Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 72, Nummer 12 › Seite 226
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 6. Juni 1916, Seite 226
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Tod · Kirchengemeinſchaften. 4„99
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Eine schöne Gedächtnisfeier wurde am Abend des 3. Mai in
der Aula des Concordia⸗-⸗Seminars zu Springfield abgehalten.
Sie fand statt zu Ehren des Mannes Gottes, der sich gerade um
die praͤktische Predigeranstalt unserer Synode so hoch verdient ge⸗
macht und ihr vierzig Jahre lang mit aller Treue vorgestanden
und an ihr gewirkt hat, nämlich des Herrn Prof. Aug. Crämer.
Am 3. Mai dieses Jahres waren nämlich gerade fünfundzwanzig
Jahre verflossen, seitdem der HErr diesen unermüdlichen Knecht
aus der Arbeit in die himmlische Ruhe eingeführt hatte. Dieser
Tag sollte aber in unserer Anstalt, an welcher der Verstorbene so
viele Jahre mit großem Segen als Professor und Leiter gewirkt
hatte, nicht unbemerkt vorübergehen. Auf Beschluß der Fakultät
wurde eine Feier anberaumt und ein Festprogramni entworfen.
Prof. L. Fürbringer von St. Louis wurde ersucht, die Festrede
zu halten, und zu unserer großen Freude sagte er auch zu. Die
Feier, wozu sich auch viele Auswärtige eingestellt hatten, wurde
durch ein Lied eröffnet. Hierauf stellte Prof. Biedermann den
Festredner der Versammlung vor. In beredten Worten feierte
der Redner das Gedächtnis Herrn Prof. Crämers. Zuerst schil⸗
derte er dessen Lebensgang und zeigte den Zuhörern, auf welch
wunderbare Weise sich Gott diesen Mann zu einem so tüchtigen
Werkzeuge in seiner Kirche und zu seinem Amte zubereitet hatte.
Sodann zeigte er an den Hauptcharakterzügen Crämers, wie vor⸗
trefflich dieser für das Amt und den Beruf, in den ihn Gott ge—⸗
stellt hatte, sich eignete. In lebendigster Weise schilderte er das
Wesen und Wirken Crämers. Die Rede gefiel der Bersammlung
so wohl, daß sie Prof. Fürbringer bat, sie im Druck erscheinen
zu lassen. Nachdem noch einige Lieder vom Massenchor vorge—
tragen worden waren, schloß die erhebende Feier mit einem ge⸗
meinschaftlichen Vaterunser. (Hebr. 13, 7.) Fr. St.
Als die Delegatensynode vom Jahre 1914 den „Lutheraner“
um vier Seiten vergrößerte, wollte man damit vor allem mehr
Raum für Nachrichten aus den Missionen gewinnen. Die Zahl
der Seiten ist um vier vergrößert worden. Wie steht es mit den
Nachrichten aus den Missionen? Wenn der Leser sich die Mühe
machen will nachzurechnen, wird er finden, daß unser Blatt jetzt
kaum mehr Nachrichten aus den Missionen bietet als vor der
Vergrößerung. Im Jahre 1913 erschienen insgesamt etwa
73 Spalten (ungefähr 36 Seiten) Missionsnachrichten oder
durchschnittlich drei Spalten in jeder Nummer. Im Jahre 1915,
als der „Lutheraner“ zuerst mit zwanzig Seiten herauskam, er⸗
schienen 100 Spalten Missionsnachrichten, etwa vier Spalten
(zwei Seiten statt der erhofften vier) pro Nummer. Für die
ersten ell Nummern der drei Jahrgänge 1913, 1915 und 1916
stellt sich folgendes Verhältnis heraus: es erschienen in den ersten
elf Nummern des Jahres
1913 1915 1916
28 41 32
Spalten Missionsnachrichten. Ganz offenbar hätte der „Luthe⸗
raner“ also nicht vergrößert zu werden brauchen, um für Mis⸗
sionsnachrichten den nötigen Raum zu bieten. Wir könnten jetzt
so gut an die dreißig Spalten Missionsnachrichten in elf Num⸗
mern einer sechzehn seitigen Zeitschrift unterbringen wie im
Jahre 1913. Diese Extraseiten kosten der Synode jährlich
Tausende von Dollars. Der Preis der Zeitschrift ist derselbe,
der er war, als sie noch acht seitig herauskam. Die Preise von
Papier, Druckerschwärze, Blei usw. sind enorm gestiegen. Würde
das erreicht, was die Synode wollte, daß nämlich durch recht
fleißiges Berichten aus den Missionen der Sinn unserer Christen
für dieses Werk genährt und das Interesse daran geweckt würde,
so wäre auch ein Blatt, das mit Ver lust betrieben wird, nicht
zu teuer bezahlt. Da nun aber trotz öffentlicher Aufforderung
und einer sehr großen Zahl privater Schreiben an unsere Mis⸗
Gedeihen der Kirche.
sionare mit Bitten um Einsendung von Neuigkeiten nur sehr 1
wenig nach dieser Richtung hin geschehen ist, so ist ganz klar, daß
der Zweck, den die Synode mit der Erhöhung der Seitenzahl im 4
Auge hatte, nicht erreicht wird. Das bisher gezeitigte Resultat 1
ist eine sehr starke Verringerung in der Einnahme unsers Ver⸗
lagshauses aus dieser Quelle. G.
Zur Einweihung des neuen Kenrick⸗Seminars in St. Louis
richtete der Papst ein eigenhändiges Glückwunschschreiben an Erz⸗ 4
bischof Glennon, worin es unter anderm heißt: „Nichts wahrlich
kann wünschenswerter sein, als vervielfältigte Lehrsitze zu sehen?
wie diesen, wo Frömmigkeit und Gelehrsamkeit blühen, und wo 3
tapfere Soldaten für die Armee Christi eingeübt werden, die 4
vorangehen werden zur Verwirklichung jener Hoffnungen für die .
Wohlfahrt der Kirche, welche ihre Anwesenheit in solchen ge⸗
heiligten Räumen erweckt.“ — Das sollen wir auch nie vergessen:
die unsagbare Wichtigkeit der kirchlichen Lehranstalten für das
Wir beten ja sonntäglich: „Insonderheit
segne die rechtgläubigen Lehranstalten zur Ausrüstung treuer
Arbeiter in deinem Weinberg!“ Aber wie oft vergessen wir es.
daß sie des fleißigen Gebets wert und sogar unter andern, auch
wichtigen und nötigen Gaben zu einem „Insonderheit“, das heißt,
ganz besonders, berechtigt sind. E. P.
Daß es in der Mission eine Sparsamkeit gibt, die ganz ver
kehrt zu nennen ist und weder vor Gott noch vor Menschen ver⸗
antwortet werden kann, das tritt einem so recht vor die Seele,
wenn man liest, was die Hermannsburger Mission, die nun fünfzig —
Jahre in Indien gearbeitet hat, über ihre ersten Jahre berichtet:
„Ihr erster Missionar war der Propst Mylius, der von L. Harms
hinausgesandt wurde und 1865 die Arbeit unter den Telugu be-
gann. Die ersten Jahre waren für die junge Mission recht .
schwere. Das „Herm. Miss.⸗Blatt“ berichtet, daß von den 10 ersten
Missionaren innerhalb 11 Jahren 7 Missionare der Hitze erlagen,
und 3 zurückgekehrt sind. In derselben Zeit starben 9 Frauen 3
und 32 Kinder, und 5 Frauen mußten zurück. Von den ersten 3
21 Missionaren haben im Durchschnitt ein Drittel derselben nur
sechs Jahre, die Hälfte nur acht Jahre und alle zusammen im
Durchschnitt nicht länger als sechzehn Jahre in Indien ausge⸗
halten. Bei den Frauen und Kindern war die Sterblichkeit n0ch
größer. Von den ersten 26 Frauen sind durchschnittlich 12 nur .
gut zwei Jahre in Indien gewesen (6 starben, und 6 mußten
heimkehren), und 19 von 26 Frauen, also nahezu drei Viertel
aller, sind nur fünf Jahre dagewesen, indem 11 von ihnen starben,
und der Rest zurückkehren mußte, weil entweder ihre Männer ge⸗
storben oder tropenunfähig geworden waren. .. Man wollte 3
auch in den Tropen den Charakter unserer Mission, daß sie näm
lich in sparsamer, bescheidener, einfacher Weise einhergeht, bei⸗3
behalten und opferte so zuerst viele kostbare Kräfte. Zuerst wollte!
man nichts wissen von Erholungsreisen in die Heimat; Er⸗
holungsreisen hielt man für unnötig, ebenso größere Wohnhäuser
mit Verandas ringsherum, um die heiße Luft von draußen ab⸗3
zuhalten, und mit einem luftigen Schlafzimmer im Oberstock, des⸗1
gleichen Pankas, durch die von einem Kuli Luft gefächert wird,
wie andere Einrichtungen, das Leben in der Hitze erträglich zu
machen. Zelte lieferte die Mission auch nicht. Auf den Missions⸗
touren schlief man draußen in einem verlassenen Viehschuppen oder
im Schutze einer alten Ruine oder ganz ohne Schutz gegen Wind
und Wetter, gegen Moskitos und Malaria. War es da ein Wun⸗
der, daß so viele Missionare an Fieber litten und starben? Als!
dann unter diesen Verhältnissen nach 23 Jahren unter 17 Missio⸗
naren nur noch 4 und von 19 Missionarsfrauen auch nur noch 4 in
Indien waren, schrieb unser seliger Kondirektor Opke: Liebe
Brüder, ich sehe ein, es geht nicht mehr; so können wir nicht!
weiter wirtschaften; es muß etwas geschehen, daß besser für die 3
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