Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 10 › Seite 145
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Mai 1901, Seite 145
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Himmelfahrt · Hinmelfahrt · Hinmelfahrt 3
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brunnen. Ossb. Joh. 14, 6.7.
Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Synode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigirt von dem Lehrer⸗Collegium des theologischen Seminars in St. Louis.
Himnmelfahrt.
Vierzig Tage verweilte Christus nach seiner siegreichen Auf⸗
erstehung von den Todten unter seinen Jüngern. Das waren
herzerquickende, selige Tage! Zwar wohnte der HErr nicht mehr
in derselben irdischen Weise bei ihnen, wie ehedem, aber dennoch
hatte er mit ihnen den allerinnigsten sichtbaren Verkehr. Weil
sie Zeugen der Wahrhaftigkeit seiner Auferstehung sein sollten,
erzeigte er sich ihnen lebendig durch mancherlei Erweisungen:
ließ sich betasten und befühlen, aß und trank mit ihnen und redete
viel aus der Schrift von seinem Leiden und der Herrlichkeit dar⸗
nach. So überwand er allmählich allen Unglauben, mit dem
sie seiner leiblichen Auferstehung gegenüberstanden, und erfüllte
ihr Herz mit der freudigen Gewißheit: Der HErr lebt!
Aber nun war auch diese Zeit verstrichen. Darum führte
er seine Jünger am letzten Tage zum Oelberge bei Bethanien.
Dort hatten sie ihn in seiner großen Niedrigkeit, als er mit dem
Tode rang, erblickt, dort sollten sie auch Zeugen der Herrlichkeit
sein, mit der der Vater ihn verklärte. — Wie Christus geliebet
hatte die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans
Ende. Waren schon süße Reden über seine holdseligen Lippen
geflossen, als er in der großen Leidensnacht den sauren Gang zum
Vater antrat, wie viel mehr in dieser Stunde, als er sich an⸗
schickte, den Gang zu vollenden! Wie vor Alters Elisa den schei⸗
denden Elias nicht verlassen wollte, so drängten die Jünger sich
heute enger als je an ihren Meister, um jeden Laut dieses Schön⸗
sten unter den Menschenkindern zu erhaschen. Ihr Herz war voll
Wehmuth und doch voll großer Freude, Luc. 24, 52. Es war
ihnen ja gut, daß er hinging. Und indem er mit ihnen redete
und sie segnete, schied er von ihnen. Mit ausgebreiteten Hän⸗
den ließ er ihnen seinen göttlichen Frieden. Er aber fuhr auf
gen Himmel. Anbetend blickten die Jünger unverwandt dem
scheidenden HErrn nach. Endlich kam eine Wolke und nahm ihn
auf vor ihren Augen weg. Doch die Jünger waren nicht traurig.
Voll Lob und Preis Gottes kehrten sie nach Jerusalem zurück.
St. Louis, Mo., den 14. Mai 1901.
Aber ist dies Scheiden Christi nicht eher ein Grund zur
Trauer als zur Freude? Nein! Wenn wir Christi Himmel⸗
fahrt recht verstehen, wird sie uns eine Quelle reichsten Trostes
werden.
Christi Himmelfahrt ist eine wirkliche Himmelfahrt ge⸗
wesen. Er hat sich nicht etwa nur verborgen, wie damals, als
die Juden ihn steinigen wollten. Viel weniger ist sein Aufsteigen
ein Gaukelspiel gewesen, mit dem es auf Täuschung der Jünger
abgesehen gewesen wäre. Sondern wie ein Vogel sich hoch und
immer höher durch die Lüfte der Sonne zuschwingt, so ward auch
der Leib Christi der Erde je mehr und mehr entnommen, bis ihn
hoch oben in den Lüften eine Wolke den Blicken der Jünger ent⸗
rückte. Da führte der HErr im Augenblick unter dem tausend⸗
fachen Hallelujajauchzen aller heiligen Engel seinen mit Ehre und
Schmuck gekrönten Leib ins Paradies ein.
Und darin liegt nun zunächst für uns gar süßer Trost.
Denn es ist ja unser Mittler, der so herrlich gen Himmel gefah⸗
ren ist. Gerade seine Himmelfahrt bezeugt laut, daß durch ihn
der Himmel den Menschen wieder geöffnet, der Zugang zum Her⸗
zen des Vaters wieder geebnet ist, und daß darum auch aller
Christgläubigen Leib einst so zum ewigen Leben Nachfahrt hal⸗
ten soll. Wie denn Christus spricht: „Wo ich bin, da soll mein
Diener auch sein“, Joh. 12, 26.; und: „Vater, ich will, daß,
wo ich bin, auch die bei mir seien, die du mir gegeben hast, daß
sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast“, Joh. 17, 24.
Aber wir müssen Christi Himmelfahrt noch nach einer ande⸗
ren Seite hin betrachten. Die Schrift sagt: „Er ward aufge⸗
haben gen Himmel und sitzet zur rechten Hand Gottes“, Marc.
16, 19.; „Gott hat Christum gesetzt zu seiner Rechten im Him⸗
mel“, Eph. 1, 20. Was mag das heißen? Heißt das: Gott
der Vater hat seinem Sohne Christo einen königlichen Sessel im
Himmel gegeben, so daß man sagen kann: Hier sitzt Gott der
Vater, und dort sitzt Gott der Sohn? Heißt das: Christus sitzt
nun droben in der Himmelsstube und ist darum nicht hier auf
Erden, gerade wie wir Menschen hier anf Erden wohl in einer
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