Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 12 › Seite 231

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juni 1916, Seite 231

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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod

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D 2„Tutheranes&

231

Renen Luft zu Filzen noch nicht ganz überwunden hat. Bieder⸗
mann ist heute nicht hier, sonst würde er uns das gerne bestätigen.
In der Lüneburger Heide, hab' ich mir sagen lassen, soll es ein

ungefangen, und das wurde so schlimm, daß ein Bauer seinen
* Hof und alles, was er hatte, der Mission hingab und selbst Mischo—
Elar wurde. Natürlich feierten sie auch Missionsfest, erst einen
Tag, zuletzt aber schon immer zwei Tage, und das in der Woche!
Nan denke sich nur einmal recht hinein, was daraus werden soll,
benn man das Missionsfestfieber zur Zeit der Heuernte bekommt
— in der Woche bekommt! Nein, nein, ich bin nicht dafür, daß
vir uns damit einlassen; denn das wird man ebensowenig los
Pals die Gicht und den karonischen Husten, und nun mach' ich den
Vorschlag, daß wir uns vertragen, Herr Präsident!“
So sprach Knapp.
Weil aber niemand den Vorschlag unterstützte, konnte Zinns
Ericht abstimmen lassen. Es war ihm auch ganz lieb; denn er
hätte doch gern ein wenig mehr über Mission gehört. Wenn das
wahr wäre, was Knapp erzählt hatte, dann müßten sie sich aller⸗
dings mit Händen und Füßen dagegen sträuben. Knapp hatte
gefragt: Warum müssen wir Missionsfest feiern? und diese
Frage hatte der Pastor noch nicht beantwortet, und diese Antwort
sollte man dem Pastor doch nicht schenken. Anstatt nun aber sei⸗
nem Pastor oder andern Gelegenheit zum Reden zu geben, fing
er an, laut zu denken, und sagte:
„Warum müssen wir Missionsfest feiern? Diese Frage hat
kbis jetzt noch keiner beantwortet. Was der Bruder Knapp gesagt
F hat, daß man mit dem Missionsfestfeiern nicht wieder aufhören
kann, sondern alle Jahre wieder feiern muß, das mag ja schlimm
genug sein; aber das ist nach meiner Meinung noch lange nicht
das Schlimmste. Das Schlimmste — hört, was ich sage! — das
Schlimmste ist, daß dabei auch eine Kollekte erhoben wird, die
cht in unsere Gemeindekasse fließt, sondern die fortgeschickt wird
für die Mission. Was nützt uns also das Missionsfest, wenn die
Kollekte nach auswärts geht? Da kann man doch nicht von Nutzen,
sondern nur von Schaden reden. Darum bin ich dagegen und
sage: Warum müssen wir Missionsfest feiern?“
Nicht als Frage, sondern als bitteren Vorwurf betonte er die
1 Vorte: „Warum müssen wir Missionsfest feiern?“
ů Pastor Gottlieb behandelte die Worte aber gleichwohl als
„Irage und sagte:
»ch bin den Brüdern Knapp und Zinns recht dankbar, daß
Psie hier die Frage aufgeworfen haben: Warum müssen wir
Missionsfest feiern? Ich will zuerst darauf eingehen, daß man
mit dem Missionsfestfeiern nie fertig wird, sondern alle Jahre
wieder feiern muß. In diesem Stück hat Bruder Knapp aller⸗
1 dings recht. Aber das ist durchaus kein Grund, daß wir um des⸗
villen kein Missionsfest feiern sollten. Feiern wir denn nicht alle
chre Weihnachten, Ostern, Pfingsten und andere Feste? Möchtet
Iihr auch nur eins dieser Feste entbehren? Was würdet ihr, was
ürden eure Frauen und was würden eure Kinder sagen, wenn
ich zum Beispiel am vierten Adventssonntag nach der Predigt von
Pber Kanzel bekanntmachen würde: Da in diesem Jahre der
* 25. Dezember auf den Mittwoch fällt, so wollen wir diesmal die
Feier des Weihnachtsfestes ausfallen lassen! Würdet ihr da auch
sagen: Gut, da können wir all das schöne Geld, das wir sonst für
GWeihnachtsgeschenke ausgeben müßten, behalten? Was sagen Sie
dazu, Bruder Zinns?“
4AQuber, Herr Pastor, das geht doch nicht. Wenn wir Weih⸗
nachten, Ostern oder Pfingsten nicht feiern wollten, dann wären
bir ja gar keine Christen mehr!“
„Recht so“, sagte Pastor Gottlieb, „und wenn wir nun be—
lenken, daß Christus bei seiner Himmelfahrt den Befehl gegeben
Pt: ‚Prediget das Evangelium aller Kreatur!“ und daß dieser

Porf geben, da haben sie vor vielen Jahren auch mit der Mission

der Mission hingeben müßte!

Befehl auch uns gilt, und daß wir gerade durch die Feier des
Missionsfestes dazu ermuntert werden, diesem Befehle unsers
Heilandes nachzukommen, dann wird uns die Feier eines Mis⸗
sionsfestes nicht unnötig erscheinen. Und wie Christen alle Jahre
Weihnachten, Ostern und Pfingsten feiern, so feiern sie auch gerne
mit Freuden Missionsfest; denn Missionsfeste sind Siegesfeste.
Wir hören da nicht nur, wieviel Arbeit noch zu tun ist, nein, wir
hören auch, wieviel Arbeit schon getan worden ist, welche Siege
das Wort Gottes in der Heidenwelt errungen hat. Und damit
das gesegnete Werk keinen Rückgang oder gar Stillstand erleidet,
bringen wir zur Weiterführung dieses Werkes unsere Gaben dar.
Wie der Krieg zum ersten Geld, zum zweiten viel Geld und zum
dritten sehr viel Geld erfordert, so braucht die Mission auch Geld,
viel Geld, sehr viel Geld; denn Mission ist auch Krieg, Krieg
gegen Sünde und Unglaube, Krieg gegen die Mächte der geist⸗
lichen Finsternis. Seid ihr Filzener nicht auch eine Siegesbeute
der Mission? Was wäre aus dieser Ansiedlung geworden, wenn
sie nicht durch die Missionsgaben anderer Christen mit Reise⸗
predigern versorgt worden wäre? Was wäre aus Bachhausen,
was aus den Leuten an der Creek, die in den Wisbach fließt, ge⸗
worden? Eure Kinder wären ohne Taufe und Unterricht auf⸗
gewachsen, und ihr Alten wäret mehr oder weniger ins finstere
Heidentum zurückgesunken. Als der alte Filz, nach dem diese
Ansiedlung Filzen genannt wird, begraben werden sollte, war
weit und breit kein Pastor zu finden, der ihn begraben konnte.
Da beschlossen die paar Ansiedler, daß ein Bruder des Verstorbe⸗
nen ein Vaterunser an seinem Grabe beten sollte; aber er kam
nur bis zur vierten Bitte, da blieb er stecken, und keiner konnte
ihm weiterhelfen. So stand's damals. Wieviel anders steht's
heute! Und wem haben wir's zu verdanken? Der Mission!
Dieses und manches andere muß uns treiben, Missionsfest zu
feiern und Gott mit fröhlichem Munde und offenen Händen zu
loben und zu danken!“

„Nun, ja“, sagte Zinns, „wenn das so ist, dann müssen wir
wohl; aber wie ist das mit der Kollekte, müssen wir denn die
auch fortschicken?“

„Brüder“, sagte Gottlieb, „wir wollen doch nicht sagen:
Wir müssen Missionsfest feiern, sondern: Gott sei Lob und
Dank, wir wollen und dürfen Missionsfest feiern. Und
es soll nicht heißen: Wir müssen die Kollekte fortschicken, son⸗
dern: Wir wollen die Kollekte für die Mission, die unsere
Synode treibt, einsenden und damit einen Teil der Liebesschuld
abzahlen, in der wir vor allem und zuerst bei unserm Heiland
stehen, und in der wir stehen bei denen, die uns vor Jahren mit
Wort und Sakrament versorgt haben. Ich hoffe, daß ihr mir
hierin alle beistimmt. Und nun handelt es sich heute nur noch
um eins, um den Festprediger. Ich meine, einen auswärtigen
Pastor sollten wir uns zum allerwenigsten als Festprediger zu
unserm ersten Missionsfest einladen. Ich würde mich freuen,
wenn ihr euch auch darüber frei und offen aussprechen würdet.“

Aussprechen?

Wenn Pastor Gottlieb gesagt hätte „ausschweigen“, dann
hätte er es besser getroffen; denn keiner tat den Mund auf.
Zinns kratzte sich hinter den Ohren und machte ein Gesicht, als
ob er sagen wollte: Daß ich auch so dumm sein und fragen mußte:
Warum müssen wir Missionsfest feiern? Nun hat er's uns so
klar gemacht, daß ich fast selber den Vorschlag machen möchte,
eins zu feiern. Er schaute auf das Astloch im Fußboden und ver⸗
senkte sich mit seinen Missionsfestgedanken in dies Astloch und
glaubte zu sehen, daß die Missionsfestkeime von diesem Astloch
aus sich nach allen Richtungen hin in der Kirche ausbreiteten.
Was sollte daraus werden, wenn er nun so angesteckt würde, daß
er wie der Lüneburger⸗Heide-Bauer seine schöne Farm und alles
O Schrecken und Graus! Dieser

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