Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 10 › Seite 180
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Mai 1916, Seite 180
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wird praktiziert. Nicht nur dienen die Scouts, wie schon nach⸗
gewiesen, als Wärter und Gehilfen bei allen möglichen kirch—
lichen Veranstaltungen, besuchen allerhand Gottesdienste, son⸗
dern wenn eine Gemeinde vakant ist — es verschlägt nicht
viel, welche —, leiten sie auch einen Winter hindurch die Abend⸗
gottesdienste. (Scoulin9, III, 13.) Als ein Auftrag von seiten
des Führers ist das Pflicht; als ein daily good turn“ eine
übung in der Tugend, ja, eigentlich das „praktische Chri⸗
stentum“. ö G.
(Schluß folgt.)
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„So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“
Was sagt dieser Spruch erwachsenen Kindern und ihren Eltern?
I.
Mein lieber Paul!
In dieser drangsalsvollen Zeit hast Du mal wieder mich
mit einem Briefe und in demselben mit einigen Fragen zur
Beantwortung bedacht. Nun, ich nehme Dir beides nicht übel,
will aber ohne viele Umschweife einige Fragen gleich beant⸗
worten. Später werde ich, will's Gott, den Rest berücksichtigen.
Zum besseren Verständnis meiner Antworten will ich nun ein
Wort der Heiligen Schrift als Leitstern an die Spitze stellen,
nämlich Röm. 13, 10. Dies ist ein bekanntes Wort des großen
Lehrers der Christenheit, des heiligen Apostels Paulus. Diesen
Satz haben wir schon als Kinder auswendig gelernt, haben ihn
oft aufgesagt und häufig in Predigten wieder gehört. Der
Sinn dieses Spruches ist auch klar und leicht faßlich. Aber
nicht so leicht und einfach ist's, wenn wir an die Ausübung
desselben gehen sollen.
Wie in der überschrift des 13. Kapitels angedeutet ist,
will der heilige Apostel hier angeben, wie man sich gegen den
Nächsten verhalten soll nach Gottes Willen. Das ist nun, wie
Du auch schon gemerkt haben wirst, kein Kinderspiel. Ja,
hätten wir keinen alten Adam mehr an uns, dann käme die
Erfüllung aller Gebote ganz von selbst, und die Liebe gegen
Gott und den Nächsten regierte uns vollkommen. Nun aber
müssen wir uns mit dem alten Gesellen lebenslang herum—
schlagen. Wenn wir eben meinen, wir hätten ihn endlich
untergekriegt, dann schlüpft er uns plötzlich durch die Finger
und hat uns wieder eins versetzt, so daß wir ganz verdutzt
dreinschauen, uns schämen und den vorigen Kampf aufs neue
wieder aufnehmen müssen. So geht es Jungen und Alten.
Diese Erfahrung machen wir gerade dann oft, wenn wir
unsere Pflicht gegen unsern Nächsten ausüben wollen, und nicht
zum wenigsten eben in solchen Stücken, die Du in Deinem
Briefe berührt hast. Ich will deshalb heute auch nur auf
Deine mir gestellten Fragen eingehen. Das ganze Gebiet des
Verhaltens gegen den Nächsten ist gar groß, und wollte ich
jetzt zu viel vornehmen, so möchte ich mich und Du die Geduld
beim Lesen verlieren; ja, es möchte bei Dir sogar den Verdacht
erwecken, daß ich bereits im geschwätzigen Alter angelangt wäre.
Nun also! Zuerst willst du etwas Belehrung betreffs
der gegenseitigen Pflichten erwachsener Kinder
und deren Eltern. Du möchtest gern wissen, ob Eltern
auch bei erwachsenen Kindern noch recht haben, „irgend etwas“
zu verlangen. Diese Sache hat schon oft Mißverständnis und
Mißhelligkeit zwischen Eltern und Kindern verursacht. Es
wunderlich sind oder werden.
wäre das aber gar nicht nötig, wenn nur beide ihre Lektion
aus Gottes Wort nicht nur gelernt, sondern auch beachtet hätten.
Denke mal an die Haustafel im Katechismus, wo Sprüche
aus Gottes Wort angegeben werden über das rechte Verhalten
eines Christen gegen jedermann. Da finden sich auch zwei
Sprüche, welche die Pflichten und Rechte der Kinder und Eltern
betreffen. Diese Sprüche find, weil sie Gottes Wort sind,
für uns maßgebend und entscheidend. Und wenn dann die
Generalregel: „Die Liebe ist des Gesetzes Erfüllung“ ange⸗
wandt wird, so sind Deine Fragen damit beantwortet.
Da steht für die Kinder der Spruch Eph. 6, 1—3. Als ö
Pflicht der Kinder, und zwar junger wie älterer, gibt der
Heilige Geist durch Paulus an: „Ehre Vater und Mutter!“
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Dieses Ehren äußert und zeigt sich in Gehorsam, Dienst, Dank⸗
barkeit gegen die Eltern und Geduldüben gegen sie, wenn sich
Wunderlichkeit und Schwäche im Alter zeigen. Dies alles ist
allerdings nicht leicht, besonders wenn Eltern verdrießlich und
Aber hier haben Kinder Ge⸗
legenheit, ihre Liebe zu üben und sich in die Bedeutung des
vierten Gebots zu vertiefen.
Kinder oft wird, weiß Gott auch. Deshalb lockt er zum fröh⸗
lichen Halten ihrer Pflicht durch seine liebliche Verheißung:
„Auf daß dir's wohl gehe, und du lange lebest auf Erden.“
Doch hiermit wäre Deine Frage nur zur Hälfte beant⸗
wortet. Auch Eltern haben von Gott Verpflichtung gegen ihre
Kinder, und zwar nicht nur während der Jugendzeit ihrer
Kinder, sondern auch wenn sie flügge geworden sind oder gar
ihren eignen Hausstand gegründet haben. Der heilige Paulus
fährt deshalb in dem Epheserbrief fort in seinem Unterricht
und ermahnt V. 4 die Eltern zur Erziehung ihrer Kinder in
der Zucht und Vermahnung zu dem SErrn. Dies ist sonder⸗
lich nötig, wenn die Kinder noch jung sind; und dies muß
schon im Hause angefangen und durch die christliche Schule
fortgesetzt werden. Selbst nach der Konfirmation heißt es gut
aufgepaßt. Dann gerade kommt eine gar gefährliche Periode
im Leben der Kinder.
den Eltern in der Liebe geschehen. Deshalb sagt auch der
Apostel: „Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn!“
Doch, diese Pflicht will ich jetzt nicht weiter ausführen. Dar—
über ist ja schon viel im „Lutheraner“, im „Kinder- und
Jugendblatt“ vom Onkel Louis und in Synodalberichten, die
Du ja auch kennst, geschrieben worden.
Dich drückt sonderlich die Frage:
Eltern stellen gegen ihre erwachsenen Kinder?
Und hierauf will ich in diesem Briefe noch etwas eingehen.
Sieh nochmal Eph. 6, 4 an! Da ermahnt Paulus die Eltern,
ihre Kinder nicht zum Zorn zu reizen. Dies kann schon bei
den Kindern in der Jugendzeit geschehen durch eine lieblose,
gesetzliche oder gar sklavische Behandlung, aber auch, wenn
Eltern bei ihren erwachsenen Kindern mehr Recht beanspruchen,
als ihnen zusteht. Da sollte wiederum die Liebe des Gesetzes
Erfüllung sein. Erwachsene Kinder sollen nicht mehr auf leib— *
liche Versorgung von ihren Eltern warten, sondern selbst 3
Solchen Beruf er⸗
arbeiten in einem gottgefälligen Beruf.
wählen sich Kinder unter Beratung mit ihren Eltern, aber
nach ihrer Neigung und ihren Gaben.
schon durch einen solchen von ihnen ergriffenen Beruf in eine
Stellung gebracht, da das Band, welches sie vorher mit ihren
Eltern so eng verbunden hatte, etwas gelockert wird. Solange
Wie sauer dies dem Fleisch der
Und diese ganze Erziehung muß von 4
Wie sollen sich 1
So werden Kinder
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