Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 3 › Seite 33
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Februar 1908, Seite 33
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Das 8. Gebot 41 · Gemeindeglied · Gemeindeglied 3
Wort und Lulherg
10 num und nimmer
Und ich sahe einen Engel
fliegen mitten durch den
Himmiel, der halte ein ewig ⸗
Euyangelium, zu verkiindigen f
enen, die aus Erden sihen
und wohnen, und allen Hei⸗
den, und Geschlechtern, und
Sprachen, und Völlern, und
sprach mit großer Stimme:
Lürchtei Sott, und geber 4
üihum die Ehre; denn die Zeit⸗
seines Gerichis ist Kommen,
und betel an den, der gtmacht
hat Himmel, und Exde, und
Alcer, und die Wasser⸗
brunnen. Ofsb. Joh. 14, 6.
Herausgegeben von der Deutschen Evangelisch⸗Lutherischen Zynode von Missouri, Ohio u. a. Staaten.
Redigiert von dem Lehrerkollegium des theologischen Seminars in St. Lonis.
64. Jahrgang.
St. Louis, Mo., den 11. Februar 1908.
No. 3.
Ein gutes Gemeindeglied.
Der wird ein geheiliget Faß sein, zu den
Ehren, dem Hausherrn bräuchlich und
zu allem guten Werk bereitet.
2 Tim. 2, 21.
Es gibt gute Gemeindeglieder und schlechte Gemeinde⸗
glieder.
Was willst du sein, ein gutes oder ein schlechtes Ge⸗
meindeglied?
Wer ist ein gutes Gemeindeglied?
Nur einer, der ein wahrer Christ ist, der sich für einen
verlorenen und verdammten Sünder hält, aber an seinen Hei⸗
land IEsum Christum glaubt, der ihn erlöst und angenommen
hat, nur ein solcher kann ein gutes Gemeindeglied sein. Denn
wer nicht so ein wahrer Christ ist, der ist vor Gott überhaupt
kein Gemeindeglied, geschweige denn ein gutes Gemeindeglied,
sondern der ist ein Unchrist, der ist ein Unkraut, das der Feind
unter den Weizen gesät hat, der ist ein Schmutz, der sich der
Gemeinde bei ihrem. Wandel durch diese Welt an die Kleider
gehängt hat.
Aber nicht alle, die vor Gott Christen und Gemeindeglieder
sind, sind gleich auch gute Gemeindeglieder. Der Apostel
sagt gleichnisweises „In einem großen Hause sind nicht allein
güldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene,
und etliche zu Ehren, etliche aber zu Unehren“, 2 Tim. 2, 20.
So gibt es auch in der Gemeinde Glieder, von denen man zwar
nicht sagen kann und darf, daß sie Unchristen sind; aber gülde⸗
nen und silbernen Gefäßen sind sie nicht gleich, sondern sie sind
recht hölzern und irden, und sie sind weder in der Gemeinde noch
für die Gemeinde eine Ehre, sondern sie machen der Gemeinde
manche Not und Unehre.
Ein gutes Gemeindeglied ist, wie der Apostel weiter und
auuch gleichnisweise sagt, „ein geheiliget Faß, zu den Ehren,
dem Hausherrn bräuchlich und zu allem guten Werk bereitet“.
Ein gutes Gemeindeglied ist wie ein Faß oder Gefäß in einem
Hause, das auserwählt und ausgesondert ist, köstlich und eine
Ehre, welches der Hausherr gut und mit Freude und Stolz
gebrauchen kann, denn zu allem guten und feinen Werk ist es
bereitet und gemacht. Ein gutes Gemeindeglied ist von Gott
durch sein Wort und seinen Heiligen Geist geheiligt, Gott ehrt
es, es ist für die Gemeinde eine rechte und wahre Ehre, Chri⸗
stus, der Hausherr in der Gemeinde, will es gebrauchen und
gebraucht es, um seiner lieben Gemeinde Nutz und ewiges
Frommen zu schaffen; es ist durch den Heiligen Geist bereitet
zu allem guten Werk.
Wer ist nun ein gutes Gemeindeglied?
Vor allen Dingen wer demütig ist. Je größer der
Glaube, desto größer die Demut. Je größer der Glaube, desto
mehr weiß und erkennt man, was für ein elender und erbärm⸗
licher Sünder man in sich selber ist; daß man nur und allein
aus Gnaden zu Gottes Kind angenommen ist; daß man alles
Gute, was man in sich befindet, nur und allein der Gnade zu
verdanken hat; daß man die Gnade und die Gnadengaben Got⸗
tes lange nicht treu genug gebraucht, sondern sie im Gegenteil
durch die Sünde schwächt und hindert; daß aber Gott doch
barmherzig, gnädig, geduldig und von großer Gnade und
Treue ist und alle Sünde täglich reichlich vergibt. Das macht
tief demütig. Und ein so demütiger Mensch ist ein gutes Ge⸗
meindeglied. Denn eben der ist auch sanftmütig und geduldig
und verträgt die andern Gemeindeglieder in der Liebe und ist
fleißig, zu halten die Einigkeit im Geist durch das Band des
Friedens, Eph. 4, 1—3. Ein solcher tut nichts durch Zank
oder eitle Ehre, sondern durch Demut achtet er die andern
höher denn sich selbst. Und er sieht nicht auf das Seine, son⸗
dern auf das, das der andern ist, Phil. 2, 3. 4. Ja, nur ein
so demütiger Mensch ist ein gutes Gemeindeglied. Denn wenn
einer auch sehr eifrig und tätig in der Gemeinde ist und manche
große Dinge in ihr ausrichtet, aber nicht demütig, sondern stolz,
rechthaberisch und unverträglich ist, der ist wie ein Mensch, der
ein Haus auf der einen Seite baut, sonst aber alles rücksichts⸗
los entzweitrampelt und verschmeißt. Ein solcher ist nicht ein
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