Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 13 › Seite 246

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juni 1915, Seite 246

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246 S Der „TutheraneS

Indianermission. Über die von unserer Synode in Sha—
wano Co., Wis., betriebene Indianermission ist Erfreuliches zu
berichten. Nachdem die Kommission längere Zeit vergeblich
Berufe ausgeschickt hatte, um einen Nachfolger für P. Larsen
zu finden, der sein Amt niedergelegt hatte, schenkte uns Gott
in P. C. Günther aus der Wisconsinsynode einen geeigneten
und tüchtigen Mann für dieses schwere Arbeitsfeld. P. Gün⸗
ther steht nun seit Dezember des vorigen Jahres dort in ge—
segneter Tätigkeit. Die Indianer, die bekanntlich sehr zurück—
haltend sind, haben ihn schon recht liebgevbonnen. Zu unserer
großen Freude wird uns jetzt mitgeteilt, daß Kand. O. Lang
vom Seminar in St. Louis einen Beruf in den Dienst unserer
Mission angenommen hat.

In Red Springs, wo der Missionar wohnt, ist jeden
Sonntagvormittag Gottesdienst. Die Zahl der Zuhörer be—
trägt durchschnittlich 85, 40 Erwachsene und 45 Kinder. An
jedem zweiten Sonntagnachmittag wird in Morgan Siding
vor etwa 20 Zuhörern gepredigt. Wir sind jetzt dabei, die
Gemeinde in Red Springs zu organisieren. Die Konstitu—
tion ist nach längerer Beratung angenommen und bereits von
11 Stimmfähigen und 21 Frauen unterschrieben worden.
Diese Zahl wird voraussichtlich noch beträchtlich wachsen. In
der nächsten Versammlung sollen Vorsteher und andere Beamte
gewählt werden. Die Seelenzahl beträgt 215, die Zahl der
Kommunizierenden 105.

Große Besorgnis bereitete uns letzten Herbst unsere Mis—
sionsschule. Als die Schule anfangen sollte, hatten wir weder
Missionar noch Lehrer. Alle an Lehrer ausgesandten Berufe
wurden uns prompt zurückgeschickt, und einen Studenten zur
Aushilfe konnte man uns auch nicht schicken. Aber Gott half.
Nachdem ein in Carlisle ausgebildeter Indianer die Schule
eröffnet und mehrere Wochen lang weitergeführt hatte, fanden
wir eine geeignete Lehrerin. Trotzdem die Schule erst längere
Zeit nach Eröffnung der Staatsschule beginnen konnte, be—
scherte uns der liebe Gott doch einen reichen Segen, 54 Kinder,
von denen wir 45 im Internat beköstigen. Wer wie der Unter—
zeichnete Gelegenheit hat, diese Schar Kinder zu beobachten,
wie sie die biblischen Geschichten mit großer Freude hören und
lernen, wie sie so andächtig beten, wie sie ihren Pastor so liebͤ—
haben, wird nicht umhin können, Gott zu loben und zu preisen
für sein gnädiges Wohlgefallen an der geringen Arbeit, die
wir an diesen Heiden tun. Es ist Tatsache, unsere Indianer—
mission beginnt sich neu zu beleben, und Gott verlangt von
uns weitere Arbeit und Opfer zur Fortführung und Aus—
dehnung des angefangenen Werkes.

Gewiß werden die lieben Christen weit und breit sich
freuen zu erfahren, daß wir seit letztem Herbst einen Indianer—
knaben auf unserer Anstalt in Winfield haben. Er ist fest ent—
schlossen, Pastor zu werden und seinen Stammesgenossen die
Botschaft von Christo zu bringen. Das uns vom Lehrerkolle—
gium in Winfield zugesandte Zeugnis ist durchweg gut und be—
rechtigt zu den besten Hoffnungen. Da er völlig mittellos ist,
muß er ganz und gar durch Liebesgaben unterhalten werden.
Ohne Zweifel sind in unserer Synode Christen zu finden, die
bereit sind, diesen Schüler aus eigenen Mitteln zu unterhalten
oder doch jährlich einen regelmäßigen Beitrag dazu einzu—
schicken. In diesem Zusammenhang sei auch gleich erwähnt,
daß vor etlichen Monaten ein zweiter Indianerjüngling zu
unserm Missionar kam und sich bereit erklärte, sich für den

Dienst im Weinberge des HErrn auszurüsten. Da er ein 1
ernstes und frommes Wesen zeigt, haben wir ihm vorläufig im
Pfarrhause Unterkommen gewährt. Er wird nun vom Missio—
nar privatim unterrichtet, und wenn er sich als tüchtig erweist,
werden wir auch ihn nächsten Herbst nach Winfield schicken.

Die Ansprüche an unsere Kasse sind im letzten Jahre“

größer gewesen als seit Jahren. Durch den Wiederaufbau
des abgebrannten Pfarrhauses sind uns 2000 Dollars Extra⸗
ausgaben entstanden. Der Bau eines durchaus nötigen Wasch—
hauses mit Einstellung von Maschinerie sowie die Einrichtung
eines neuen Beleuchtungssystems an Stelle des alten, das wir
zerstört vorgefunden haben, hat weitere 1000 Dollars ver—
schlungen. Um die Kirche, die auf einer Anhöhe steht, und
deren Mauer durch Unterwaschungen schon Schaden gelitten
hatte, vor Verfall zu bewahren, mußten wir eine größere
Schutzmauer bauen. Da wir es für vorteilhaft halten, die
dort befindlichen 20 Acker Landes zum Besten des Instituts
zu beackern, was bisher nicht geschehen ist, haben wir Pferde
und Ackergerätschaften gekauft. In Anbetracht dieser vielen
Extraausgaben und des großen Haushalts, den wir führen
müssen, ist es nicht zu verwundern, daß unsere Geldmittel nicht
nur erschöpft sind, sondern daß wir Schulden haben. Mit Aus⸗
nahme des Stalles, der baufällig ist und durch einen neuen er—
setzt werden sollte, befindet sich nun aber das ganze Anwesen
in gutem Zustande.

Die Kommission ist der Meinung, daß es dem Institut
zum großen Vorteil gereichen würde, wenn wir ein angren—
zendes Stück Land, 60 Acker groß, noch dazukaufen könnten.
Dann hätten wir 80 Acker, die viel dazu beitragen würden, 4
es dahin zu bringen, daß die Anstalt die Kosten ihres Unter-
halts selbst deckt. Jetzt ist dieses Land noch verhältnismäßig
billig zu haben, für etwa 4000 Dollars. In wenigen Jahren
wird es bedeutend wertvoller sein, da die Gegend sich rasch
ansiedelt. Ob uns wohl Gott Mittel und Wege zeigen wird,
dieses Ziel zu erreichen?

Die lieben Christen wollen sich auch dieses so wichtigen
und gesegneten Werkes im Weinberge des SErrn fernerhin
liebreich annehmen und es mit milden Gaben und kräftiger
Fürbitte unterstützen. In ihre Fürbitte wollen sie ganz be—
sonders unsern treuen Missionar einschließen, der seit einiger
Zeit leidend ist und nur unter großer Anstrengung seinem
Amte vorstehen kann. Der SeErr aber sei uns freundlich und
fördere das Werk unserer Hände! H. Maack jun.,

Vorsitzer der Kommission.

London. P. Knippenberg schreibt aus London, England,
am 8. Mai: „Blutenden Herzens muß ich Ihnen mitteilen,
daß durch die Unruhen, welche die Deutschen in London be—
troffen haben, auch unsere Mission in Mitleidenschaft gezogen
und in ihrer Existenz bedroht ist. Die Kaufläden meiner Ge⸗
meindeglieder wurden fast alle von wütenden Pöbelhaufen zer⸗
stört, die Inhaber ihrer Erwerbsquelle beraubt; sie sind nur
froh, daß sie unter Gottes Schutz mit dem Leben davongekom—
men sind. Aber selbst dies größte unter den irdischen Gütern
scheint nicht mehr gesichert; viele Frauen und Kinder verlassen
darum fluchtartig das Land; die andern samt den alten Män—
nern werden wohl bald ausgewiesen, und die waffenfähige
Mannschaft wird ins Konzentrationslager gebracht werden.
Etliche, darunter insonderheit naturalisierte Bürger, wollen zu—
nächst noch versuchen, sich hier zu halten. Somit ist mir mein

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