Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 13 › Seite 243
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juni 1915, Seite 243
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht · Zeit 3
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5 Der .„Tutheransse
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Länge nach auf dem Fußboden lag. Als sie aufsprang, wichen
die sie umstehenden Frauen zurück. Mit wirrem, aufgelöstem
Haare und mit verzerrtem Gesichte lief sie auf die ‚Ungläu—
bigen“ zu, wo ein städtischer Beamter saß. Sie schien im Be⸗
griff zu stehen, ihm das Gesicht zu zerkratzen. Dann begann sie
Luftsprünge zu machen, die immer schneller und höher wurden,
wobei sie fortwährend unverständliche Worte mit einer unglaub—
lichen Schnelligkeit ausstieß. Dies währte etva drei bis vier
Minuten. Sie schien sich in furchtbarer Wut zu befinden und
machte dem Beamten augenscheinlich Vorwürfe wegen seiner
Ungläubigkeit.“ Auch die Full Gospel Missions, die in ver⸗
schiedenen Teilen Chicagos zu finden sind, sind nichts anderes
als Stätten des Zungenredens. Manche dieser Leute treiben
es so toll, daß die Polizei einschreiten muß.
Von der Verbreitung dieser Sekten macht man sich schwer—
lich eine Vorstellung. Berichte über die Pfingstbewegung
liegen uns vor aus Schweden, Norwegen, Dänemark, Eng—
land, Deutschland, Indien, China, Südamerika und aus unserm
Lande. Unser Missionar Ortel auf der ISle of Pines, südlich
von Kuba, teilt uns in einem Briefe mit, daß selbst in dieses
ferne Fleckchen Erde die Holy Jumpers gedrungen sind.
Leser, bedenke, daß weitaus die meisten der in diesem
Artikel genannten Sekten in unserer Zeit, ja in den letzten
Jahrzehnten aufgekommen sind. Es ist ganz klar, daß wir in
einer Zeit leben, da viele falsche Propheten kommen, wie
Christus das vorausgesagt hat, und daß der Abfall ein gar
großer ist. Und doch können wir mit dieser Sache noch nicht
abschließen. Ja, die Hauptsache haben wir noch gar nicht be—
rührt. Und was ist das? Das ist die Tatsache, daß inner⸗
halb der christlichen Gemeinschaften Anzeichen eines wahrhaft
erschreckenden Abfalls vorhanden sind. Davon wollen wir in
zwei Wochen handeln. Wir schließen diesen Abschnitt mit dem
Wort, das uns der Apostel zuruft (Hebr. 13, 9): „Lasset euch
nicht mit mancherlei und fremden Lehren umtreiben; denmes ist
ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches geschieht durch
Gnade!“ G.
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Bericht über die Verhandlungen des Sstlichen Distrikts.
Im schönen Nork im Staate Pennsylvania versammelten
sich zur schönsten Jahreszeit, vom 28. April bis zum 4. Mai,
wohl an die 200 Pastoren, Lehrer und Delegaten des Sstlichen
Distrikts zu ihrer 46. Jahresversammlung inmitten der gast—
lichen Gemeinde unsers lieben Präses H. H. Walker.
Der Predigt des Ehrw. Allgemeinen Vizepräses P. Brand
im Eröffnungsgottesdienst lagen die Worte unsers Heilandes
zugrunde, die er Offenb. 3, 2 der Gemeinde zu Sardes zuruft:
„Sei wacker und stärke das andere, das sterben will!“ Im
Einklang mit den ernst mahnenden und herzlich ermunternden
Worten dieser Predigt war die Synodalrede des Präses über
Joh. 8, 31, worin er zu treuem Festhalten an der erkannten
Wahrheit ermahnte und ermunterte.
Den Lehrverhandlungen, von P. F. Verwiebe geleitet, lag
zugrunde das Thema: „Die Reformation der Kirche durch
Luther ein Werk Gottes.“ In zwei Jahren gedenken wir ja,
so Gott will, die vierhundertjährige Wiederkehr des Refor—
mationsfestes zu feiern. Diese Arbeit, die aber leider un—
vollendet blieb, sollte dazu dienen, uns zu zeigen, wie Gott
durch sein auserwähltes Rüstzeug, D. Martin Luther, seiner
Kirche aus der greulichen Finsternis des Papsttums gnädig ge—
holfen hat. Der Referent zeigte im ersten Teil der Arbeit,
wie die Macht und Ansprüche des Papsttums im Laufe der Zeit
entstanden sind und sich entwickelt haben; wie dadurch in der
Kirche ein entsetzliches Verderben einriß, und daß alle Versuche,
diesem Verderben zu steuern, völlig mißlangen, ja, daß auch
die sogenannten Vorläufer der Reformation nicht zur ganzen,
vollen Klarheit in der Lehre von der Rechtfertigung allein aus
Gnaden durch den Glauben durchgedrungen waren, bis es end⸗
lich Gott gefiel, durch Luther seiner Kirche wieder das helle
Licht des Evangeliums zu geben. Im zweiten Teil der Arbeit
wurde zunächst eingegangen auf Luthers Kindheit und Jugend
und gezeigt, wie Gott ihn schon damals durch schwere geist⸗
liche Anfechtungen führte, wobei er so recht am eigenen Herzen
das erbsündliche Verderben des Menschen und die völlige und
entsetzliche Trostlosigkeit der päpstlichen Lehre kennen lernte,
wodurch er ins Kloster getrieben wurde, um dort den Frieden
mit Gott zu finden, den er jedoch nicht fand. Gott aber ließ
ihn endlich durch das Studium der Heiligen Schrift zur Klar—
heit darüber kommen, daß wir durch den Glauben an Chri—
stum volle Vergebung der Sünden haben, und daß wir unsers
Gnadenstandes und unserer Seligkeit gewiß sein können und
sollen. Durch diese Erkenntnis und durch die Predigt hier—
von ist Luther durch Gottes Gnade der Reformator der Kirche
geworden. Dann wurde weiter auf die Kämpfe hingewiesen,
die Luther mit seinen vielen Gegnern zu bestehen hatte, wie
er vom Papst in den Bann getan und vom Kaiser in die Acht
erklärt wurde. Behandelt wurde auch noch Luthers Streit mit
Erasmus. Dann mußte wegen Mangels an Zeit mit den Lehr—
verhandlungen abgebrochen werden, die, will's Gott, bei der
nächsten Sitzung weitergeführt werden sollen, wobei dann im
dritten Teil der Arbeit gezeigt werden soll, was wir für unsere
Zeit und unsere Verhältnisse von diesem Werk Gottes durch
Luther lernen können und sollen.
In den Nachmittagssitzungen hörte die Synode die Berichte
der verschiedenen Distriktskommissionen und faßte die nötigen
Beschlüsse. Der Bericht der Kommission für die Innere
Mission des Distrikts zeigte, daß das Missionswerk an den
verschiedenen Orten einen steten Fortgang hat. Drei Ge⸗
meinden wurden im Laufe der letzten zwei Jahre selbständig
und begehren daher keinen weiteren Zuschuß aus der Missions⸗—
kasse. Besonders erfreulich war es, zu hören, daß die Schuld,
mit welcher sich die Missionskasse seit einigen Jahren geschleppt
hat, getilgt worden sei. Für das nächste Jahr wurden für
dies Werk, in dessen Dienst nun 14 Pastoren, 1 Student und
2 Lehrer an 30 Orten wirken, 85615 bewilligt. Die Kom—
mission für die Studentenkasse konnte über eine reich⸗
gesegnete Arbeit berichten. Im Laufe der letzten zwei Jahre
wurden 37 Schüler und Studenten auf den verschiedenen Lehr—
anstalten, zum Teil gänzlich, unterstützt und für diesen Zweck
55334.99 verausgabt. Die Kommission zur Verwaltung der
Kirchbaukasse, die jetzt über ein Kapital von §61,555.77
verfügt, reichte ebenfalls einen recht interessanten Bericht ein.
Der Bericht zeigte eine Einnahme von §16,202.18 und eine
Ausgabe von §13,671.85. Im ganzen haben 25 Gemeinden
Gelder im Betrag von §59,085.44 aus dieser Kasse als zins⸗
freie Darlehen. Nicht ganz so erfreulich lautete der Bericht
der Unterstützungskommission. Die eingelaufenen
Gelder aus dem Distrikt reichten auch in diesen zwei Jahren
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