Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 13 › Seite 251

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juni 1915, Seite 251

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Vorſehung

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denn jährlich viele Tausende von Witwen mit ihrem Manne ver⸗
brennen lassen, bis seit 1829 die englische Regierung diese Sitte
durch strenge Verbote allmählich unterdrückt hat. Aber die indi—
schen Frauen sind nicht glücklich darüber. Viele grollen den
Engländern, diesen Fremdlingen, die ihnen nicht mehr erlauben
wollen, den Ausgang aus allem Witwenelend im Tode zu suchen.
Nun bleibt der Fluch auf ihnen liegen. „Die Todesstrafe ist in
lebenslängliches Zuchthaus verwandelt“, hat man mit Recht ge—

sagt. So schleppt denn die Witwe ihr Leben hin bis zum ein⸗

samen Tode. Ohne Trauerfeierlichkeiten tragen Männer der nie—
dersten Kaste ihren Leichnam zum Scheiterhaufen.

Freuen wir uns und danken wir Gott, daß das Evangelium
immer weiter in Indien vordringt, wodurch das Licht der Gnade
IEsu auch in die finstere Nacht des Elends der indischen Frauen⸗
welt getragen wird.

———

Was ein berühmter Ingenieur erlebt hat.

Es war an einem stürmischen Novemberabend im Jahre
1864, als Brunel, der Erbauer der stolzesten Eisenbahn Englands
und des einst größten Dampfschiffes der Welt, Great Eastern, in
seinem prächtigen Hause mit mehreren Freunden an einer reich—
besetzten Tafel saß. Die Gesellschaft war in der heitersten Stim⸗
mung. Auf einmal wurde alles still; denn der Hausherr, der
von allerlei Erfahrungen in seinem reichen Leben zu sprechen
angefangen, hatte eben mit ernster Betonung folgenden Aus—
spruch getan: „Glauben Sie es nur, meine Herren, es gab in
meinem Leben Augenblicke, wo die göttliche Vorsehung ganz
deutlich an meinem Kopfe klopfte.“

Diese Worte aus dem Munde des bekannten Ingenieurs er⸗
regten die allgemeine Aufmerksamkeit, und Brunel wurde von
seinen Gästen ersucht, doch etwas Näheres über die außerordent—
lichen Augenblicke seines Lebens zu erzählen. „Herzlich gern!“
erwiderte der Gastgeber. „Wenn Sie mir einige Minuten Ihre
Aufmerksamkeit schenken wollen, will ich Ihnen erklären, was ich
unter dem ‚Anklopfen der Vorsehung“ verstehe.

„Die älteren unter meinen Freunden wissen, daß ich mehr
als ein halbes Dutzendmal dem Tode auf eine wunderbare Weise
entgangen bin. Als mein Vater den Tunnel unter dem Themse⸗
fluß baute, wurde ich zweimal von dem einbrechenden Wasser
fast ertränkt. Mit einem Pferde fiel ich in einen fünfzig Fuß
tiefen Graben. Ein andermal stieß eine von mir geführte Loko—
motive mit einer andern zusammen. Einmal fiel ich fünfund—
zwanzig Fuß tief in den Raum eines eisernen Schiffes. Als ich
eines Tages mit meinen Kindern spielte, warf ich ein Geldstück
in die Höhe, um es mit den Lippen aufzufangen; es blieb mir
sechs Monate lang im Halse stecken, und da hat mein Leib⸗
doktor, Sir Benjamin — Gott lohne es ihm! — mir's auf Leben
und Tod herausgeschnitten; aber bei dem allem hat das „Etwas“
nicht an meine Stirn geklopft. Als ich aber an einem Winter—
abend in meinem Arbeitszimmer saß und über den Bau meines
Leuchtturms und Hafens in Bristol nachsann und an die Kraft
der Flutwellen dachte, da wurde mir auf einmal der Grund
einer früheren rätselhaften Erfahrung klar; wie Schuppen fiel
es mir von den Augen. Der allmächtige Gott sprach leise, aber
deutlich mit mir.

„Sie wissen, meine Herren, wie es mir mit dem Great
Fastern, dem zur Zeit größten Dampfschiff, das der Volksmund
Leviathan“ nannte, erging. Es war im Juli 1857 so weit fer⸗
tig, daß es vom Stapel laufen konnte. 600 Fuß lang und
120,000 Zentner schwer, lag es auf Eisenbahnschienen und sollte
nun ins Wasser gelassen werden. Tausende und aber Tausende
von Menschen waren am Ufer versammelt, um das gewaltige

Schauspiel mit anzusehen. Alle Ketten wurden gelöst, alle
Stützen weggeschlagen; der Koloß fing langsam an, auf seiner
schiefen Bahn abwärts zu gleiten, und hätte er sich noch eine!
Minute lang weiter bewegt, so wäre der ungeheuerste Jubel los⸗
gebrochen, und der größte Augenblick eingetreten. Da auf einmal!
hörte das Gleiten auf, das Schiff hielt stockstill, und weder die
Kraft von Dampf- und hydraulischen Maschinen noch die Anstren⸗
gung von Hunderten von Menschen und Pferden brachte es vor—
wärts. Ich weiß nicht, wie es kam, daß ich nicht darüber den
Verstand verlor; aber das weiß ich jetzt ganz genau, daß Gott
diesen Stapellauf verhinderte, und daß das, was ich für mein
größtes Unglück hielt, meine größte Wohltat war.“

Atemlose Stille herrschte an der Tafel, und alle Blicke hingen
an den Lippen des großen Meisters. „Bedenken Sie“, sprach!
dieser mit leuchtenden Augen weiter, „welches die Wirkungen der
Flutwellen gewesen sein würden, wenn das Riesenschiff plötzlich
in die Wellen der Themse eingetaucht wäre! Auf eine Streckei
von mehr als 600 Fuß hätte sich das Wasser auf einmal zehn,!
ja zwanzig Fuß gehoben, und das flache Ufer, auf dem Hundert⸗
tausende standen, wäre dreimal mannshoch unter Wasser gesetzt
worden. Niemand wäre dem Tode entgangen!“

—

—

Eine kleine Gabe mit einem großen Ergebnis.

Der Sohn eines Häuptlings von Burdwan wurde durch:
einen einzigen Traktat bekehrt. Als er ihn erhielt, konnte er,
nicht lesen; aber er machte eine fünfzig deutsche Meilen weite
Reise nach Rangun, wo die Frau eines Missionars ihm Unter⸗
richt im Lesen gab. Nachdem er achtundvierzig Unterrichtsstunden
bekommen hatte, war er imstande, den Traktat zu lesen. Er,
wurde dadurch bekehrt. Von der Liebe zu seinen Mitmenschen,
erfüllt, nahm er eine Anzahl Traktate und kehrte in seine Heimat
zurück, wo er unter vielen Schwierigkeiten das Evangelium pre⸗
digte. Aber er wurde das gesegnete Werkzeug, Hunderte zu Gott
zu bekehren. Er war ein Mann von großem Einfluß. Das Volk
sammelte sich um ihn, und in einem Jahre wurden in Arrakan
über tausend Eingeborne getauft und in die Gemeinde aufgenom⸗
men. Und das alles durch einen kleinen Traktat!

Dieser Traktat kostete fünf Pfennig. Wessen Fünspfennig⸗
stück mochte es gewesen sein? Gott allein weiß es. Vielleicht war
es die Gabe eines kleinen Mädchens, vielleicht auch der mühsame:
Verdienst eines fleißigen Knaben oder das Opfer einer armen;

Witwe! Aber welcher Segen ruhte darauf!
(Spurgeon, Mission.)
— ——————— —
Todesanzeige.

Am Pfingstsonntagnachmittag hat der HErr einen durch seine!
Gnade treuen und hochbetagten Diener seines Wortes durch einen
seligen Tod von allem übel erlöst und ihm ausgeholfen zu seinem
himmlischen Reich. Es war dies P. Johann C. Schwan⸗
kovsky. Derselbe wurde geboren am 19. März 1824 zu Re⸗
gensburg in Bayern. Schon in seinem sechzehnten Lebensjahre)
entstand in ihm das herzliche Verlangen, dem HErrn als Prediger;
zu dienen, und um sich darauf vorzubereiten, trat er in das Mis⸗
sionshaus in Basel ein. Nach bestandenem Examen wurde er
von der zuständigen Behörde als Prediger des Evangeliums nach
Amerika abgeordnet. Er kam am 15. November 1848 in New!
Orleans an. Nach teils längerer, teils kürzerer Tätigkeit in den—
Synoden von Pennsylvania, Ohio und Buffalo führte ihn der!
OErr in die rechtgläubige Kirche seines reinen Wortes. Bei der!

V

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