Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 12 › Seite 224
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juni 1916, Seite 224
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sein Missionswerk erschweren, bloß weil sie die Sache nicht im
rechten Lichte ansehen. Sicherlich wird sich ein jeder Christ
von Herzen freuen über jede Gelegenheit, wodurch vielleicht
eine Seele zu Christo gezogen werden kann, und er wird mit
Freuden jedes Opfer bringen, das dazu erforderlich sein sollte.
Nachrichten aus unsern Missionen.
Innere Mission. New Mexico. Es ist ein feines
Wort, das wir von dem ehrwürdigen Vater unserer Inneren
Mission, dem seit 1876 in Gott ruhenden P. Friedrich Wyneken,
haben. Es klingt so markig und mutig, so praktisch und ziel⸗
bewußt: „Ich glaube, der einzige Weg, ordentlich im Weinberg
des SErrn etwas auszurichten, ist eben der, Missionare in
kleineren Kreisen anzustellen. Diese bloßen Streifereien und
Plänkeleien auf das Gebiet des Satans helfen, fürchte ich, im
Grunde wenig; wir müssen ordentlich festen Fuß fassen und
dem Teufel das Land Schritt für Schritt abnehmen und von
dem eingenommenen Lande Vorposten vorschicken.“ Wenn auch
dieses Wort aus der Anfangszeit unserer Synode stammt, und
jetzt im Werk der Inneren Mission manches getan ist und
manches sich gebessert hat, so zeigt es doch noch immer den
Weg zu rechter fruchtbringender Weinbergsarbeit. Diesem gott⸗
gewollten Ziel, Missionare in kleineren Kreisen anzustellen,
steuern auch unsere Mitchristen, welche die Missionsarbeit im
Staat New Mexico eifrig und opferwillig betreiben, mit allem
Fleiß näher.
Gott hat sein Werk nach seiner Weisheit gesegnet. Ob⸗
wohl dieser Staat schon vor achtundsechzig Jahren in den
Staatenverband unsers Landes aufgenommen worden ist, so
wurde unsere Arbeit doch erst vor acht Jahren in Angriff ge—
nommen. Unter Gottes weiterem Schutz und Segen rechnen
wir die folgenden Orte zum „eingenommenen Lande“ (sind
es doch solche, wo Missionare wohnen, und alt und jung
fleißig mit dem Brot des Lebens versorgt wird): Albuquerque
(P. C. Schmid), Optimo (P. P. Kretzschmar) und Springer
(Student E. Beckler).
Zwei Missionare, die dicht an unserer Staatsgrenze, aber
in Texas wohnen, bedienen. zusammen fünf Missionsplätze in
unserm Staat: P. P. Birkmann in El Paso und P. J. Sieck
in Dalhart. Alle diese Genannten missionieren in ihrem kleine—
ren Kreis, machen aber auch größere Streifzüge. Gelegenheit
ist reichlich vorhanden; denn New Mexico gehört, was Aus⸗
dehnung betrifft, mit zu den größten Staaten. Leider konnten
noch nicht alle größeren Orte durchforscht werden, wie unten—
stehender Brief zeigt; doch weil die Fahrgelegenheit günstig
war, sind bis jetzt 25 Ortschaften von uns besucht worden.
Zurzeit wird an 16 Stationen im Staate regelmäßig ge⸗
predigt.
gangenen Jahr fast die ganze südliche Hälfte des Staates
abgesucht. Manchen langen, vergeblichen Weg hat er dabei
zurückgelegt, aber auch manche besondere Freude und schöne
Erfolge erlebt. Lassen wir ihn selbst ein Beispiel erzählen:
„Eben war ich, nach einer Reise von 500 Meilen, in X.
angelangt. Unterwegs war ich an verschiedenen Orten ab—
gestiegen, hatte aber wenig Lutheraner gefunden oder solche,
die sehr wenig Interesse für Kirche zeigten. Ich befand mich
Der oben zuerst genannte Missionar hat im ver⸗
gerade nicht in der mutigsten Stimmung; denn wenn man
so vor einer fremden Stadt steht, wo man unter lauter Frem⸗
den missionieren soll, und dabei an den wahrscheinlichen Emp⸗—
fang von seiten der Unkirchlichen und der Kirchlichen denkt, so
möchte der alte Adam allemal lieber sogleich umkehren und
mit dem nächsten Zug die Heimreise antreten. Doch damit
kam er bei mir nicht durch. Also vorwärts! Bald hatte ich
erfahren, daß da und dort ein deutscher Lutheraner wohne.
Der Sohn des Hauses empfing mich. Der Vater war wohl
im Hofe beschäftigt. Ich sagte dem Kleinen: „Geh und sag'
deinem Vater: Mein Name ist so und so; ich bin ein luthe⸗
rischer Pastor.“ Nach einer Weile kam er wieder und berichtete
wahrheitsgetreu: „Der Papa hat gesagt: Das kann ich nicht
helfen, daß er ein lutherischer Pastor ist. Damit konnte ich
weitergehen. Die Sache fing recht netts an. Wie nun weiter?
Bekanntlich sind die Barbiere Leute, die mit ihren Mitmenschen
ziemlich gut bekannt. sind. Ich ging zu einem und ließ mir?
die Haare schneiden und fragte ihn dabei gründlich aus. Aber
er wußte von keinem Lutheraner. Nun ging ich in einen
Laden, und da hörte ich von einem deutschen Schneider. Bald
stand ich vor ihm in seiner Werkstatt und machte wieder meine
Einleitung, die vorhin eine so ‚freundliche Aufnahme gefunden
hatte. Er war gerade beim Bügeln; er ließ sein Eisen einen
Augenblick ruhen, drehte sich etwas um, sah mich scharf an
und fragte: „Von welcher Synode?“ Ich sagte: Missouri⸗
synode.“ Da setzte er mit kräftigem Ruck sein Eisen hin, sein
Gesicht erhellte sich, und freudestrahlend kam er mir entgegen
und sagte: Let's shake hands! So etwas hätte ich nie er⸗
wartet! Wie kommen denn Sie hierher? Ich habe den lieben
Gott schon öfters gebeten, er möchte uns doch mal einen rechten
lutherischen Pastor schicken, aber ich habe es selbst bezweifelt
und nicht geglaubt.“ Nun fühlten wir uns beide gegenseitig
bald heimisch; denn wenn sich Missourier treffen, so macht das
keine Schwierigkeit, auch nicht in New Mexico. Schnell wurden
noch einige andere Glaubensgenossen eingeladen, und auch die
Nachbarn baten wir mitzufeiern, und am Abend fand im Hause
jenes Schneiders der erste lutherische Gottesdienst statt.“
So weit der Erzähler. Wir erlauben uns, noch einen
guten Schluß zu dieser Geschichte zu machen. Es war einige
Monate später. Dem geübten Schneiderauge war es nicht
entgangen, daß seines Pastors Anzug wohl vom vielen Sitzen 3
und Liegen im Bahnwagen schon bedenklich glänzte, und so
schenkte er ihm vergangene Weihnachten einen feinen neuen
Sonntagsanzug.
Doch nun folge noch ein Missionsbrief. Wunderselten
gelangen solche Briefe in unsere Hände. Wir müssen meistens
gehen ohne freundliche Einladung. Wie oft müssen wir klagen,
daß wir wohl Leute finden, die wir gern bedienen möchten,
daß sie aber kalt und satt geworden und vom Glauben ab⸗
gefallen sind. Und schließlich wird der freundliche Leser sich
auch darüber freuen, daß Frau M. so tapfer ausgehalten und
immer wieder geschrieben hat. Nun ist der nächstwohnende
Missionar längst dagewesen und hat in ihrem Hause den ersten
Gottesdienst gehalten. Möge auch dort das fleißige Hören des
lauteren Gotteswortes und der Gebrauch der Sakramente vielen
zu zeitlichem und ewigem Segen gereichen! Es folgt hier der
Brief:
„D., den 24. Januar 1916. Werter Herr P. K.! Da 4
ich in der Nummer des „Lutheraner“ vom 12. Oktober 1915 ;
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