Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 12 › Seite 233
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juni 1916, Seite 233
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod
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SDer „Tutheraned SN 233
Kreuz und Krone.
Trägt IEsus denn sein Kreuz allein?
Geht frei die Welt für sich?
Für jeden Christen ist ein Kreuz,
Und auch ein Kreuz für mich.
Ich will es tragen in Geduld,
Bis einst nach kurzer Frist ö
Der milde Tod mich dorthin führt,
Wo meine Krone ist.
In jener goldnen Friedensstadt
Leg' ich dann Kreuz und Kron'
Zu Füßen dem, der mich erlöst,
Dem großen Gottessohn.
O schöner Tag der Ewigkeit,
Komm bald und mach' mich frei,
Daß ich zu sel'ger Kreuzesrast
Bei meinem Heiland sei!
Gräfin Helene Waldersee.
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———. —
Das Goldstück.
In einer kleinen Stadt hatte eine Missionsversammlung
stattgefunden. Die Anwesenden verließen den Saal, indem sie an
der Tür ihre Gaben in die bereitgehaltenen Büchsen warfen.
Zuletzt kam eine sehr arme Witwe daher. Mit strahlendem Ge—
sicht gab sie dem leitenden Missionar ein Goldstück. Dieser kannte
die Frau gut und wußte, in wie ärmlichen Verhältnissen sie lebte.
Deshalb sagte er zu ihr: „Liebe Frau, Sie sind arm. Ein Gold—
stück ist viel zu viel für Sie. Wenn Sie aber für den Heiland
ein Opfer bringen wollen, dann geben Sie mir ein Viertel oder
die Hälfte dieses Geldes.“ Als die Witwe diese Worte hörte,
+ wurde sie sehr traurig. „Lieber Herr Missionar“, sagte sie mit
bestimmten Ton, „ich bin zweiundsechzig Jahre alt und habe lange
Zeit nur Kupferstücke in die Missionsbüchsen werfen können;
später war ich so glücklich, wenn ich Silberstücke für die Mission
geben konnte. Ich habe Gott sehr darum gebeten, daß er mir
* so lange das Leben erhalten möchte, bis ich nur ein einziges Mal
ein Goldstück für meinen Heiland geben kann. Damit dieser
Wunsch in Erfüllung gehe, habe ich lange gespart. Mancherlei
Annehmlichkeiten habe ich mir versagt und die Pfennige, die ich
damit gewann, zusammengelegt. Ich bin oft ohne Licht ins Bett
gegangen, damit das Licht, das ich sparte, in den Missionshäusern
weiterbrenne, und das ewige Licht dadurch zu den Heiden komme.
Endlich bin ich jetzt an meinem Ziele. Mein Glück ist unbe⸗
schreiblich. Ich bin so froh, daß ich endlich ein Goldstück für
x 1 meinen Heiland geben durfte. Nun kann der HErr mich heim⸗
rufen. Nehmen Sie das Geld doch, Herr Missionar“, sagte sie
mit Tränen in den Augen, „und weisen Sie es nicht zurück! Um
JeEsu willen bitte ich Sie, daß Sie mich glücklich heimschicken.“
Während sie so sprach, hatten sich die noch im Saale An⸗
1R wesenden dazugefunden und betrachteten aufmerksam die schlicht⸗
gekleidete Frau. Da nahm der Missionar das Goldstück, sah mit
leuchtendem Gesicht auf die Umstehenden und sprach: „Wahrlich,
ich sage euch, diese arme Witwe hat mehr denn sie alle eingelegt.
Denn diese alle haben aus ihrem überfluß eingelegt zu dem Opfer
Gottes; sie aber hat von ihrer Armut alle ihre Nahrung, die sie
* hatte, eingelegt“, Luk. 21, 2—4. „Und ich sage euch“, fuhr er
4 fort, „in meinem Leben habe ich Tausende von Menschen kennen
*
gelernt, und von Tausenden habe ich Gold⸗ und Silberstücke be⸗
kommen, aber einen solchen Glauben habe ich noch nie erfahren.
Diese Witwe ist reich bei all ihrer Armut und selig bei all ihrer
Dürftigkeit.“ Dann ging die Frau glücklich nach Hause.
„Ich werde“, fuhr der Missionar fort, „dies Goldstücklein
ganz besonders gebrauchen, weil ich weiß, daß das Geld eine
treue Beterin hinter sich hat. Dies Geld wird viel mehr Frucht
bringen als manche große Gabe, bei der die lieben Geber ver⸗
gessen, nachher weiterzubeten. Sie geben die Gaben, aber sie
stehen nie im Gebet hinter ihren Gaben. Sie bitten den HErrn
nicht, daß er seinen Segen darauf lege und sie reiche Frucht
bringen lasse.“
Drei Jahre waren darüber hingegangen. Eines Tages be⸗
kam der Missionar einen Brief aus Armenien und las: „Vor drei
Jahren haben Sie mir eine Gabe von 20 Mark gesandt und dabei
geschrieben, daß ich sie, wenn mir ein Fall ganz besonderer Not
vor Augen käme, verwenden solle. Ich habe dafür einem Tischler
die nötigsten Werkzeuge gekauft. Dem Mann hatten die Türken
seinen Laden ganz ausgeraubt, und er war dadurch mit seinen
sechs Kindern in große Not geraten. Betteln wollte er nicht, und
er wußte niemand, der ihm helfen könnte. Durch seinen Freund
erfuhr ich davon und dachte gleich: da mußt du die besondere
Gabe gebrauchen. Ich schickte ihm die Sachen heimlich und hörte
dann lange nichts von dem Manne. Vor kurzem bekam ich fol⸗
genden Brief:
„Lieber Herr Missionar! Vor drei Jahren bekam ich un⸗
erwartet einige Werkzeuge in sehr schwerer Zeit, als mir kaum
eine Hoffnung blieb durchzukommen. Ich danke Dir, daß Du Dich
meiner annahmst, als ich in Not war. Durch die Werkzeuge bin
ich wieder vorwärtsgekommen und bin jetzt der reichste Tischler in
der Stadt. Aber, lieber Herr Missionar, ich habe noch etwas be⸗
kommen, was mehr wert ist als all dies Geld. Ich habe meinen
Heiland kennen gelernt und bin jetzt nicht nur der reichste, sondern
auch der glücklichste Mann in dieser Stadt. Ich möchte Dir nun
hierdurch den Zehnten von dem schicken, was ich durch diese Werk⸗
zeuge verdient habe. Gott segne Dich und Deine Arbeit!“
„In dem Brief“, schrieb der Missionar weiter, „lagen
200 Mark. Der Geber ist jetzt ein treues Mitglied unserer
Kirche.“
Als der Missionar diesen Brief las, erfüllte Freude sein
Herz. Er kniete sogleich nieder und dankte dem HErrn, daß er
die Gebete der Witwe erhört und so reichlich gesegnet hatte. Dann
schrieb er einen Brief an die arme Frau, die noch lebte. Wir
können uns denken, wie glücklich sie über die Nachricht gewesen ist.
Nun, lieber Leser, hättest du nicht auch Lust, deine Gold⸗
oder Silberstücke so anzuwenden? Hast du auch schon ein Gold⸗
stück in die Missionskollekte geworfen? Betest auch du, wenn du
etwas für deinen Heiland und sein Reich gibst? Du kannst auch
heute dasselbe Glück erfahren wie jene arme Witwe.
(Sonnenaufgang.)
Laß, o Welt, o laß mich sein!
Zieh mich nicht in deine Kreise;
Laß mich, fern von dir, allein
Leben still zu Gottes Preise!
Locke nicht mit Liebesgaben,
Denn sie reizen mich nicht mehr;
Lust und Leid hab ich begraben
Tief in einem stillen Meer.
Gräfin Helene Waldersee.
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