Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 10 › Seite 178
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Mai 1916, Seite 178
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nächstes Ziel war San Juan in Entre Rios, Argentinien. Die
Reise dahin war beschwerlich. Sie dauerte vier Tage und glich
einer Fahrt über die westlichen Prärien Nordamerikas, aber
bei weitem nicht so bequem. In San Juan haben wir eine
große Gemeinde. Die Leute wohnen in einem Dorfe zusam⸗
men und sind fast alle Eigentümer. Da sie lange Zeit ohne
Pastor waren und auch keine Aussichten hatten, bald aus Nord⸗
amerika einen Seelsorger zu bekommen, so wurde ihr Beruf
P. Trünow, der bereits ein Jahr in Argentinien arbeitet, über⸗
wiesen, und er wurde am Sonntag Oculi von mir eingeführt.
Leider wird gegenwärtig die ganze Provinz Entre Rios von
einer schrecklichen Heuschreckenplage heimgesucht. Unsere Ge—
meinde in San Juan gehört zu den wenigen Gemeinden in
Argentinien, die Grundbesitzer zählt. Fast alles Land befindet
sich in den Händen einiger reichen Leute. Diese verpachten es
nur auf vier Jahre, um es für die Viehzucht wieder zu ver⸗
jüngen. So haben wir in Argentinien eigentlich nur Nomaden⸗
gemeinden, bei denen ein gesunder Aufbau fast unmöglich ist.
Hier im Norden haben wir 14 Stationen, während wir im
Süden, in der Pampa Centrale, 20 Stationen bedienen. Da⸗
zwischen liegt die große Stadt Buenos Aires. Dieser stattete
ich auch einen Besuch ab. Man war sich auf der Synode nicht
klar, ob wir dort unsere Arbeit fortsetzen sollten. In dem
Gottesdienst, den ich abhielt, hatten sich 40 Personen eingestellt.
Diese baten, man möchte sie nicht verlassen, sprachen auch die
Überzeugung aus, daß wir durch Errichtung mehrerer Predigt⸗
plätze in der Stadt und durch christlichen Unterricht der Jugend
Erfolge erzielen könnten. Ich bin derselben Meinung. In
verschiedenen Stadtteilen befindet sich eine große deutsche Be⸗
völkerung, die zum Teil ohne kirchliche Bedienung ist. Frei⸗
lich sollten wir nach Buenos Aires einen Mann stellen, der
bereits Erfahrung im Pfarramte gesammelt hat. Gott be⸗
schere einen solchen bald!
Am 30. März schiffte ich mich wieder in La Plata ein
und hoffe, am Karfreitag in New Nork zu landen. Der SErr
segne unsere Arbeit in Südamerika und helfe, daß wir unsere
dortigen Brüder in unserm Gebet und unserer Handreichung
nicht vergessen! F. Pfotenhauer.
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Was ist von der Boy Scout''-Bewegung zu halten?
(Fortsetzung statt Schluß.)
Beteiligung an der Boy Scout-Bewegung führt zu religiöser
Gleichgültigkeit (Indifferentismus) und Glaubensmengerei.
Seit ihrem ersten Auftreten in unserm Lande haben die
Pfadfinder einen Stützpunkt in den christlichen Kirchen ge⸗
sucht. Weil es den reformierten Gemeinschaften an gründ⸗
lichem Jugendunterricht mangelt, und ihnen deshalb der größte
Teil der Jugend verloren geht, hat man in diesen Kreisen die
Boy Scout-Bewegung mit Freuden als ein Mittel begrüßt, die
Knaben für die Kirche zu gewinnen. Fast ausschließlich sind
es Glieder dieser Kirchen, vor allem auch reformierte Geist⸗
liche, die den verschiedenen Trupps der Boy Scouts als Führer
(Scout Masters, Scout Commissioners) dienen. Das ist ein
Umstand, den wir bei der Beurteilung dieser Bewegung nicht
übersehen dürfen.
Die Glieder einer Episkopalkirche im Staate Massachusetts
bemerkten, daß die Gemeinde aus „Frauen, kleinen Mädchen
und ein paar Männern im reiferen Alter“ bestand. Man hatte
die Knaben verloren. „Nachdem die Knaben die Sonntags⸗
schule verlassen hatten, erschienen sie ein paarmal in der Kirche,
dann verschwanden sie.“ Was tun? Man ließ Zettel drucken
mit einer Einladung an alle Knaben der Nachbarschaft, sich zu
einer Big Night for Boys“ in der St. Andreaskirche ein-
zustellen. Es kamen 85 Knaben, und diesen wurde von einem
Scout Commissioner erklärt, was es mit den Boy Scouts für
eine Bewandtnis habe. Ein Trupp wurde organisiert, zu
dem Knaben von den verschiedensten Kirchengemeinschaften ge⸗
hörten, die aber alle nach einiger Zeit aufgefordert wurden, an
einem besonders für sie arrangierten Gottesdienst in der Episko⸗
palkirche teilzunehmen. (TRe Churchman, 1916, S. 365.)
Auf ähnliche Weise sind fast alle Pfadfindertrupps im
Lande zustande gekommen, und auf ähnliche Weise treibt man
in ihnen allenthalben Mission. Als sich die Bewegung erst an⸗
meldete, wurde schon in der Sundaν-ακοοι Times (6. August
1910) darauf hingewiesen, daß die Boy Scout-Sache „just the
thing“ sei, um den Sonntagsschulen nachzuhelfen. Eine Boy
Scout Patrol sei ja etwa so groß wie eine Sonntagsschulklasse.
In dem offiziellen Blatt Scoutin9 heißt es (II, 23, S. 19),
alles nur mögliche solle getan werden, die Kirchen zu ver—
anlassen, daß sie sich der Pfadfindersache annehmen. Den
Knaben, die einen Trupp gründen wollen, wird im Handbuch
(S. 18) gesagt, sie sollten sich an den Sonntagsschullehrer
oder -superintendenten wenden mit der Bitte, daß er einen
Trupp organisiere. Ein Hauptgrund dafür ist, daß man eben
ein Versammlungslokal für die Pfadfinder braucht. Das hat
man in den Sonntagsschulräumen der Sektenkirchen. Weil also
jedes das andere braucht, finden sich Pfadfinder und Sekten⸗
sonntägsschulen in der Regel miteinander aufs engste ver⸗
knüpft. (What's à Boy Scout? S. 201.) Dort findet man
die Führer für die Pfadfinderarbeit. (Scoutin9, III, 13, S. 2.)
Sehr oft organisieren die Pastoren der reformierten Sekten
selber Trupps. Das wird in den Zeitschriften der Bewegung
unzähligemal gemeldet. In den Gemeindeblättlein werden
diese Trupps dann als kirchliche Vereine aufgeführt und
haben eine eigene Abteilung für Neuigkeiten über ihre Tätig⸗
keit in kirchlichen Blättern von lokaler Verbreitung. Uns liegen
solche vor.
Es kann nach alle diesem kein Zweifel obwalten, daß die
Pfadfinder aufs engste verknüpft sind mit den reformierten
Sekten und ihrem Sonntagsschul⸗ und Vereinswesen.
sächlich haben zwei Männer ein Buch von 449 Seiten ge⸗
schrieben über das Verhältnis der Pfadfinderbewegung zur
Kirche. (Richardson and Loomis, The Boy Scout Movement
Aplied by³ the Church: Scribner's.) In St. Louis allein
sind 76 Trupps mit verschiedenen Kirchen verbunden, und es
bestehen hier nur zwei, die nicht so verbunden sind. Wie groß
die Gefahr demnach ist, daß unsere Knaben, wenn sie sich solchen
Trupps anschließen, in falschgläubige Kirchen geraten, liegt
auf der Hand.
Hierzu kommt noch ein anderer Umstand. Der Scout
Master oder Führer der einzelnen Trupps ist nach dem Regu⸗
lativ dieser Bewegung mit seelsorgerlichen Verpflich⸗
tungen betraut. Er nimmt die Knaben hinaus ins Freie
und hat dann am Lagerfeuer seine „spiritual opportunity“.
(Richardson and Loomis, Kap. 16.) Das offizielle Handbuch
gibt ein Beispiel von Erzählungen, die der Führer bei dieser Ge.
Tat⸗
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