Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 12 › Seite 218
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juni 1916, Seite 218
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8 Der „Tutheraner
Gaben, die der Kirche eigen sind, zählet er [St. Paulus]
Pfarrherren und Lehrer und hänget daran, daß solche gegeben
werden zur Erbauung des Leibes Christi.“ Die Himmelfahrt
Christi ist für uns ein Unterpfand seiner Fürsorge und seiner
steten Fürbitte für die Seinen. Er ist zur Rechten Gottes und
vertritt uns (Röm. 8, 34). Er bereitet uns droben eine
Stätte (Joh. 14, 2; 12, 26). Das ist die Frucht der Himmel⸗
fahrt Christi, daß wir am Ende unserer irdischen Wallfahrt
eine Wohn⸗ und Bleibestatt in dem durch seine Auffahrt ge⸗—
öffneten Himmel haben. „In meines Vaters Hause sind viele
Wohnungen.. Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten.
Und ob ich hinginge, euch die Stätte zu bereiten, will ich doch
wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf daß ihr seid, wo
ich bin“ (Joh. 14, 2. 3). Droben bei JEsu im Vaterhause
sind viele Wohnungen, in welchen die große Familie sich schließ⸗
lich im himmlischen Vaterhause zusammenfindet. Als das
Familienhaupt hat er dort die Wohnung zurechtgemacht. End⸗—
lich wird er wiederkommen und die Seinen aus diesem Jammer—
tal zu sich in den Himmel nehmen, auf daß sie, seine Diener, da
seien und ewig bleiben, wo er, der HErr, ist.
Die Himmelfahrt fordert uns daher auf, unser Herz zum
Himmel zu erheben und dort das Heil zu suchen. Daher richtet
der Apostel St. Paulus Kol. 3, 1 die Ermahnung an uns
Christen: „Seid ihr mit Christo auferstanden, so suchet, was
droben ist, da Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet
nach dem, das droben ist, und nicht nach dem, das auf Erden ist!“
Und im Brief an die Philipper schreibt er: „Unser Wandel
unsere Heimat! ist im Himmel, von dannen wir auch warten
des Heilandes IEsu Christi, des HErrn, welcher unsern nichtigen
Leib verklären wird, daß er ähnlich werde seinem verklärten
Leibe“ (Kap. 3, 20. 21). Auch wir mit unsern verklärten
Leibern werden nach der Auferstehung von Christo hingerückt
werden in den Wolken dem SErrn entgegen in der Luft und
werden also bei dem HErrn sein allezeit (1 Thess. 4, 17)
Auf Christi Himmelfahrt allein Ach HErr, laß diese Gnade mich
Ich meine Nachfahrt gründe Von deiner Auffahrt spüren,
Und allen Zweifel, Angst und Pein Daß mit dem wahren Glauben ich
Hiermit stets überwinde; Mög' meine Nachfahrt zieren
Denn weil das Haupt im Himmel ist, Und dann einmal, wann dir's gefällt,
Wird seine Glieder IEsus Christ Mit Freuden scheiden aus der Welt.
Zur rechten Zeit nachholen. HErr, höre doch mein Flehen!
J. Herzer.
— —
Etliche Gedanken hinsichtlich unserer Gemeindeschulen.
Mit Recht halten wir auf christliche Gemeindeschulen. Als
Christen wissen wir, daß wir unsern uns von Gott geschenkten
und anvertrauten Kindern eine christliche Erziehung geben
sollen. Das kann aber unter unsern Verhältnissen am besten
durch Mithilfe der christlichen Gemeindeschule geschehen. Dar—
auf ist nun schon oft unter uns mit der nötigen Begründung
hingewiesen worden.
In engem Zusammenhang damit dürfte nun aber auch
einmal diese Frage näher erörtert werden: Welchem Umstand
oder welchen Umständen ist es wohl zuzuschreiben, daß in vielen
Gemeindeschulen die Kinderzahl im Vergleich mit früheren Jah⸗
ren geringer ist? Bei Erwägung dieser Sache stellen sich uns
folgende Tatsachen dar:
1. In unsern Gemeinden gibt es nicht mehr
so viele Kinder wie in früheren Jahren. Die
großen Familien sind seltener geworden. Leider! Das hat
einen zweifachen Grund. Die Frauen unserer Zeit besitzen in
vielen Fällen nicht mehr dieselbe Fähigkeit, Kinder zu gebären,
wie dies früher bei den Müttern der Fall war. Die alten deut⸗
schen Mütter, die vielen Kindern das Leben schenkten und dabei 3
alt geworden sind, führten in ihren jungen Jahren eine Lebens⸗ 4
weise, die der Gesundheit der Frau am zuträglichsten ist; sie
verrichteten die Arbeit, wozu Gott das Weib geschaffen hat,
die Arbeit des Hauses, und was damit zusammenhängt, wozu 3
unter anderm auch die Bestellung des Gemüsegartens gehörte.
Heutzutage ist das vielfach ganz anders. Viele Mädchen unse⸗
rer Zeit stehen solcher Arbeit mit Abneigung gegenüber. Vom
Kochen und Backen, vom Stricken und Flicken, vom Waschen—
und Bügeln und dergleichen mehr wollen sie nichts wissen.
Haben sie erst einmal die Schulzeit hinter sich, dann suchen sie 3
sich Arbeit nicht in Familien als Dienstmädchen, sondern in
Fabriken, in Offices und Stores, kurz, gerade solche Arbeit,
die der Gesundheit des Weibes und somit auch seinem Berufe
als Mutter nicht am zuträglichsten ist.
Ein anderer Grund aber für die geringere Kinderzahl in
den Familien ist leider in der Tatsache zu finden, daß sich auch
unter unsern Christen die Zeittendenz der beschränkten Kinder⸗
zahl bemerkbar macht. Den göttlichen Segen: „Seid frucht⸗
bar und mehret euch!“ läßt man vielfach unbeachtet, wenn man
ihn nicht gar durch sündliche Mittel zu verhindern sucht. Das
vorher Gesagte steht hiermit in engem Zusammenhang. Die
Abgeneigtheit von seiten des Weibes gegen ihren Beruf als
Gattin und Mutter und — wir müssen hinzufügen — auch
die Abgeneigtheit von seiten des Mannes, die Pflichten eines
Haus- und Familienvaters zu übernehmen, schiebt die Heirat
oft hinaus, was an und für sich aus mehr als einem Grunde
schon dem Kindersegen hinderlich im Wege steht. Andererseits
müssen wir uns aber wohl hüten, solche, die keine oder wenig
Kinder haben, zu verdächtigen, als sei dieser Umstand in jedem
Falle ihr Schuld.
2. Fremde schicken nicht mehr so häufig wie
in früheren Jahren ihre Kinder in unsere
Schulen. Früher gab es wohl eine größere Anzahl Leute
unter den Deutschen, die, wenn sie auch nicht selbst der Ge⸗
meinde angehörten, doch noch ihren Kindern einen Schulunter⸗
richt geben wollten, wie sie selbst einen solchen im alten Vater⸗
land genießen durften, wozu eben auch der Religionsunterricht 1
gehörte. Es gab auch in früheren Jahren mehr Leute, als das
jetzt der Fall ist, die darauf hielten, daß ihre Kinder Deutsch
lernen sollten, und die schon aus diesem Grunde allein ihre
Kinder gern der Gemeindeschule anvertrauten.
3. Man hat es in früheren Jahren in die⸗
semoder jenem Stück hinsichtlich der Gemeinde⸗
schule fehlen lassen. Das ist sodann später der
Gemeindeschule zum Schaden angerechnet worden.
Fragte man früher: „Wohin schicken Sie Ihr Kind?“ so 1
erhielt man vielfach die Antwort: „In die deutsche Schule.“
Das hört sich nun ganz unschuldig an, ist es aber nicht. Unsere
Schulen sind eben keine deutschen Schulen. Sind sie denn eng⸗
lische Schulen? Nein, das auch nicht. Sie sind Gemeinde⸗
schulen, das heißt, Schulen, die von christlichen Gemeinden der
christlichen Kindererziehung wegen erhalten werden; sie sind
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