Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 3 › Seite 38

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Februar 1908, Seite 38

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Freund, sollte es Gottes Wille sein, daß ich nicht wieder genese,
dann soll das mein Trost und meine Hoffnung sein, was ich
zuletzt in deiner Predigt gehört habe.“ Und so war es. So
oft er in den letzten Tagen seiner Krankheit lichte Augenblicke
hatte, kamen schöne Bekenntnisse von dem Sünderheilande von
seinen Lippen. Daran ist daher kein Zweifel, daß er im
Glauben an Christum JEsum selig entschlafen ist.

Am 4. August wurde sein verblichener Körper unter großer
Beteiligung in St. Clair, Mich., christlich zur Erde bestattet.
Der Unterzeichnete hielt die deutsche Predigt über Matth. 11, 29
und P. Th. Engelder die englische über Matth. 6, 10 b.

J. M. Gugel richtete im Namen seiner Gemeinde, welcher der
Entschlafene fünf Jahre gedient hatte, noch Worte des Trostes
an die Trauernden. Am Grabe amtierte P. H. C. F. Otte.

Der Entschlafene hinterläßt seine tiefbetrübte Gattin
Maria, geb. Müllerweis, 4 Kinder, von denen das älteste diesen
Herbst in das zu Fort Wayne eingetreten ist, seine
Eltern, P. J. L. und Hanna Hahn, und acht Geschwister.

Der Herr, der diesen treuen Prediger und Bekenner seines
Wortes so früh heimgerufen hat, bekenne auch ihn einst vor
dem Kreis des Erdbodens als einen treuen Diener und schmücke
sein verklärtes Haupt mit der Krone der himmlischen Herr⸗
lichkeit. Die lieben Trauernden tröste er mit den Worten des
Lebens und erfülle sie mit der freudigen Hoffnung einer seligen
Wiedervereinigung. Der hartgeschlagenen Witwe aber er⸗
leichtere der treue Gott auch die schweren Sorgen um ihre lieben
Kinder und lasse sie die Wahrheit seiner Verheißungen er⸗
fahren: „Wohl dem, der seine Zuversicht setzet auf den HErrn“;
denn „euer himmlischer Vater weiß, was ihr bedürfet“.

R. Smukal.

—

Zur kirchlichen Chronik.

Amerika.

Die Einsendung der Parochialberichte für unser „Statistisches
Jahrbuch“ wird öfters von Mitteilungen aus dem Leben der ein⸗
zelnen Gemeinden begleitet. Wenn wir einige dieser Briefe hier
zum Abdruck bringen, so geschieht dies, weil diese Nachrichten an
andern Orten zur Ermunterung, zur Freude und zum Troste
dienen können. Wir verschweigen aber Namen und Orte. Aus
einem der alten Synodaldistrikte schreibt ein Pastor: „Einliegend
der Bericht meiner Gemeinde. An Seelenzahl ist sie nicht ge⸗
wachsen, was wohl seinen Grund darin hat, daß man hier gar
nicht auf Zuwachs von außen hoffen kann. Auch sieht es, dem
Bericht nach zu urteilen, mit unserer Schule traurig aus. Doch
dem ist nicht so. Alle Kinder außer zweien besuchen unsere
Schule; jene zwei wohnen neun Meilen ab von der Kirche. Die
Gemeinde befindet sich gegenwärtig in einem übergangsstadium:
die Alten haben keine Kinder mehr, die schulpflichtig sind, und die
Jungen sind noch nicht so weit. In etwa drei bis vier Jahren
kann unsere Schule von etwa 40 bis 45 Kindern besucht werden.
Im Anschluß hieran muß ich Ihnen eine kleine Geschichte erzäh⸗
len, die Ihnen gewiß Freude machen wird. Als ich vor etwa einem
Monat abends am Schreibtisch saß und meine Predigt schrieb, kam
mein Vorsteher X. zu mir mit der Bitte, ich möchte ihm doch alle
Protokollbücher der Gemeinde zeigen, er wolle etwas darin nach⸗
schlagen. Was dieses „Etwas“ aber sei, wollte er mir nicht sagen.
Nachdem er längere Zeit in dem ältesten Buch geblättert hatte,
gab er mir die Bücher zurück und sagte: Ich hab's gefunden!“
„‚Was Herr X. wohl im Sinn hat?“ dachte ich bei mir selber. Doch

ich sollte nicht lange darüber im unklaren bleiben. Am folgenden
Sonntag vor dem Gottesdienst kam er in, die Sakristei mit der
Bitte, ich möchte auf Wunsch des Vorstandes eine Gemeindever⸗
sammlung nach dem Gottesdienst ansagen. Auf meine Bitten, er
solle mir doch mitteilen, was er eigentlich im Schilde führe, gab
er mir zur Antwort: „Herr Pastor, Sie wissen nichts davon, aber
eine Liebe ist der andern wert; alles andere erfahren Sie in der
Versammlung.“ Damit gab ich mich denn auch zufrieden. In
der nach dem Gottesdienst abgehaltenen Versammlung legte Vor⸗
steher X. seine Sache etwa folgendermaßen dar: ‚Am Freitagabend
war ich beim Pastor und fand im Protokollbuch, daß es bald so
und so viele Jahre sein werden, daß wir uns von der »Synode
losgesagt und uns um Bedienung an die Missourisynode gewandt
haben. In diesen Jahren hat die Synode viel Gutes an uns ge⸗
tan; dreizehn Jahre hat sie uns unterstützt. Nun las ich am
Sonntag den „Lutheraner“; der Artikel über die Schuld in der
Synodalkasse war es. So, dachte ich, das ist doch nicht recht, das
darf nicht sein. Eine Liebe ist der andern wert: wie wäre es,
wenn wir eine Art Kirchweihfest feiern und an dem Tage eine tüch⸗
tige Kollekte erheben und so an unserm Teil mithelfen würden,
die Schuld in der Synodalkasse zu decken. Wir können ja zwei
Gottesdienste abhalten, in dem einen predigt unser jetziger Pastor
und in dem andern P. Y., der erste missourische Pastor der Ge⸗
meinde.“ Das war also das geheimnisvolle „Etwas“ des Vor⸗
stehers X. Obiges wurde denn auch zum Beschluß erhoben, und
so feiern wir bald ein Kirchweihfest mit zwei Gottesdiensten.
Dieser Beschluß freut mich um so mehr, als wir seit Juni schon
zwei Kollekten von §30.00 und §24.00 für die Synodalkasse ein⸗
geschickt haben. Es zeigt doch wieder, daß unsere lieben Christen
immer willig sind; die Schuld liegt gewöhnlich an uns Pastoren;
wir haben nicht den Mut, immer wieder sie anzugehen.“ — über
dieselbe Sache schreibt ein Pastor aus einem andern alten Distrikt:
„In der Jahresversammlung beschloß meine Gemeinde, zu den

8 Kollekten für die Synodalkasse noch eine Hauskollekte zu sam⸗

meln.“ — Aus einem jüngeren Synodaldistrikt meldet ein Pastor:
„Einliegend finden Sie meinen Bericht über den Stand der hie⸗
sigen Mission. Obwohl ich keine bedeutenden Zahlen anführen
kann (die Gemeinde zählt genau 12 Stimmberechtigte, 60 Kom⸗
munizierende und 150 Seelen), so muß ich es doch zur Ehre Got⸗
tes rühmen, daß meine kleine Gemeinde sich im Frieden erbaut
und in der heilsamen Lehre erstarkt. Hätten wir nicht mit dem
steten Wechsel zu tun, so wären wir auch äußerlich gewachsen.
Aber auch kleine Gemeinden können, wenn alle Hand ans Werk
legen, Großes leisten. So sind wir zum Beispiel schon zwei Jahre
selbständig und hatten jedes Jahr einen kleinen überschuß in der
Kasse. Dazu haben wir unsere Schulden (8300.00) an die
Synode abgetragen und nebenbei noch §5200.00 für Verbesserungen
im verflossenen Jahre verausgabt. Unser Gemeindehaushalt
kostet jährlich 8700.00. Auch haben wir unser Scherflein für
auswärtige Zwecke dargebracht. Wenn man nun bedenkt, daß
unsere Leute krank und arm sind, so können wir die Gnade Got⸗
tes, die ja alles getan hat, nicht hoch genug preisen und dem Lenker
der Herzen nicht genug danken.“ L. F.

Wieder aus einem älteren Synodaldistrikt bemerkt ein Pa⸗
„Einliegend finden Sie den Parochialbericht meiner Ge⸗
In bezug auf Zahlen unterscheidet
Altere Land⸗

stor:
meinde für das Jahr 1907.
er sich nicht sehr viel von dem des letzten Jahres.

gemeinden verändern sich selten viel im Laufe eines Jahres. über

das innere Wachsen oder Abnehmen läßt sich nicht nach Zahlen
rechnen. Ich meine aber, Gott sei Dank, ein Wachstum zu merken.
Rußerlich zeigt es sich wohl besonders an den Krankenbetten, daß
Gottes Wort seine Macht an den Herzen beweist.“ — Ein anderer
Pastor hingegen hat zu klagen. Er schreibt: „Wir haben, was
besonders die Zahl der Kommunikanten betrifft, kein gutes Jahr ge⸗

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