Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 13 › Seite 245
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juni 1915, Seite 245
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Reich ist die Insektenwelt in Brasilien vertreten. Das
beständig feuchtwarme Klima des Landes ist der Vermehrung
der Insekten sehr günstig. Kein Winter mit seinem Frost zer—
stört die Brut. Schlimm ist die Mückenplage, besonders in
den tiefer gelegenen Teilen des Landes und an den Flüssen.
Wer zum Beispiel in Porto Alegre sich niederzulassen gedenkt,
der rüste sich also mit einem Moskito⸗Schutznetz aus. In
unserm Seminar zu Porto Alegre konnten wir aus Geld—
mangel keine Schutzfenster und Schutzvorhänge gegen die Mos⸗
kitos beschaffen, weshalb im Sommer unsere Studenten oft
die für ein gedeihliches Studium am Tage so nötige Nacht⸗
Ein Frauenverein hier im Lande
würde ein gutes Werk tun, wenn er diesem übelstand abhelfen
und das Geld für die in den Schlafräumen nötigen Schutz—
mittel gegen die lästigen Moskitos stiften wollte.
Eine rechte Landplage sind die Ameisen. Man sagt,
Brasilien wäre ein ideales Land für Garten⸗ und Feldbau,
wenn die Ameisen nicht wären. Unter den interessanten Erleb—
nissen eines südamerikanischen Missionars spielen die Ameisen⸗
geschichten eine große Rolle. Nirgends anderswo wird man
das Leben dieser interessanten Tiere besser beobachten und
Sie sind überall, unter
der Erde und über der Erde, im Haus und im Garten, auf
Bäumen und Pflanzen.
nie auf.
Der Kampf gegen die Ameisen hört
Es gibt große und kleine, rote und schwarze, ge⸗
flügelte und ungeflügelte, wandernde und ansässige, bei Nacht
und bei Tag arbeitende Ameisen.
Die Vögel Brasiliens zeichnen sich aus durch ein herr—
liches Gefieder und durch schönen Gesang. Sie erfüllen Wald
und Feld mit ihrem Leben und Treiben. In den mächtigen
Baumkronen des Urwaldes wohnen prächtige Papageien, lang⸗
geschnäbelte, bunte Tukane, Finken, Drosseln und Stare. Der
hellklingende Ruf des Waldschmiedes schallt weithin durch den
—.—
Wald. Die blauröckige Krähe, die Waldpolizei, verfolgt mit
ihrem zornigen Gekreisch den Reisenden auf seinem Wege. Die
Gesundheitspolizei vertreten die Urubus oder Aasgeier, die als⸗
bald in großen Scharen da auftreten, wo verwesende Fleisch—
massen, etwa von einem gefallenen Stück Vieh, die Luft zu
vergiften drohen. In der Ebene auf den weiten Campos ist
der Strauß häufig zu sehen. Da mengt er sich unter die
Viehherden und läuft mit diesen um die Wette, wenn ein
heranbrausender Eisenbahnzug die Tiere verjagt.
An guten Jagdtieren ist in Brasilien kein Mangel. Das
beste Jagdtier war früher die Anta oder der Tapir. Das Tier
ist aber fast ausgerottet. Doch sind die Wälder und Fluren noch
reich an Hirschen, Rehen, Pakkas, wilden Hühnern, Tauben usw.
Die zahlreichen Flüsse des Landes sind voll schmackhafter
Fische. Der Fischfang wird im Großen und im Kleinen be—
trieben. Fische sind ein bedeutender Handelsartikel im Lande.
Am schmackhaftesten sind der Dourado, Piaba, Pintado und
Trahira.
Als interessante und Brasilien eigentümliche Tiere nennen
wir noch die Brüllaffen, die durch ihre Waldkonzerte zur Unter⸗
haltung der Anwohner und der Reisenden beitragen; ferner
den Ameisenbär, der seine meterlange klebrige Zunge in die
Ameisennester hineinsteckt und sich so seine Nahrung fängt.
Das Gürteltier trägt einen starken Panzer um den Leib, der
es gegen feindliche Angriffe größerer Tiere schützt. Die Lagarto,
eine Rieseneidechse, kämpft mit den großen Giftschlangen, indem
sie ihnen mit ihrem starken Schwanz das Kreuz zerschlägt, und
macht sich durch solche Betätigung sehr nützlich. Auch ein kleines
Krokodil, das Jakare, findet sich in den Sümpfen Südbrasiliens.
Schmetterlinge von nie gesehener Größe und Farbenpracht
geben dem Naturbild einen besonderen Zauber und Reiz.
Die Haustiere sind dieselben wie bei uns: Pferde,
Rinder, Schweine, Schafe, Ziegen, Hunde, Katzen, Hühner,
Gänse, Enten usw.
Nachrichten aus unsern Missionen.
Innere Mission. Canada. (Aus dem Briefe eines
Missionars an die Kommission.) Letzte Woche war überaus
schwer. Sonntag war ich in V., hielt Gottesdienst und erteilte
Unterricht. Montag heim. Abends erhielt ich ein Telegramm:
Herr S. in O. liege im Sterben und verlange das heilige
Abendmahl. Dienstagmorgen um ½8 ging's fort. Den
ganzen Tag gereist bis abends 6. Von R. sind es siebzehn
Meilen bis O. Ich traf den Mann, der 82 Jahre alt ist, noch
am Leben an und reichte ihm das Abendmahl. Am nächsten
Morgen wollte ich beizeiten nach V. zurückfahren (zwanzig
Meilen), aber da kamen zwei Männer an und baten mich,
Gottesdienst mit Abendmahlsfeier zu halten. Sie waren in
vier Jahren erst einmal zum Sakrament gewesen. Ich sagte
schließlich zu, bat aber, sie möchten etwas früh zusammenkom⸗
men, da ich beabsichtige, nach V. und L. zu fahren. Sofort
wurde ein Sohn fortgeschickt, um den sechs Familien die frohe
Botschaft zu bringen. Daß es eine frohe Botschaft war, zeigte
ihr frühzeitiges Sicheinstellen. Schon um 7 Uhr waren alle
versammelt, und der Gottesdienst begann. Fünfzehn Gäste
kamen zum Tisch des HErrn, und man lauschte der Predigt
mit außergewöhnlicher Aufmerksamkeit. Um ½9 Uhr war
der Gottesdienst aus, und um 9 waren wir schon auf dem
Weg nach V. Beim Abschied war es ein allgemeines „Gott
befohlen!“ „Leben Sie wohl!“ „Auf Wiedersehen!“ „Glück⸗
liche Reise!“ „Kommen Sie mal wieder!“ usw. Und warum?
Sie alle waren mit herzlichem Verlangen nach der himmlischen
Speise erfüllt, und ihre Seelen waren durch Wort und Sakra⸗
ment erquickt worden.
Um 12 Uhr kamen wir nach V. Dort wollte ich von
Herrn A. ein Pferd nehmen und nach L. fahren. Er konnte
aber keins entbehren. Ich nahm mir dann ein Gespann aus
dem Leihstall und fuhr nach L. (32 Meilen). Das kostete
mich 5 Dollars. Ich kam um 7.15 nach L. und hielt an dem—
selben Abend noch eine Versammlung ab. Es war beinahe
12 Uhr, als die Leute heimgingen; dann saßen wir noch ein
wenig auf, und am nächsten Morgen ging es um 5 Uhr schon
wieder hinaus. Etwa um 9 Uhr fuhr ich los.
Nachdem ich den ganzen Tag (Donnerstag) gefahren war,
kam ich um ½11 Uhr nach M. J. Am Freitagmorgen um
½8 mußte ich schon wieder fort nach H. und kehrte erst um
10.45 abends zurück, ging um ½2 zu Bett. Um 5 Uhr Sams⸗
tag früh mußte ich nach L. Von L. fuhr ich nach Ft. Q. und
per Eisenbahn nach M., um K. zu sehen, der aber nicht zu
Hause war, und dann direkt zurück nach R., wo ich Dienstags,
Mittwochs und Donnerstags Schule halte. Freitag nach H.
und Samstag nach B. Frau und Kinder haben in den letzten
Tagen wenig von mir gesehen.
Ma.
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