Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 10 › Seite 146

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Mai 1901, Seite 146

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Himmelfahrt · Hinmelfahrt 3 · Gemeindeſchule

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146

S Der „Tutheranebss

Stube sitzen und darum nicht droben im Himmel sind? Das sei
ferne! Das wären ja kindische Gedanken über göttliche Dinge!
„Er sitzet zur Rechten Gottes“ heißt: Gott hat Christum, unsern
Heiland, unsern Bruder, unser Fleisch und Bein, auf den Thron
der göttlichen Majestät gesetzt, so daß auch der Mensch IEsus
mit Gott über alles im Himmel und auf Erden und unter der
Erde gegenwärtig und mächtig herrscht und regiert, Phil. 2,

9. 10.; ja, daß Gott nur durch Christum, unsern Bruder, sein

göttliches Regiment an allen Orten übt, 1 Cor. 15, 25. Gott
hat Christum zum HErrn gemacht über seiner Hände Werk; alles
hat er ihm unter seine Füße gethan, Ps. 8, 7. Es ist nichts,
das Christo nicht unterworfen wäre, und zwar nicht allein in
dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen, Eph. 1, 21. Weil
es Gottes Wohlgefallen war, daß in Christo alle Fülle der Gott⸗
heit leibhaftig wohnen sollte, Col. 2, 9., darum ist nun nach der
Himmelfahrt Christi durchaus kein Wirken Gottes mehr, außer
durch die mit dem Sohne Gottes auf ewig vereinigte menschliche
Natur unsers HErrn. „Es bestehet alles in ihm“, Col. 1, 17.
Darum spricht Petrus: „So wisse nun das ganze Haus Israel
gewiß, daß Gott diesen IEsum, den ihr gekreuziget habt, zu
einem HErrn und Christ gemacht hat“, Apost. 2, 36. Und
Paulus sagt: „Alle Zungen sollen bekennen, daß JEsus Chri⸗
stus der HErr sei, zur Ehre Gottes des Vaters“, Phil. 2, 11.

Das darfst du aber nicht so verstehen, als ob IEsus nicht
vorher HErr gewesen, oder als ob er jetzt erst wieder HErr ge⸗
worden wäre. Nach seiner Gottheit war er immer in der Herr⸗
lichkeit und hatte und gebrauchte zu aller Zeit, selbst auf der
tiefsten Stufe seiner Erniedrigung, seine göttliche Majestät. Nach
seiner Menschheit war er von dem ersten Augenblick seiner Em⸗

pfängniß an durch die Mittheilung der Eigenschaften im vollkom⸗

menen Besitze der Herrlichkeit und hatte, aber gebrauchte
nicht immer seine göttliche Majestät. Dies nennt die Schrift
die Erniedrigung Christi, Phil. 2, 7. Bei seiner Auferstehung
nahm er zwar nach seiner Menschheit den Gebrauch seiner gött⸗
lichen Majestät wieder an sich, aber zu ihrer beständigen, unein⸗
geschränkten und völligen Uebung schritt er erst, als er sich in
seiner Himmelfahrt zur Rechten des Vaters setzte. Das nennt
die Schrift die Erhöhung Christi, Phil. 2, 9. Darum ist die
Himmelfahrt zugleich Christi Thronbesteigung, der Antritt seines
gott menschlichen Regiments über das ganze Königreich Gottes.
Die Rechte Gottes aber ist nicht ein besonderer Ort im Himmel,
sondern Gottes ewige Macht und Majestät, Matth. 26, 64.
Hebr. 1, 4.

Nun merke! Gerade weil Christus nach seiner Mensch⸗
heit zur Rechten Gottes sitzt, können wir uns seiner Himmel⸗
fahrt von Herzen freuen.
brauchte er seine Allgegenwart nicht immer; zur Rechten Gottes
erhöht, gebraucht er sie stets. Wo auf dem weiten Erdenrund
ein Kind Gottes weilt, kann es sich getrösten, daß sein Heiland,
Gott und Mensch, bei ihm ist. Im Stande der Erniedrigung
gebrauchte Christus seine Allwissenheit nicht immer; zur Rechten
Gottes erhöht, gebraucht er sie stets. Wo auf dem weiten Erden⸗
rund ein Kind Gottes weilt, kann es sich getrösten, daß sein Hei⸗
land, Gott und Mensch, alle Sorgen kennt, auch das geheimste
Verlangen des Herzens weiß. Im Stande der Erniedrigung ge⸗
brauchte Christus seine Allmacht nicht immer; zur Rechten Got⸗
tes erhöht, gebraucht er sie stees. Wo auf dem weiten Erden⸗

Im Stande der Erniedrigung ge⸗

Belehrung gab er in der Form eines Gleichnisses.

rund ein Kind Gottes weilt, kann es sich getrösten, daß sein
Heiland, Gott und Mensch, alle Gefahren zerstreuen und über
Bitten und Verstehen helfen kann und wird.

Und endlich: Christi Sitzen zur Rechten Gottes gibt bestän⸗
digen Trost in aller Sündennoth. In den Tagen seines Fleisches
hat er, als der rechte Hohepriester, sich selbst für die Sündenschuld
der Welt geopfert, hat mit seinem heiligen, theuren Blut und
mit seinem unschuldigen Leiden und Sterben in Ewigkeit für die
Missethat aller Menschen genuggethan. Aber Christus ist auch
heute noch Hoherpriester. Er bleibt ein Priester ewiglich. Er
ist eingegangen in den Himmel, nun zu erscheinen vor dem An⸗
gesichte Gottes für uns, Hebr. 9, 24. Nun will er uns nicht
mehr versöhnen, denn das hat er gethan einmal, sondern will
uns die erworbene Versöhnung zuwenden. Er ist ein barmher⸗
ziger Hoherpriester, der versucht worden ist allenthalben gleichwie
wir; er kann Mitleid haben mit uns in unserer Schwachheit.
Er kann helfen denen, die versucht werden. Er lebt immerdar
und bittet für uns. Nun soll niemand auch bei der schwersten
Sündenschuld verzweifeln! Wir haben einen Fürsprecher bei dem
Vater, IEsum Christum, der gerecht ist. Sein Blut redet besser
denn Abels Blut. Wer will verdammen? „Christus ist hie, der
gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferwecket ist, welcher ist
zur Rechten Gottes, und vertritt uns“, Röm. 8, 34.

Aber freilich, aus Liebe und Dank sollen wir uns nun auch
reinigen von den vorigen Sünden, sollen trachten nach dem, das
droben ist, da Christus ist. Unser Sinn soll nicht mehr irdisch
sein. Wie Christus, unser Haupt, im Himmel ist, so sind auch
wir in ihm ins himmlische Wesen versetzt. So soll unser Wan⸗
del im Himmel sein. Wie lange dauert's, dann wird Christus,
unser Leben, sich in seiner Herrlichkeit offenbaren! O daß wir
dann nicht zu Schanden werden müssen vor ihm in seiner Zu⸗
kunft! Wer überwindet, der soll mit Christo alles ererben. Das
ist die Verheißung: „Wer überwindet, dem will ich geben, mit
mir auf meinem Stuhl zu sitzen; wie ich überwunden habe, und
bin gesessen mit meinem Vater auf seinem Stuhl“, Offenb. 3, 21.

„Siehe, ich komme bald!“

Amen. Ja, komm,‚ HErr IEsu! Friedr. B.

Warum ist eine lutherische Gemeinde trotz der geforderten
Opfer eine treue Pflegerin der christlichen
Gemeindeschule?

3.

Im dreizehnten Capitel des Evangeliums St. Matthäi wollte
der HErr Christus das Volk und seine Jünger belehren, welche
Zukunft das Reich Gottes hier auf Erden haben würde. Diese
Er sprach
nämlich: „Das Himmelreich ist gleich einem Senfkorn, das ein
Mensch nahm und säete auf seinen Acker, welches das kleinste ist
unter allem Samen; wenn es aber erwächst, so ist es das größeste
unter dem Kohl und wird ein Baum, daß die Vögel unter dem
Himmel kommen und wohnen unter seinen Zweigen.“ Was der
HErr IEsus mit diesem Gleichniß vom Senfkorn gemeint hat,
ist leicht zu sagen. Es war offenbar dieses: Der Anfang des
Reiches Gottes wird überall zuerst ein kleiner, geringer und un⸗

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