Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 10 › Seite 188
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Mai 1916, Seite 188
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Zeit
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lichen Bauernfamilien ihre Jugendjahre verbringen können. Also
gerade der Kinder wegen solltet ihr das Landleben lieben. Manche
wollen in die Stadt wegen des schnellen Verdienstes und wegen
des Arbeitslohnes, der jede Woche ausbezahlt wird. Aber sie ver—
gessen dabei, daß schnell erworbenes Geld sehr oft noch schneller
verschwindet; man schafft sich Bedürfnisse, die gar nicht sein
sollten, lebt von der Hand in den Mund und erspart sich nichts
für die Tage der Not, und dabei ist man ganz vom Arbeitgeber
abhängig. Auf der Farm mögt ihr nicht so schnell den Erfolg
eurer Arbeit sehen, aber ihr habt eine Heimat; ihr habt ein Stück
der Mutter Erde, welche euch den Unterhalt gibt, sofern ihr sie
nach dem Willen Gottes bebaut.“ E. P.
„Die unparteiische Gnadenmutter.“ Unter dieser überschrift
lesen wir in einem katholischen Familienblatt: „Von einem
hübschen Zug aus dem Felde erzählt die Wochenschrift des
Architektenvereins'. über einem Unterstand haben die Soldaten
eine Marienfigur angebracht und ihre Behausung danach Maria
Einsiedeln benannt. über die Tür haben sie geschrieben:
„Maria, in deine schützende Hand
Befehlen wir diesen Unterstand.
Woll'st auch uns Lutherischen hilfreich sein:
Im Kriege gibt's ja keine Partei'n.“
Was das wohl für „Lutherische“ sein mögen! E. P.
Ein bedeutsamer Kuß. Freudestrahlend wird päpstlicherseits
gemeldet: „Den Ring des Papstes hat nach einem telegraphischen
Berichte der englische Premierminister Asquith geküßt, als er am
1. April von dem Heiligen Vater in Privataudienz empfangen
wurde. Das ist das erste Mal seit der sogenannten Reformation,
daß der erste englische Staatsbeamte dem Vater der Christenheit
eine solche Huldigung erwiesen hat. So ändern sich die Zeiten.“
— Man sieht, die vielbeschriene „Humanität“ ist nicht das einzige,
was in diesem Kriege drangegeben wird, um das eine große
Ziel zu erreichen. E. P.
Welch ein Haß gegen den Papst in Italien aufgestapelt liegt
und zugleich Haß gegen alle Religion, für deren Verkörperung
man eben den Papst ansieht, und zugleich in welch scheußlich roher
Form dieser Haß zum Ausbruch kommen kann, zeigt folgende
Nachricht aus Mailand, die wir einem katholischen Blatte ent—
nehmen: „Ein Prosit dem Satan!“ so schreibt die Zeitung
Popolo d' Italia in Mailand, in welcher der Papst als Vertreter
des Friedensgedankens verspottet wird. „Die stolzen Gallier“, heißt
es da, werden den Vatikan hinaufsteigen und ihre blutbespritzten
Füße auf die heiligen Treppen setzen.“ ‚Das Volk will nicht das
Kuchenstück der Frömmigkeit des Papstes und beugt sich — welch
glänzender Rebell! — vor ihm nicht.“ „Heute ist das Schwert
heiliger als das Kreuz. Satan, der Fürchterliche, stärkt sich
wieder in den Flannnen und setzt seine breite Ferse auf das
Symbol der Unterwerfung ohne Freiheit (den Papst!], das nicht
mit den Schwachen zur Verteidigung der Schwachen zu halten
versteht noch will. Und wir rufen nach Art der Heiden ein Prosit
dem Satan, dem Befreier!' Das ist bloß eine der entsetzlichen
Stimmen, die in Italien heute dem Teufel rufen. Wer wagt da
die Zukunft auszudenken?“ ö E. P.
Auch kathelische deutsche Missionare in Indien wurden von
der englischen Regierung in Gefangenschaft gesetzt. So berichtet
der „Katholische Glaubensbote“: „Im Dezember vorigen Jahres
wurden 25 deutsche Jesuiten aus ihren Lehranstalten in Bombay
nach der Festung Ahmednagar transportiert, und zwar nicht als
Zivilgefangene, was sie in Wirklichkeit waren, sondern sie kamen,
als ob sie mit der Waffe in der Hand gefangen worden wären,
ins Militärgefangenenlager. Hier hatten sie in improvisierten
Zelten den für indische Verhältnisse ganz empfindlich kalten Winter
durchzumachen. Später, als noch mehr kamen, wurden etwa
dreißig Priester, Kleriker und Brüder in Anbetracht ihrer großen
Verdienste um das englische Hochschulwesen in das Zivillager ver⸗
setzt. Die Missionare aus andern Diözesen genossen keine solche
Vergünstigungen, sondern wurden im Gegenteil in ausgesuchtester
Weise schlecht und beleidigend behandelt, sowohl bei der Gefangen—
nahme wie auch beim Transport und bei der Internierung.“
E. P.
Von der Universität Dorpat. Die lutherisch⸗-theologische
Fakultät der Universität Dorpat ist aufgelöst worden. Statt
dessen ist die Errichtung einer lutherisch-theologischen Akademie
mit russischer Lehrsprache in Petersburg oder in einer südrussischen
Großstadt beabsichtigt. Diese Maßregel, wenn sie sich wirklich be⸗
wahrheitet, ist zweifellos von dem Deutschenhaß der Russen dik⸗—
tiert. Aber sollten Christen nicht auch Gottes gerechtes Gericht
darin erkennen? Waren es doch Professoren der lutherischen
Fakultät in Dorpat, die zuerst mit der Leugnung der wörtlichen
Eingebung der Heiligen Schrift vor die Gemeinde traten und da⸗
durch gerade unter den Hluh ge Deutschen der russischen Ostsee⸗
provinzen Anstoß erregten. Es ist eben mit Gottes Wort nicht zu
scherzen. es findet sich doch zutett (2 Makk. 4, 17).
(Freikirche.)
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Der Geusenbote.
Der Herbst des Jahres 1571 war rauh und stürmisch, be⸗
sonders in der Gegend der Rheinmündungen. Dort hatten die
Winde freien Spielraum und peitschten die Wellen zu weißem
Gischt empor.
Da, wo die Maas, der mächtigste Nebenfluß des Rheins, sich
in die Waal, den breitesten Arm des Rheins, ergießt, liegt die
kleine, aber starke Festung Löwenstein. Sie war einer der Haupt⸗
stützpunkte der Spanier, deren Herrscher, der finstere Philipp II.,
die evangelischen Niederländer durchaus wieder zum katholischen
Glauben zurückführen wollte. Aber diese waren entschlossen, dem
Evangelium treu zu bleiben. Sie hatten einen geheimen Bund,
den sogenannten Geusen- oder Bettlerbund, geschlossen, indem sie
einen von ihren Feinden angewendeten Spottnamen als Ehren—
bezeichnung annahmen. Als Abzeichen trugen sie eine kleine
silberne Münze, den sogenannten Geusenpfennig. Ihr Streben
ging auf vollständige Losreißung der Niederlande von Spanien.
Als ihr Haupt sahen sie den Prinzen Wilhelm von Oranien an,
der im Auslande ein Heer für den Freiheitskampf warb. Die
Spanier waren erklärlicherweise von großem Zorn gegen die
Geusen erfüllt. Wehe dem Unglücklichen, der in ihre Hände fiel!
Der Tod am Galgen oder durchs Rad war ihm gewiß.
Nahe bei Löwenstein befand sich eine Fähre, welche den Ver⸗
kehr zwischen beiden Ufern der vereinigten Ströme vermittelte.
An der rechten Seite stand das steinerne Fährmannshaus, in
welchem der Fährmann Jan Robbart mit seinem Weibe Grita
wohnte. Da er am Tage saure Arbeit getan hatte, hatte er sich's
am Abend bequem gemacht, den härenen Kittel mit einem weichen
Schlafrock vertauscht und die Füße in warme Fildzschuhe gesteckt.
Die Frau bereitete am Herde eine appetitliche Brotsuppe mit
Speck. Zwischen den beiden Leuten wurden nur wenige Worte
gewechselt. Ihr einförmiges Leben, das Tag für Tag in gleichem
Kreislauf sich abwickelte, gab wenig Stoff zur Unterhaltung. Ab
und zu brauste ein Windstoß über das Dach und machte das Herd—⸗
feuer hell aufflackern.
Da ertönte plötzlich ein Geräusch. Es war, als wenn jemand
an der Haustür rüttelte. Der Mann erhob sich langsam und
brummte unwillig vor sich hin. Er öffnete das verquollene Fenster
und schrie hinaus: „Wer ist da?“
„Ein Reisender, der über den
Antwort.
Strom will“, lautete die
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