Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 64, Nummer 3 › Seite 40
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 11. Februar 1908, Seite 40
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Cited in Eckhardt's Reallexikon (1907) under: Hölle · Teufel · Kirchengemeinſchaften
W. Rosenau, D. D., der Episkopale J. G. Murrahy und der Luthe⸗
raner W. H. Dunbar, D. D., von der Generalsynode. Der Bap⸗
tist C. L. Laws, D. D., war nicht erschienen, hatte sich aber höf⸗
lichst entschuldigt. Auch war kein römischer Priester zugegen,
worüber D. Studebaker sein herzliches Bedauern aussprach. Zum
Bau dieser Kirche, sagte er, hätten alle Konfessionen ohne Unter⸗
schied beigesteuert. Sogar von Mohammedanern und von Glie⸗
dern der alten Kirche der Kopten hätte er Gaben empfangen, wie
auch von Vereinen und Gesellschaften. Sonderlich hätten seine
„Episcopalian friends“ reichlich geschenkt, sowie auch Glieder der
römischen Kirche. Gerne hätte er sie hier gehabt. Es wäre ihm
dieses auch gelungen, sagte er; nur habe die römische Kirche eine
Regel, wonach kein Priester an irgend einer Versammlung sich
beteiligen dürfe, die irgendwie als „cControversial“ bezeichnet wer⸗
den könnte. Allein diesem Umstand sei es zuzuschreiben, daß
keiner seiner Freunde aus der römischen Priesterschaft erschienen
sei. „Aber“, sagte er, „ich hätte gewünscht, sie hier zu haben.“
Auffällig war, daß der jüdische Rabbi Rosenau, während alle an⸗
dern gegenwärtigen Pastoren bei dem Gebet mit D. Studebaker
knieten, seinen Sitz behielt und die versammelte Gemeinde
musterte. Ob er wohl Bedenken hatte, mit diesen Christen zu
beten? Und wird man ihm wohl darüber in den Kirchenblättern
jener Kreise Vorwürfe machen, wie den „engherzigen Missou⸗
riern“, wenn sie nicht mit Andersgläubigen gemeinschaftlich beten
wollen? Er hätte nicht so engherzig zu sein brauchen, denn der
Lutheraner D. Dunbar nannte ihn in seiner Rede mit herzgewin⸗
nender Freundlichkeit my brother of the Jewish faith“. Jeder
der obengenannten Pastoren hielt eine Rede, um zu beweisen, daß
seine Gemeinschaft eine „religious force“ sei. Die lutherische
Kirche ist natürlich auch eine Force“ neben diesen andern „forces“.
Über diese Reden wäre manches zu sagen: wie der Methodisten⸗
prediger für sein Gefühlschristentum geschwärmt hat, der Pres⸗
byterianer für seinen „strong creed“ eingetreten ist, der Juden⸗
rabbi mit der Behauptung auftrat: „Ich vertrete den ältesten
biblischen Glaͤuben“ und: „Es ist die Aufgabe Israels, Gerech⸗
tigkeit zu lehren“; der Episkopalprediger seine Unionspläne vor⸗
getragen und der lutherische Doktor unsere Kirche beschrieben hat.
Doch genug von diesem Greuel. So weiht man in der General⸗
synode eine lutherische Kirche ein! D. H. S.
Als ein recht blinder Blindenleiter, der samt seinen Nach⸗
folgern in die Grube fallen wird, hat sich der vielgenannte Irr⸗
lehrer Russell gezeigt. In einer schon lange vorher angekündigten
Versammlung im Detroit Opera Houseé hat er sich, einer großen
Zuhörermenge und dem Teufel selbst klar zu machen versucht, daß
wir Menschen bisher an der Nase herumgeführt worden seien mit
der Lehre, daß es einen persönlichen Teufel gebe. Das gefällt
allerdings dem natürlichen Menschen, und der Teufel selbst hat
nichts dagegen, wenn sein Dasein geleugnet wird, denn dann hat
er solche Leugner um so gewisser in seinem Reich und in seinem
Dienst. Dieser Lästerer sagte nach den Berichten, daß mehrere
Schrauben im Oberstübchen los seien bei allen, die da lehrten und
glaubten, daß es einen Teufel und eine Hölle gebe. Es sei lächer⸗
lich, sich einen „feuerfesten“ Teufel vorzustellen, der in der langen
Ewigkeit das Feuer der Hölle schüren werde. Mit'frecher Stirn
behauptete er, in der Bibel stehe davon kein Wort. Wie berichtet
wird, war der Zulauf so groß, daß Tausende keinen Einlaß er⸗
hielten, und daß die Polizei einschreiten mußte, um die Menge
zurückzuhalten, die sich Eingang erzwingen wollte. Wie gering
ist dagegen bei den meisten das Verlangen, die rechte Lehre zu
hören! A. E. jun.
Ausland.
Es ist und bleibt doch ein hoffnungsvolles Zeichen bei all den
traurigen und bedenklichen Wahrnehmungen, daß die Heilige
Schrift von Jahr zu Jahr mehr verbreitet wird. Werden auch
gewiß biele Bibeln gekauft, die wenig oder gar nicht gelesen wer⸗
den, ganz ohne Frucht kann und wird die Aussaat nicht bleiben.
So berichtet der „Christenbote“, daß die Bibelgesellschaften im
letzten Jahre innerhalb des Deutschen Reiches mehr Bibeln als
je in einem früheren Jahre verbreitet haben, nämlich 1,169,405
Bibeln und Bibelteile. Unter den Bibelgesellschaften, welche die
Heilige Schrift in Deutschland verbreiten, ist auch die Britische
und Ausländische Bibelgesellschaft, die größte Bibelgesellschaft der
Welt. Ihre Jahreseinnahme betrug über §1,100,000. Zum
erstenmal seit acht Jahren schloß die Rechnung ohne Fehlbetrag
ab; allerdings ist aus früheren Jahren noch ein Fehlbetrag von
etwa §600,000 zu decken. Die Bibel ist in acht neuen Sprachen
gedruckt worden, so daß sie nun in 409 Sprachen den Völkern der
Erde dargeboten wird. Auch der Vertreter der Britischen Bibel⸗
gesellschaft in der chinesischen Stadt Shanghai kann mitteilen, daß
sie in den Monaten Juli und August, die sonst geschäftlich still zu
sein pflegen, 96,000 heilige Schriften mehr aus ihrer Niederlage
versandt haben als in den zwei entsprechenden Monaten des Vor⸗
jahres. Der „Christenbote“ bemerkt noch dazu: „Möchten all die
vielen Bibeln nur auch fleißig gelesen werden! Ist man begierig,
den Inhalt eines Testaments zu erfahren, durch das man von
einem Menschen in ein irdisches Erbe eingesetzt wird, wie viel
wichtiger sollte uns der Brief Gottes sein, der uns als Erben des
Himmelreichs einsetzt!“ L. F.
*
V 2*
Aus Welt und Zeit.
Auch ein Zeichen der Zeit ist die Gründung eines tieri⸗
schen Vereines, wenn man aus den Namen der Beamten und
des Versammlungsortes schließen darf. Dieser Verein, der sich
neuerdings in einem Vorstädtchen Detroits gebildet hat, erwählte
zu seinem Motto: „Es wird sein Heulen und Zähnklappen.“ Trotz
dieses ernsten Spruches ist die Absicht des Vereins, wie der An⸗
führer sagt, nicht, sich ernsten Gedanken hinzugeben, sondern: to
have a good time all the time“. Der Hauptbeamte nennt sich:
der königliche Grunzer. Man denkt da an das bekannte Tier, das
durch Grunzen sein Wohlbehagen zu erkennen gibt, wenn es sich
so recht im Kote wälzen kann, zumal auch der Versammlungsort
„Dschungel“ heißt. Hier gilt auch: „Da sie sich für weise hielten,
sind sie zu Narren worden.“ Wenn der Mensch ohne den rechten
Wegweiser, Gottes Wort, wandelt, ist er gleich einem unver⸗
nünftigen Tier, gerät auf des Teufels Wege, wälzt sich im Kote
allerlei Schanden und Laster und gelangt endlich an den Ort, wo
für ihn Heulen und Zähnklappen sein wird. A. E. jun.
Ein schönes Zeugnis wird dem kürzlich verstorbenen König
Oskar von Schweden ausgestellt. Er war nicht nur ein sehr ge⸗
lehrter und hochgebildeter, zugleich ein leutseliger und um das
Wohl seines Landes besorgter Fürst; was mehr ist, er war ein
frommer, überzeugter Christ, der nie aus seinem Glauben ein
Hehl gemacht hat, ein Bekenner des lutherischen Glaubens, der sei⸗
nen Glauben auch in einem sittenstrengen Leben bewiesen hat.
Eine Reihe christlicher Lieder sind von ihm gedichtet worden. Und
wie er als Christ gelebt hat, so ist er auch als Christ gestorben.
Seinen Angehörigen, die um das Sterbebett standen, nickte er
in großer Schwachheit noch einmal freundlich zu und sprach: „Gott
der HErr segne euch!“ Beim Beginn des Todeskampfes rief ihm
die Königin, ihren Arm um sein Haupt legend, zu: „Das Blut
IEsu Christi, des Sohnes Gottes, macht uns rein von aller
Sünde.“ Da glitt ein milder Schein über die Züge des Sterben⸗
den, und er erwiderte: „Dank dir, mein Erlöser!“ Das waren
seine letzten Worte. Solche Fürsten sind selten, und noch geringer
ist die Zahl derer, die sich zur lutherischen Kirche bekennen.
L. F.
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