Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 4 › Seite 61

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 25. Februar 1908, Seite 61

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griffenen transkontinentalen Strecke der Milwaukee⸗Bahn eine
L. Heimat zu gründen. Auch für unsere Mission in den
ö beiden Dakotas, in Montang, Idaho und Washington eröffnet
sich dadurch ein neues Gebiet. Doch nun muß ich abbrechen.
Ich bin bald am nächsten Ziel. Der Mond erblaßt, die Sonne
führt einen herrlichen Tag herauf. Meiner wartet viel Arbeit.

Auf der Soo⸗Bahn, 21. Januar.

Ich stieg gestern in Edgeley, North Dakota, aus und be⸗
grüßte zunächft unsern dortigen Prediger. Dieser hat in sechs
Fahren rastloser Arbeit im weiten Umkreise eine große Reihe
Gemeinden gegründet und neue Parochien eingerichtet, auch
inzwischen mancher vakanten Gemeinde gedient. Seine alte
Mutter, eine Pastorenwitwe, hat trotz vieler Gebrechen des
Alters in der ganzen Zeit ihren Sohn treulich gepflegt, wenn
er von seinen langen Fahrten ermüdet heimkehrte. Um 10 Uhr
fuhr der Reiseprediger von Kulm vor, und in schnellem Laufe
trugen uns seine Pferde über die weite Prairie meinem nächsten
Bestimmungsorte zu. Unterwegs gewährte er mir einen Ein⸗
blick in seine Amtstätigkeit. Sein Gebiet dehnt sich weit aus.
Im letztverflossenen Halbjahr mußte er 3000 Meilen mit dem
Fuhrwerke zurücklegen, um seine Gemeinden mit Wort und
Sakrament zu bedienen.

Am Mittag erreichten wir Kulm. Auch der Visitator
dieses Bezirks hatte sich eingestellt und mir bereits vor einigen
Stunden bei der Kreuzung unserer Züge von weitem durch
Winken seine willkommene Anwesenheit angezeigt. In Kulm
gab es viel zu beraten und zu ordnen, und so nahm die Be⸗
sprechung den ganzen Nachmittag bis zur Abendstunde in
Anspruch. Nachdem wir uns dann noch in einem gastlichen
Hause durch Speise und Trank erquickt hatten, nahmen wir
von den Brüdern Abschied und befahlen sie der Gnade Gottes.
Der Visitator und ich fuhren nun auf einem Dakotaer
„Bummelzuge“ nach Hankinson und besprachen noch einmal
die Erlebnisse des Nachmittags; dann befahl er mir, ein wenig
zu schlafen, während er selbst sich in den Rauchwaggon begab,
um dort das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden.
Er erkundigte sich nach Glaubensgenossen, fand auch einen und
bei einer Pfeife Tabak hatte er mit diesem ein Religionsgespräch
und konnte ihn schließlich an einen unserer Reiseprediger be⸗
hufs Bedienung weisen. Zur Mitternacht erreichten wir Han⸗
kinson. Wir klopften bei Glaubensbrüdern an und fanden
freundliche Aufnahme.

Um ½4 Uhr morgens verabschiedete sich dann mein lieber
Freund von mir mit den besten Segenswünschen; ich aber

Dakota in nordwestlicher Richtung durchqueren wollte. —
Gegenwärtig breitet sich nun vor mir zu beiden Seiten die
endlose Prairie North Dakotas aus, auf der unsere lieben
Reiseprediger ihre mühevolle, aber selige Arbeit verrichten.
Und ihr Werk ist nicht vergeblich gewesen. Sie haben einen
Posten nach dem andern vorgeschoben und bereits an einigen
Orten die Grenze Montanas überschritten und unsern dortigen
Brüdern, die vom Westen her ihnen entgegenarbeiten, die Hand
gereicht. Auch zeigen sich unsere Gemeindeglieder im großen
und ganzen dankbar gegen ihre Pastoren. Wenn Gott vom
Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gibt, und der Acker seinen
Ertrag liefert, dann läßt der Dakota⸗Farmer seinen Pastor
das mitgenießen. So schrieb mir kürzlich ein Amtsbruder,

bestieg den Zug der Soo⸗Bahn,‚ auf der ich zunächst North'

seine Gemeinde zähle nur 12 Glieder; jedes Glied bezahle
etwa §40.00 Gehalt. Dabei gestattete ihm seine Gemeinde noch,
mehrere Predigtplätze zu bedienen und auswärtig zu missio⸗
nieren.
Auf der Canadian Pacific⸗Bahn, 22. Januar.

Gestern besuchte ich unser Arbeitsfeld zu Anamoose. Es
hat unter einer langen Vakanz gelitten, fängt jetzt aber an,
seitdem es wieder einen eigenen Pastor hat, sich zu erholen.
In der Stadt fand ich die herrliche Einrichtung vor, daß alle
Schulkinder vier Meilen in der Runde durch Omnibusse zur
Schule und dann wieder nach Hause gefahren werden. In⸗
folgedessen hat unser Pastor sehr regelmäßigen Schulbesuch.

Um Mitternacht führte mich der Zug weiter nördlich. In
Portal, an der Grenze, versuchte ich, billige Fahrt durch Kanada
zu erlangen; da ich jedoch kein Landsucher bin, so wurde ich
abgewiesen, trotzdem unsere Synode jährlich Tausende von
Dollars auf die Mission in Kanada verwendet. Das Wetter
ist heute wieder prächtig. Während das Thermometer vor
einem Jahre hier bis auf 50 unter Null sank, hatten wir letzte
Nacht nur leichten Frost. Allein der tiefe Stand der Sonne,
die heute morgen erst nach 8 Uhr sich anschickte, ihre kurze Bahn
zu laufen, zeigt mir an, in welch hohen Breiten ich mich gegen⸗
wärtig befinde. Mein heutiges Tagewerk soll sein, die vakante
Gemeinde in Milestone, Saskatchewan, Kanada, zu besuchen.

Moose Jaw, Sask., 23. Januar.

In Milestone wurde ich gestern abgeholt und fünf Meilen
hinaus aufs Land gefahren. Ich wunderte mich darüber, wie
schnell sich diese Gegend in wenigen Jahren entwickelt hat. Ich
konnte etwa 25 Meilen im Umkreise alles überschauen. üÜber
die ganze Prairie waren die Farmhäuser hingestreut. Da kein
Schnee lag, vermochte ich mich durch die Stoppeln von der
großen Fruchtbarkeit des Bodens zu überzeugen. Hier draußen
traf ich liebe Christen aus der Wisconsinsynode an, die von
Nebraska aus hier eingewandert waren. Ich hielt zunächst
einen Gottesdienst ab, daran schloß sich dann eine Jubelrede,
da unser Hauswirt, Herr C. F. Rohrke, mit seiner Frau in⸗
mitten einer großen Kinderschar und aller Glaubensgenossen
tags zuvor sein silbernes Hochzeitsfefst gefeiert hatte. Die
übrige Zeit des Nachmittags wurde einer Beratung über die
Gemeindeverhältnisse gewidmet. Bei sinkender Sonne verab⸗
schiedeten sich die freundlichen Leute von mir unter herzlichen
Dankesworten für das gepredigte Wort.

Heute morgen setzte ich meine Reise fort, um das Endziel
derselben, Calgary, Alberta, Kanada, unter der Engel Geleite
morgen zu erreichen. Zum Glück hatten wir hier in Moose
Jaw infolge Verspätung des östlichen Zuges mehrere Stunden
Aufenthalt. Ich benutzte die Zeit, unsere wenigen Glaubens⸗
genossen an diesem Orte, die ebenfalls seit Dezember ihren
Pastor verloren haben, aufzufuchen. Mit Hilfe eines Hotel⸗
mannes fand ich bald mehrere. Ich hörte, wie nötig mein
Besuch war, und bat sie, uns treu zu bleiben, da wir ja bereits
für ihre zeitweilige Bedienung bis zur Wiederbesetzung des
Gebietes gesorgt hätten. — Moose Jaw ist ein Eisenbahn⸗
zentrum. Der Zug, der uns jetzt gleich weiter führt, trägt
Leute aus aller Herren Ländern, durchkreuzt den ganzen Kon⸗
tinent von Meer zu Meer und nimmt auf seinem Laufe ver⸗
schiedene andere gewaltige Züge in sich auf, so W9 den der
* von St. —

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