Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 3 › Seite 34
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Februar 1908, Seite 34
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Gemeindeglied · Gemeindeglied 3 · Teufel 5 · Welt
34 SSD Er „Wuthieraned
gutes Gemeindeglied. Vor einem solchen ist man bange in der
Gemeinde. Je demütiger'ein Christ ist, ein desto besseres Ge⸗
meindeglied ist er.
Aber bei und in aller Demut ist ein gutes Gemeindeglied
fest, unerschütterlich fest in den Dingen, die Gottes
Wort und den Glauben betreffen. In Dingen, die
nur ihn selbst, seine eigene Person und Vorliebe betreffen, da
gibt er gerne nach, ja da läßt er sich auch gerne und willig mit
Füßen treten. Und in sogenannten „Mitteldingen“, die in
Gottes Wort weder geboten noch verboten sind, da rät er zwar
nach bestem Wissen und Gewissen zum besten, aber da fügt er
sich der Mehrheit, ja da weicht er auch einer Minderheit um der
Liebe und des Friedens willen. Aber in den Dingen, die Got⸗
tes Wort und den Glauben betreffen, ist er fest, unerschütterlich
fest, da weicht er niemandem, da steht er und hält an den
Satzungen, die er aus Gottes Wort gelehrt ist, er hält an dem
Bekenntnis und wankt nicht, 2 Thess. 2, 15; Hebr. 10, 23.
Denn hier redet der allerhöchste Gott, hier hat Gott längst alles
festgesetzt und entschieden, hier hat Gott alles auf das weis⸗
lichste und erbarmungsvollste eingerichtet für unser Heil und
unsere Seligkeit. Hier darf kein Mensch etwas nachlassen,
weder aus Demut noch aus Sanftmut, noch aus Geduld, noch
aus Verträglichkeit, noch aus Liebe, noch um der Einigkeit und
des Friedens willen. Hier darf ein Christ nur fest sein, fest⸗
halten, bekennen, behaupten. Und wer dies tut, der ist ein
Pfeiler im Hause Gotes, ein gutes Gemeindeglied, der hält an
seinem Teile die Gemeinde auf dem rechten einigen Grunde,
auf dem Einen, was not ist, auf Gottes Wort und Glauben.
Ja, ja, ein Gemeindeglied, das im Glauben so demütig
und fest ist, das ist ein gutes Gemeindeglied, ein geheiligtes
Faß, zu den Ehren, dem Hausherrn bräuchlich und zu allem
guten Werk bereitet.
Zu allem guten Werk bereitet ist ein solcher
Christ, ein solches Gemeindeglied. Der Heilige Geist, der das
in einem Christen gewirkt hat, daß er im Glauben demütig
und im Glauben auch unerschütterlich fest ist, der, hat damit
denselben Christen zu allem guten Werk bereitet, so daß er dem
Hausherrn für seine liebe Gemeinde recht bräuchlich ist.
Darf ich an etlichen Beispielen zeigen, ganz kurz zeigen,
wie ein solcher Christ zu allem guten Werk bereitet und also
dem Hausherrn für seine liebe Gemeinde recht bräuchlich ist?
Vorerst und vor allem für seine eigene Person
tut ein solcher Christ, was Gott gefällig ist, was vor Gott ein
gutes Werk ist.
Er führt vor Gott und Menschen einen frommen, christ⸗
lichen Wandel, wie Gott diesen in seinem Gesetze vorschreibt.
Was Gott gebietet, das sucht er zu tun; was Gott verbietet, das
sucht er zu lassen. Fehlt er gegen Gott allein, so bittet er Gott
um Vergebung in IEsu Namen; fehlt er gegen seinen Nächsten,
so bittet er Gott und seinen Nächsten um Vergebung. Solch
christliches Wesen sucht er mit viel Gebet auch den Seinen ein⸗
zupflanzen. 220
Die Gottesdienste besucht er mit Freude und Lust und
nährt mit dem gepredigten Wort seine arme Seele. Hierzu
hält er auch die Seinen an.
In seinem Hause hält er mit den Seinen tägliche Haus⸗
andacht aus Gottes Wort mit Gebet.
Seine Kinder, wenn er solche hat, sendet er in die christ⸗
liche Gemeindeschule, weil es Christen⸗ und nicht Heidenkin⸗
der sind. 2
Für seine Kirche und Schule, für die Ausbreitung des
Reiches Gottes gibt er nach Not und nach all seinem Vermögen
gern und mit Lust.
Und so er ein volljähriger Mann ist, läßt er sich in den
Kreis der stimmberechtigten Glieder aufnehmen, besucht fleißig
die Gemeindeversammlungen und nimmt regen Anteil an
dem, was da für die Gemeinde und sonst für Gottes Reich ge⸗
tan wird. Es liegt ihm sehr fern, sich faul oder gleichgültig
zurückzuziehen und andere die Arbeit tun zu lassen.
Und zu dem, was er selbst für seine eigene Person tut,
sucht er auch andere anzuleiten, anzuhalten, anzu⸗
spornen: zum christlichen Wandel, zum Besuch der Gottes⸗
dienste, zum Senden der Kinder in die christliche Schule, zum
Gebrauch des göttlichen Wortes im Hause, zum willigen Geben,
zum Eintreten in den Kreis der stimmberechtigten Glieder und
zur regen Teilnahme in den Gemeindeversammlungen. Er
ermahnt die irrenden und lässigen Brüder, und weil er es —
vergiß das nicht! — in Demut tut und allein das ewig kräftige
Gotteswort dazu gebraucht, und weil er, wie jedermann weiß,
mit eigenem guten Beispiel vorangeht, so bleibt das nicht ohne
viel Segensfrucht.
Es sei genug. Ich könnte ja viel mehr sagen. Aber
warum? Wer so, wie gesagt, ist, der ist ein gutes Gemeinde⸗
glied, ein geheiligtes Faß, zu den Ehren, dem Hausherrn
bräuchlich und zu allem guten Werk bereitet.
Habe ich irgendwie etwas gesagt, was übertrieben ist?
Gewiß nicht. So kann ja jedes Gemeindeglied werden, wer
es noch nicht ist. Gott will gerne seine Gnade dazu geben.
Und in welchem Segen würden dann unsere Gemeinden
stehen!
Nun, Leser? C. M. 3.
Drei Vorträge über das sündliche Weltwesen.
11.
Teure Brüder und Schwestern in dem HErrn, dem großen
Gott liegt unsere Seligkeit mehr am Herzen als uns selber,
denn er hat auch seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern
—*
ihn für uns alle dahingegeben. Er weiß, daß auch in unserm.
Fleische wohnet nichts Gutes, daß es lüstern ist nach den eitlen,
sündlichen Freuden der Welt; und da ihm alles daran liegt,
daß wir im Glauben bleiben und das selige Ziel unsers kurzen
Erdenlaufes erreichen möchten, so läßt er es in seinem Worte
nicht fehlen an Mahnungen und Warnungen, uns von dem
eitlen, sündlichen Wesen der Welt unbefleckt zu behalten, uns
der Welt nicht gleichzustellen.
Drei Stücke des sündlichen Wesens der Welt sind es, die
wir in diesen Versammlungen miteinander im Lichte des gött⸗
lichen Wortes betrachten wollen:
1. Den weltüblichen Tanz.
2. Das sündliche Theaterspiel.
3. Den sündlichen Verkehr mit der Welt.
Betrachten wir nun zunächst einmal das weltübliche Tan⸗
zen, wie es in den Tanzhallen und in den Häusern geschieht.
Ist das ein Vergnügen, woran ein Christ sich beteiligen kann?
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