Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 4 › Seite 59

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Februar 1908, Seite 59

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Theater 1 · Theater 2 · Theater 6

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7 Leben, bringen.
darum auch keine wahre Freude; aber der Christ hat Freude
die Fülle, er freut sich in dem HErrn allewege.

sei er jung oder alt, nie wird aussöhnen können;

Ja, die Gottlosen haben keinen Frieden und

Freilich eine Freude gibt es, mit der sich der wahre Christ,
eine Freude
gibt es, an der er seinen Gefallen nie wird finden können. Wohl
mag er zu dieser Freude auch versucht werden, wohl mag sein
ihm anhaftendes verderbtes Fleisch und Blut zu dieser Freude
sich auch hingezogen fühlen, aber der neue Mensch im Christen,
der, solange der Christ noch ein wahrer Christ ist, die Oberhand
in ihm hat, wird diese Lust unterdrücken, bekämpfen, besiegen.

Und was ist das für eine Freude? Das ist die Freude an der

Sünde, an dem, was dem Willen Gottes zuwider ist, an dem,

was seinen treuen Heiland in den Tod am Stamm des Kreuzes

gebracht hat.

Während darum die Welt in der Sünde ihre Freude sucht,
so stellt sich der Christ darin der Welt nicht gleich; er wird nicht
der „Mitgenosse der Welt“, er läuft nicht mit ihr in dasselbe
wüste, unordentliche Wesen.

Haben wir in unserer letzten Versammlung den welt⸗
üblichen Tanz unter die Leuchte des göttlichen Wortes gestellt,
so wollen wir nun dieses göttliche Licht auch einmal auf das
heutige Theaterwesen fallen lassen.

Was ist ein Theater? Es ist ein Ort, an welchem Per⸗
sonen, sogenannte Schauspieler, Schaustellungen veranstalten.
Die Aufführung eines Theaterstückes ist eine Darstellung in
lebenden Bildern, und diese Bilder reden oder singen. Sowohl
das Auge als das Ohr der Zuschauer und Zuhörer werden da
ergötzt. Beides, das Bild, das sich vor den Augen entfaltet,
und die Rede oder der Gesang, die vom Ohr vernommen wer⸗
den, muß zusammenstimmen, damit nicht das eine das andere
stört, sondern das eine den Genuß des andern erhöht.

An und für sich ist es nun gewiß nicht sündlich oder unrecht,
wenn so etwa zur Belehrung oder Unterhaltung Schauspiele
veranstaltet oder angesehen und gehört werden, die Scenen aus
der Weltgeschichte und dergleichen darstellen. Es ist das eben⸗
sowenig unrecht, als wenn man zum Beispiel eine gute Erzäh⸗
lung schreibt oder liest, ein gutes Bild malt oder ansieht. Das
Unrecht, das Sündliche des heutigen Theaterwesens liegt nicht
darin, daß Personen da handelnd und redend oder singend vor
andern auftreten. Ja, es könnte wohl der Fall sein, daß man
mit Nutzen, sei es zur Belehrung, sei es zur Unterhaltung, ein
Theaterstück sehen und hören könnte.

Es wird bei der Frage, ob die Teilnahme an der Auffüh⸗
rung oder das Ansehen oder Anhören eines Schauspiels für
einen Christen geziemend ist oder nicht, alles, alles darauf
ankommen, was da dargestellt, was da geredet oder ge⸗
sungen wird.

Um das zu erfahren, braucht man kein Besucher der Thea⸗
ter zu sein. Man braucht nur die überall an den Straßen der
Städte sich breit machenden Plakate und die Anzeigen und Be⸗
sprechungen der Theaterstücke in den Zeitungen anzusehen, so
wird der Christ bald erkennen: auch das heutige Theater dient
der Fleischeslust! Es ist Gift, Gift für die unsterbliche Seele,
was da ausgestreut wird. Mit wenigen Ausnahmen lehren
oder beschönigen die heutigen Opern und Schauspiele die Un⸗

V. zucht, die Hurerei, den Ehebruch, die Lüge und den Betrug.
NMiord, Totschlag, Raub, beimliche Verlöbnisse und Entfüh⸗
rungen werden da als Heldentaten gepriesen und gefeiert. Nir⸗

diger in dieser Beziehung zu schwarz sehen.

gends wird die heilige Ordnung der Ehe mehr gelästert, nir⸗
gends hebt das Laster und die Sünde das Haupt frecher empor,
nirgends wird die greulichste Sünde mehr ins Lächerliche ge⸗
zogen als im Theater. Dort belustigt man sich über die Sünde
der Trunkenheit, über die Sünde der Hintergehung eines Ehe⸗
gatten oder eines Vaters. Dort weidet man sich mit lüsternen
Augen an den schamlosen, unzüchtigen Balletttänzen. Zwar
versucht man auch einmal hier oder da die Schauspiele zu ver⸗
edeln, solche Stücke aufzuführen, die nicht unkeuscher, unreiner
Natur sein sollen; aber die, welche es versuchen, machen regel⸗
mäßig Bankrott. So ist vor einer Reihe von Jahren eine der⸗
artige Gesellschaft in Boston in die Brüche gegangen. Aber
diejenigen, welche in recht üppiger Weise durch alle Mittel der.
darstellenden Kunst dem Fleische ein Paradies im Theater be⸗
reiten, nehmen viel Geld ein; bei denen werden alle Sitze
ausverkauft, bis nur noch Stehplätze zu haben sind.

Doch man möchte hier vielleicht einwenden, daß wir Pre⸗
Wohlan, lassen
wir denn einmal solche hier reden, die das Theaterwesen unserer
Zeit doch gewiß genau kennen sollten.

J. Claassen, ein deutscher Schriftsteller, der selber eine
Zeitlang Schauspieler war, aber zur Erkenntnis Christi kam
und dem Theater auf immer den Abschied gab, schreibt in seinem
Büchlein „Kunst und Schauspiel, oder: Was ist vom Theater
zu halten?“ folgendermaßen: „Zum Niedergang der öffent⸗
lichen Sittlichkeit, wie ihres Grundes, des Gottesglaubens, hat
das heutige Theaterwesen ein Großes beigetragen und tut es
noch, mit oder ohne Absicht, täglich.“

Ein anderer Schauspieler, S. F. Sothern, sagt: „In
unsern Tagen sind selbst in unsern Theatern die Vorstellungen
solcher Art, daß manche unserer besten Schauspieler es für nötig
hielten, selbst erst einer Aufführung beizuwohnen, ehe sie ihren
Frauen und Töchtern den Besuch derselben erlaubten, weil sie
wußten, daß an solchen Plätzen sehr wenig von sittlicher Rein⸗
heit zu finden ist.“

Der vielgenannte englische Tragöde Macready wollte seiner
eigenen Tochter nicht erlauben, das Theater zu besuchen. Der
französische Schauspieldichter Dumas, der Verfasser des Schau⸗
spiels „Liebesleben einer Dirne“, sagte einst zu einem Freunde:
„Sie wollen Ihrer Tochter nicht erlauben, meine Stücke zu
sehen? Sie haben recht. Ich sage Ihnen ein für allemal, daß
Sie Ihre Tochter überhaupt nicht ins Theater nehmen dürfen;
nicht nur die Darstellung ist unsittlich, sondern auch der Ort.“

Der Kritiker einer großen englischen Tageszeitung von
Chicago schreibt: „Vor fünfundzwanzig Jahren hätten solche
Aufführungen, wie sie heutigentags allabendlich in der grob⸗
sinnlichsten Weise in der neueren komischen Oper gegeben wer⸗
den, die ganze Gesellschaft schier auf die Polizeistation gebracht.“

Herr M. A. Palmer, dessen Ansicht die Nortñ American
Reriem vor etlichen Jahren wiedergab, gibt den Verfall des
Schauspiels zu und schreibt ihn dem Geschmack des Publikums
zu. Er fährt fort: „Jetzt, wie immer, werden im Theater
hauptsächlich die menschlichen Leidenschaften vorgeführt: Ehr⸗
geiz, der zum Mord führt; Eifersucht, die zum Mörder macht;
Wollust, die zum Ehebruch und in den Tod führt; Zorv, der
in Raserei hinausläuft.“

Mein lieber Christ, sollten dir solche Aussprüche selbst von
Weltleuten nicht die Augen darüber öffnen, daß das heutige
Theater nicht der Ort ist, an welchem du deine Freude suchen

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