Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 10 › Seite 179
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 9. Mai 1916, Seite 179
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S Ver utheranedS
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— Z. Ugenheit vortragen könnte, um den Knaben Vorstellungen über
R Lott und göttliche Dinge beizubringen. (Handbuch, S. 188.)
(Wie hoch es um die Ehrfurcht vor Gott und geistlichen Dingen
bei solchen Ausflügen bestellt ist, geht aus der Lagertaufe her—
vor, über die in einem Buche, „Pfadfindergeschichten“, berichtet
wird: Ein Knabe nimmt einen Eimer Wasser, besprengt die
Zelte und legt dabei dem Lager den Namen Bob's Hill bei.
oys Life, Dez. 1915, S. 35.]) Auch hält man gemein—
shhaftliche Weihnachtsfeiern im Freien ab.“) Der Regel nach
sind ja die Truppenführer Sonntagsschullehrer und reformierte
Pastoren — allein im Oktober 1915 wurden 33 reformierte
Prediger als neueingereihte Scout Masters angemeldet —, und
1 diese richten unter ihren Trupps Bibelklassen ein, wenn sich
die Gelegenheit dazu bietet. (Scouting, III, 11, S. 3.) Daher
„auch die Scout Bible mit angebundenem Scout Law.
4 Häufig werden die Trupps als solche in die reformierten
Gottesdienste beordert. Beordert, sagen wir; denn das
Pfadfindergesetz schreibt (in seinem siebenten Gebot) den Kna⸗
ben strikten Gehorsam gegen die Anordnungen des Führers vor.
„To be a good scout àa boy must learn to obey the orders of
his patrol leader, Scout Master, and Scout Commissioner.
1 lle will have no thought but to obey the orders of his
officers. („Ein Pfadfinder sollte keinen andern Gedanken
haben, als den Befehlen seiner Vorgesetzten nachzukommen.“
ö 1 Handbuch, S. 15.) Knaben, die sich besonders gehorsam zeigen,
werden zur besonderen Auszeichnung etwa als Loyal Squad“
organisiert. (Scontin9, III, 11, S. 3.) Above all, make
sthem obey,“ ist der Grundsatz, der den Führern imnier wieder
eingeschärft wird. (Scoutin9, III, 13, S. 9.) Fordert ein
solcher Führer also seinen Trupp auf, zum Besten einer Kirche
eine Unterhaltung zu geben oder für das Sonntagsschulpicknick
den Platz herzurichten, bei V. M. C. A. sales mitzuwirken, in
einer Presbyterianerkirche einen Vierten Juli-Gottesdienst mit⸗
zumachen, bei Gelegenheit eines church-supper eine Schau⸗
stellung mitaufzuführen (alles in Scoutin9y, III, 15 genannt),
so hat jeder Knabe zu folgen, oder er ist ehrlos. Seine
Pfadfinderehre ist, wie schon erinnert, „das Höchste, das ein
Pfadfinder hat“, und die wird durch nichts so besudelt wie
durch Ungehorsam gegen die Verordnungen 90 Oberen.
Daß ganze Trupps in die reformierten Gottesdienste be⸗
ordert werden, wird unzähligemal in den Zeitschriften dieser
„Bewegung berichtet. Wovor unsere Knaben im Konfirmanden⸗
Junterricht so nachdrücklich gewarnt werden als vor einer Verleug⸗
nung ihres Glaubens, das wird ihnen, wenn sie einem Pfad⸗
findertrupp angehören, zur Pflicht gemacht, deren Erfüllung
Ehrensache ist. Daß etwa ein lutherischer Pastor oder Schul⸗
lehrer selber einen Trupp organisiert, ist kein Ausweg aus dieser
„Schwierigkeit. Ist er Assistant Scout Master, und will er
etwa die lutherischen Knaben in dem Trupp auf einen beson⸗
deren Ausflug hinausnehmen, so „beweist er damit eine Gesin—
nung, die nicht mit der Pfadfinderarbeit siimmmt. Im Wieder—
holungsfalle könnte das mit Suspension bestraft werden“.
(Antwort eines hochgestellten Beamten; Scoutin9, III, 15,
*) Boys' Life, Dez. 1915. Solchen Festgemeinden schreibt dann der
»National Scout Commissioner: „The star of Bethlehem is a beacon
to the scouts to-day uas it was to the shepherds of old. When it
shines, vour National Scout Commissioner will doff his hat and
ö repeat: May the Greal Chief abové bless Fou!““ Meint man da
nicht, einen Kaptan des Order of Red Men zu hören?
S. 13.) Und wenn auch die ganze Führerschaft des Trupps
in den Händen eines Lutheraners läge, so würde er doch seinen
Trupp auffordern müssen, an gemeinschaftlicher Tätigkeit mit
andern Trupps teilzunehmen, wenn er von seinem Vorgesetzten,
dem lokalen Commissioner, einen dahinlautenden Auftrag er—
hielte. Falls er dem Befehl nicht nachkommt, also seine luthe⸗
rischen Pfadfinder nicht zu einem reformierten Scout-Gottes⸗
dienst oder einer Sonntagsschulkonvention oder einem Basar
abordnet, so beweist er dadurch eine Gesinnung, „which ought
to disqualify him for the position“, „die ihn als seiner Stellung
unwürdig kennzeichnen würde“. (Scoutin9, Dez. 1915.) Teil⸗
nahme an dieser Bewegung ist demnach ohne Verleugnung des
Glaubens, ohne Unionismus, ganz und gar ausgeschlossen, wenn
die offiziellen Kundgebungen des Pfadfindertums Geltung haben.
Allerdings ist es Grundsatz der Bewegung, daß die eigent—
liche religiöse Erziehung des Knaben der Kirchengemeinschaft
überlassen wird, der er angehört. Hier ist aber zweierlei zu
bemerken. Erstens wird in der Praxis jeder Knabe, der
Pfadfinder geworden ist, durch seinen Scout Master religiös be⸗
einflußt sowohl durch die Ausnutzung der “spiritual oppor—
tunity“ bei den wöchentlichen Ausflügen wie auch durch das
Heranziehen der Knaben zur Teilnahme an den Gottesdien⸗
sten usw. der Genieinschaft, der der Führer oder Commissioner
angehört. Der lutherische Knabe wird doch tatsächlich von dem
Baptisten⸗ oder Methodistenprediger in Lehre und Leben be⸗
einflußt, wenn er solche Gottesdienste mitmacht. Es ist daher
reines Blendwerk, wenn behauptet wird, die Kirche, welcher
der Knabe angehört, habe durchaus freie Hand in seiner reli—
giösen Beeinflussung. — Zweitens: Eben dieser Grundsatz, daß
die Boy Scout-Bewegung unsectarian sei, wird in einer Art
und Weise vorgetragen, die das reine Gift für das Glau—
bensleben unserer lutherischen Knaben wäre. Daß im Scout
Law vorgeschrieben wird, der Pfadfinder „respektiere die reli⸗
giösen überzeugungen anderer“, ließe sich zur Not noch recht
verstehen. Aber wie will und soll der Satz verstanden
sein? Das sagt das offizielle Handbuch auf Seite 275. Da
wird dem Pfadfinder vorgeschrieben, was er von der Verschieden—
heit der Religionen zu halten habe. „Es gibt viele Arten Reli⸗
gion in der Welt. Ein wichtiger Punkt jedoch ist dieser, daß
sie alle die Verehrung desselben Gottes in sich schließen. Es
gibt nur einen Führer, aber auf vielen Wegen kann man
ihm folgen. Wenn ein Pfadfinder einen solchen andern Glau⸗
bens antrifft, so soll er daran denken, daß auch jener nach dem
Besten strebt.“ Das ist der Indifferentismus (Gleichgültig—
keit in Sachen der Religion) in allerkrassester Form. Nicht
einen, sondern viele Wege gibt es zu Gott. Mormonentum,
Mohammedanertum, die Götzenverehrung der Hottentotten, In⸗
dier und Papua und der Glaube der Christen — alles „schließt
die Verehrung desselben Gottes in sich“ (all involve the wor-
sbip of the same God'). Das ist das Prinzip, das geltend
gemacht wird für die Stellung, die ein Pfadfinder Andersglän—
bigen gegenüber einnehmen soll. So hat er als Scout Reli—
gionsunterschiede zu beurteilen. Weil doch im Grunde kein
Unterschied ist zwischen den Religionen, ehre man die religiöse
überzeugung eines jeden. Gerade wo die Stellung des Pfad—
findertums zur Religion zur Sprache kommt, sagt der offizielle
Jahresbericht (Scoutin9, II, 23, S. 9), die Pfadfinder sollen
lernen, hat the other fellow is not so much different from
themsclves“. Das ist wohl deutlich genug geredet. Und danach
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