Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 10 › Seite 187
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Mai 1916, Seite 187
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SVer „Tutheranet
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kann, wenn er über die Prediger und Gemeindeglieder herzieht,
was freilich ein eigentümlicher Beweggrund ist, die Unbekehrten zu
veranlassen, Gemeindeglieder zu werden. Die Prediger, die bei
geringem Gehalt schwer genug arbeiten müssen, haben es gewiß
nicht verdient, daß ein solcher gutbezahlter Spezialist, der ihr Ge⸗
hilfe zu sein vorgibt, sich über sie lustig macht und sie beschimpft.“
— Man sieht aus obiger Ausführung, daß manche Zeitungen und
Sektenprediger, die für den Ruhm und den Zulauf dieser fahren⸗
den Evangelisten verantwortlich sind, jetzt die Geister bannen
möchten, die sie riefen. E. Totzke.
Ein Pastor in Boston erhebt Einspruch gegen eine unlängst
vom Präsidenten Wilson gemachte Erklärung, daß wir ein „gottes⸗
fürchtiges“ Volk seien. Er sagt: „Sind allgemeine Mißachtung
des Gesetzes, Mord und Blutvergießen, Ehebruch und Ehescheidung,
Mammonsverehrung,‚, der Geist der Habsucht und Gier, Selbst—
sucht, Selbstvergötterung, Profit, Vorankommen und Vorteil auf
Kosten unsers Nachbarn, die wilde Jagd nach dem „allmächtigen“
Dollar, und alle diese Dinge Merkmale eines gottesfürchtigen
Volkes? Die Tagespresse ist voll von Beispielen der Gesetzlosig⸗
keit und Unreligiosität, die die obige Erklärung Lügen strafen.
Die amerikanische Nation ist keinen Deut besser als irgendeine
andere Nation auf der Erde. Wohl gibt es gottesfürchtige Leute
in unserer Nation, aber diese sind kläglich in der Minderheit.
Unsere Nation ist als Nation nicht gottesfürchtig.“. — Man kann
nicht ohne übertreibung von einem ganzen Volke, ob es nun das
anierikanische oder das deutsche oder sonst ein Volk ist, sagen, daß
es gottesfürchtig sei. Tatsache ist, daß es unter allen Völkern,
unter denen Gottes Wort im Schwange geht, Leute gibt, die Gott
fürchten. Die sind aber meistens in der Minderheit. Die große
Masse der Welt ist eben Welt, und die Beschreibung gilt heute
noch: „Die ganze Welt liegt im argen“, 1 Joh. 5, 19. „Denn
alles, was in der Welt ist, nämlich des Fleisches Lust und der
Augen Lust und hoffärtiges Leben, ist nicht vom Vater, sondern
von der Welt“, Kap. 2, 16. E. P.
Welchen Einfluß die Bildertheater auf die schulpflichtige
Jugend ausüben, das hat der Superintendent der öffentlichen
Schulen in Illinois in einer Stadt von 20,000 Einwohnern durch
eine eingehende Untersuchung festzustellen gesucht. Es hat sich
herausgestellt, daß in diesem Städtchen wöchentlich 8147.70 für
dieses Vergnügen ausgegeben werden oder 87680.40 das Jahr.
Die komischen Bilder und die, welche es mit dem wilden Leben
im Westen, den Detektiverfahrungen und dem Romantischen zu
tun haben, sind die populärsten. Eine Hälfte der Hochschulklassen
und zwei Drittel der Kinder in den Unterstufen pflegen des Abends
diese Theater zu besuchen, und nur ein Kind aus zwölf enthält
sich des Besuchs dieser Plätze. Auf die Frage, warum sie diese
Bildertheater besuchten, antworteten weitaus die meisten, daß es
des Vergnügens wegen sei. Nur in zweiter Linie kommt der er—
zieherische Wert in Betracht. Die Gründe, welche die Lehrer gegen
den Besuch dieser Theater von seiten der Kinder anführen, waren
folgende: Sie kommen zu spät zu ihrer Nachtruhe; es ist den
Augen schädlich; es ist eine Vergeudung des Geldes und eine Zeit—
verschwendung; schädliche Eindrücke werden gemacht, falsche
Ideale werden vorgehalten, und die Kinder wollen schließlich nicht
mehr zu Hause bleiben. Andererseits haben manche der Lehrer
den Besuch der Bildertheater empfohlen, weil er den Blick er—
weitert, die Einbildungskraft verschärft, das Wissen vermehrt und
Anregung gibt zu Gegenständen, welche in der Schularbeit be—
sprochen werden können. (Apologete.)
Die Versorgung ihrer alten und kranken Pastoren wollen die
Episkopalen auf eine feste geschäftliche Basis bringen. Geld—
männer wie J. P. Morgan haben die Sache in die Hand ge⸗
nommen. Hier einige Einzelheiten des in Erwägung genomme—
nen Planes. Mit 68 Jahren werden Pastoren in den Ruhestand
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versetzt und erhalten Pension. Auch für Pastoren, die vor diesem
Alter dienstunfähig werden, desgleichen für die Witwen und
Waisen verstorbener Pastoren wird eine bestimmte Jahressumme
festgesetzt. Die Kasse soll in der Weise gefüllt werden, daß jede
Gemeinde jährlich 7 Prozent von dem Gehalt des Pastors in
diese Kasse zahlt. Damit die Kasse einen gesicherten Stand hat,
und damit man gleich diejenigen versorgen kann, die in nächster
Zeit der Hilfe bedürfen, sollen §5,000,000 gesammelt und an—
gelegt werden. E. P.
Feldzug gegen schlechte Bücher und Bilder. In einem
Wechselblatt lesen wir: „Bei seinen Bemühungen, alles, was auf
die Moral der Schulkinder einen schädigenden Einfluß haben
könnte, aus der Nachbarschaft der Schulen zu beseitigen, hat der
Chicagoer Schulkommissär John W. Eckhart in letzter Zeit den in
ihrer Umgebung gelegenen Läden seine ganz besondere Aufmerk⸗
samkeit zugewandt und dabei ermittelt, daß in manchen von ihnen
gar manches zu haben ist, was dazu angetan ist, auf die jugend—
lichen Gemüter eine üble Wirkung auszuüben. Vor allem sind
dieses die sogenannten dimemovels, jene Räubergeschichten, in
welchen die Verüber von allerlei „Heldentaten“ verherrlicht
werden. Einer ganz besonders regen Nachfrage sollen sich zur⸗
zeit Nicholas Carters From CIeοἀ to Gleu, Pluch and Luch sowie
+The Blach Trafic in PNhité Cirls erfreuen. Der Anwalt des
Schulratsausschusses für moralische überwachung ist der Ansicht,
daß es ihm gelingen wird, mit Hilfe der bestehenden Bundes⸗
und Staatsgesetze den Verkauf derartiger Schundliteratur zu ver—
hindern und den betreffenden Händlern das Handwerk zu legen.
Sollte dieses aber nicht gelingen, so wird er den Chicagoer Stadt—
rat um die Annahme einer ganz besonders auf derartige Fälle
bezüglichen Ordinanz ersuchen. Händler, die auch obszöne Bilder
verkaufen — in einer Reihe von Läden hat man auch solche ge—
funden —, können natürlich ohne weiteres zur Rechenschaft ge—
zogen werden.“ — Was für eine städtische Schulbehörde der Be⸗
obachtung und der Bekämpfung wert ist, ist es für christliche Eltern
und Erzieher natürlich in viel höherem Maße. E. P.
Vor „Landflucht“ und dem Drang in die Städte warnt der
katholische Bischof Wehrle in North Dakota seine Leute in einem
Hirtenbrief, und in dem, was er sagt, ist manches, was auch
Leute bedenken können, die keine Katholiken sind. Er führt aus:
„Oft sagt mir ein Familienvater: „‚Ich gehe in die Stadt, dann
kann ich meinen Kindern eine bessere Erziehung geben.‘ Es mag
wahr sein, daß man in der Stadt ein ausgebildeteres Schulsystem
hat als auf dem Lande. Aber ihr dürft nie vergessen, daß die
Schulbildung bloß der kleinste Teil der Erziehung ist. Die wich—
tigste Erziehung muß im Familienkreise stattfinden, im innigen
Verkehr zwischen Eltern und Kindern. Nun bietet aber gerade
das Landleben die beste Gelegenheit zu diesem Verkehr. Auf dem
Lande bieten sich hundert Gelegenheiten, dem Kinde leichte, kurze
Arbeiten aufzutragen; dadurch entwickelt sich beim Kinde die
Arbeitsliebe und das Bewußtsein, daß man schon in früher Jugend
den Eltern behilflich und nützlich sein kann. Dies vermehrt aber
die gegenseitige Liebe und Hochschätzung zwischen Eltern und Kind.
In den Städten ist es ganz anders; dort hat der sogenannte
Fortschritt mit diesen kleinen Dienstleistungen beinahe ganz auf—
geräumt; deswegen haben die Kinder zu viele Gelegenheiten zum
Müßiggang und zu tollen Streichen. Auf der Farm ist die
Familie auch mehr geschützt gegen die Versuchungen jener Lust—
barkeiten und Unterhaltungen, welche sehr viel Kleingeld kosten
und den Geist bloß verflachen. Es sind ganz außerordentlich
gute, solide, charakterfeste Eltern nötig, um in der Stadt die
Kinder auf eine wahrhaft christliche Weise zu erziehen und sie
von den sittlichen Gefahren des Stadtlebens für die ganze Jugend⸗
zeit zu bewahren. Gerade deswegen ist es für die meisten Kinder
ein Segen für Zeit und Ewigkeit, wenn sie in gesunden, christ⸗
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