Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 12 › Seite 223
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juni 1916, Seite 223
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S Der utheranet
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Und als die Tochter freudig ja sagte, waren die Eltern zu⸗
frieden und entließen sie mit ihrem Segen. Das war rechter
Gebrauch der elterlichen Autorität in Ehesachen. Sie hüteten
sich vor Mißbrauch ihrer Autorität auch in späterer Zeit. Wir
lesen nicht, daß etwa die Mutter der Rebekka einschärfte: Wenn
dir's aber später nicht gefällt, dann komm nur wieder zu uns.
Laß dir nicht zu viel sagen von deinem Manne, und besonders
kümmere dich nicht um den Schwiegervater! — und dergleichen.
Nein, sie als gläubige Eltern wußten, hat unsere Tochter mit
»unserer Bewilligung ja gesagt, dann gehört sie dem Isaak an
und nicht mehr uns; nun sollen die zwei ein »Fleisch sein.
Unsere Tochter soll nach Gottes Willen Vater und Mutter ver⸗
lassen und an ihrem Manne hangen.
Es ist daher ein Mißbrauch elterlicher Autorität, wenn
diese nach der Verlobung und Trauung immer noch ihr Kind
ganz für sich beanspruchen und dessen Herz dem Gatten nicht
gönnen wollen. O wieviel Unheil haben oft Eltern ihren
verheirateten Kindern bereitet durch ihr unberufenes Drein—
mischen in die häuslichen Angelegenheiten ihrer Kinder!
Nun weiß ich nicht, lieber Paul, ob ich die Frage Deines
Freundes hinreichend beantwortet habe. Es gibt nämlich
gerade in Ehesachen so mancherlei Schwierigkeiten. Sollte er
mit diesem Briefe nicht zufriedengestellt sein, so sage ihm, daß
er zu seinem Seelsorger gehen, diesem ganz offen und ehrlich
sein Herz ausschütten und sich von ihm ausführlichen münd⸗
lichen Bescheid holen soll.
Nun gehab' dich wohl und grüße auch Dein liebes Weiblein!
Dein Onkel
C. M. N. Karl.
——————
Wie manchmal die Gemeinden selbst dem Missionswerk
hinderlich werden können.
Dies ist ein Missionsdistrikt,?) und es wird hier Mission
getrieben. Fast alle unsere Pastoren sind direkt im Werk der
Inneren Mission tätig. Auch unsere Gemeinden zeigen im
großen und ganzen sehr reges Interesse für das Werk der
Mission. Dennoch muß man dabei hin und wieder die Be⸗
obachtung machen, daß gelegentlich die Gemeinden selbst dem
Werk der Mission etwas hindernd in den Weg treten, besonders
wenn es sich um Mission gerade in ihrer unmittelbaren Nähe
handelt. Sie wissen und sehen es wohl meistens gar nicht,
daß sie dem Werk hinderlich sind. Manche Gemeinden sehen
es nicht gerne, wenn ihr Pastor viele Missionsreisen unter—
nimmt, neue Plätze aufsucht usw. Er muß dabei vielleicht des
öfteren vom Hause abwesend sein, gelegentlich fällt dann Gottes—
dienst oder Schule aus, und da stößt man auf allerlei leise Un⸗
zufriedenheit bei seinen Leuten. Sie mögen nicht, daß ihr
Pastor so oft auf Reisen ist, er habe zu Hause genug zu tun;
er solle nur die neuen Plätze gehen lassen, da sei ja doch meistens
nicht viel los, und oft seien die Missionsreisen auch ganz ver⸗
geblich.
Wenn ein Missionar eine erfolgreiche Missionsreise ge⸗
macht hat, so hört man manchnial etwas davon (wir würden
gerne noch viel mehr davon hören), aber von diesen erfolg—
) Der Verfasser dieses Artikels war zur betreffenden Zeit Reisepre—
diger im westlichen Canada.
losen Reisen hört man nichts. Und doch bildet das einen ziem⸗
lichen Teil der Tätigkeit eines Missionars, daß er Fahrten
macht, die erfolglos zu sein scheinen. Er verfolgt eben jede
Spur, geht jedem Wink nach, und da ist es ganz natürlich, daß
sehr oft kein handgreifliches Resultat für seine Bemühung auf⸗
zuweisen ist. Müde und abgespannt kommt er nach Haus und
denkt, und die Leute sagen ihm auch vielleicht noch, da hätte
er Zeit und Kraft doch besser zu Hause anwenden können.
Aber wir glauben, daß wohl sehr, sehr selten eine Mis⸗
sionsreise ganz ohne Erfolg sein wird. Einmal lernt der
Missionar sein Gebiet dabei immer besser kennen und macht
vielleicht Erfahrungen, die ihm später sehr zustatten kommen.
Ferner lernen die Leute ihn immer besser kennen, und wenn
später Lutheraner in eine solche Gegend kommen, dann wird
ihnen gesagt: Ja, an dem und dem Ort ist ein lutherischer
Pastor; der wird gerne kommen und euch besuchen. Aber
sollte dergleichen auch nicht verbunden sein mit des Missionars
„erfolglosen“ Fahrten, so ist doch schon sein bloßes Bemühen
auch bei solchen, die kirchlich gar nichts mit ihm zu tun haben,
eine leise Mahnung, an Gott und Gottes Wort zu denken.
Und wie oft scheint zwar eine Reise ganz umsonst gewesen zu
sein, aber später, vielleicht viel später, zeigt es sich, welch hohen
Segen gerade jene Reise gebracht hat.
Und man sollte doch kaum meinen, daß Gemeinden nicht
damit zufrieden wären, daß ihr Pastor andere Plätze gründet
und vorläufig mitbedient. Sie sind doch selbst auch einmal
aufgesucht worden. Wahrscheinlich hat ein Pastor für sie getan,
was jetzt ihr Pastor an andern tun will. Sie sind vielleicht
jahrelang von der Synode unterstützt worden, erhalten viel⸗
leicht jetzt noch etwas Unterstützung; da erscheint es denn doch
als grobe Selbstsucht und Undankbarkeit, andern nicht gönnen
zu wollen, was man selbst genossen hat. Und der Heiland be⸗
fiehlt uns doch, das Evangelium aller Kreatur zu predigen.
Oder der Missionar versucht an einem Ort Leute für die
Kirche zu gewinnen, die bislang sich ferngehalten hatten und
offen den Weg der Welt gewandelt waren, von denen er aber
hofft, daß ihr Herz jetzt empfänglicher ist für Gottes Wort.
Aber er merkt, daß manche seiner Glieder solche Leute gar
nicht gerne in ihrer Mitte sehen, da man sie früher für große
Sünder gehalten hatte. Haben es nicht die Pharisäer geradeso
gemacht? Waren sie nicht unwillig darüber, daß IEsus mit
den Sündern aß? Und sollen wir nicht auch die Leute an den
Landstraßen, Hecken und Zäunen einladen? Was man dem
Pastor beinahe zum Vorwurf macht, daß er sich die Leute oder
die Kinder von allen Landstraßen zusammensuche, das sollte
eigentlich ein Lob für ihn sein.
Oder man merkt manchmal, daß Leute in der Gemeinde
nicht recht damit zufrieden sind, daß Kinder solcher Eltern, die
sich nicht zur Kirche halten, ja die vielleicht der Kirche feindlich
gegenüberstehen, in die Gemeindeschule aufgenommen werden.
Sollte man sich nicht freuen, solche Kinder unterrichten zu
dürfen? Sind die Kinder schuld an dem verkehrten Stand—
punkt der Eltern? Hat nicht JEsus auch solche Kinder erlöst
durch sein teures Blut? Und wie oft werden nicht die Eltern
gewonnen gerade durch solche Kinder, die in unsern Schulen
den Heiland kennen gelernt haben!
Gewiß wollen auch die Glieder unserer älteren Ge⸗
meinden nicht das Werk der Mission hindern. Sie meinen es
wohl herzlich gut, und doch können sie manchmal ihrem Pastor
IEAEE
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