Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 10 › Seite 186

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Mai 1916, Seite 186

177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192

Scan: from a 2009 DVD; the same scans are on the Internet Archive as DerLutheraner72_partial. Selected pages only: not every page of this year is held.

⤓ Download page image (full resolution)

German transcription machine transcription, uncorrected

⤓ Download .txt · copy text

186

·

r à„utheranesS

Nummer in die Hände unserer Leser kommt, noch nicht zu spät
dazu ist, darf dieses Werk noch seinen Fortgang nehmen. Formu⸗
lare für solche Zuschriften sind ja von andern Seiten reichlich aus⸗
gesandt worden. Nach den Zeitungsberichten der letzten Tage
wäre wohl zu empfehlen, statt fertiger Formulare in eigenen
Worten seinem Willen Ausdruck zu geben. Fertige Formulare,
die dann massenweis in ihrem Wortlaut übereinstimmen, werden
nicht so ernst genommen, sondern werden Vereinigungen auf die
Rechnung geschrieben, denen man weniger Besorgnis um das Wohl
unsers eigenen Landes — was es doch allein sein darf — als
vielmehr Sympathie für Deutschland zutraut. Es bedarf ja nicht
vieler Worte; worauf es ankommt, sind die Namen und Zahlen
von Stimmgebern, die ihrem Willen Ausdruck verleihen. Wie
die Deutschamerikaner stehen, und wie groß ihre Zahl ist, weiß
man in Regierungskreisen ja längst. Aber der Jammer ist der,
daß man uns nicht versteht, uns mehr für Deutsche als für
Amerikaner hält, und daß Leute nach der andern Richtung
arbeiten, die aus Feindschaft gegen Deutschland und aus Sym⸗
pathie für Deutschlands Feinde, manche auch wohl, um aus einem
Kriege schnöden Gewinn zu ziehen, unser Land durchaus in den
Krieg verwickeln wollen. Da bleibt uns Christen, die wir von
unserm Lande dieses fürchterliche Elend gern abgewandt sähen,
nur die eine Waffe übrig, die ja von vornherein unsere Haupt⸗
waffe war, nämlich das Gebet zu unserm Gott, der noch im Regi⸗
mente sitzt und alles in seiner Hand hat, der den Kriegen steuert
in aller Welt, der die Herzen der Menschen, auch der Fürsten und
Großen dieser Welt, lenkt nach seinem Willen. Laßt uns ja bei
allem, was wir tun zur Erhaltung des Friedens, die große Haupt⸗
sache nicht vergessen: Tag und Nacht zu Gott schreien, daß er
unserm Lande in Gnaden wie bisher den edlen Frieden erhalte,
und daß er seine züchtigende Hand zurückziehe und der armen blut⸗
getränkten Welt wieder Zeiten des Friedens und der Ruhe gebe!

Der 18. Mai dieses Jahres bringt wieder einen Gedenktag
eines der frommen, treuverdienten Väter unserer Synode. Dann
sind nämlich hundert Jahre verflossen seit der Geburt des seligen
P. G. E. C. Ferdinand Sievers. Geboren in Lüneburg,
Hannover, ausgebildet auf dem Gymnasium in der Stadt Han—
nover und den Universitäten Göttingen, Berlin und Halle, wo
unter andern die Professoren Hengstenberg und Tholuck seine
Lehrer waren, gehörte Sievers zu den Kandidaten, die auf den
Notruf Wynekens hin über die Not der deutschen Lutheraner in
diesem Lande dem für Amerika so tätigen Pfarrer Löhe sich zur
Verfügung stellten. Im Jahre 1847 kam er nach Amerika und
wurde im Jahre 1848 Pfarrer der dritten von Löhe und seinen
Mitarbeitern gegründeten fränkischen Kolonie, Frankenlust. An
diesem Orte hat er dann 45 Jahre gewirkt, bis zu seinem am
9. September 1893 erfolgten seligen Heimgang. Aus angesehe—
nem Geschlechte stammend — seine Mutter war von Adel —, hat
er mit seiner ebenfalls aus vornehmen Verhältnissen stammenden,
aber ihm gleichgesinnten edlen Gattin die Anfangszustände in den
vierziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts durch⸗
gemacht, in den primitivsten Verhältnissen kirchliche Pionierarbeit
getan und in unermüdlicher Arbeit, erfüllt mit brennendem, hei⸗
ligem Eifer für Gottes Wort und Gottes Reich in der Nähe und
in der Ferne, seine Kräfte verzehrt. Seit der zweiten Synodal—
versammlung im Jahre 1848 Glied unserer Synode, hat er, ein
brünstiger Beter, stets alle ihre Angelegenheiten auf dem Herzen
getragen, besonders aber ihre Missionsarbeit. Wie er selbst im
Interesse der Inneren Mission ganz mühselige, weite und öfters
direkt mit Lebensgefahr verbundene Reisen gemacht hat, so hat er
namentlich nach dem Eingang der Indianermission in Michigan
und Minnesota immer und immer wieder auf die Lücke aufmerk—
sam gemacht, die sich bis vor dreiundzwanzig Jahren in unserer

Missionsarbeit fand, und ist nicht müde geworden, auf Konfe⸗
renzen, Synoden und in Zeitschriften der Heidenmission das Wort

zu reden. Man kann ihn wohl den Vater unserer Heidenmission
nennen, und es war wie ein passender Abschluß seiner Tätigkeit,

daß einige Monate vor seinem Tode im Jahre 1898 dieses Werk

von der Synode in Angriff genommen wurde. Sonst verlief seine
Wirksamkeit still, und ohne viel Aufsehen zu erregen, hat er seine

ihm anvertraute Gemeinde äußerlich und innerlich, namentlich
In größeren

durch überaus fleißige Privatseelsorge, ausgebaut.
Kreisen ist er nicht weiter hervorgetreten; aber allen, die ihn ge⸗
kannt haben, wird dieser kindlich fromme, lautere, eifrige Mann,
diese ausnehmend edle, würdige Erscheinung in der Geschichte

unserer Synode, unvergeßlich bleiben; und die Erinnerung an. 4 ö

seinen hundertjährigen Geburtstag soll auch dem gegenwärtigen
und kommenden Geschlecht seinen Namen und seine Bedeutung
frisch erhalten und es bewegen, seinem Vorbilde nachzufolgen.
Hebr. 13, 7. L. F.

In der Schulsache geht's im Sstlichen Distrikt unserer
Synode schön voran; haben doch gegenwärtig nicht weniger als
vier Gemeinden den Bau neuer Schulen oder einen Ausbau in
Aussicht genommen. Die Immanuelsgemeinde in Tonawanda,
N. Y., hat beschlossen, eine neue Schule mit geräumiger Halle für
die Jugend zu bauen; ebenso die St. Markusgemeinde in Grat⸗
wick, N. Y.; zwei Bauplätze sind für diesen Zweck bereits er⸗
worben. Die St. Matthäusgemeinde in North Tonawanda,
N. Y., hat einen Schulbau und die St. Paulsgemeinde in Mar⸗
tinsville, N. Y., einen Ausbau des Erdgeschosses unter ihrer
Schule in Beratung. (Z. u. A.)

Das Unwesen, das Erweckungsprediger oder fahrende Evan⸗
gelisten oder Wanderprediger in den verschiedenen Städten unsers

Landes treiben, wie zum Beispiel ihre Geldschneiderei, ihr wüstes 4

Schimpfen über die Prediger, ihr Spotten über die Gemeinde⸗
glieder, fängt jetzt auch an den Methodisten, die bekanntlich der
Welt die Erweckungsversammlungen und Evangelisten beschert
haben, unbequem zu werden, ja auch einige weltliche Blätter, die
für die unentgeltliche Reklame dieser fahrenden Evangelisten
sorgten, ziehen jetzt gegen sie zu Felde. In den editoriellen
Spalten des Pyiladelphia Public Ledger findet sich unter der
Überschrift „Dollarevangelium-Verkündigung“ folgender Artikel:
„Es scheint, daß die Dollarevangelium-Verkündigung mit der
Dollardiplomatie Plätze getauscht hat oder doch wenigstens in
einem scharfen Wettlauf mit letzterer begriffen ist. In dem metho—
distischen Bischof Berry ist der Weise des „freiwilligen Opfers“ ein
starker Gegner erwachsen. Diese Weise, ein „freiwilliges Opfer-
zu erheben, ist ein frecher Mißbrauch der Güte des Gebers und
erreicht schier den Umfang der „Ffreiwilligen“ politischen Spenden,

die die Prämien für die Lebensversicherung politischer Amtsz:

inhaber bilden. Es ist rührend, wenn man sieht, wie diese „frei⸗

willigen Opfer“ eine feste Einrichtung geworden sind und am letzten 4

Tage so reichlich fließen, nachdem Wochen vorher systematisch dar—
auf hingearbeitet worden ist. Aber das Unleidlichste an dieser

professionellen ‚geschäftsmäßigen Evangeliumverkündigung“, wie

Bischof Berry sie nennt, ist das beständige, sich stets treu bleibende
Spotten über die Prediger. Ein Wanderprediger kann immer
seinen Pöbel für sich gewinnen, wenn er die regulären Truppen
des HErrn, die Prediger, anklagt und beschimpft.

bleiben muß, sondern bald weiterzieht, ein besonderes Vergnügen
bereitet, wenn er recht viele Prediger bewegen kann, sich auf die
Bühne zu setzen, um sich über sie lustig zu machen oder sie bloß⸗
zustellen.
Regel geworden, Gemeindeglieder zum Gegenstand des Spottes

und Hohnes zu machen; denn dann ist er des Beifalls der Menge
— N N N
gewiß, die er immer zum Lachen und Beifallklatschen bewegen

0

Es scheint, 4
als ob es dem Wanderprediger, der eben nicht an demselben Ort 3

Sodann ist es bei dem Wanderprediger feststehende 4

*
*

English translation

Not yet translated.