Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 71, Nummer 13 › Seite 241

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 22. Juni 1915, Seite 241

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Unzucht · Zeit 3

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S. utheraner

haben. Bei einer Haussuchung in Hanish' „Tempel“ fand die
Polizei Bücher vor, deren Inhalt sie von der Beförderung
durch die Post ausschloß.

Albert Dahlström, ein Schwede, gründete unter
den Schweden hierzulande eine neue Religion, die sich haupt⸗
sächlich durch übung der „freien Liebe“, also der Hurerei, aus⸗
zeichnete. Vor einigen Jahren wurde Dahlström in Seattle
auf fünf Jahre Zuchthaus wegen Verführung verurteilt. Ahn⸗
liche Lehren führten „Pastor“ Schweinfurt, „Prof.“ See und
andere Erfinder neuer Religionen.

Merkwürdig ist, wie viele der Irrtümer, die die Christen⸗
heit der letzten Zeit beunruhigen, im Grunde genommen nichts
als Beschönigung von Sünden gegen das sechste Gebot sind;
eine ganz augenfällige Erfüllung des Wortes 2 Tim. 3, 1—6.
Vergleiche auch 2 Tim. 4, 3. Bedeutsam ist, daß auch die
Christian Science-Religion von keinem Ritual oder Formular
für Trauungen etwas weiß.

House oF David. Eine Sekte, die ihr Wesen bei St. Jo⸗
seph, Mich., treibt. Auch diese Religion ist auf Übung der
„freien Liebe“ aufgebaut.

Ho Ghost and Us Society. Gegründet zu Shiloh,
Maine, von Frank W. Sanborn, der seine betörten Anhänger
glauben machte, er könne jeden Wunsch durch Gebet erfüllen.
Nachdem er große Reichtümer gesammelt hatte, ist er durch⸗
gebrannt, und man hat nicht wieder von ihm gehört.

Die Swamis. Das sind indische Schwindler, die eine
Religion aus Christentum und indischem Götzendienst zusam⸗
mengebraut haben und besonders unter wohlhabenden ameri⸗
kanischen Frauen großen Zulauf erfahren.

Die Neu⸗Irvingianer. Diese Sekte wurde von
einem gewissen Krebs in Deutschland gegründet, als die häufi⸗
gen Berechnungen der Irvingianer, mit denen sie das Datum
des Jüngsten Tages feststellen wollten, sämtlich fehlschlugen.
Krebs lehrt, nicht IEsus, der auf Golgatha Gekreuzigte, son⸗
dern „Jesus im Apostelamt“ bringe Vergebung der Sünden,
und das „Apostelamt“ hatte — Krebs. Er nannte sich „Apostel⸗
vater“; denn „wie in der Arche Noahs, so dringe auch in der
geistlichen Arche das Licht nur durch ein Fenster“. Kann es
Alberneres geben?

Die Neu-⸗Irvingianer singen von Krebs:

Ja, nirgends auf dem Erdenrund

Fühl' ich so frei mich von Beschwerde
Als an der Brust von Vater Krebs;
Das war mein Himmel auf der Erde.

Wenn ihn seine Anhänger fragten, was er mit ihrem Geld
mache, antwortete er: „Die Kinder haben ihren Vater nicht
zu fragen, was er mit ihrem Gelde macht.“ (So ließen auch
diese Abgefallenen wie so viele andere sich schinden gemäß dem
Wort Pauli, das er 2 Kor. 11, 20 zu gewissen Abgefallenen
in seiner korinthischen Gemeinde redete.) Als Krebs 1905
an seinen Ort fuhr („sein Leben zum Schuldopfer gab“, sagen
seine Nachfolger), wurde ein Westfale, Niehaus, Apostelvater.
Niehaus rühmte sich, daß er von „Krebsgeist“ erfüllt und mit
„Krebsfett“ gesalbt sei!! Trotz des gotteslästerlichen Ge⸗
schwätzes dieser Sekte hat sie sich in kurzer Zeit auf 120,000
Glieder vermehrt, und das im Lande der Reformation!

Die Come-Outists. Diese Leute treiben ihr Unwesen in
unsern östlichen Staaten. Sie gründen ihren Namen auf 2 Kor.
6, 17 und sind chiliastische Fanatiker. Sie wollen Krankheiten

durch das Auflegen von Taschentüchern heilen und üben außer⸗
dem die Sitte des Fußwaschens und des „heiligen Kusses“.

Auch die Sarnts Cyurch übt das Fußwaschen und den
„heiligen Kuß“. Die Männer dürfen keine Krawatten (neck-
ties) tragen. Sie sind in dreißig Staaten unserer Union
vertreten.

Die Dunhards. Diese Sekte, die 120,000 Anhänger zählt,
ahmt das Leben der Einwohner des Heiligen Landes zur Zeit
Christi nach. Sie tragen lange Gewänder, pflegen Oliven⸗
haine und züchten Esel, weil die Israeliten das taten, lassen
sich nie photographieren und lesen nie Zeitungen usw., weil
das im Heiligen Lande zur Zeit der Apostel nicht geschah. Auch
sie halten das Fußwaschen für ein Sakrament.

Die Jaerellettes haben Gemeinden in Indiana und Michi⸗
gan. Sie sind einmal nach Schottland ausgewandert, weil sie
glaubten, daß dort Christus seine Gemeinde gen Himmel
führen werde.

Die Theonomisten sind eine neue Sekte, die in
Washington, D. C., Versammlungen abhält. Ihre Lehre ist
aus den verschiedensten Religionen und Philosophien zusam⸗
mengerührt.

Church of t=e First-born. Der Hauptartikel dieser Sekte
ist, daß Christus unter einem Apfelbaum geboren sei.

Die Christlichen Israeliten. Diese lassen nie
ein Schermesser an ihr Haupt⸗ und Barthaar. Sie haben ihren
Hauptsitz bei Boston. Sie erwarten das tausendjährige Reich
im Jahre 1916.

Flyinꝗ HEollers. Bei Chicago wohnhaft. Auch diese Leute
halten es für eine Sünde, Haupt⸗ und Barthaar zu scheren,
und nennen sich „Jünger IEsu des zwanzigsten Jahrhunderts“.

„Die wahren Jünger JEsu.“ So heißt eine Ge⸗
meinschaft, die als Hauptartikel ihrer Religion die Lehre vor⸗

trägt, das Hantieren von Schlangen, ohne dabei eine Ver⸗

letzung davonzutragen, sei der höchste Beweis der Gnade
Gottes. Sie beten Schlangen an. Ihr Wohnort ist in einem
der Südstaaten.

Tempel der Toleranz. Versammlungsort einer
neuen Sekte in Washington, D. C., deren Hauptsatz ist, daß
alle Religionen gleichberechtigt seien. Am Eröffnungsabend
las ein Hindu die Lehren Buddhas, dann kam ein Chinese,
der aus den Schriften des Konfuzius vorlas; ein Jude mit
dem Alten Testament und ein Türke mit dem Koran folgten.
Geweiht wurde der Tempel „der Menschlichkeit des Brahma,
der Gerechtigkeit des Moses, der Weisheit des Buddha, dem
Ideal des Plato, dem Gesetz des Mohammed und der Gloria
und Selbstaufopferung JEsu“.

Der Buddhismus. Diese uralte Religion der Indier
hat ihre Anhänger in Deutschland, England und in den Ver⸗
einigten Staaten unter gewesenen Christen. In einer deutsch⸗
buddhistischen Zeitung stand kürzlich zu lesen:

„Nachdem die Mitgliederzahl in Berlin sich in letzten
Wochen ansehnlich verstärkt hat, haben wir dem von dortigen
Herren gestellten Antrag auf Gründung einer Ortsgruppe
unsere Genehmigung erteilt. Unser Geschäftsführer hat nun
diese Gruppe unter reger Beteiligung der Berliner Mitglieder
und Freunde unserer Gesellschaft gegründet.“ Weiterhin wird
bemerkt, daß die Gründung einer Münchener Ortsgruppe in
Aussicht genommen sei. Wir sehen, auch der Teufel führt
„Altes und Neues“ in seinem Warenlager.

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