Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 4 › Seite 62

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Februar 1908, Seite 62

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Kirchengemeinſchaften

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Calgary, 25. Januar.

Gestern morgen stieg ich in Calgary aus. Diese Stadt
ist die Metropole Albertas, zählt bereits 21,000 Einwohner
und hat eine herrliche Lage am Fuße der Felsengebirge. Maje⸗
stätisch erheben sich in der Nähe die schneebedeckten Berge Gottes
und fordern die Menschen auf, ihren Schöpfer zu loben. Zwei
reißende Bergströme, die erst eben dem Gebirge entsprungen
sind, schließen die Stadt ein. In Alberta arbeiten gegenwärtig
9 Missionare unserer Synode. Während Manitoba und Sas⸗
katchewan von North Dakota aus von unsern Reisepredigern
in Angriff genommen wurden, ist Alberta von einem Pastor in
Montana, der in nördlicher Richtung, der Wand des Felsen⸗
gebirges folgend, vordrang, zunächst mit dem Evangelium er⸗
freut worden. Hier in Calgary haben wir ein großes Volk.
Die Schule fand ich gestern morgen gefüllt. Gegen 85 Kinder
stehen auf der Liste, und die geräumige Kirche war am Abend
in den Gottesdiensten bis auf den letzten Platz besetzt. Die
Leute kommen fast alle aus Rußland und haben in der auf⸗
blühenden Stadt guten Erwerb gefunden.

Auf der Heimreise auf der Canadiaen Pacific-Bahn,
27. Januar.

In Calgary wurde ich drei Tage festgehalten. Ich pre⸗
digte zweimal und hielt drei Versammlungen ab. Der SErr
segne das gesprochene Wort und helfe, daß sich unsere dortige
Gemeinde im Frieden erbaue und in der Erkenntnis wachse
und zunehme!

Gestern abend hatte ich noch die große Freude, unsern
Pastor von Stony Plain begrüßen zu können. Dieser wohnt
noch 200 Meilen nördlich von Calgary und ist der nördlichste
Pastor unserer Synode. Er bedient eine große Gemeinde;
sie zählt gegen 100 Familien. Um Mitternacht begleitete er
mich zum Bahnhofe, und da der Zug drei Stunden Verspätung
hatte, so stärkten wir uns gegenseitig durch brüderliche Aus⸗
sprache und erörterten die kirchlichen Zustände Albertas.

Doch nun will ich von den lieben Lesern des „Lutheraner“
Abschied nehmen. Ich tue es, indem ich noch auf folgendes
hinweise. Auf meiner Reise ist mir wieder lebendig vor die
Seele getreten, welch ein großes Missionsgebiet unser Distrikt
hat. In Calgary war ich 1200 Meilen von St. Paul entfernt,
also ebenso weit, wie St. Paul von New York entfernt liegt,
und Calgary ist noch nicht die äußerste Grenze unsers Distrikts.
Das ganze Gebiet aber, das ich durcheilt habe, ist ein ununter⸗
brochenes fruchtbares Acker- oder Weideland, das der Besiede⸗
lung eröffnet ist. So sind zum Beispiel Alberta und Saskatche⸗
wan, die ich jetzt zum zweiten Male kreuze, gewaltige Prairie⸗
provinzen Kanadas, deren jede reichlich so groß ist wie das
Deutsche Reich.

Laßt uns deswegen beständig an die Hauptausgabe unserer
Synode denken, nämlich unser Land mit dem Evangelium zu
erfüllen, und Gott fleißig bitten, mehr Arbeiter in die Ernte
zu senden. Unsere lieben Reiseprediger mögen bei ihrer schwe⸗
ren und wichtigen Arbeit allezeit die Gebete unserer Christen
begleiten, und der HErr wolle sie mit einem Sieg nach dem
andern krönen!

Und nun Gott befohlen!

Mit brüderlichem Gruße

F. Pfotenhauer.

Ans Laeahanet Chronik.

Amerika.

Eine Anfrage in bezug auf die kirchliche Versorgung unserer
Glaubensgenossen in Panama. Ein Pastor unserer Synode be⸗
richtet, daß zwei frühere Glieder seiner Gemeinde sich in Stel⸗
lungen beim Bau des Panamakanals finden, der eine im Ma⸗
schinenfach, der andere in der Polizeiabteilung. „Er fragt nun an,
ob man nicht durch eine Anzeige im „Lutheraner“ ermitteln sollte,
wie viele frühere Glieder unserer Gemeinden sich in Panama auf⸗
halten, um dann zu erwägen, ob und wie diese Glaubensgenossen
kirchlich versorgt werden könnten. Er äußert darüber die folgen⸗
den Gedanken: „Wenn durch die Anzeige im „Lutheraner' zutage
tritt, daß eine ziemliche Anzahl Leute aus unsern Gemeinden sich
in Panama befinden, könnte wohl jeder Pastor, aus dessen Ge⸗
meinde die Leute stammen, bei den Betreffenden brieflich anfra⸗
gen, ob sie behilflich sein würden, einen Pastor zu berufen und
zu erhalten.“ Die gewünschte Anzeige im „Lutheraner“ soll
hiermit geschehen sein. Mitteilungen in dieser Angelegenheit
werden wohl am passendsten an die Allgemeine Kommission für
Innere Mission, c. o. Rev. L. Lochner, 162 E. 25th Place, Chi-
cago, III., gerichtet. F. Pieper.

Wilhelm Löhe. Allgemein wird in diesen Tagen innerhalb
der lutherischen Kirche des hundertjährigen Geburtstages des
bayrischen Pfarrers Wilhelm Löhe gedacht, nicht nur drüben in
Deutschland, wo er zeit seines Lebens gewirkt hat, sondern auch
hier in Amerika, weil sein Name eng verknüpft ist mit der Ge⸗
schichte der lutherischen Kirche unsers Landes im vorigen Jahr⸗
hundert. Löhe wurde am 21. Februar 1808 in Fürth bei Nürn⸗
berg geboren, war nach Vollendung seiner Studien von 1831 bis
1837 an verschiedenen Orten Bayerns Pfarrvikar und Pfarr⸗
verweser, wurde im Jahre 1837 Pfarrer in dem kleinen Dorfe
Neuendettelsau und hat dort fast 35 Jahre lang bis zu seinem
am 2. Januar 1872 erfolgten Tode gewirkt. Er ist besonders
bekannt geworden als Prediger, als Begründer einer Missions⸗
anstalt, zunächst für die zerstreuten Lutheraner Nordamerikas,
und als Begründer und Leiter verschiedener anderer Anstalten,
durch die auch das kleine Dorf Neuendettelsau in weiten Kreisen
bekannt geworden ist. Er ist ein hervorragender Mann gewesen,

sein Name gehört auf immer der Kirchengeschichte des 19. Jahr⸗

hunderts an. Er war in einer Zeit, da noch auf vielen Kanzeln
Bayerns Rationalisten oder Vernunftprediger standen, ein Zeuge
des Glaubens und ist vielen ein Führer zu Christo geworden. Er
hat auch durch manche seiner gedruckten Predigten und durch
andere Schriften vielen Seelen gedient; wir erinnern nur an seine
„Samenkörner“, eine Sammlung alter Gebete, die in zahlreichen
Auflagen erschienen und Tausenden ein Gebetbuch für alle Tage
geworden sind. Unvergessen soll ihm vor allem auch bleiben,
was er für die lutherische Kirche Amerikas, besonders für unsere
Synode, getan hat. Als ihm anfangs der vierziger Jahre des
vorigen Jahrhunderts Wynekens Schrift über die geistliche Not
der deutschen Lutheraner in den Vereinigten Staaten bekannt
wurde, sann er auf Abhilfe, legte die Hand ans Werk und hat
jahrelang in hochherziger und uneigennütziger Weise keine Mühe
und Arbeit und Kosten gescheut, um dieser Not abzuhelfen. In
diesem Interesse gründete er die Missionsanstalt in Neuendet⸗
telsau, gab die „Kirchlichen Mitteilungen über Nordamerika“
heraus und sammelte einen Kreis gleichgesinnter Freunde und
Mitarbeiter um sich, um die kirchliche Arbeit in Amerika kräftig
fördern zu können. Er hat in jenen Jahren eine ganze Reihe
junger Prediger und Lehrer nach Amerika gesandt, von denen die
ersten bei der Gründung unserer Synode im Jahre 1847 beteiligt
waren, und die alle zu den treuverdienten Vätern und Pionieren
unserer Synode gehören. Wir erinnern nur an die Namen Sih⸗

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