere Missionarswohnungen: 14; gemietete Missionarswoh-⸗
nungen: 2; Kapellen: 11; Pandel: 29; bessere Schulgebäude:
18; unsere Lehrerwohnungen: 13.
Bei Missionarswohnungen und Grundstücken ist das
Bergheim mitgerechnet worden.
Ein Vergleich mit der Statistik von 1913 wird zeigen,
daß das Werk unserer Heidenmission in Indien trotz der Kriegs⸗
wirren doch einen recht gesegneten Fortgang gehabt hat.
Jul. A. Friedrich.
Zur kirchlichen Chronik.
Das fünfzigjährige Jubiläum des Northwestern College zu
Watertown, Wis., wurde am 19. und 20. Juni gefeiert, während
die Wisconsinsynode ihre Jahressitzungen abhielt. Den Glück⸗
wunsch der Missourisynode und des theologischen Seminars in
St. Louis überbrachte D. F. Pieper, der auch im Namen der
Fakultät in St. Louis Herrn Prof. A. F. Ernst, Präsident der
Anstalt in Watertown, den Titel eines Doktors der Philosophie
verlieh. Während der Feier erhielten Prof. E. A. W. Krauß
von St. Louis und Prof. Olaf E. Brandt vom Norwegischen
.
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