Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 10 › Seite 147
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Mai 1901, Seite 147
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeſchule · Gemeindeſchule
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scheinbarer sein. Durch die Kraft des lebendigen und kräftigen
Wortes Gottes aber, gleichwie das Senfkorn durch den Thau
und Regen vom Himmel, wird es zunehmen und wachsen, so daß
—endlich die Zweige des Reiches Gottes sich über die ganze Erde
hin erstrecken werden. Das Reich Gottes wird sich überall ver⸗
mehren und ausdehnen.
Was nun JeEsus hier von der christlichen Kirche im Allge⸗
meinen sagt, nämlich daß sie zunehmen und wachsen werde, das
gilt auch von der wahren sichtbaren Kirche Gottes hier auf Erden,
von unserer evangelisch⸗lutherischen Kirche. Ja, der HErr zeichnet
damit auch ein Bild des Theils unserer lutherischen Kirche, welcher
seine Stätte hier in America gefunden hat. Was für ein kleines
Körnlein war nicht unsere lutherische Kirche noch vor fünfzig
Jahren hier in America, und zu welch einem großen Baum ist
sie seitdem emporgewachsen! Fast über ganz America erstrecken
sich ihre Aeste und Zweige, und in dem Schatten dieses gewal⸗
tigen Baumes finden jetzt viele, viele Seelen Labung und Er⸗
quickung. Das alles ist durch Gottes Gnade aber nur die Frucht
des treuen Säens des göttlichen Samens.
Mit der Beschreibung des Wachsthums seiner Kirche gibt
der HErr nun aber keiner Kirchengemeinschaft die Verheißung,
daß sie zunehmen und wachsen werde, wenn sie den Samen des
göttlichen Wortes nicht dazu gebraucht, ihn mit unermüdlichem
Fleiße auszustreuen. Anstatt des Wachsthums wird dann Ver⸗
kümmerung, ja, Verdorrung eintreten. Wie manche Kirchen⸗
gemeinschaft blühte nicht schon längere Zeit wie ein herrlicher
Baum; aber als sie im Besäen und in der Bearbeitung des
Ackers träge und saumselig wurde, hörte sie auf zu wachsen und
zu gedeihen, ja, verschwand endlich ganz, so daß ihre Stätte nicht
mehr gefunden werden kann. Denken wir nur an die herrlichen
kleinasiatischen Gemeinden! Diese blühten eine Zeitlang schön;
als aber die Christen gleichgültig gegen das Wort Gottes wur⸗
den und sich nicht mehr um die Ausbreitung desselben kümmer⸗
ten, verschwanden sie von dem Erdboden. Ein ähnliches Los
würde nun auch unsere lutherische Kirche hier in America treffen,
sobald wir uns um deren Fortbestand nicht mehr kümmern wollten.
Sie würde und müßte dann auch untergehen.
Das einzige Mittel freilich, wodurch wir das Fortbestehen
unserer Kirche sichern können, ist das lebendige und kräftige Wort
Gottes. Denn allein das Evangelium ist „eine Kraft Gottes,
die da selig machet alle, die daran glauben“. Welches sind nun
aber die Gelegenheiten, welche die Kirche benutzen soll, um den
Samen des göttlichen Wortes auszustreuen und so ihr Fort⸗
bestehen zu sichern? Die eine ist, daß durch die Predigt Er⸗
wachsene, welche ihr nicht von Kindheit auf angehört haben, her⸗
zugeführt und ihr eingereiht werden. Zu diesem Zwecke treibt
unsere Kirche Mission. Die andere Gelegenheit ist, daß die Kin⸗
der, welche bereits im Schooße unserer Kirche geboren sind, das
heißt, welche bereits lutherische Eltern haben, durch einen christ⸗
lichen Unterricht in Gottes Wort ihr erhalten werden. Damit
unsere Kirche bis an das Ende der Tage bestehen bleibe, sollen
wir nicht allein Erwachsene hereinbringen, sondern vor allen
Dingen ihre Reihen durch die Kinder, welche bereits in ihren
Grenzen geboren sind, vermehren und stärken. Das wäre doch
eine große Thorheit, wenn wir zwar mit allem Eifer dafür arbei⸗
teten, erwachsene Juden und Heiden zu lutherischen Christen zu
machen, uns aber um unsere getauften lutherischen Christenkinder
nichts oder doch nur wenig bekümmern wollten! Beides sollen
wir thun: erwachsene Juden und Heiden durch die Missions⸗
predigt in die lutherische Kirche hineinführen und die lutheri⸗
schen Christenkinder durch einen guten und fleißigen Unterricht
in Gottes Wort ihr erhalten.
Wenn freilich unsere lutherische Kirche nicht das reine Wort
Gottes und die unverfälschten Sacramente besäße, so wäre es Un⸗
recht und Sünde, wenn wir ihr weiteres Fortbestehen wünschten.
Wir müßten uns dann vielmehr von ihr trennen und den ernsten
Wunsch hegen, daß sie alsbald in Trümmer zusammenfiele. Wir
müßten dann wünschen, daß ihr keine neuen Glieder mehr zuge⸗
führt würden. Wir müßten dann auch unsere Kinder von dem
Anschluß an sie zurückhalten. Da nun aber gerade das Gegen⸗
theil der Fall ist: da unsere lutherische Kirche unter allen sicht⸗
baren Kirchengemeinschaften hier auf Erden ganz allein das Wort
Gottes rein und lauter und die Sacramente unverfälscht hat; da
sie ganz allein den Trost des Evangeliums den armen Sündern
unverkümmert darbietet; da sie ganz allein zu dem Worte Gottes
weder etwas hinzuthut noch davonthut; da sie ganz allein frei
ist von dem Gift irgendwelcher falschen Lehre; da sie endlich ganz
allein in allen Stücken Gott zu ehren sucht: muß es da nicht un⸗
sere innigste Sorge und unser herzlichster Wunsch sein, daß unsere
lutherische Kirche bis an das Ende der Tage fortbestehen möge,
daß sie ihre Grenzen immer weiter ausdehne und daß die Zahl
ihrer Glieder sich immer mehr vermehre? Sollte es aber nicht
ganz besonders unsere innigste Sorge und unser herzlichster Wunsch
sein, daß wenigstens alle Kinder von lutherischen Eltern ihrer
Kirche erhalten bleiben möchten? Ja sicherlich! Sind wir treue
Söhne und treue Töchter unseres lutherischen Zions, so muß die
Liebe zu unserer Kirche uns schon antreiben, daß der Schatz der
reinen lutherischen Lehre unsern Kindern bewahrt bleibe.
Soll nun aber dieses sich erfüllen, so kann zur Erreichung
dieses Zweckes Seitens einer lutherischen Gemeinde nichts Besse⸗
res geschehen, als daß sie in ihrer Mitte eine christliche Schule
errichte, gründe und erhalte, in welcher ihre Kinder in der reinen
lutherischen Lehre gründlich unterrichtet und unterwiesen werden.
Die Liebe zu ihrer theuren lutherischen Kirche ist
also auch ein wichtiger Grund, warum eine luthe⸗
rische Gemeinde trotz der geforderten Opfer eine
treue Pflegerin derchristlichen Schule ist. Die
christliche Schule ist einer lutherischen Gemeinde die Pflanzstätte
der lutherischen Kirche.
Die Geschichte lehrt uns, daß, wenn es in einer kirchlichen
Gemeinschaft nicht recht um die Schule bestellt ist, da überhaupt
schon die ganze Gemeinschaft in Verfall geräth. Das zeigt uns
klar das Bild der ersten lutherischen Kirche hier in America.
Die ersten lutherischen Prediger, welche nach America kamen,
errichteten in Gemeinschaft mit ihren Gemeinden aus Liebe zum
Worte Gottes überall christliche Gemeindeschulen. Wo es mög-—
lich war, wurden besondere Lehrer in den Schulen angestellt; und
wo das nicht anging, legten die Prediger selbst die Hand ans
Werk und standen Tag für Tag in der Schule. Der Segen sol⸗
cher eifrigen, Gott wohlgefälligen Arbeit blieb nicht aus. Die
lutherische Kirche blühte auf. Aber nur zu bald ließ dieser Eifer
für die christlichen Schulen nach. Manchem Prediger wurde die
Schularbeit bald zu sauer, und den Gemeindegliedern wurde es
bald zu viel, mit ihrem Gelde eigene Schulen zu unterhalten,
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