Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 8, S. 3
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 8, S. 3
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Nachdem sich nun der größte Theil der Gemeinde von P. Krause losgesagt hatte, so wurde derselbe im Auftrag des Kirchenministeriums „in Kirchenzucht genommen.“ Drei Wochen nach der Lossagung erfolgte die erste schriftliche Vorladung durch P. Krause. Die Gemeinde wies sie in einem, leider in aufgereiztem und darum nicht zu billigendem Tone verabgefaßten, Antwortschreiben von sich. Unterm 17. September erfolgte die zweite schriftliche Vorladung durch P. Kindermann, am 6. März des folgenden Jahrs die dritte und letzte. Sie schloß mit den Worten: „Gott gebe Gnade, daß dieses Anerbieten der christlichen Kirche nicht abermals verachtet werde und des HErrn Jesu Christi Befehl: „„Höret er die Gemeinde nicht, so halte ihn als einen Heiden und Zöllner““ (Matth. 18, 17), Sie nicht treffen müsse.“
Zum Schluße sei hier noch einer Sache Erwähnung gethan. Es wird nämlich die hiesige Gemeinde von unsern Gegnern des Kirchenraubs beschuldigt. Der Thatbestand ist aber dieser. Die Gemeinde besaß unter P. Krause eine Lot und ein kleines Gebäude, welches für Gottesdienst und Schulunterricht benutzt wurde. Da nun zur Zeit der Trennung der damalige Schullehrer Müller, der auf Pastor Krause's Seite stand, sich verlauten ließ, daß der Pastor bei der Obrigkeit bereits Schritte gethan habe, den ihm treu gebliebenen Gliedern das Kircheneigenthum zu versichern, so forderten Bruß und Bewersdorf, welche zugleich Trustees waren und für die Bezahlung der Lot, auf welcher noch ohngefähr 340 Doll. lasteten, sich verbürgt hatten, die Vorsteher des Gegenparts Ende Juli 1846 auf, sich mit ihnen zu berechnen und in Betreff der beiderseitigen Ansprüche auseinander zu setzen, empfingen aber schriftlich die höhnische Antwort: die Kirche Gottes habe sich über ihr Eigenthum niemals mit ihren Feinden berechnet. Da nun der Gegenpart, von welchem übrigens seit Jahr und Tag gar wenig oder nichts zur Abzahlung der Kirchenschuld beigetragen worden war, dies ausschlug, so zahlten Bruß und Bewersdorf, da es hohe Zeit war, 40 Doll. an der Kirchenschuld ab und forderten dem Schullehrer den Kirchenschlüssel ab, welchen sie freilich nicht eher erhielten, als bis sie demselben mit der Obrigkeit drohten. Die noch übrige Schuld wurde nach und nach von der Gemeinde, die bald nach P. Keyl's Ankunft, auch äußerlich zunahm, abgetragen und als das bisherige Lokal die Zuhörer nicht mehr zu faßen vermochte, so wurde vor zwei Jahren ein größeres Gebäude* aufgeführt, das bisherige Kirchenlokal aber für Schule und Lehrerwohnung eingerichtet. Die Gemeinde besitzt demnach erstlich vor Menschen rechtmäßig ihr Eigenthum. Doch kann bei den hiesigen Landesverhältnissen darauf freilich nicht das Hauptgewicht gelegt werden. Die Frage ist, ob sie es auch vor Gott mit gutem Gewißen besitze? Und da hören wir ja von unsern Gegnern in ihrem Synodalberichte selbst, daß bei einer Trennung das Kircheneigenthum dem rechtgläubigen Theile gehöre, der falschgläubige, von der reinen Lehre abtrünnige Theil aber alle Ansprüche verliere. Mögen sie daher immerhin schreien: „Gebt die geraubte Kirche wieder heraus!“ — so macht uns das so wenig irre, als unsere Väter zur Zeit der Reformation, denen in gleicher Weise und mit gleichem Rechte die Papisten Kirchen, Klöster, Stifte ꝛc. wieder abforderten; und mögen sie den Unterzeichneten, wie seinen Vorgänger, nach Herzenslust „Rottenpriester“ schelten, so beirrt ihn das wieder so wenig in der Ueberzeugung von der Göttlichkeit seines Berufs, als jene unsere Väter, die, vormals papistischen Gemeinden predigend, von den Papisten mit gleichen Titeln beschenkt wurden. Ob nun aber die hiesige lutherische Dreieinigkeitsgemeinde rechtgläubigen Bekenntnisses um ihrer Trennung von der Buffaloer Synode willen mit Recht den Namen einer „Rotte“ verdient, wird der Leser zu beurtheilen wißen.
* Nach der schönen geräumigen Kirche hat wohl manchmal dem einen oder dem andern unserer Gegner der Mund gewäßert. Konnte sich doch selbst P. Grabau bei seiner vorjährigen Anwesenheit in Milwaukie nicht entbrechen, den „Rottentempel“ ein wenig in Augenschein zu nehmen.
Friedrich Lochner,
Milwaukie, d. 10. Nov. 1852. luth. Pastor.
II.
(Eingesandt.)
Sie werden euch in den Bann thun. Es kommt aber die Zeit, daß, wer euch tödtet, wird meinen, er thue Gott einen Dienst daran.
Der Leser des „Lutheraner“ weiß, daß die Synode von Missouri ꝛc. gegen Herrn Pastor Grabau's falsche Lehren und dessen daraus folgende Praxis, namentlich ungerecht zu bannen, kräftiges Zeugniß ablegt. Herr P. Grabau aber, wie aus seinem „Informatorium“ zu ersehen ist, will weder falsche Lehren hegen, noch ungerecht gebannt haben und fordert die Missourier getrost auf, sie sollen ihm nur einen ungerechten Bann zeigen. Obgleich es nun nur zu gewiß ist, daß Herr P. Grabau schon mehr als Einen ungerecht gebannt hat, so ist doch nicht schwer zu begreifen, wie er dennoch auffordern kann, ihm Beweis zu geben, auch nur von Einem ungerechten Bann. In dem bekannten Hirtenbriefe stellt nämlich Hr. P. Grabau die (von ihm bis jetzt noch nicht widerrufene) Lehre auf, daß eine Gemeine ihrem Prediger Gehorsam schuldig sei „in allen Dingen, die nicht wider Gottes Wort sind.“ Wird nun diese Lehre ohne weiters als wahr und schriftgemäß behauptet und eine Gemeine oder ein einzelnes Glied leistet den hier angeblich schriftmäßigen Gehorsam nicht, so muß natürlich ein Prediger, der solche Lehre führt, den Ungehorsamen nach stufenweis geschehener und fruchtloser Ermahnung ausschließen. Wie aber nun diese Lehre eine falsche ist, so ist auch ein auf Grund derselben vollzogener Bann falsch und ungerecht. Herr P. Grabau aber vertheidigt diese Lehre auf Grund der Worte: „Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen ꝛc.“ (Hebr. 13, 17.) Daher meint er auch, sein Bannen sei ganz gerecht. Aber der Mann irrt sich sehr und ladet dadurch schwere Sünden auf sich und seine dazu stillschweigende Gemeine. Daß nun Hr. P. Grabau nicht blos auf dem Papier, d. i. in seinem Hirtenbrief, solchen Gehorsam „in allen Dingen, die nicht wider Gottes Wort sind,“ verlangt, sondern auch thatsächlich, wird das unten Folgende deutlich zeigen; so wie auch einem jeden unpartheiischen Leser klar werden wird, daß Herr P. Grabau am Unterzeichneten einen ungerechten Bann vollzogen hat. Für Manchen mag es ganz unschuldig lauten: „Gehorsam in allen Dingen, die nicht wider Gottes Wort sind.“ Diese mögen aber an dem Folgenden die schreckliche Frucht und Folge dieser Lehre sehen, wenn dieselbe angewendet und durchgeführt wird.—Eine Kirche, ein Schulhaus zu bauen, eine Orgel zu kaufen, u. a. m., ist alles nicht wider Gottes Wort; ob aber, wenn der Prediger solches zu thun verlangt, eine Gemeine auf Grund göttlichen Wortes ihm darin zu gehorchen schuldig ist, möchte eine andere Frage sein. Doch zur Sache.
Ich, der Unterzeichnete, bin im Jahr 1839 mit Herrn Past. Grabau hier eingewandert. In der ersten Zeit unsers Hierseins bezeigte die Gemeine gegen Herrn P. Grabau im Ganzen eine solche aufopfernde Liebe, die fast an Vergötterung grenzte. Past. Grabau's Wort war in allen Dingen entscheidend, und ich selbst muß gestehen, daß ich ihn für einen solchen Gottes-Mann hielt, wie es keinen mehr geben könne, Diese allzugroße Vergötterung seiner Person und die allgemeine unbedingte Unterwürfigkeit von Seiten der Gemeine gegen Hrn. P. Grabau, mag dazu beigetragen haben, daß sein, ohnehin zur Herrschsucht und Unbeugsamkeit geneigtes Herz, sich noch mehr erhob, so daß es immer sichtbarer und fühlbarer wurde, daß die Worte St. Petri: „Nicht als die über das Volk herrschen“ (1. Petr. 5, 3.) nicht mehr auf Hrn. Pastor Grabau passen, sondern vielmehr die des Propheten: „Streng und hart herrschet ihr über sie.“ (Hes. 34, 4.) So maßte sich Herr P. Grabau damals schon an, in äußerlichen Kirchenangelegenheiten, wie Bauten u. dgl., nach Willkühr zu handeln. Und als ihm einmal die Trustees, denen die Verwaltung der Kirchengüter befohlen war, über solches willkührliches Handeln zur Rede stellten, ward er darüber so entrüstet, daß er denselben mit Hilfe der arglosen Gemeine ihr Trusteeamt abnahm. Wir brauchen keine Trustees; Kirchenväter wollen wir haben, sagte er. Auch durften von nun an, und bis jetzt noch, die sogenannten Kirchenväter sich nicht mehr ohne ihn versammeln.— Dieses nur ein Beispiel aus vielen, von Hrn. P. Grabau's Herrschsucht, auch in äußern Dingen.
Ein anderes Beispiel, an welches sich mein Bannprozeß knüpft, ist Folgendes. Im Jahr 1850 fiel es Herrn P. Grabau ein, es sollte sämmtliches Kirchen- und Gemeine-Eigenthum verkauft und an einem anderen Platze eine neue, größere Kirche und andere Gemeine-Gebäude errichtet werden. Dieser Plan fand aber bei den Vorstehern großen Widerstand; darüber unzufrieden, hielt er eine Gemeineversammlung; aber auch hier zeigte sich die gewünschte Zustimmung nicht, und Herr P. Grabau brach voll Unmuths unter Anderem in die Worte aus: Wenn die Gemeine in zwei Jahren nicht das Opfer von zwei Tausend Thalern bringen wollte, so wollte er gar nicht sagen, daß sie eine lutherische Gemeine sei; und wenn der
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After the greater part of the congregation had renounced P. Krause, he was "taken into church discipline" by commission of the Church Ministerium. Three weeks after the renunciation the first written summons by P. Krause followed. The congregation rejected it in a reply, drawn up unfortunately in an irritated and therefore not commendable tone. Under date of the 17th of September the second written summons followed, by P. Kindermann, on the 6th of March of the following year the third and last. It closed with the words: "God give grace that this offer of the Christian Church be not again despised, and that the command of the LORD Jesus Christ: "'If he hear not the church, let him be unto thee as an heathen man and a publican'" (Matt. 18, 17), may not befall you."
In conclusion mention must yet be made here of one matter. For the congregation here is accused by our opponents of church robbery. The state of the case, however, is this. Under P. Krause the congregation possessed a lot and a small building, which was used for divine service and school instruction. Since now at the time of the separation the schoolteacher of that time, Müller, who stood on Pastor Krause's side, let it be heard that the pastor had already taken steps with the magistrates to secure the church property to the members who had remained true to him, Bruß and Bewersdorf, who were at the same time trustees and had become sureties for the payment of the lot, on which about 340 dollars still lay as a burden, summoned the elders of the opposing party at the end of July 1846 to reckon with them and to settle the claims of both sides, but received in writing the scornful answer: the Church of God had never reckoned with its enemies about its property. Since now the opposing party, from which moreover for a year and a day very little or nothing had been contributed toward the payment of the church debt, refused this, Bruß and Bewersdorf, as it was high time, paid off 40 dollars of the church debt and demanded the church key from the schoolteacher, which they indeed did not receive until they threatened him with the magistrates. The remaining debt was paid off by and by by the congregation, which, soon after P. Keyl's arrival, also grew outwardly, and when the former place could no longer hold the hearers, a larger building* was erected two years ago, but the former church place was fitted up for school and teacher's dwelling. The congregation therefore possesses its property, first, rightfully before men. Yet in the circumstances of the country here the chief weight cannot indeed be laid upon that. The question is whether it also possesses it before God with a good conscience. And there we hear from our opponents themselves in their Synodal Report that in case of a separation the church property belongs to the orthodox part, while the false-believing part, fallen away from the pure doctrine, loses all claims. Let them therefore cry on: "Give back the stolen church!" — that perplexes us as little as our fathers at the time of the Reformation, from whom in the same manner and with the same right the papists demanded back churches, cloisters, foundations, etc.; and let them call the undersigned, as his predecessor, "factious priest" to their heart's content, that perplexes him again as little in the conviction of the divinity of his calling as those our fathers, who, preaching to formerly papistic congregations, were presented by the papists with the same titles. Whether now, however, the Lutheran Trinity Congregation here, of orthodox confession, deserves with right the name of a "faction" on account of its separation from the Buffalo Synod, the reader will know how to judge.
* After the fine spacious church the mouth of one or another of our opponents has probably watered at times. Even P. Grabau, on his visit last year in Milwaukie, could not refrain from taking a little look at the "faction temple."
Friedrich Lochner,
Milwaukie, the 10th Nov. 1852. Lutheran Pastor.
II.
(Communicated.)
They shall put you out of the synagogues; yea, the time cometh, that whosoever killeth you will think that he doeth God service.
The reader of the "Lutheraner" knows that the Synod of Missouri, etc., bears powerful testimony against Mr. Pastor Grabau's false doctrines and the practice following therefrom, namely, of banning unjustly. Mr. P. Grabau, however, as may be seen from his "Informatorium," will neither harbor false doctrines nor have banned unjustly, and confidently challenges the Missourians to show him but one unjust ban. Although it is only too certain that Mr. P. Grabau has already unjustly banned more than one, it is nevertheless not hard to understand how he can still challenge them to give him proof, even of only one unjust ban. For in the well-known Pastoral Letter Mr. P. Grabau sets up the doctrine (not yet recalled by him to this day) that a congregation is obliged to obey its pastor "in all things which are not against God's Word." If now this doctrine is maintained without further ado as true and Scriptural, and a congregation or an individual member does not render the obedience alleged here to be Scriptural, then naturally a pastor who holds such doctrine must exclude the disobedient after admonition given by degrees and without fruit. But as this doctrine is a false one, so also a ban carried out on the ground of it is false and unjust. Mr. P. Grabau, however, defends this doctrine on the ground of the words: "Obey them that have the rule over you, and submit yourselves," etc. (Heb. 13, 17.) Hence he also thinks his banning to be quite just. But the man errs greatly, and thereby loads heavy sins upon himself and his congregation silent thereto. That Mr. P. Grabau demands such obedience "in all things which are not against God's Word," not merely on paper, that is, in his Pastoral Letter, but also in fact, what follows below will clearly show; as also it will become clear to every impartial reader that Mr. P. Grabau has carried out an unjust ban upon the undersigned. To many it may sound quite innocent: "Obedience in all things which are not against God's Word." These may, however, see in what follows the terrible fruit and consequence of this doctrine when it is applied and carried through.—To build a church, a schoolhouse, to buy an organ, and the like, is all not against God's Word; but whether, when the pastor demands to do such a thing, a congregation is bound, on the ground of the divine Word, to obey him therein, might be another question. But to the matter.
I, the undersigned, immigrated here in the year 1839 with Mr. Pastor Grabau. In the first period of our being here the congregation showed toward Mr. P. Grabau on the whole such a self-sacrificing love as almost bordered on deification. Pastor Grabau's word was decisive in all things, and I myself must confess that I held him for such a man of God as there could be no more. This excessive deification of his person, and the general unconditional submissiveness on the part of the congregation toward Mr. P. Grabau, may have contributed to this, that his heart, already inclined to lordliness and inflexibility, exalted itself still more, so that it became ever more visible and palpable that the words of St. Peter: "Neither as being lords over God's heritage" (1 Pet. 5, 3.) no longer fit Mr. Pastor Grabau, but rather those of the prophet: "With force and with cruelty have ye ruled them." (Ezek. 34, 4.) So Mr. P. Grabau already at that time presumed to act at his own pleasure in external church affairs, such as buildings and the like. And when the trustees, to whom the administration of the church property had been entrusted, once called him to account for such arbitrary conduct, he was so indignant over it that, with the help of the unsuspecting congregation, he took their trusteeship away from them. We need no trustees; church fathers we will have, he said. Also from that time on, and until now, the so-called church fathers may no longer assemble without him.— This is but one example out of many of Mr. P. Grabau's lordliness, even in external things.
Another example, with which my ban-process is connected, is the following. In the year 1850 it occurred to Mr. P. Grabau that all the church and congregational property should be sold, and a new, larger church and other congregational buildings be erected in another place. This plan, however, met with great resistance from the elders; dissatisfied over it, he held a congregational meeting; but here also the desired consent did not appear, and Mr. P. Grabau, full of ill-humor, broke out among other things in the words: If the congregation would not in two years bring the offering of two thousand thalers, he would not even say that it was a Lutheran congregation; and when the