Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 10 › Seite 149

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Mai 1901, Seite 149

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Abbitte 1 · ö Abbite · Aergernis 10 · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule · Gemeindeſchule 31 · Unterrichtsfächer 2

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dieser nachhaltige Eindruck gibt ihm mit Hülfe des Heiligen Geistes
für die Zukunft den rechten Kurs.

O, wie herrlich werden also unsere Kinder in unsern christ⸗
Elichen Schulen für ihr Leben zubereitet! Welch eine treffliche
Waffenrüstung wird ihnen in denselben auf ihren späteren Lebens⸗

weg mitgegeben! Mögen sie dann auch von Falschgläubigen und

Ungläubigen umgeben sein, so werden sie durch Gottes Kraft ihre
Waffen recht gebrauchen können und für ihr lutherisches Zion,
das sie liebgewonnen haben, tapfer kämpfen und streiten. Sie
werden sich als treue Glieder unserer lutherischen Kirche erweisen
und ihr mit Gottes Hülfe bis zu ihrem seligen Sterbestündlein
anhangen. Unsere Kirche wird durch sie wachsen und zunehmen.
Die Liebe zu unserer theuren lutherischen Kirche sollte uns daher
antreiben, treue Pfleger unserer christlichen Schule zu sein, damit
ihr daraus die künftigen Glieder und Kämpfer erstehen.

Es wird jedoch hier dieser und jener sagen: „Erfahren wir
aber nicht, daß alljährlich solche, welche einen guten christlichen
Unterricht in unsern Schulen genossen haben, abfallen und ent⸗
weder dem Irrglauben oder ganz dem Unglauben anheimfallen?“
Darauf müssen wir leider mit Ja antworten. Trotzdem behaup⸗
ten wir, daß dieser Einwurf gegen unsere Schulen, wenn er be⸗
sagen soll, daß unsere Schulen ihren Zweck nicht erfüllen, nicht
stichhaltig ist. Wenn wir aus diesem Grunde unsere Schulen
eingehen lassen sollten, weil nicht alle Schüler der lutherischen
Kirche treu bleiben, so müßten wir auch unsere Kirchen zuschließen.
Denn geschieht es nicht auch, daß solche, welche Jahre lang unter
dem Schalle der reinen Predigt gelebt haben, abfällig werden?
Dieser Vorwurf erinnert uns aber auch an eine Geschichte. Von
New York fuhr ein Schiff nach Bremen ab. Auf dem Schiffe
waren fünfhundert Passagiere. Unterwegs entstand ein furcht⸗
barer Sturm, und von den Passagieren fielen fünf über Bord und
kamen in den Wellen um. In den nächsten Tagen redete man
auf dem Schiffe von nichts anderem als von dem schrecklichen
Ende der fünf Umgekommenen; von den vierhundertfünfund⸗
neunzig Geretteten sprach man nicht. Hast du, der du von den
Abgefallenen redest, schon einmal diejenigen gezählt, welche treu
bleiben? treu bleiben durch Gottes Gnade in den so großen
Versuchungen und Gefahren unseres Landes? Wissen wir nicht,
daß es schon ganze Gemeinden in unserer Synode gibt, welche fast
nur aus solchen bestehen, welche unsere Gemeindeschulen besucht
haben? Sicherlich, jedermann wird zugeben müssen: Durch die
Errichtung und Erhaltung einer christlichen Schule sorgt eine Ge⸗
meinde am besten für ihr eigenes Fortbestehen und somit auch für
das Fortbestehen unserer lutherischen Kirche.

Erkennen wir aber dieses, so darf uns auch das Opfer nicht
zu groß sein, das wir für die Pflanzstätten unserer lutherischen
Kirche darbringen müssen. Betrachten wir doch einmal, welch
große Opfer die Bürger eines Staates darbringen, um diesen sich
und ihren Nachkommen zu erhalten. Sie lassen es sich nicht nur
ihr Geld und Gut kosten, sondern sie schlagen für die Erhal⸗
tung ihres Staates auch ihr Leben in die Schanze.
kämpfen sie Jahre lang. Mögen sie auch von Haus und Hof
vertrieben werden, so achten sie dies doch gering gegen das, was
ihr Vaterland ihnen und ihren Kindern werth ist.

Unermüdet

Wenn nun

es uns gerne ein Opfer kosten zu lassen? Das Opfer ist ja nur
ein sehr geringes, welches von uns gefordert wird: es sind einige
Dollars. Die sollten wir doch sicherlich gerne daran wenden, um
unsern Christenkindern einen ordentlichen Unterricht im lutheri⸗
schen Katechismus und in der biblischen Geschichte in einer Ge⸗
meindeschule geben zu lassen. Denn wenn wir dieses thun, so
überliefern wir unsern Kindern die reine Lehre des Wortes
Gottes, und unsere lutherische Kirche wird dann durch Gottes
Gnade ebenso bei unsern Nachkommen blühen und gedeihen wie
bei uns. Schon in der Schule werden die Kinder unsere Kirche
liebgewinnen und mit Gottes Hülfe ihr bis zum Tode treu
bleiben.

Sollen nun aber unsere Gemeindeschulen Pflanzstätten un⸗
serer lutherischen Kirche sein, so muß allerdings dieser Zweck auch
stets im Auge behalten werden. Wir dürfen den eigentlichen
Zweck und das eigentliche Ziel unserer lutherischen Gemeinde⸗
schulen nie vergessen. Das thut man aber, wenn man auf Kosten
des Religionsunterrichtes zu viel Gewicht legt auf das weltliche
Wissen, das auch in unsern Schulen gelehrt wird. Man thut es,
wenn man es zur Hauptaufgabe unserer Schulen macht, mit den
Staatsschulen in allen Stücken gleichen Schritt zu halten. Die
weltlichen Unterrichtsgegenstände, wie Schreiben, Rechnen, Eng⸗
lisch, Geographie und Geschichte, sollen auch in unsern Schulen
gelehrt werden und sie sollen auch mit allem Eifer getrieben
werden. Unsere Lehrer sollen auch in diesen Stücken allen Fleiß
anwenden. Aber sie sollen nicht die Hauptsache sein. Unsere
Schulen sind in erster Linie nicht dazu da, daß wir darin tüchtige
Geschäftsleute ausbilden, sondern daß wir aus unsern Kindern
eifrige Lutheraner machen und sie als Bürger für den Himmel
erziehen. „Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach
seiner Gerechtigkeit“: dies Wort des Heilandes gilt auch von der
christlichen Schule. Die Kinder müssen sich immer bewußt sein,
daß in unsern Schulen der Religionsunterricht der Hauptunter⸗
richt ist. Die Katechismuswahrheiten der christlichen Lehre sollen
vor allen andern Dingen gelehrt, und die Kinder darin fest ge⸗
gründet werden.

Will also in einer unserer Gemeinden der Gedanke Wurzel
fassen, als ob in unseren Schulen Rechnen, Schreiben, Englisch ꝛc.
die Hauptsache seien, und daß die Kinder nachher beim Pastor im
Confirmandenunterricht noch genug Religion lernen könnten, so
soll diesem Gedanken mit aller Macht entgegengearbeitet werden.
Durch stete Belehrung in aller Geduld, aber auch mit aller Ent⸗
schiedenheit, soll gezeigt werden, wozu wir unsere Schulen eigent⸗
lich errichten und unterhalten, damit ja nicht mit der Zeit das
Ziel derselben verrückt werde. Ja, Gemeinde, Pastor und Lehrer
sollen stets dessen eingedenk sein, daß unsere christlichen Gemeinde⸗
schulen nach Gottes Willen zum Seelenheil der Kinder Pflanz⸗
stätten der lutherischen Kirche sind. O, wenn in diesem Sinne
unsere Schulen geleitet und geführt werden, dann können wir
von einer jeden derselben ausrufen und sagen: Hier ist eine hei⸗
lige Stätte, hier ist ein Vorhof des Himmels! Und Gott sei
Dank, daß wir dies noch von unsern lutherischen Gemeindeschulen
sagen können!

O darum, du lutherischer Christ, du lutherische Gemeinde!

Bürger eines Staates bereit sind, für ihr Vaterland Gut und pflege deine christliche Schule. Aus ihr erwachsen dir Glieder

Blut, Leib und Leben zu opfern, sollten wir Christen dann nicht
noch viel mehr bereit sein, um unseres lutherischen Zions willen

für deine lutherische Kirche.
das du für diese darbringst.

Laß dich nicht das Opfer reuen,
Es trägt dir und deinen Kindern

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