Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 10 › Seite 152

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Mai 1901, Seite 152

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man aus seinen Werken, aus der Schöpfung der Welt. In sei⸗ ucholen Als der Zug dann kam und seine Passagiere abgegeben

nem Wort redet er noch deutlicher zu uns und offenbart vor allem
seine Heiligkeit und Gerechtigkeit (im Gesetz), seine Liebe und
Barmherzigkeit (im Evangelium). Gott müßt ihr aus seinem
Wort erkennen, wollt ihr ihn recht erkennen und nicht irregehen.
Wer ihn in seinem Worte sucht, wird ihn finden. Wer ihn bei
den Götzen sucht, wird zuletzt den Teufel finden.

(Fortsetzung folgt.)

Unsere Emigrantenmission in Baltimore im Jahre 1900.

Im Jahre 1900 sind nicht ganz so viele Emigranten in Balti⸗
more gelandet als im Jahre 1899. Eine Hauptursache davon
war, daß die deutschen Schiffsgesellschaften so viele Schiffe her⸗
geben mußten, um deutsche Soldaten nach China zu befördern.
Der Norddeutsche Lloyd hat allein sechzehn Schiffe dazu in den
Dienst gestellt. Natürlich wurden diese Schiffe von den regel⸗
mäßigen Linien weggenommen, und dadurch kam eine Anzahl
Schiffe weniger nach Baltimore. Dann ereignete sich auch der
schreckliche Brand in New York, bei welchem drei der größten
Schiffe unbrauchbar wurden, so daß es eine Zeitlang sehr unbe⸗
stimmt war, wann die Passagiere, welche im Frühjahr hinaus⸗
gereist waren, zurückkommen könnten. Gar mancher hat da die
gewöhnlichen Bequemlichkeiten auf den Schiffen in die Schanze
schlagen müssen, um nur wieder herüberzukommen. Solche, die
ihre Plätze für die Rückreise in Verbindung mit der Hinausreise
gesichert hatten, kamen noch am besten weg. Viele von meinen
Passagieren mußten über New York zurückkommen, weil über
Baltimore keine Plätze mehr zu haben waren.

Was meine eigentliche Arbeit betrifft, nämlich den Fremd⸗
lingen behülflich zu sein, unsere liebe lutherische Kirche auch im
neuen Vaterlande zu finden, und ihnen auch in leiblicher Hinsicht
an die Hand zu gehen und zu dienen, so habe ich jede Gelegenheit
hierzu wahrgenommen. An mich gewiesen waren 200 Passagiere.
Solche suche ich stets zuerst auf. 225 deutsche Protestanten, welche
nicht direct an mich gewiesen waren, habe ich an unsere Pastoren
an dem Orte, wo sie hinzogen, gewiesen. Manche haben diese
Anweisung mit Dank angenommen, andere dagegen waren gleich⸗
gültig in der Sache. Die Gleichgültigkeit gegen Gottes Wort
und Kirche scheint fast zuzunehmen unter unseren deutschen Ein⸗
wanderern. Das erfuhr auch einer unserer Pastoren bei einem
jungen Mädchen, welches er auf meine Anzeige hin aufsuchte, um
sie zu bewegen, in seiner Familie in den Dienst zu treten. Als
sie zusammen in der Straßenbahn durch die Stadt fuhren, kamen
sie auch bei einem großen Gebäude vorbei. Ganz enthusiastisch
fragte das Mädchen, was das für ein Gebäude sei. Der Pastor
sagte ihr, es sei ein Theater. Darauf fragte sie, ob es auch
deutsche Theater in der Stadt gäbe; nach einer deutsch⸗luthe⸗
rischen Kirche hat sie aber nicht gefragt.

Im letzten Jahr konnte ich auch etlichen behülflich sein, Ar⸗
beit zu bekommen, wofür dieselben dankbar waren. Die meiste
Arbeit verursachen bisweilen solche Passagiere, welche von Ame⸗
rica nach Deutschland reisen und vorher nicht ordentlich die Zeit
angeben, zu der sie in Baltimore ankommen, oder die Bahn, mit
der sie reisen. Ich bin schon Nachts um zwölf Uhr, ja, schon
um drei Uhr Morgens am Bahnhofe gewesen, um Passagiere ab⸗

hatte, waren meine Leute nicht dabei. Nachher kamen sie zur un⸗
erwarteten Zeit, vielleicht auf einer ganz andern Bahn, und be⸗
zahlten §1.00, auch 51.50 für eine Kutsche, während sie doch auf
der Straßenbahn für 5 Cents bis an mein Haus hätten fahren
können. Am besten ist es, wenn solche sich an die Polizei wen⸗
den, die ihnen genaue Auskunft gibt, wie man für 5 Cents an
Ort und Stelle kommen kann.

Weil wir hier in Baltimore nicht unser eigenes Heim haben,
bin ich gerne bei der Ankunft der Passagiere am Bahnhof, um
diese, je nach ihren Geldmitteln, in ein ordentliches Gasthaus zu
bringen. Unter Umständen nehme ich auch Damen, welche ganz
allein reisen, in meine Wohnung auf. Für Hinausreisende ist
unser Missionsdienst auch in anderer Hinsicht schätzenswerth, denn
wir können ihnen manchen Dollar ersparen, besonders auch bei
der Beförderung ihres Gepäcks vom Bahnhof an das Schiff.
Ich bin gerne bereit, irgend jemandem diese Dienste zu leisten.

In Baltimore landeten im verflossenen Jahre 19,154 Passa⸗
giere. Davon waren 2165 Deutsche, 11,984 kamen aus Oester⸗
reich⸗Ungarn, 4893 waren Russen, 7 Italiener, 3 Schweden ꝛe.

Ich erlaube mir, hier noch etliche statistische Angaben über die
Einwanderung in unser Land mitzutheilen. Im Ganzen kamen im
letzten Jahre 448,512 Passagiere an. Unter diesen waren 93,576,
welche weder lesen noch schreiben konnten, darunter 1348 Deutsche
und 39,150 Italiener. Die Einwanderer brachten 56,657,530.00
mit sich, davon die Deutschen 8847,062.00. Im Jahre 1885
kamen 124,443 Deutsche und 27,309 aus Oesterreich⸗-Ungarn,
in letztem Jahre 18,507 Deutsche und 114,847 aus Oesterreich⸗
Ungarn. Die größte Zahl Einwanderer kam im Jahre 1882
herüber, nämlich 788,992, die kleinste Zahl im Jahre 1862:
89,007 Personen.

Daß die Emigrantenkasse der Regierung nicht schlecht bestellt
ist, zeigen folgende Zahlen. In Baltimore sind §104, 122.00, in
New York 5676,768.00 in Kasse, im ganzen Lande 51,087,069.00.
Dieses Geld kommt durch die Kopfsteuer auf die Passagiere zu⸗
sammen.

In geschäftlicher Hinsicht hat unsere hiesige Emigranten⸗
mission auch eine Zunahme gegen das Vorjahr aufzuweisen, ob⸗
gleich wir unsere Ausgaben nicht ganz gedeckt haben. Mein
Geldumsatz betrug 84465.25. An Commission wurden verdient
5270.41. An Collecten gingen ein 5219.39. An Arme wurden
verausgabt 835.00. Briefe erhielt ich 490, geschrieben habe
ich 500. Vertheilt wurden 800 Kalender und 1800 Tractate,
„Lutheraner“, „Missions⸗Taube“, „Stadtmissionar“ und andere
Schriften.

So haben wir auch dieses Mal dem lieben Gott herzlich zu
danken, daß er uns so gnädig geholfen hat. Wir bitten auch
fernerhin um seinen reichen Segen für unsere geringe Arbeit.
Ihm sei auch diese Mission befohlen.

H. Stürken,

1927 Mchlderry Street, Baltimore, Md.

Die Christen sollen wissen, daß sie schuldig sind, mit Göt⸗
tes Gaben Gott zu dienen. Also wird aber Gott gedienet, so sie
derselben brauchen zu Nutz und Dienst der Leute, daß sie davon ge⸗
bessert und zu Gottes Erkenntniß gebracht werden. (Luther.)

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