Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 12 › Seite 232
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juni 1916, Seite 232
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod
232
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Der + utheraneds
Gedanke hatte ihn so erschüttert, daß er mit seinen Gedanken in
die Wirklichkeit zurückkehrte, das Astloch mit offenen Augen genau
betrachtete und nichts weiter sah als ein Völklein Ameisen, die
munter aus und ein liefen. In seiner Verlegenheit wagte er
kaum den Blick zur Versammlung aufzuheben, bemerkte aber doch,
daß sich jemand in der Ecke erhoben hatte, und rief ihm mit fester
Stimme zu:
„Gnatzig, red' du!“
Zinns setzte sich in Positur, denn er wußte, wenn der aus
der Ecke redet, dann trifft er meistens den Nagel auf den Kopf.
Und so war's. Gnatzig machte einen Vorschlag, der an Deut—
lichkeit nichts zu wünschen übrigließ.
„Ich schlage vor“, sagte er, „daß wir an einem Sonntag,
den unser Herr Pastor dafür bestimmt, mit denen von Bachhausen
und an der Creek Missionsfest feiern, daß wir Pastor Klarmacher
als Festprediger einladen, und daß wir die Kollekte für die Reise—
predigt einschicken; denn dieser verdanken wir nächst Gott, daß wir
in Filzen, in Bachhausen und an der Creek eine lutherische Ge⸗
meinde haben.“
Zinns unterstützte als Vorsitzer den Vorschlag. Pastor Gott⸗
lieb wollte anfangs noch etwas dazu sagen, hielt es aber für besser
zu schweigen; denn er hatte in der Hauptsache ja alles erreicht.
Alle stimmten mit ja. Mit Knapps Vorschlag, daß wir uns
„vertragen“, und mit dem Vaterunser wurde die Versammlung
geschlossen. (H. B. im „Gemeindeblatt“.)
Wie man den Willen Gottes nicht erkennt.
Kürzlich las ich die Geschichte von einer Frau, die vorgab,
den Willen Gottes zu tun. Ein Reisender traf eine Frau, die
mit zwei Körben beladen war. Sie kam an eine Stelle, wo sich
der Weg kreuzte, rechts nach einem Bauernhofe, links durch den
Wald nach einem Edelhofe. Die Frau stand eine Weile un—
entschieden, dann warf sie plötzlich ihren Stock in die Höhe; dies
wiederholte sie mehrere Male, dann bog sie rechts nach dem
Bauernhofe ab.
Als der Reisende die Frau wieder traf, fragte er sie:
„Warum haben Sie sich draußen am Kreuzwege so lange be—
sonnen, ehe Sie den Weg nach hier wählten?“ „Sehen Sie,
Herr“, sagte die Frau, „wir Menschen sind so blind, daß wir
den rechten Weg nicht finden, wenn Gott ihn uns nicht zeigt;
darum bete ich immer erst zu Gott um seine Führung. O, er
leitet mich immer recht!“ „Aber warum warfen Sie den Stock
in die Höhe?“ „Ja, sehen Sie, das ist das Zeichen, an dem ich
den Willen Gottes erkenne; nach der Richtung, wie die Spitze
des Stockes fällt, erkenne ich, welches mein Weg ist, und dann gehe
ich nie fehl. Meinem Gott kann ich trauen.“ „Warum haben
Sie aber den Stock so oft in die Höhe geworfen?“ „Ja, sehen
Sie, der Stock wollte nicht fallen, wie ich es haben wollte, und
so mußte ich so lange werfen, bis er recht fiel; aber ich kann
mich immer darauf verlassen, daß es recht wird, wenn ich folge!“
Das klang ja sehr fromm, was die Frau sagte, und doch war
es der schlimmste Spott, den es gibt. Sie wollte gar nicht Gottes
Willen tun, sondern vielmehr ihren Willen durchsetzen. Und um
sich vor sich selbst zu entschuldigen, gebrauchte sie ein aber—
gläubisches Mittel. Wie oft erlebt man nicht Ahnliches? Nur
ein Beispiel. Da war ein Fabrikarbeiter. Er hatte sein Aus—
kommen, mußte aber sparsam sein, denn in seiner Wohnung
warteten sechs Kinder auf ihn, und seine Frau mußte mit dem
Wirtschaftsgelde sehr haushälterisch unmgehen. Eines Samstags
wurde in der Fabrik von einigen Leichtfüßen der Vorschlag ge—
macht, Sonntags einen Ausflug nach einem benachbarten Ver⸗
gnügungsorte zu unternehmen. Hin und her wurde darüber ge—
redet. Endlich drang die Ansicht durch, man wolle „ohne Gepäckz ö
ausfliegen“. Das sollte scherzhaft klingen, war aber nichts als
eine Roheit; man meinte damit, die Familien sollten zu Hause
bleiben, die Männer wollten sich allein amüsieren.
Unser Freund war ein Mann, der etwas auf sich hielt und
es nicht gerade für eine Schande achtete, die Kirche zu besuchen. *
Manchmal hatte nian ihn schon in der Fabrik deswegen verspottet, ů.
aber da er sich's ruhig und ernst verbat, hatte man ihn schon
lange in Ruhe gelassen. Aber die bösen, gottfeindlichen Worte
waren doch auch bei ihm nicht ohne Wirkung geblieben. Während
er in der ersten Zeit regelmäßig, wie sich's für einen Christen
gehört, in die Kirche ging, hatte er sich allmählich eingeredet, er
sei Sonntags zu müde von der Wochenarbeit und müsse sich ordent⸗
lich ausschlafen. So war es gekommen, daß sein Christentum
recht äußerlich geworden war. Als seine Kameraden bei dieser
Gelegenheit ihn stichelten, ob er denn nicht auch bei der Partie
sein wolle, sagte er zwar nichts, aber im Herzen wurmte es ihn, 2
daß er sich „gar kein Vergnügen“ gönnen dürfe. So beschloß er
auch, Gottes Willen, wie er's nannte, zu erforschen. Seine Mit⸗
arbeiter waren nicht wenig erstaunt, als er mit ihnen in das
Gasthaus ging, in welchem sie Samstags einen großen Teil ihres
Wochenlohnes dem freundlichen Wirt (er war so lange freundlich,
als er Geld bei seinen Gästen sah) zu lassen pflegten. Ja, er
setzte sich mit an den Tisch, wo Karten gespielt wurden, und erbot
sich mitzuspielen. Er hatte nämlich zu sich selbst gesagt: Wenn
es Gottes Wille ist, daß ich morgen den Ausflug mitmachen soll,
dann werde ich heute so viel im Kartenspiel gewinnen, als ich dazu
brauche.
Zeit des Gewinnes immer verlor, hatte er bald vier Mark ver⸗
spielt. Er versuchte nochmals sein Glück, nochmals zwei Mark
wurden ihm abgenommen. Ganz aufgeregt ging er nach Hause.
Man kann sich das Erwachen am nächsten Morgen denken. Der
Frau war es nicht lieb, daß der Mann sie und die Kinder ver⸗
gessen konnte, und weil der Mann sich seines Unrechts bewußt war,
fing er an zu schelten, und die armen Kinder mußten es büßen.
Der schöne Sonntag war verloren, das Geld war verloren, und
der Friede des Hauses war verloren. Und doch meinte zuerst der
Mann, er hätte ja nur Gottes Willen erforscht. Er ist aber
wieder zur Vernunft gekommen und hat sein sündliches Versuchen
eingesehen und gelernt, daß Gottes Wille sich ihm deutlich genug
gezeigt hatte: seine Familie zu versorgen, mit ihr und durch sie
wahre Erholung ohne Leichtsinn und Schande zu genießen. Es
ist ihm klar geworden, daß das Gottes Wille nicht sein könne,
Da ziemlich hoch gespielkt wurde, und er nach kurzer 4.
wenn er seinen sauer verdienten Wochenlohn im Spiele dahin⸗
gebe und seine Familie in Angst und Kummer versetze.
Er lernte .
es auch wieder, Gottes Willen recht zu erkennen durch das einzige
Mittel, das uns dazu gegeben ist, durch das Hören, Lesen und
Beherzigen des Wortes Gottes. (Freimund.)
Prinz Bernadottes Zeugnis.
In einer Versammlung in Karlstadt schloß Prinz Berna⸗
dotte seine Rede mit folgenden Worten:
muß ich bekennen, daß das Größte, was ich mir denken kann, ist,
ein Zeuge IEsu Christi zu sein.
in meiner Stellung müsse immer glücklich sein.
nicht so.
doch nicht zufrieden. Das Herz verlangt nach etwas Besserem.
Erst seitdem der HErr IEsus in mein Herz eingezogen ist, kenne A
In Wort und Wandel 1
ich keine unbefriedigte Sehnsucht mehr.
ein Zeuge seiner Liebe zu sein, ist mein Wunsch und Ziel. Und
ich will es allen sagen, die meine Worte hören wollen: Es ist
Freude, ihm zu dienen.“
„Für mich persönlich
Man sollte meinen, ein Mensch
Aber dem ist
Ob ein Mensch das Beste auf Erden besäße, so wäre er
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