Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 3 › Seite 35
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Februar 1908, Seite 35
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Teufel 5 · Tanz 2 · Tanz 4 · Tanz 7 · Tanz 8 · Tanz 9
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Mit Absicht habe ich gesagt, wir wollen hier reden von
dem weltüblichen Tanze, wie er heutigentages fast allgemein
geübt wird. Denn es gibt auch ein Tanzen, das nicht nur keine
Sünde ist, sondern eine freudige Bezeugung des Dankes für
Gottes Güte und Barmherzigkeit und darum ein Gottesdienst
genannt werden kann. Wenn zum Beispiel von dem Könige
David — als die aus den Händen der Philister gerettete Bun⸗
deslade wieder in die Stadt Davids gebracht wurde — erzählt
wird: „Und David tanzte (hüpfete und sprang unter Jauchzen
und Posaunenschall) vor dem SErrn her“; wenn ferner uns
berichtet wird, daß Mirjam, die Schwester Mosis, nachdem das
Volk trockenen Fußes durch das Rote Meer von Gott geführt
worden war, eine Pauke zur Hand nahm, und alle Weiber ihr
nachfolgten mit Pauken am Reigen, indem sie sich einander an
den Händen erfaßten und vor Freuden hüpfeten und sprangen:
so war das ein Tanzen zur Bezeugung der Freude am SErrn.
Aber merken wir wohl: David tanzte allein für sich, und er
tanzte vor dem SErrn, zum Preise seines Namens. Und Mir⸗
jam und die Frauen tanzten allein für sich zum Lobe für Gottes
Wundertat. Wir finden nirgends in der Schrift ein Beispiel
dafür, daß gläubige Kinder Gottes, Männer mit Frauen,
Jünglinge mit Jungfrauen gemeinsam getanzt hätten.
Wir reden ferner hier auch nicht von den Tänzen, wie sie
die kleinen Kinder bei ihren Spielen etwa nach dem Klang der
Musik aufführen, da sie fröhlich miteinander hüpfen und sprin⸗
gen, woran jung und alt ihre Freude haben können.
Wir reden hier von dem weltüblichen Tanze, wie er bei
Bällen und Tanzvergnügungen auf dem Tanzboden und in den
Häusern geübt wird. Geht es da so zu, daß die Jungfrauen
allein zusammentreten und für sich einen Reigen aufführen
und so auch die Männer und Jünglinge gleichermaßen? Kei⸗
neswegs. Wenn das der Fall wäre, dann würden sich wohl
sehr wenige daran beteiligen. Nein, sie haben sich da abgepaart,
Mann und Weib, Jüngling und Jungfrau, sie umfassen sich
da in einer Weise, wie es jedermann, wenn es außerhalb des
Tanzes etwa auf der Straße oder im Gesellschaftszimmer ge⸗
schähe, als ein schamloses Benehmen ansehen würde. Nach
einer wilden, die Leidenschaften entfesselnden Tanzmusik, „dieser
greulichen Verzerrung der edlen Kunst der Musika“, wirbeln
da die Paare Arm in Arm, sich aneinander schmiegend, im
Kreise herum. Wird da nicht die böse Lust des argen Fleisches
entzündet und angefacht werden? Wird da nicht Herz und
Sinn vergiftet? Beherzigt man da wohl recht das Wort des
SErrn: „Halte dich selber keusch“? Ist nicht ein solches scham⸗
loses Umschlingen einer weiblichen Person eine unzüchtige Ge⸗
bärde? Und wenn man von solch böser Lust auch selbst nichts
verspürte — weil vielleicht das Gewissen leider schon abge⸗
stumpft worden ist —, weißt du denn, ob du sie nicht durch dein
Benehmen in deinem Partner im Tanze erregst?
Daß solches weltübliche Tanzen einem Gotteskinde, einem
Bekenner JEsu nicht geziemt, sollte nicht schwer zu erkennen
sein für einen, der das sechste Gebot gelernt hat und weiß, wie
ernstlich Gottes Wort schon das begehrliche Ansehen eines
Weibes als Sünde straft. Gibt es doch selbst unter den Welt⸗
menschen solche, die ehrlich genug sind zuzugeben, daß dieses
weltübliche Tanzen schamlos, unsittlich ist. Es ist noch nicht
lange her, da kam solch ein ungläubiger Weltmensch zu einem
der Pastoren unserer Stadt und bat ihn, er möge doch seine
Tochter in die Kreise der Jungfrauen der Gemeinde einführen
und sie da bekannt machen, denn er wünsche sie gern von den
schamlosen Tanzvergnügungen, die in unserer Stadt je länger
je mehr veranstaltet werden, fern zu halten, weil er davon
einen bösen Einfluß befürchte. — Noch deutlicher redete ein
anderer Weltmann seinerzeit in einem weltlichen Blatte, dem
Bay Cit) Cyroniclte, über das Tanzen. Er schrieb: „Die Nähe
der persönlichen Berührung im Tanze ist größer, als unter
irgendwelchen andern Umständen in respektabler Gesellschaft
gestattet wird. Nicht einmal den bewährten Freunden der Fa⸗
milie sind solche Freiheiten erlaubt, wie sie im Tanze verhält⸗
nismäßig Fremden bewilligt werden. Es wäre eine unver⸗
zeihliche Beleidigung vonseiten eines Herrn, selbst wenn er ein
gern gesehener Besuch und Freund wäre, wenn er im Besuchs⸗
zimmer seinen Arm um eine Dame schlingen würde, ihre Hand
drückend und sie so nahe an sich ziehend, daß er das Klopfen
ihres Herzens fühlen könnte. Und doch werden diese Frei⸗
heiten der Ballsaalbekanntschaft zugestanden. Wir verzweifeln
daher nicht daran, hie und da einen zu finden, der mit dem
Satz übereinstimmt, daß unter allen hinterlistigerweise entsitt⸗
lichenden Mächten, die noch in respektabler Gesellschaft Aner⸗
kennung finden, der Tanz mit Recht die erste Stelle einnimmt.“
Mein lieber Christ, müssen dir solche Bekenntnisse selbst
von Weltmenschen nicht die Augen über den Greuel des welt⸗
üblichen Tanzens öffnen? Und nun sage, kannst du ein solches
„Vergnügen“ mit veranstalten helfen? Kannst du an einem
solchen „Vergnügen“ dich beteiligen und dabei des Wortes
Gottes eingedenk sein: „Alles, was ihr tut mit Worten oder
mit Werken, das tut alles in dem Namen des HErrn IEsu“?
Kannst du sagen: Das tue ich im Glauben an den, der, um die
sündliche Lust des Fleisches für mich zu büßen, am Stamme
des Kreuzes sein teures Gottesblut vergossen hat und in die
tiefsten Fluten der Leiden hinabgestiegen ist? Diesen meinen
SErrn JEsum nehme ich da mit mir, dem diene ich da, den
will ich da ehren? Klingt es nicht wie eine Gotteslästerung,
so etwas auch nur zu sagen?
Es war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, da lebte
und wirkte in Hannover in Deutschland ein frommer lutherischer
Prediger, der in seiner Gemeinde gewaltig wider das welt⸗
übliche Tanzen zeugte. Es war der auch als Dichter vieler
köstlicher geistlicher Lieder bekannte Prediger Philipp Spitta.
Dieser hatte eine Dienstmagd, die der Tanzlust sehr ergeben
war. Der treue Pastor hatte sie oft davor gewarnt. Eines
Abends kam sie zu ihm und fragte ihn etwas verlegen, ob sie
heute abend ausgehen und etwas länger ausbleiben dürfe.
„O gewiß“, sagte er, „wo willst du denn hingehen?“ Da wird
sie blutrot, aber ehrlich, wie sie ist, sagt sie die Wahrheit: „Ich
will zum Ball gehen!“ Da ruft ihr Spitta nur die Worte zu:
„Wohlan, nimm nur den HErrn IEsum mit!“ Sie versteht
nicht gleich, was Spitta meint, sie ist über seine Rede ganz
erstaunt, denn während er sonst immer gegen das Taunzen ge⸗
sprochen hat, gibt er es jetzt scheinbar zu. Fröhlichen Mutes
eilt sie die Treppe hinauf in ihre Kammer und kleidet sich
festlich zum Tanze. Sie geht hinaus auf die Straße dem Tanz⸗
lokal zu. Aber siehe, fort und fort tönt eine Stimme in ihrem
Inneren: „Nimm nur den SErrn IEsum mit!“ Dabei wird
ihr aber zumute, als wolle der HErr JIEsus nicht mit ihr
gehen. Doch sie will es versuchen. Heimlich betet sie: „HErr
IEsu, gehe doch mit, gehe doch mit!“ Aber wie sonderbar, je
öfter sie diese Worte spricht, desto gewaltiger ruft ihr die
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