Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 10 › Seite 153

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Mai 1901, Seite 153

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er „TutheranedS

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Zur kirchlichen Chronik.

Ameriea.

Wie dringend die Kasse für Allgemeine Innere Mission,
aus der dann die einzelnen Missionsdistricte Unterstützung erhalten,
der Hülfe bedarf, zeigt eine Mittheilung aus dem Südlichen District
in der uns eben zur Hand kommenden neuesten Nummer der „Ev.⸗luth.
Blätter“, die in New Orleans, La., erscheinen. Es heißt da: „Der
Zustand unserer Kasse für Innere Mission hat sich seit letztem Monat
nicht gebessert. Wie der Bericht des Kassirers ausweist, beträgt die
Kassenschuld gegenwärtig §1693.35. Ein Glied der hiesigen St. Jo⸗
hannis⸗Gemeinde hat 8100 für die Kasse geschenkt, und einige andere
Missionsfreunde haben etliche hundert Dollars vorgestreckt, so daß
unseren Missionaren der Gehalt noch einmal ausbezahlt werden konnte.
Wie aber soll es in den nächsten Monaten werden, wenn nicht weitere
gründliche Hülfe geschieht? Doch die Sache ist des HErrn; er wird's
versehen, wie er bisher gethan hat!“ L. F.

stirchbaufonds. Wir leben im Zeitalter der Städte. In Phila⸗
delphia allein wohnt mehr als ein Fünftel der Einwohner des ganzen
Staates Pennsylvania; Chicago allein zählt unter seinen Einwohnern
ein Drittel aller Bewohner von Illinois, und die Einwohnerzahl des
größern New York macht beinahe die Hälfte aller Einwohner des
Staates New Vork aus. Daraus ergibt sich für die Kirche fort und fort
die Weisung, besonders in den Städten die Mission zu treiben. Und
ein wichtiges Hülfsmittel, die Misston in größeren Städten erfolgreich
zu betreiben, ist der schon öfters an dieser Stelle erwähnte Hülfsfonds
(Church Extension Fund), aus dem arme Missionsgemeinden beim
Kirchbau, der in den Städten in der Regel theuer zu stehen kommt,
durch unverzinsliche Darlehen unterstützt werden. Das lutherische
Generalconcil hat ungefähr 860,000 in diesem Fonds und hat in letz⸗
ter Zeit besondere Anstrengungen gemacht, die Summe zu erhöhen.
Die lutherische Generalsynode hat mehr als 8300,000, die Presbyte⸗
rianerkirche sogar mehr als zwei Millionen für diesen Zweck. Wie
mancher unserer städtischen Missionsgemeinden könnte kräftiger gehol⸗
fen werden, wenn unsere Kirchbaukassen besser bedacht würden. Vor⸗
aussichtlich wird auf den bevorstehenden Synodalversammlungen auch
diesem Hülfszweig des Missionswerkes die nöthige Aufmerksamkeit ge⸗
widmet werden. L. F.

So nöthig die englische Mission in den Großstädten ist, so bie⸗
ten doch gerade die großen Städte auch immer noch ein fruchtbares Feld
für die deutsche Mission. Ein Kenner des Missionsgebietes der Stadt
New Hork grenzte neulich einen Strich im Herzen dieser Stadt ab, in
dem rund 200,000 Deutsche wohnen. Die große Masse dieser Deut⸗
schen sind Katholiken und Juden, aber ganz gewiß finden sich dort auch
Tausende von Protestanten. Zwei deutsch⸗lutherische Kirchen befinden
sich in diesem Gebiet. Aber auch die Presbyterianer und Episkopalen
arbeiten dort, und zwar durch deutsche Missionare. Nun sind
die Leute, an denen diese arbeiten, ganz gewiß nicht von Haus aus Pres⸗
byterianer und Episkopalen, sondern wahrscheinlich zumeist deutsche
Lutheraner, die ja so oft in den Städten eine Beute der Secten
werden. Zwar wird Seitens unserer Synode und der englischen Mis⸗
souri⸗Synode im größeren New Hork rege missionirt, aber was ist das
in dieser Millionenstadt? L. F.

Aus der Indianermission der Ehrw. Wisconsin⸗Synode unter
den Apachen in Arizona, in der die Missionare Mayerhoff, Günther
und Lehrer Jens arbeiten, kommen gute Nachrichten. Der Erstgenannte
berichtet im „Ev.⸗luth. Gemeindeblatt“ über seine Arbeit in der Regie⸗
rungsschule in Fort Apache Folgendes: „In der Schule hielt ich regel⸗
mäßig Sonntagsschule und nahm die Leidensgeschichte unsers HErrn
mit den Kindern durch. Verschiedene unter den Knaben folgten den

Lectionen mit lebhaftem Interesse. Alle, die ein genügendes Ver⸗
ständniß der englischen Sprache besitzen, waren aufmerksam. Bei dem
Wiederholen zeigte es sich, daß die Indianerkinder an Aufmerksamkeit
und Behalten des Gesagten den weißen Kindern nicht nachstehen.
Meine Hoffnung zu Gott ist, daß der durch Gottes Gnade ausgestreute
Same in ihren Herzen keimen und aufgehen wird.“ Vor allem kom⸗
men von der andern Station in San Carlos erfreuliche Nachrichten.
Dort ist am 24. Februar der erste Indianerknabe von Missionar Gün⸗
ther getauft worden. „Die neueste Nachricht von dort ist, daß sich fünf
Indianermädchen zum Taufunterricht gemeldet haben, mit denen der
Unterricht bereits begonnen hat. Zwei empfangen Unterricht, um sich
auf die Confirmation vorzubereiten, und fünf empfangen Taufunterricht.
In der dortigen Schule befinden sich 22 Kinder, von denen noch keins
getauft ist. Diese armen Heidenkinder unterrichtet Lehrer Jens regel⸗
mäßig fünf Tage in der Woche. Er ist sehr zufrieden mit diesen Kin⸗
dern, denn sie machen gute Fortschritte. Er hält die Kinder dazu an,
daß sie sich reinlich kleiden. Die Kinder kommen gerne zur Schule.
Sie zeigen auch ihren Ehrgeiz ebenso wie unsere Kinder und freuen sich,
wenn sie ihre Aufgabe gut hersagen können. Auch unter den Ge⸗
schwistern macht sich das bemerkbar, daß, wenn eines seine Aufgabe
weiß, das andere sich darüber freut. Die Lieder, die sie lernen, singen
sie nicht nur gerne in der Schule, sondern auch wenn sie zu Hause in
ihren Hütten sind. Wie freut man sich, wenn man daran denkt, welch
einen Segen eine solche Schule bringt, da die Kinder das, was sie
hören, zu Haus ihren heidnischen Eltern erzählen und unsere herrlichen
Kirchenlieder ihnen vorsingen. Dadurch wird ja jedes Schulkind ein
Missionar, durch den der Name des HErrn bekannt wird unter den
Heiden.“ L. F.
Quäker. Während so manche andere Kirchengemeinschaft unseres
Landes zunimmt und sich weiter ausbreitet, haben die Quäker schon
seit längerer Zeit nur ein sehr geringes Wachsthum zu verzeichnen.
Die Hauptpartei unter ihnen, die sogenannten orthodoxen Quäker,
die streng an der Weise der Väter festhalten und etwa 90,000 com⸗
municirende Glieder zählen, haben im verflossenen Jahre nur um 224
Glieder zugenommen, und die anderen Parteien dieser Secte wissen
gar keine Zunahme zu melden. So wird auch aus England, der ur⸗
sprünglichen Heimath der Quäker, berichtet, daß von einem Wachs⸗
thum nicht die Rede sein kann, sondern nur von einer Abnahme. Hat
aber erst eine Gemeinschaft angefangen, kleiner zu werden, so wird der
Rückgang von Jahr zu Jahr größer. L. F.

Ausland.

Aus Bahyern wird berichtet, daß die römisch⸗katholische Kirche in
den protestantischen Gebieten Frankens stetig vordringt und an manchen
Orten besondere Macht entfaltet. So hat sie in der altprotestantischen
Stadt Nürnberg jetzt nicht weniger als 18 Priester und 7 Kirchen und
Kirchstätten. In der ebenfalls altprotestantischen Stadt Ansbach wird
eine Niederlassung katholischer Schwestern vorbereitet. Während also
in manchen Ländern die katholische Kirche an Macht, Ansehen und Ein⸗
fluß verliert, sucht sie in anderen ihre Macht um so mehr zu befestigen.

L. F.

Seit Jahren darf in Paris kein Prediger die städtischen Hos⸗
pitäler besuchen, wenn nicht ein Kranker ausdrücklich diesen Besuch
wünscht. Um den großen Schaden, der durch diese kirchenfeindliche
Maßregel den Seelen erwächst, einigermaßen zu bessern, haben es
christliche Frauen unternommen, den Kranken einige Erquickung für
den Leib und nach besten Kräften auch den Trost der Religion zu
bringen. Da sie nun den Kranken zu ihrer Erbauung und Unterhal⸗
tung auch religiöse Schriften austheilten, so ist jetzt auch diese Schriften⸗
verbreitung von der Spitalverwaltung verboten worden. Sogar die
Bibel und das Neue Testament gehören zu den verbotenen Büchern.

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