Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 10 › Seite 154

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Mai 1901, Seite 154

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Der TutheranetEss

Und das alles thut die rein bürgerliche Spitalverwaltung oder viel⸗
mehr der atheistische Stadtrath unter dem Vorwand, daß die Ge⸗
wissensfreiheit der Kranken gewahrt werden muß. Wo bleibt da die
so hoch gepriesene Toleranz und Duldsamkeit in religiösen Dingen?
Es ist gewöhnlich so: Die Ungläubigen und Freigeister beanspruchen
für sich die größte Freiheit und Duldung. Aber sie selbst sind die un⸗
duldsamsten, fanatischsten Leute, die man sich denken kann. L. F.
Die deutschen Vereine für Leichenverbrennung bieten alles
auf, um für ihre heidnische Bestattungsweise Anhänger zu gewinnen,

besonders auch, um die staatliche Erlaubniß dafür zu erlangen, daß die

landeskirchlichen Prediger am Sarge solcher, die zur Verbrennung
übergeführt werden, amtiren dürfen. So hat kürzlich eine Pastoral⸗
conferenz in Sachsen beschlossen, bei dem Landesconsistorium um
diese Erlaubniß nachzusuchen. Auch ist dort ein Erlaß ergangen, daß
Urnen mit der Asche der Verbrannten auf den Friedhöfen aufbewahrt
werden dürfen. In Württemberg ist im Landtag der Antrag auf
Zulassung der Leichenverbrennung mit 45 gegen 25 Stimmen ange⸗
nommen worden. Und auch in andern deutschen Ländern gewinnt die
Leichenverbrennung Anhänger. Zu welchen Ungerechrigkeiten jedoch
sich diese Leute bisweilen hinreißen lassen, zeigt ein aus Sachsen be⸗
richteter, fast unglaublich klingender Vorfall, der in der „Allgemeinen
ev.⸗luth. Kirchenzeitung“ mitgetheilt ist: „Ein gewisser H. in H. bei
Ch. hatte im Mai vorigen Jahres unter Beitritt zu dem Verein für
Leichenverbrennung in Ch. ein Schriftstück vollzogen, nach welchem
seine Leiche einmal verbrannt werden sollte. In der letzten Woche
aber vor seinem Tode, der im Juli erfolgte, und zumal nach seines
Nachbars Tode, hatte er mehrfach geäußert, man möge ihn nur be⸗
erdigen. Die Wittwe bestellte denn auch die Beerdigung auf dem
Pfarramte. Aber da erschien ein Vertreter jenes Vereins bei ihr und
erklärte, die Verbrennung müsse stattfinden, und, wie dann auch ein
Schreiben des Vereins besagte, wenn die Leiche beerdigt wäre, müsse
sie auf Kosten der Hinterlassenen ausgegraben werden; sollten diese
sich aber weigern, würde der Verein den Proceßweg beschreiten. Die
Hinterlassenen nun ließen sich einschüchtern, wollten einem Processe
und den Kosten aus dem Wege gehen und erbaten und erlangten nur
Beisetzung der Asche des in Gotha verbrannten Leichnams auf dem
Ortsfriedhose. Das Pfarramt aber legte die Angelegenheit der Kirchen⸗
inspection vor und fragte an, was eigentlich hier Rechtens sei; der
Verein arbeite mit einem gewissen Hochdruck auch sonst, habe einige
Anhänger in der Gemeinde, die jedoch Anstoß nehme; die Hinterlasse⸗
nen kämen durch solches Vorgehen in peinlichste Verlegenheit.“ Die
Angelegenheit wurde bis vor den Minister gebracht, der mit Recht dem
Verein für Leichenverbrennung seine schärfste Mißbilligung dieses Vor⸗
kommnisses aussprechen ließ. L. F.

Die Arbeit christlicher Missionare in Indien wird an manchen
Orten sehr erschwert durch die Verbreitung christenfeindlicher Schriften.
Eine größere Anzahl wöchentlicher Zeitungen erscheint in den indischen
Landessprachen, welche ausgesprochenermaßen den Kampf des Heiden⸗
thums gegen das Christenthum führen und aller christlichen Missions⸗
arbeit entgegenwirken. In den großen Städten Lucknow und Cawn⸗
pore gibt es viele Pressen, die fast ausschließlich antichristliche Literatur
drucken und verbreiten. Buddhistische Priester übersetzen die Schmäh⸗
und Lästerschriften des verstorbenen Spötters Ingersoll, um die Arbeit
der Missionare zu untergraben, und den an den höheren Anstalten Stu⸗
direnden werden bei ihrem Abgang ganze Pakete ungläubiger Schriften
eingehändigt, um sie in ihrer Geringschätzung des Evangeliums und
in ihrem Haß gegen das Christenthum zu bestärken. Der Teufel bietet
eben alles auf, um die armen, blinden Heiden in ihrer Finsterniß und
in seiner Gewalt festzuhalten. .F.

Bibelverbreitung auf den Philippinen. Ein Agent der Ame⸗
ricanischen Bibelgesellschaft berichtet von lebhafter Nachfrage nach der

Bibel auf den Philippineninseln. „Wir fanden“, heißt es in der
„Luth. Kirchenzeitung“, „den Marktplatz gedrängt voll Menschen, und
als wir anfingen, die heilige Schrift zu verbreiten, waren wir bald
von vielen Leuten umgeben, die das seligmachende Wort von uns
kauften, so schnell, als wir nur im Stande waren, den Wechsel heraus⸗
zugeben. In kurzer Zeit war jedes Buch, welches wir in der Landes⸗
sprache an Hand hatten, verkauft, und als wir später durch die Markt⸗
buden gingen, sahen wir überall die Leute sitzen und in der heiligen
Schrift lesen. Ich kann es nicht aussprechen, wie groß mein Ver⸗
langen war, ihnen Worte des Raths und der Anweisung in ihrer
Sprache zu sagen, doch mußte ich mich damit begnügen, ihnen beson⸗
dere Stellen der heiligen Schrift zu zeigen und zuzuhören, wie sie die
Einladungen Christi immer wieder und wieder lasen.“ Solche Nach⸗
richten von diesen bisher dem Antichrist ganz und gar ergebenen Insel⸗
bewohnern sind hocherfreulich. Aber wenn doch nun auch alle, die
jenen das heilige Gotteswort auslegen wollen und sollen, reine Lehrer
wären! L. F.
Ueber die Mission unter den Muhammedanern spricht sich
P. W. Faber in Berlin, der früher in der Judenmission arbeitete, jetzt
aber besonders für die Muhammedanermission wirkt, in einem Missions⸗
blatt folgendermaßen aus: Ist Christus nicht auch für die zweihundert
Millionen Muhammedaner gestorben? Ist es nicht beschämend, daß
in der Gegenwart die Lehre des falschen Propheten Muhammed sich weit
schneller in der Welt ausbreitet als das Christenthum? Mindestens
zwanzigmal so viel Heiden treten jährlich in Africa zum Islam über,
als zum Christenthum. Das Feld dieser Mission ist reif zur Ernte!
Welche enormen Fortschritte hat die Nordafrica-Mission in den letzten
fünfzehn Jahren gemacht. Aus kleinen Anfängen herausgewachsen,
hat sie schon ganz Nordafrica mit Stationen übersäet. Es stehen dort
123 Missionsarbeiter unter den Muhammedanern. Die Gesellschaft
braucht dringend noch mehr Kräfte. Wir hoffen, aus unserem Missions⸗
seminar in einigen Jahren, wenn die fünfjährige Studien⸗ und Vor⸗
bereitungszeit einiger unserer Zöglinge vorüber ist, Missionsarbeiter
auch dorthin abgeben zu können. Fast zu gleicher Zeit mit der Vollen⸗
dung der Uebersetzung unseres kurdischen Neuen Testamentes ist in Nord⸗
africa das Neue Testament für die Kabylen, die um Hippo Regius, den
alten Bischofssitz Augustins, herumwohnen, vollendet worden. So ist
der Beginn des neuen Jahrhunderts verheißungsvoll für die Muham⸗
medanermission gekennzeichnet durch die drei neuen Bibelübersetzungen
für muhammedanische Völker: die kaschgarische von Johannes Aweta⸗
ranian, die kabylische und unsere kurdische. L. F.

Aus Welt und Zeit.

Unfittliche Angriffe. Die unsittlichen Attentate, Lustmorde und
ähnliche Schandthaten gegen das sechste Gebot, schreibtExcelsior“,
häufen sich hierzulande seit einiger Zeit in einer Weise, die alle wohl⸗
meinenden Bürger und vorab Eltern mit Angst und Schrecken erfüllen
muß. Seit fast dreißig Jahren können wir uns keines Zeitabschnitts
erinnern, in welchem die Verbrechen dieser Art sich so entsetzlich ver⸗
mehrt hätten, wie gegenwärtig. Wie eine Hochfluth verbreiten sie sich
uͤber das ganze Land. Besonders verwundern kann man sich darüber
freilich nicht. Wie die Saat, so die Ernte. Und was ist das für eine
Saat? Zunächst eine Erziehung ohne Gott und Gottes Wort, die
niemanden anleitet und in Stand setzt, die Leidenschaften zu zügeln.
Dazu kommen vielfach: mangelnde Aufsicht im Elternhause; die im⸗
mer mehr überhandnehmende Sensationspresse mit ihren zahlreichen
schamlosen Abbildungen; schmutzige Theater⸗Reclame⸗Zettel an jeder
Straßenecke und in zahllosen Schaufenstern, die oft schon die kindlichen

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