Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 12 › Seite 228
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juni 1916, Seite 228
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod
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8 Ner utheraneres
(censorship) der Wandelbilder; aber es wurde ihnen wenig Be⸗
achtung geschenkt. Fabrikanten wissen ganz gut, daß nur die
anrüchige Sorte von Bildern das Schauspielhaus füllen, und die
staatliche Beaufsichtigungsbehörde hat ihnen ihre Einnahme etwas
verkürzt. Wir sagen ‚etwas“; denn wenn sie so streng verfahren
würden, wie sie sollten, dann würden nicht wenige von ihnen das
Geschäft aufgeben müssen. Wir kennen eine Gemeinde, die dem
übel der Wandelbilder in der Weise entgegenzuwirken suchte, daß
sie nützliche und lehrreiche Bilder zeigte; aber sie mußte bald die
Erfahrung machen, daß sie sich damit vor den gewöhnlichen Bilder⸗
theatern nicht halten konnte, und daß die jungen Leute, statt um⸗
sonst und ohne Kosten Belehrung zu erhalten, es vorzogen, ihre
fünf Cents zu bezahlen, um dafür Dinge zu sehen von der Art
der billigen und zweifelhaften novels. Das ist die Sachlage.
Jede Körperschaft, die mit solchen Bildern oder überhaupt mit
Vergnügungen Geld verdienen will, muß den Leuten geben, was
sie wollen, und nicht, was ihnen nützen würde. Trotzdem ist es
erfreulich, daß das Staatsobergericht von Pennsylvania der Be⸗
aufsichtigungsbehörde beigestanden hat, die, wie jedermann weiß,
immer noch die Tür weit offen läßt für Schauspiele, die nie zur
Aufführung kommen sollten.“ E. P.
In lauter großen Buchstaben druckt ein katholisches Blatt
das Folgende: „Die Submarinfrage zwischen Deutschland und
den Vereinigten Staaten, soll angeblich dem König von Spanien
zur Schlichtung und Arbitration überwiesen werden. Es wäre dies
eine freudige Botschaft, wenn auf Wahrheit beruhend, da König
Alfons bekanntlich ein sehr gerechtigkeitsliebender Monarch ist.
Die gesamte katholische Welt würde aber auch in dieser Wahl ge⸗
ehrt.“ — Wenn die Sache dem spanischen König überwiesen wird,
dann wird das lediglich geschehen, weil man ihn für einen „ge⸗
rechtigkeitsliebenden Monarchen“ hält, und weder weil noch trotz⸗
dem er ein Katholik ist. E. P.
Papst Benedikt verspricht, Judenverfolgungen in allen Teilen
der Welt entgegenzuarbeiten. Er hat durch den päpstlichen
Staatssekretär, Kardinal Gaspari, versprochen, alle Verletzungen
der natürlichen Rechte der Judenschaft rügen zu wollen. Ein
Komitee hervorragender amerikanischer Juden hatte einen Appell
an den Heiligen Vater gerichtet, zur Abstellung der Verfolgungen,
denen die Mitglieder der jüdischen Rasse in verschiedenen Teilen
der Welt ausgesetzt sind, einzuschreiten. Der Brief des Kardinals,
der die Antwort des Papstes auf diesen Appell enthält, wurde in
New Hork bekanntgegeben und hatte folgenden Wortlaut: „Der
Papst hat mit großem Interesse von dem Schreiben Kenntnis ge⸗
nommen, welches Sie unter dem 30. Dezember 1915 im Namen
der drei Millionen jüdischer Bürger der Vereinigten Staaten an
ihn gerichtet hatten. Sie haben in dem Schreiben den Papst er⸗
sucht, seinen höchsten moralischen und spirituellen Einfluß geltend
zu machen, die Leiden und Verfolgungen Ihrer Glaubensgenossen
in verschiedenen Teilen der Welt zu erleichtern. Der Papst ist
nicht imstande, sich betreffs der einzelnen Tatsachen, welche Sie in
Ihrem Schreiben unterbreitet haben, näher einzulassen, ist jedoch
durchaus bereit, im Prinzip als das Haupt der katholischen Kirche,
die alle Menschen als Brüder betrachtet, fortzufahren, auf Be⸗
obachtung der Prinzipien des natürlichen Rechtes der Individuen
sowohl als auch der Nationen hinzuarbeiten und alle Verletzungen
dieser Rechte scharf zu rügen. Diese Rechte sollten, ob sie sich nun
auf die Kinder Israel oder die übrige Menschheit beziehen, unter
allen Umständen respektiert werden. Außerdem fühlt der Heilige
Vater in seinem väterlichen Herzen, welches tiefen Schmerz über
den schmerzlichen Krieg empfindet, unter den gegenwärtigen Ver⸗
hältnissen mehr als je zuvor die Notwendigkeit, daß alle Menschen
stets der Tatsache eingedenk sein sollten, daß sie Brüder sind, und
daß ihr Heil nur in der Rückkehr zu Gesetz und Nächstenliebe
liegen kann. Gleichzeitig empfindet der Papst besondere Freude
über die Einigkeit, die in den bürgerlichen Angelegenheiten der
Vereinigten Staaten unter den Vertretern der verschiedenen
Glaubensbekenntnisse besteht, und die so viel zu dem friedlichen
Wohlstand ihres großen Landes beiträgt.“
(Kath. Glaubensbote.)
Not lehrt beten in Frankreich. Allmählich wird es bekannt,
daß auch in Frankreich immer größere Schichten des Volkes der
Religionslosigkeit und rein negativen Haltung zu Glauben und
Christentum satt werden. Das lehrt ein Bekenntnis des fran⸗
zösischen Schriftstellers Lavredan, das selbst in radikalen Blättern
abgedruckt wurde. Lavredan schreibt: „Wie furchtbar und bren⸗
nend sind die Wunden eines Volkes, in die nicht ein Tropfen von
Blut jenes Wunderbaren fließt als heilender Balsam, jenes
Wunderbaren — ach, ich darf ihn nicht nennen! Er war so gut,
und ich? Was würde aus Frankreich, wenn seine Kinder nicht
glaubten, seine Frauen nicht beteten! Die Artillerie des Gott⸗
vertrauens wird siegen in diesem Kriege. Frankreichs Ver⸗
gangenheit ist groß. Ein Frankreich war es, das glaubte. Frank⸗
reichs Gegenwart ist Drangsal. Ein Frankreich fühlt es, das nicht
mehr glauben konnte. Wird seine Zukunft besser werden? An
Gottes Hand, nur an Gottes Hand! O, ein Volk von Toten deckt
das Feld! Wie schwer ist's, auf diesem Nationalfriedhof noch
Atheist zu sein. Ich kann es nicht, ich kann es nicht! Ich habe
mich betrogen und euch, die ihr meine Bücher laset und meine
Lieder sanget. Es war ein Irrwahn, ein Taumel, ein wüster
Traum. Ich sehe den Tod und rufe dem Leben. Die Hände
mit den Waffen schaffen den Tod; die gefalteten Hände wirken
das Leben.“ — Dies sind ernste Worte; doch ist es nicht zu⸗ be⸗
dauern, daß man erst so spät den besten Freund erkennt? Möchte
doch auch diesem umnachteten Lande in geistlicher Beziehung ein
neuer Morgen tagen! (Apologete.)
Der Mutter wegen.
Von P. Rennecke.
(Schlu ß.)
Und indem die Kat weiter betete und weiter Selbstgericht
übte, tobte draußen der Sturm immer ärger. Der Nachbar und
ihr Sohn, wie sie es sich ja wohl denken konnte, waren längst an
den Strand geeilt, unn der Abfahrt des Lotsenbootes beizuwohnen,
und beide verfolgten jetzt mit atemloser Spannung das Rettungs⸗
boot, das wie ein schwarzer Punkt zwischen den wildbrandenden
Wogen auf und nieder flog. „Könnte ich nur mit hinaus!“
knurrte Ben seinen älteren Freund an. „Ich verstehe im Zwie⸗
licht und Mondschein zu fahren; aber ich darf ja nicht Lotse
werden — nie, niemals!“ ö
„Schweig still!“ entgegnete der andere. „Die Lotsen sind
noch nicht zurück, und wenn einer davon in das Wasser fällt, darfst
du ihn doch ja wohl 'rausholen. Das ist auch schon was!“
Ben machte eine Bewegung, als wolle er sich zu solchem
Zweck gleich jetzt der schweren Stiefel entledigen; aber der andere
faßte ihn fest am Arm.
„Es sinkt! es sinkt!“ schrie er.
den Nebel.“
„Es kann deshalb doch noch über Wasser sein“, meinte ein
anderer Schiffer. „Der Abendnebel steigt; schnell muß die Hilfe
kommen!“
„Seht ihr das Boot auch noch?“ fragte ein anderer.
„Wie könnte man das Boot sehen? Man sieht ja den Mast⸗
baum vom Schiff nicht mehr“, rief ein dritter. „Das Boot ist
jetzt ganz im Nebel. Gut, daß wir den Leuchtturm haben, sonst
wüßte ich nicht, wie sie sich zurückfinden sollten.“
„Ich sehe nichts mehr durch
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