Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 12 › Seite 227

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juni 1916, Seite 227

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod

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SVer 2.„Putherane

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Gesundheit und das Leben unserer indischen Missionare gesorgt
wird.“ Und das ist geschehen. Unsere jetzige Missionsverwaltung
hat die Verhältnisse in Indien in gesundheitlicher Hinsicht so ge⸗

*staltet, daß durch Gottes Gnade jetzt in den letzten dreiundzwanzig

Jahren kein Missionar mehr infolge des Klimas gestorben ist.“ —
So gewiß es gewissenlos ist, mit Missionsgeldern nicht sparsam
umzugehen, die sich zum großen Teil aus Scherflein der Armen
zusammensetzen, die sie als Opfer für Christum und sein Reich
hergegeben haben, so gewiß gibt es auch eine verkehrte Sparsam⸗
keit. Wollte eine Mission solche Zustände, wie sie in den ersten
Jahren wohl unvermeidlich waren, fortbestehen lassen, bloß weil
sie billig sind, so wäre das empörend. Unsere Missionare tun
das Werk, das uns als Christen allen miteinander aufgetragen ist.
Wir erwarten von ihnen ernste, treue Arbeit, und da sollen wir
dafür sorgen, daß ihre Mühen und Beschwerden, deren immer
noch genügend bleiben, möglichst erleichtert werden. So ist es
wohlgetan, daß wir unsern Missionaren im Heidenlande ein Berg⸗
heim zur Erholung geben, ihnen Heimatsurlaub gewähren, unsern
Reisepredigern, wie es ja in den letzten Jahren geschehen ist, ihre
Gehälter erhöhen usw. Sparsamkeit — aber nicht auf Kosten der
Liebe und der Billigkeit. E. P.

Ein grober Mißbrauch eines Gotteswortes, der vielleicht,
gerade weil er so grob ist, heilsame Folgen haben könnte. Dieses
viel gemißbrauchte Wort Gottes steht 1 Tim. 5, 8 und lautet:
„So aber jemand die Seinen, sonderlich seine Hausgenossen, nicht
versorget, der hat den Glauben verleugnet und ist ärger denn ein
Heide.“ Bekanntlich führen Agenten der Lebensversicherungs⸗
gesellschaften und Logenarbeiter, die einer bankerott werdenden
Loge gern frisches Blut, das heißt, neue, junge, voraussichtlich
auf lange Jahre hinaus zahlende Glieder, zuführen wollen, dieses
Wort im Munde. Wenn sie zu Christen kommen, die sie gern ge⸗
winnen möchten, dann operieren sie gern mit diesem Spruch und
wollen denen einreden: es sei ja Gewissenspflicht, sich anzu⸗
schließen; denn für die Seinen zu sorgen, sei Gewissenspflicht;
wer das nicht tue, sei ja nach des Apostels Wort ärger denn ein
Heide und habe den Glauben verleugnet. Und wer will sagen,
wie viele leichtgläubige, gedankenlose Christen sich dadurch haben
verleiten lassen! Da haben wir ja immer gesagt: Für die Seinen
soll man allerdings sorgen, aber die Weise der Fürsorge muß
eine rechte, gottgefällige sein. Dies ist eben nicht das einzige
Wort, das in der Bibel steht; es hebt auch nicht alle andern
Gottesworte auf. Es steht eben nicht da: Wer die Seinen nicht
versorgt, einerlei ob auf rechte oder sündliche Weise. Sonst könnte
ja jeder Dieb und Betrüger und Räuber sich auf diesen Spruch
berufen und sagen, das sei eben seine Weise, für die Seinen, seine
Hausgenossen, zu sorgen; und das wolle Gott doch haben. Nun
hat kürzlich ein Zeitungsschreiber im Staate Missouri mit diesem
Spruch den politischen Nepotismus verteidigen wollen. Nepotis⸗
mus nennt man dies, daß einer, der ein hohes politisches Amt be⸗
kleidet oder sonst Macht und Ansehen im Staate hat, seinen Ver⸗
wandten, Freunden und Günstlingen einkunftreiche Amter und
Amtchen verschafft im Staate oder auch wohl Einkünfte aus der
Staatskasse ohne dem Staat gelieferte Arbeit. Dieses Verfahren
wollte besagter Zeitungsschreiber mit jenem Spruch rechtfertigen:
das sei ganz in der Ordnung, besonders wenn es sich um Familien⸗
angehörige handele; denn „wer seine Hausgenossen nicht versorgt,
ist ärger denn ein Heide und hat den Glauben verleugnet“. Da
konnte man letzthin in weltlichen Zeitungen lesen, daß da mit
Entrüstung gesagt war: das sei doch ganz gewiß nicht die Meinung
des Spruches, daß man auf rechte oder unrechte Weise die Seinen
versorgen solle; das Mittel müsse doch auch vor Gott und dem
Gewissen recht sein. Das haben wir ja immer gesagt. Und wenn
dieser Mißbrauch des Spruches, eben weil er so grob ist, die Leute
zu verständigem Nachdenken bringt und damit die mancherlei

anderen falschen Anwendungen dieses Spruches abschneidet, dann
ist er nicht umsonst passiert. E.

Bezüglich des Vibellesens schreibt ein englisches Wechselblatt
richtig: „Trotz aller neuen Hilfsmittel wissen die einzelnen Chri⸗
sten heutzutage weniger von der Bibel als ihre Väter und Groß⸗
väter vor so und so vielen Jahren. Und wir können uns nur
sofort den Grund dafür eingestehen: Es kommt dies daher, daß
die Bibel weniger im Hause gebraucht wird. Das fleißige Lesen
der Bibel kann durch nichts anderes ersetzt werden, wenn es sich
darum handelt, die Bibel recht zu verstehen. Christen können
und sollen ja auch gelegentlich sogenannte aids' oder Hilfsmittel
zum Verständnis der Bibel gebrauchen, mögen dies ganze Bibel⸗
erklärungen oder Erklärungen einzelner Ausdrücke und Gebräuche
sein. Aber vor allen Dingen sollen die Christen sich daran ge⸗
wöhnen, das Bibelwort ohne alle Glosse, das heißt, ohne alle
menschliche Erklärung, zu lesen, zu betrachten und ins Herz zu
fassen.“ — Vorstehende Notiz lasen wir in einem fremden Kirchen⸗
blatt. Was da gesagt ist, ist uns ja nichts Neues, sondern ist oft
auch im „Lutheraner“ ausgesprochen worden, ja sogar die ein⸗
zelnen Worte und Ausdrücke klingen uns bekannt. Es bedarf gar
nicht vieler aids“ für das Lesen und Verstehen der Bibel, und es
bedürfte deren immer weniger, je mehr die Bibel selbst gelesen
würde. Unsere Zeit ist an „aids“ so reich, wie es wohl keine ge⸗
wesen ist, aber zugleich auch wohl so arm an Bibelkenntnis wie
keine andere. Gar erst schlimm wird es, wenn die „aids“ statt
Führer Verführer sind. Die Christenheit wäre im rechten Glau⸗
ben einiger mit weniger „aids“ und mehr Bibel. E. P.

Gegen das marktschreierische und geldschneidende Treiben der
sogenannten Evangelisten zeugen auch andere Leute. So sagte
zum Beispiel Bischof Berry von Philadelphia vor einer metho⸗
distischen Pastoralkonferenz in Pittsburgh: „Ich bin ganz und
gar gegen dieses hochorganisierte Zeltgetriebe beim Evangelisieren.
Ich möchte gern diese Versuchung zur Geldmacherei aus der Welt
geschafft haben, die dem Evangelium auch rein gar nichts von
wirklicher Religion übrigläßt. Ich habe Beweismaterial, das nicht
jedermann bekannt ist; ich weiß, wovon ich rede. Alles, was
während des ganzen „Feldzuges“ getan wird, zielt gänzlich darauf
ab, die Kollekte am letzten Tage zu einem großen „freiwilligen
Opfer“ zu gestalten. Da ist alles Geld und wieder Geld und
abermals Geld. Ich wiederhole es: Ich habe gar nichts im Sinn
mit diesem hochorganisierten, wohleingeschulten Zeltwesen, weil
dadurch der Pastor vor der ganzen Bevölkerung herabgesetzt wird.
Die Zeltmaschine drängt den Pastor durchaus in den Hintergrund.
Während der Feldzug im Gange ist, hat der Pastor ganz zurück⸗
zustehen. Er kann hier und da ein wenig Dienstleistung tun,
zum Beispiel die Eintrittskarten abnehmen oder den Leuten Sitze
anweisen, aber bei der eigentlichen Tätigkeit kommt er gar nicht
in Betracht. Und wenn man durch die Evangelisierungsarbeit den
Pastor aus dem Felde hinausdrängt, dann versetzt man der evan⸗
gelisierenden Wirksamkeit der Kirche einen tödlichen Schlag.“
Auch das zuletzt Gesagte ist durchaus richtig. Eben deswegen
muß man sich wundern, daß gerade Pastoren oft so darauf ver⸗
sessen sind, einen „Evangelisten“ bei den Haaren herzuziehen, um
eine Arbeit zu tun, die sie selber tun sollten und viel besser und
nachhaltiger tun können als der „Evangelist“, der sich wie ein
Mietling gebärdet, des die Schafe nicht eigen sind, dem sie nicht
befohlen sind, der mit dem Geld davongeht und der Schafe weiter
nicht gedenkt, sondern sie vielleicht in einem andern Sinne als
Schafe im Gedächtnis behält, wenn sie etwa tüchtig Wolle in
seinen Händen gelassen haben. E. P.

Anläßlich einer Klage vor Gericht in Pennsylvania gegen
die staatliche Beaufsichtigung der Wandelbilder (moving pictures)
sagt der Lulheran: „Kürzlich wurden in Pennsylvania vor den
Gerichten Klagen angestrengt gegen die staatliche Beaufsichtigung

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