Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 13 › Seite 239
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juni 1915, Seite 239
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wohl gar, um Geld aufzutreiben, zu Glücksspielen und zweifel⸗
haften entertainments greifen. Der Jüngste Tag wird es offen⸗
bar machen, wie viele Weltkinder durch den Geiz der Christen
im Geben für das Evangelium geärgert und dadurch verloren
gegangen sind. Carnegie geht mit seinem Spott über die ge—
ringen Gaben der Christen förmlich hausieren. Bei einem Ban—
kett im Osten stellte er kürzlich die Frage, wozu die Schotten
Münze in Kurs erhielten.
eine besonders kleine, sonst in England nicht gebräuchliche,
(Der Name der Münze ist mir
entfallen.) Als niemand die Antwort wußte, beantwortete er
Kirche nachkommen könnten.
ihren Pastoren ein AÄrgernis.
selbst die Frage dahin: die besonders kleine Münze sei dazu
in der Welt, damit die Schotten ihrer Schuldigkeit gegen die
Nun, Carnegie kann mit den
Sünden der Christen seinen Unglauben nicht entschuldigen.
Daß die Welt sich ärgert, ist und bleibt ihre Schuld. Der
Serr sagt:
„Wehe der Welt der Ärgernis halben!“ Aber der
SErr setzt auch hinzu: „Doch wehe dem Menschen, durch welchen
Argernis kommt!“ Matth. 18, 17. Daran wollen wir auch
bei dem Geben für Christi Reich denken und durch Gottes
Gnade auch in dieser Beziehung für die Welt nicht ärgerlich,
sondern erbaulich wandeln.
6. Die nach kleinen Gaben trachten, bereiten auch leicht
Die Pastoren sind
auch noch Menschen und werden von Menschenfurcht angefochten.
auf Gottes Wort und Willen zu bestehen.
Richtmaß krumm und sagen etwa:
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Reden wie diese:
Wenn sie nun die Unwilligkeit zum Geben sehen und gar Worte
hören wie diese: „Die ewige Bettelei!“ so verlieren sie den Mut,
Sie machen das
„Gebt doch wenigstens von
dem übrigen!“ Aber wo steht in der Schrift, daß die
Christen von dem, was übrigbleibt, geben sollen? Den Chri⸗
sten ist für ihre Gaben kein Wieviel, auch nicht Zeit und
Stunde, vorgeschrieben. Aber Gottes Wille an sie ist, daß sie
gern und willig geben, und daß ihnen das Geben für das
Reich Gottes im Vordergrund oder an erster Stelle stehe.
„Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach
seiner Gerechtigkeit, so wird euch solches alles“ — die Bedürf—
nisse für das irdische Leben — „zufallen“, Matth. 6, 33. Solche
„Gebt wenigstens von dem, was ihr ganz gut
übrig habt“ sind gegen Gottes Wort. Wir können unsern Chri—
sten nicht die Wahrheit erlassen, daß sie auch mit ihrem irdischen
vbölligen Gehorsam hindern.
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Gut zunächst dem Reiche Gottes zu dienen haben.
wird freilich nie ganz erreicht werden. Das
Das Ziel
Fleisch wird den
Aber den Mangel hierin sollen
die Christen als Mangel und Sünde erkennen. Sie sollen sich
ob dieser Sünde vor Gott demütigen, Vergebung dafür um
Christi willen erflehen und Gott um Kraft bitten, daß sie das
gottlose, geizige Fleisch immer mehr unter sich zwingen. Wir
wissen, daß es die Christen auch in andern Dingen nicht zur
völligen Heiligung bringen werden. Aber wir verrücken ihnen
doch deshalb nicht das Ziel, dem sie nachstreben sollen. Wir
sagen ihnen nicht: „Meidet doch wenigstens die gröbsten Aus—
brüche des Fleisches“, sondern wir schärfen ihnen ein: „Die—
weil wir nun solche Hoffnung haben, meine Liebsten, so lasset
uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns
reinigen und fortfahren mit der Heiligung in der Fulcht
Gottes“, 2 Kor. 7, 1. So dürfen wir auch den Christen
nicht das Ziel, an erster Stelle für das Reich Gottes zu
geben, verrücken. Sagen wir nur getrost den Christen voll
und ganz die göttliche Wahrheit in bezug auf diesen Punkt!
Wir haben ja dabei die Christen, insofern sie Christen
sind, voll und ganz auf unserer Seite. Auch der schwächste
Christ, erinnert Walther, will ja nach dem neuen Menschen gern
ganz seinem Heilande leben, der ihn mit seinem Gottesblut
erkauft hat.
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Was für Anzeichen haben wir dafür, daß wir in der
Zeit des letzten, großen Abfalls leben?
II.
Er (oer sprach: Sehet zu, lasset euch nicht verführen!
Denn viele werden kommen in meinem Namen
und sagen, ich sei es, und: Die Zeit ist herbei⸗
kommen. Folget ihnen nicht nach! Luk. 21, 8.
Wenn der Leser die Stellen miteinander vergleicht, an
denen die Heilige Schrift von dem Abfall der letzten Zeit redet,
so wird er da zwei Merkmale finden, an denen die Christen—
heit erkennen soll, daß die letzte Zeit der Welt vorhanden ist.
Das eine dieser Merkmale ist die große Kraft der Ver⸗
führung in der Zeit vor dem Jüngsten Tage, und das andere
Merkmal ist die große Zahl der falschen Propheten, die
dann im Namen Christi aufstehen werden und sprechen: „Er
hat's gesagt“ und durch ihre Irrtümer viele ins Verderben
bringen werden.
Von der großen Macht der Lüge, die sich in dem Abfall
vieler Glieder der äußeren Christenheit an die Loge, an den
Adventismus (Russellismus), Mormonismus, Spiritismus
und andere, zum Teil ganz wahnwitzige Einbildungen falscher
Propheten zeigt, haben wir letzthin gehandelt. Wir haben da
gesehen, daß gerade auch die Lehre der Schrift von den letzten
Dingen, vom Jüngsten Tag, von dem Gericht und den Höllen—
strafen, in unserer Zeit vielfach gefälscht wird, und daß gerade
hierin eine Erfüllung der Weissagungen, in denen die letzte
Zeit der Welt beschrieben wird, vor Augen liegt.
Wir wenden uns nun zu dem andern Merkmal der Ver—
führung der letzten Zeit, indem wir von der großen Zahl
derer handeln, die im Namen Christi aufstehen, sich besonderer
Offenbarungen rühmen, merkwürdige Zeichen und Wunder tun,
sich wohl gar für Christus ausgeben und durch ihre Lehren
ungezählte Scharen zum Abfall bringen. Wenn wir einmal
einen Blick tun in dieses Wirrsal, werden wir Gott danken,
daß er uns nicht nur ein festes prophetisches Wort gegeben,
sondern uns auch gerade vor dieser Gefahr so getreulich ge—
warnt und durch sein Wort dagegen gewappnet hat.
wenn uns dabei auch der Seufzer des Propheten auf die Lippen
kommt: „Hüter, ist die Nacht schier hin? Hüter, ist die Nacht
schier hin?“ und wir mit dem frommen Sänger klagen möchten:
O JéEsu Christ, du machst es lang
Mit deinem Jüngsten Tage;
Den Menschen wird auf Erden bang
Von wegen vieler Plage,
so tröstet uns doch Gott durch seinen Geist (2 Petr. 3, 10):
„Der SErr verzeucht nicht die Verheißung, wie es etliche für
einen Verzug achten, sondern er hat Geduld mit uns und will
nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann
zur Buße kehre. Es wird aber des HErrn Tag kommen wie
ein Dieb in der Nacht.“ Es soll uns das auch, wie es gleich
danach heißt, dazu dienen, daß wir „geschickt seien mit heiligem
Wandel und gottseligem Wesen, daß wir warten und eilen
Und
PP *
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