Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 57, Nummer 10 › Seite 148

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 14. Mai 1901, Seite 148

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Aergernis 4 · Aergernis 9 · Aergernis 10 · Unterrichtsfächer 1

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8Ver „TutheranesE

Schulhäuser zu errichten und Lehrer zu besolden. Man ließ
die Kinder in die Staats⸗ oder Sectenschulen wandern und be⸗
gnügte sich damit, wenn die Kinder nur einige Monate lang einen
lutherischen Confirmandenunterricht genossen. Was war aber die
Folge? Die Folge war, daß unzählige junge Leute der luthe⸗
rischen Kirche verloren gingen, um eine Beute entweder des Un⸗
glaubens oder des Irrglaubens zu werden. Und selbst diejenigen
jungen Leute, welche noch äußerlich bei der lutherischen Kirche
blieben, waren wohl dem Namen nach Lutheraner, der Gesinnung
nach waren sie es aber schon nicht mehr. Kamen sie an einen
Ort, an welchem sich keine lutherische Kirche befand, so schlossen
sie sich slugs, ohne alles Bedenken einer falschgläubigen Kirche an.
Da sie die lutherische Lehre nur oberflächlich gelernt hatten, so
waren sie darin nicht befestigt worden. Sie vergaßen daher auch
bald alles wieder und wurden nur zu leicht eine Beute und ein
Raub allerlei falscher Lehre. Es kam endlich dahin, daß man
vor ungefähr fünfzig Jahren hier in America kaum mehr wußte,
was lutherische Lehre war. Heute noch trifft man im Westen
unseres Landes in falschgläubigen Kirchen oft Leute an, welche
erzählen, daß ihre Eltern und Großeltern im Osten der luthe⸗
rischen Kirche angehört hätten. Weil sie aber in keiner christlichen
Gemeindeschule die lutherische Lehre gründlich und fest gelernt
hatten und mit ihr vertraut geworden waren, so ließen sie sich bei
ihrem Umzug nach dem Westen leicht in die irrgläubigen Kirchen
hineinziehen. Die einzige Erinnerung, welche sie noch von der
lutherischen Kirche haben, besteht darin, daß sie wissen, daß ihre
Voreltern Lutheraner waren. Wo vormals im Osten oft große
und volkreiche lutherische Gemeinden waren, da finden sich heute
nur kleine und kümmerliche Ueberreste davon. Und die Ursache
ist der Mangel an Gemeindeschulen. Solche Zustände drohen
aber auch uns, sobald unsere Gemeinden ihren lutherischen Ge⸗
meindeschulen keine Pflege mehr angedeihen lassen.

Nur durch ein christliches Schulwesen kann mit Gottes Hülfe
die lutherische Kirche ihr Fortbestehen hier in America sichern.
Wir leben hier unter ganz eigenthümlichen Verhältnissen, unter
ganz andern Verhältnissen, als diejenigen waren, in denen die
lutherische Kirche, wenigstens vordem, in Europa sich befand.
In Deutschland, wie auch in den skandinavischen Ländern, wohn⸗
ten die Lutheraner in den meisten Fällen örtlich mehr von den an⸗
dern Religionsgemeinschaften getrennt. In einem Dorfe, einer
Gegend oder Stadt wohnten die Lutheraner beisammen, abge⸗
schieden von Katholiken oder Reformirten. Bei solchen örtlichen
Verhältnissen waren die Lutheraner dem Einflusse der falschen
Lehre und der Verführung zum Irrglauben, wenigstens äußerlich,
nicht so ausgesetzt. Und auch da, wo Lutheraner und Katholiken
unter einander wohnten, waren sie durch althergebrachte An⸗
schauungen, Sitten und Gewohnheiten von einander geschieden.
Logen und ungläubige Vereine gab es nicht. In unserm Lande ist
es, wie jeder weiß, ganz anders. Rechtgläubige, Falschgläubige
und Ungläubige wohnen neben und unter einander. In einer
Stadt von 30,000 bis 40,000 Einwohnern wohnen etwa tausend
Lutheraner. Und diese wohnen auch noch nicht dicht bei einander,
sondern sie sind über die ganze Stadt hin zerstreut. In einem
„Block“ einer Stadt wohnt sehr häufig nur eine einzige lutherische
Familie; alle andern Bewohner gehören andern Kirchen oder auch
keiner Kirche an. Mit diesen kommt man täglich in Berührung.

Der lutherische Jüngling ist in einem Kaufladen beschäftigt, in

welchem alle anderen Angestellten entweder Falschgläubige oder
Ungläubige sind. Die lutherische Jungfrau dient in einem Hause,
in welchem sie die einzige lutherische Christin ist. Der lutherische
Arbeiter arbeitet in einer Fabrik, in welcher er sich den ganzen
Tag über in der Gemeinschaft von Nichtlutheranern befindet.
Auf dem Lande liegen allerdings die Verhältnisse etwas günstiger
als in der Stadt. Doch wohnen auch da vielerorts die lutherischen
Christen unter Falschgläubigen und Ungläubigen. Unsere luthe⸗
rischen Christen sind hier in Stadt und Land den Verführungen

zum Irrglauben und Unglauben also schon äußerlich sehr aus⸗

gesetzt. Ihnen unbewußt werden sie daher schon oft von den
falschen Meinungen und Ansichten, die sie täglich hören, beeinflußt.
Die Falschgläubigen und Ungläubigen suchen aber auch häufig
geradezu den Lutheraner für sich zu gewinnen und auf ihre Seite
zu ziehen. Die Irrgläubigen suchen ihn in ihre falschen Kirchen
zu locken, und die Ungläubigen, ihn mit den Stricken ihrer Logen
und Vereine zu umgarnen. Und will der lutherische Christ nicht
folgen, so wird er wegen seines Bibelglaubens verhöhnt und
verspottet.

Bei solcher Umgebung gilt es, daß das Herz in Gottes Wort
fest gegründet sei. Es gilt, daß der lutherische Christ seine Lehre
kenne und daß er gerüstet sei, seine Lehre zu vertheidigen und auf
die mancherlei Einwürfe, welche gegen seinen Glauben gemacht
werden, zu antworten, und daß er im Stande sei, Rechenschaft
zu geben von der Hoffnung, die in ihm lebt. Es gilt, daß er
in allen Versuchungen und Verführungen durch Gottes Gnade
feststehe. Soll nun dieses geschehen, so muß er das Wort Gottes
gelernt haben; er muß das Wort Gottes als ein Schwert und
als einen Schild zu gebrauchen vermögen; er muß in dem Worte
Gottes gewurzelt sein. In dem Worte Gottes kann er aber nur
dann gewurzelt sein, wenn er einen sorgfältigen Unterricht in
demselben empfangen hat. Und diesen Unterricht erhält er eben
in der christlichen Schule. In ihr wird ihm die Waffe des
Wortes Gottes in die Hand gegeben und zu gleicher Zeit gezeigt,
wie er diese Waffe gebrauchen soll. Einmal nämlich lernt das
Kind im Katechismusunterricht die reine lutherische Lehre kennen.
Es lernt auch, die lutherische Lehre aus der Bibel zu beweisen.
Als eine köstliche Gabe auf dem späteren Lebensweg werden ihm
Bibelsprüche und Liederverse mitgegeben. Durch die oftmalige
Wiederholung des Gelernten geht ihm dasselbe gleichsam in
Fleisch und Blut über; es wird davon durchdrungen; das Herz
bekommt dadurch die rechte Richtung für das ganze spätere Leben.
Und mag auch manches von dem, was in der Schule gelernt wor⸗
den ist, vergessen werden: viele Sprüche und Lieder bleiben doch
unvergeßlich in der Seele hangen. So finden wir Leute, welche

in Deutschland einen guten christlichen Schulunterricht genossen

haben und die noch im hohen Alter die in der Schule gelernten
Sprüche und Verse wortgetreu hersagen können. Zum andern
aber wird in unsern christlichen Schulen nicht nur die reine luthe⸗
rische Lehre gelehrt, sondern es wird beim Religionsunterricht,

wenigstens einigermaßen, auch die falsche, entgegenstehende Lehre
Das Kind lernt also

aufgedeckt und ihre Grundlosigkeit gezeigt.
für späteren Gebrauch die Einwürfe der Falschgläubigen und Un⸗
gläubigen kennen und widerlegen. Die Hauptsache aber ist dies,

daß das Kind durch den regelmäßigen, sorgfältigen und gründ⸗
lichen Religionsunterricht von der Erkenntniß der Reinheit und
Herrlichkeit unserer lutherischen Lehre durchdrungen wird; und

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