Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 4 › Seite 58
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Februar 1908, Seite 58
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Welt
wisse, ohne allein IEsum Christum, den Gekreuzigten. Als
dieses Evangelium durch Lug und Trug des Papstes jahr⸗
hundertelang fast verloren war, da wollte Luther der Christen⸗
heit nichts wiederbringen als das teure Verdienst IEsu Christi,
vor dem alles andere Verdienst, das man aufgebracht hatte „zur
Schmach des Leidens Christi“, verschwinden mußte. Und wo⸗
immer jetzt rechte Passionsprediger auftreten, da kommen sie
mit keiner andern Botschaft als dem Wort von der Versöhnung
und vermahnen und bitten ihre Zuhörer: „Lasset euch ver⸗
söhnen mit Gott!“ Sie verkündigen das Wort vom Kreuz,
in dem die Sünder gewissen Trost finden, die Leidenden neue
Kraft, die Sterbenden ewigen Sieg. Selig, wer diesem Worte
glaubt! Der hat Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit.
Die Passionszeit sei uns eine rechte Trostzeit.
Aber wir wollen dann auch in diesen Tagen unserer Auf⸗
gabe gedenken. Das Wort vom Kreuz war den Juden ein
Argernis und den Griechen eine Torheit. Es ist den Menschen
unserer Zeit Torheit und Argernis zugleich. Und viele, die
die Lehrer der Kirche und Zeugen ihres Glaubens sein sollten,
leugnen gerade das Wort vom Kreuz, bestreiten und bekämpfen
das Evangelium von der Versöhnung durch Christum, Gottes
Sohn und Gottes Lamm. Es ist eine böse Zeit, in der wir
leben. Da sollen wir das Bekenntnis von IEsu, dem Gekreu⸗
zigten, als dem einigen Heiland der Sünder, hochheben, dieses
Evangelium weit und breit verkündigen, diesen heilwärtigen
Namen zum Panier aufrichten, um das sich viele verirrte und
verlorene Menschenkinder scharen. Gesegnet seien uns auch
dazu die nun kommenden Tage der heiligen Passionszeit!
L. F.
Drei Vorträge über das sündliche Weltwesen.
III.
Mit Freuden begrüßen wir euch, die ihr heute wieder in
großen Scharen hier im Hause des SErrn erschienen seid, um
euch aus Gottes Wort belehren, ermahnen und im Glauben
stärken zu lassen. Wohl den Gemeinden, deren junge Leute
sich um Gottes Wort scharen, selbst wenn eine dem sündlichen
Fleische bittere Wahrheit verkündigt werden soll! Da hat der
SErr gewißlich noch viele, viele, die zu seinem Volke gehören
und seinen heiligen Namen ehren.
Zu den Kunstgriffen Satans, des Erzfeindes Gottes und
seines Reiches, gehört auch dieser, daß er den Christen, nament⸗
lich den jungen Christen, weiszumachen sucht, das Christentum
bestehe in einem trübseligen, gedrückten Wesen; wahre Christen,
die sich in allen Stücken nach Gottes Wort zu halten suchten,
müßten immer mit trauriger, finsterer Miene einhergehen und
könnten nie ihres Lebens recht froh werden. Es ist das eine
greuliche, schändliche Lüge Satans, des Erzlügners von An⸗
fang, die aber leider von vielen geglaubt wird und so unsäg⸗
liches Unheil anrichtet. Die Welt glaubt diese Lüge, und
darum gehören ja zu den beliebtesten Spottnamen, mit denen
sie aufrichtige Christen bezeichnet, bekanntlich diese: „Kopf⸗
hänger! Mucker!“ Mancher junge oder unerfahrene Christ
läßt sich durch solche Reden mit Mißtrauen gegen das Christen⸗
tum erfüllen. Jeder Mensch, namentlich jeder junge Mensch,
sehnt sich von Natur nach Freude. Gelingt es nun dem Satan,
einem solchen das freundliche Angesicht des wahren Christen⸗
tums durch die Verleumdung zu verdunkeln, daß wahre Christen
immer traurig und trübsinnig, daß sie unglücklich seien, so hat
er gewonnenes Spiel. 9
O laßt ihr euch nicht so betrügen, meine lieben Brüder
und Schwestern, namentlich ihr, meine jungen Freunde! Das
gerade Gegenteil ist der Fall: es gibt auf der ganzen weiten
Erde keine glückseligeren Menschen als die Christen; es gibt
unter all den Millionen und aber Millionen von Menschen, die
je gelebt haben und noch leben, keine, die mehr Ursache hätten,
sich zu freuen und fröhlich zu sein, als die wahren Christen.
Wahres Christentum und wahre Freude sind von der Hand un⸗
sers Gottes so innig miteinander vereint, daß sie nie lange ge⸗
trennt bleiben können, daß sie immer schnell wieder zusammen⸗
kommen müssen. Der SErr und Heiland selbst sagt in seinem
hohenpriesterlichen Gebete: „Solches rede ich in der Welt, auf
daß sie in sich haben meine Freude vollkommen.“ Der Apostel
ruft seinen Christen zu: „Freuet euch in dem SErrn allewege!
Und abermal sage ich: Freuet euch!“
Wohl ist es wahr, der Christ hat auch seine Trauer, seine
Tränen. Als einst Petrus, der Jünger des HErrn, sich so weit
vergessen hatte, daß er seinen Meister dreimal verleugnete, und
er nun diese seine Sünde erkannte, da heißt es von ihm: „Er
ging hinaus und weinete bitterlich.“ Und als einst die große
Sünderin zur Erkenntnis ihres Irrweges gekommen war, da
sank sie zu IEsu Füßen nieder, netzte seine Füße mit ihren
heißen Tränen und trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes.
Ja, Christen trauern auch, und ihre höchste Trauer verursacht
ihnen ihre Sünde. Aber siehe, gerade in dieser höchsten Trauer
erweist sich das wahre Christentum als die rechte Freudenquelle.
Es predigt den armen, betrübten Sündern die frohe Himmels⸗
botschaft, das-Evangelium: „Seid getrost, ihr sollt nicht von
dem Angesichte Gottes verstoßen werden; Gott war in Christo
und versöhnete die Welt mit ihm selber. Das Blut JIEsu
Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller Sünde.
Also hat Gott die Welt geliebet, daß er seinen eingebornen Sohn
gab, auf daß alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben.“ O bringt einem armen,
wegen seiner Sünde erschrockenen und betrübten Menschen alle
rauschenden Freuden, alle Ehren, alle Güter und Schätze der
Welt — sie können sein Herz nicht mit wahrer Freude erfüllen;
das kann nur der, der alles wahren Christentums Kern und
Stern, As und O ist, IEsus Christus, das Gotteslamm, welches
der Welt Sünde trug; denn es ist in keinem andern Heil, ist
auch kein anderer Name den Menschen gegeben, darinnen sie
sollen selig werden.
Ja, wahrhaft glücklich, wahrhaft fröhlich kann nur der
sein, der weiß, daß er Vergebung seiner Sünden hat, daß er
bei Gott in Gnaden steht, daß er Frieden hat mit Gott um
Christi willen. Mit Freuden kann ein solcher sich niederlegen;
denn er weiß, er legt sich in die Vaterarme seines versöhnten
Gottes, der seine Engel ihm zur Wache bestellt hat. Mit Freu⸗
den erwacht er; denn er weiß, daß ihn sein Gott erhalten hat,
um ihn am neuen Tage mit neuer Gnade zu beschenken. Mit
Freuden geht er an seinen Beruf; denn er weiß, Gott ist auch
da mit ihm. Mit Freuden genießt er das Gute, das ihm Gott
beschert; denn er weiß, Gott will ihn damit erfreuen. Getrosten
Mutes geht er auch der Trübsal entgegen; denn er weiß, Gott
will ihn auf diesem Wege zum Himmel führen. Mit Freuden
sieht er endlich dem Tode ins Angesicht; denn er weiß, Gott
will ihn auch durch dieses finstere Tal zum Leben, zum ewigen
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