Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 9, S. 6

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 9, S. 6

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halt derselben. Es wurde natürlich immer vom Geiz, ꝛc., gepredigt, und dieses, weil man wußte, wohin es zielte, mußte zur Last werden. In der Beichte hat Hr. P. Grabau nicht blos Männer, sondern auch Weiber und junge Leute des Schillings halber zur Rechenschaft gezogen.

Es geschah einmal, daß zwei oder drei von uns als Abgesandte aus der Gemeine nach Buffalo geschickt wurden (nämlich Schweickhardt, Müller und Rauch) Hrn. Past. Grabau zu bitten, daß er uns den Studenten Lange zum Pastor geben möchte. Zugleich sollten sie auch mit Hrn. Past. Grabau handeln, daß der Schilling abgethan würde; da kamen diese Abgeordneten zurück und brachten über den Schilling einen neuen Plan; wir wissen nicht, ob ihnen diesen Plan Hr. Past. Grabau eingegeben, oder sie ihn selbst erdacht hatten: nämlich eine Schrift zu machen und den Schilling durch Unterschrift bestätigen zu lassen. Es war damals der Wunsch der ganzen Gemeine, daß die Schillingssache ein Ende nehmen möchte. Wir sagen dieses deshalb, weil Hr. Past. Grabau in seinem Bericht immer nur von „etlichen Gemeinegliedern," und von einem „Haufen in der Gemeine" redet. Allein auch dieser Plan, wo er auch hergekommen sein mag, half zu nichts. Viele zwar, in der Meinung, die Schrift habe Past. Grabau angeordnet, unterschrieben aus Menschenfurcht, keineswegs aus Neigung und Willigkeit. (Man muß zur Erklärung dieses wissen, daß wir damals so verkehrt waren und dem Past. Grabau als einem halben Gott anhingen.) Manche aber, ob sie gleich unterschrieben, bezahlten hernach doch nicht, denn sie fanden bald Ursache dazu. Sutter unterschrieb auch nicht, war aber allezeit willig zu bezahlen, denn er war ein treuer Anhänger des Pastors. Da kam einmal Sutters Frau zum Beichtstuhl und Past. Grabau frug sie, warum ihr Mann den Schilling nicht unterschreibe? Die Frau antwortete: Ihr Mann sei allezeit zu zahlen willig, aber nicht zu unterschreiben, denn er finde es nicht für nöthig und meine, man könne ihm ohne Unterschrift trauen. Darauf sagte Past. Grabau: Es sei nicht wegen Mißtrauens, sondern daran wolle er blos seine treuen Kirchkinder erkennen. Weil es nun mit dem Unterschreiben auch nicht gehen wollte, so ergriff Past. Grabau ein anderes Mittel. Er sagte öffentlich von der Kanzel: Wer den Schilling, oder die „christliche Ordnung," wie er sie immer nannte, nicht unterschreiben wolle, deß Seelsorger könne er nicht mehr sein, und dem könne er das heilige Abendmahl nicht reichen. (Siehe, wie Past. Grabau pag. 60 sagt, daß er abgekündigt habe.)

Man kann sich denken, wie eine solche Erklärung auf uns wirken mußte! Unterdessen kam es auch 1848 zum Bau einer neuen Kirche. Die Baumaterialien waren zur Hälfte herbeigeschafft, mit dem Maurer schon accordirt, aber eine babylonische Verwirrung herrschte unter den Gliedern und dem Pastor. Die Einen wollten nachgeben, die Anderen in ihrem Rechte beharren, und so schwankte es unter den Gliedern selbst wieder hin und her. Denn durch das große Ansehen, das Pastor Grabau allezeit bei uns genoß, wurden immer wieder etliche gewonnen. Endlich wurde noch ein weiteres Mittel bei den „Halsstarrigen" angewendet Diese sollten nicht mitbauen dürfen; von ihnen sollte man auch keine Beiträge zum Kirchenbau annehmen. Dieses Mittel schlug für diesmal fehl. Es gingen Allen die Augen auf, daß es auf diese Weise zur Trennung kommen müsse. Deshalb gab die ganze Gemeinde dem Deputirten Schweickhardt den Auftrag, bei der Synode, (es war dieselbe Synode, von welcher der angezogene, unwahre „Synodalbrief" Bericht gibt) um Rath und Hülfe für diesen traurigen Handel anzusuchen. Was für Rath und Hülfe wir aber da erhielten, kann der Leser in Grabau's Synodalbericht selbst vernehmen. (pag. 58.) Für diejenigen aber, welchen der Synodalbericht nicht zu Gesichte kommt, wollen wir kurz so viel mittheilen:

„Die Ehrw. Synode könne sich in diesen Rath und Handel nicht einmischen, denn es sei ein Streit „etlicher Glieder," und diese hätten erst die Vermahnung vom Kirchenministerio zu hören." Diese „Vermahnung" wurde auch von Past. Grabau vollzogen. An einem Sonntage, nachdem er das Evangelium verlesen und etliche Worte darüber gesprochen hatte, las er die sogenannte „Vermahnung" ab, welche nicht kurze Zeit dauerte. (War das wohl an jenem Tage auch das Evangelium gepredigt?) Diese Vermahnung bewirkte etwas (pag. 62), aber nichts Gutes. Etliche ließen sich auf's Neue unter das knechtische Joch des Hrn. Past. Grabau fangen, die Andern blieben fest. So kam es nach und nach der gänzlichen Trennung näher. Dabei muß man wissen, daß Hr. P. Grabau privatim alle seine Kraft, man mag wohl sagen, List anwendete, um der Leute Gewissen zu schrecken und zu verwirren; besonders suchte er die Weiber zu bearbeiten.

So sieht also der Leser aus dem, was wir hier der vollen Wahrheit gemäß berichtet haben, daß es sich um eine pur menschliche Ordnung handelte, welche man anfangs „um Friedens und guter Ordnung willen" aufgerichtet hatte; weil sich's aber fand, daß eitel Unfriede und Unordnung daraus entstanden, und daß man solche Ordnung zur Gewissenssache machen wollte, so fand die Gemeinde zweimal für gut, ja nöthig, sie wieder aufzuheben. Dies zu wollen, hatte die Gemeinde das Recht, und Past. Grabau, wäre er demüthig und treu gewesen, hätte nachgeben und die Gewissen nicht also drängen sollen, wie er es gethan hatte. Oder heißt das nicht die Gewissen bestricken, wenn man um zu entrichtenden Geldes willen das heilige Abendmahl und die Seelsorge versagt? Man urtheile doch unbefangen, ob wir nicht Recht und Pflicht hatten, uns solchem Treiben zu widersetzen? Wir haben nie behauptet, daß diese Ordnung an sich Sünde sei; aber wir haben behauptet, daß, weil so viel Unordnung und Unfriede, ꝛc., daraus entstanden, man das volle Recht habe, eine solche menschliche Ordnung nach der Lehre des 15. Artikels der Augsburger Confession abzuthun. Denn nur solche K. O. von Menschen gemacht, lehrt jener Artikel halten, welche nicht nur an sich nicht Sünde sind, sondern auch zum Frieden und guter Ordnung dienen. Von dem letzten Satz, den wir Past. Grabau oft vorhielten, wollte er nie etwas wissen. Wir wollten nicht der Menschen Knechte werden. (1 Cor. 7, 23.) Wir wollten die Absolution und das heilige Abendmahl nicht durch unsere Unterwerfung unter diese uns aufgenöthigte Ordnung erkaufen. Wir wollten in all der rechten Freiheit bestehen, die uns Christus erworben hat, und uns nicht in ein knechtisches Joch fangen lassen. (Gal, 5, 1.) Mag Hr. Past. Grabau noch so frevelhaft von uns urtheilen und von „Brandmaal" in unserem Gewissen reden, wir befehlen es Gott, der wird es zu Seiner Zeit an den Tag bringen. Wir müssen leider fürchten, daß Hr. P. Grabau selbst Brandmaale im Gewissen hat, daß er die an uns begangene Ungerechtigkeit und Tyrannei nicht mehr fühlt. Man halte uns solche ernste und starke Sprache zu gut! Wir wissen, was wir sagen. Wer es aber jetzt noch nicht erkennen kann, daß wir mit Recht also hart reden, der mag's später erkennen. Denn es ist kaum zu denken, daß Gott diesem herrschsüchtigen Manne in die Länge zusehen werde; ER, der HErr, wird ihn offenbaren, wenn er nicht bald in sich geht. Es schreien viele von ihm auf's Ungerechteste gebannte Seelen gen Himmel, und solche Seufzer der Elenden wird der HErr hören. Man gehe nach Buffalo, und höre und sehe, wie es in P. Grabau's Gemeinde steht!—Mag der verblendete Mann uns eine „Rotte" schelten, ein Recht hat er nicht dazu; denn nochmals wiederholen wir auf's Nachdrücklichste: Wir haben nichts gegen den 15. Artikel der Augsburger Confession, sondern für denselben gehandelt und behauptet.

Aus dem bisher Gesagten kann ein Unparteiischer schon genugsam erkennen, daß wir keine Rotte sind. Weil aber Hr. Past. Grabau noch sieben Ausschließungsgründe, um uns zur Rotte zu stempeln, erdichtet, müssen wir auf diese noch kurz antworten.

Zweiter Grund:

II. Weil sie als ein Haufen in der Gemeine behaupteten, daß sie Macht hätten, nach ihrem Willen dieselbe umzustoßen, und daß der Pastor und andere Kirchglieder ihnen darin gehorchen müßten."

Unsere Antwort: Das ist unwahr, wie oben genugsam erwiesen. Nicht „ein Haufen in der Gemeine," sondern die ganze Gemeine wollte zweimal diese sogenannte „christliche Ordnung" abgeschafft wissen. Daß wir aber zuletzt nur ein „Haufe," d. i. ein Theil (doch der größere) waren, kommt eben daher, daß, wie oben angezeigt, sich Mehrere aus Menschenfurcht, Menschengefälligkeit und aus Furcht vor

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contents thereof. Naturally there was always preaching about avarice, etc., and this, because one knew whither it aimed, was bound to become a burden. In confession Pastor Grabau called to account not only men, but also women and young people on account of the shilling.

It happened once that two or three of us were sent as delegates from the congregation to Buffalo (namely Schweickhardt, Müller and Rauch) to beg Pastor Grabau that he would give us the student Lange for pastor. At the same time they were also to negotiate with Pastor Grabau that the shilling might be abolished; then these delegates came back and brought a new plan concerning the shilling; we do not know whether Pastor Grabau suggested this plan to them, or whether they themselves devised it: namely, to draw up a document and to have the shilling confirmed by signature. At that time it was the wish of the whole congregation that the shilling business should come to an end. We say this for the reason that Pastor Grabau in his report speaks always only of "some members of the congregation," and of a "crowd in the congregation." But this plan also, wherever it may have come from, availed nothing. Many indeed, in the opinion that Pastor Grabau had ordered the document, signed from fear of men, by no means from inclination and willingness. (For the explanation of this one must know that we were at that time so perverse and clung to Pastor Grabau as to a demigod.) Some, however, though they signed, afterwards did not pay all the same, for they soon found cause for it. Sutter also did not sign, but was always willing to pay, for he was a faithful adherent of the pastor. Once Sutter's wife came to the confessional, and Pastor Grabau asked her why her husband would not sign for the shilling? The woman answered: Her husband was at all times willing to pay, but not to sign, for he did not find it necessary and thought one could trust him without a signature. Thereupon Pastor Grabau said: It was not on account of distrust, but by this he merely wished to recognize his faithful church children. Since signing also would not work, Pastor Grabau seized upon another means. He said publicly from the pulpit: Whoever would not sign the shilling, or the "Christian order," as he always called it, of him he could no longer be pastor, and to him he could not give the holy Supper. (See how Pastor Grabau says on p. 60 that he made an announcement of excommunication.)

One can imagine how such a declaration was bound to affect us! In the meantime, in 1848 it also came to the building of a new church. The building materials were half procured, the mason already contracted with, but a Babylonian confusion prevailed among the members and the pastor. Some wished to yield, the others to persist in their right, and so it wavered back and forth among the members themselves. For through the great prestige that Pastor Grabau at all times enjoyed among us, some were won over again and again. At last a further means was applied to the "stiff-necked": These were not to be allowed to build with us; from them also no contributions to the building of the church were to be accepted. This means failed for this time. The eyes of all were opened that in this way it must come to a separation. Therefore the whole congregation gave to the deputy Schweickhardt the commission to seek counsel and help for this sad dispute at the synod (it was the same synod of which the cited, untrue "Synodalbrief" gives an account). What counsel and help we received there, however, the reader may learn for himself in Grabau's Synodalbericht. (p. 58.) For those, however, to whom the Synodalbericht does not come to hand, we wish briefly to communicate so much:

"The Reverend Synod could not meddle in this counsel and dispute, for it was a quarrel of 'some members,' and these had first to hear the admonition of the church ministerium." This "admonition" was also carried out by Pastor Grabau. On a Sunday, after he had read the Gospel and spoken some words upon it, he read off the so-called "admonition," which lasted not a short time. (Was the Gospel also preached on that day?) This admonition effected something (p. 62), but nothing good. Some let themselves be caught anew under the servile yoke of Pastor Grabau, the others remained firm. So it came gradually nearer to the complete separation. Besides, one must know that Pastor Grabau privately applied all his strength, one may well say, cunning, to frighten and confuse the consciences of the people; especially did he seek to work upon the women.

So the reader sees from what we have here reported in accordance with the full truth, that it was a purely human order which had been set up at the beginning "for the sake of peace and good order"; but since it was found that nothing but discord and disorder had arisen from it, and that they wished to make such an order a matter of conscience, the congregation found it good, yea necessary, twice to abolish it again. To desire this the congregation had the right, and Pastor Grabau, had he been humble and faithful, ought to have yielded and not to have pressed consciences so as he had done. Or does that not mean to ensnare consciences, when for the sake of money to be paid one refuses the holy Supper and the cure of souls? Let it be judged impartially whether we had not both right and duty to resist such proceedings? We have never asserted that this order was sin in itself; but we have asserted that, because so much disorder and discord, etc., had arisen from it, one had the full right to abolish such a human order according to the doctrine of the 15th Article of the Augsburg Confession. For only such church orders made by men does that article teach to be kept as are not only not sin in themselves, but also serve for peace and good order. Of this last sentence, which we often held up to Pastor Grabau, he would never hear anything. We would not become the servants of men. (1 Cor. 7:23.) We would not purchase absolution and the holy Supper by our submission to this order forced upon us. We would stand fast in all the true liberty wherewith Christ hath made us free, and not be caught again in a servile yoke. (Gal. 5:1.) Let Pastor Grabau judge of us never so wantonly, and speak of a "brand" in our conscience, we commend it to God, who will bring it to light in His own time. We must, alas, fear that Pastor Grabau himself has brands in his conscience, so that he no longer feels the injustice and tyranny committed upon us. Bear with us such earnest and strong language! We know what we say. But whoever cannot yet recognize that we speak so hard with right, let him recognize it later. For it is hardly to be thought that God will look on in the long run at this domineering man; HE, the LORD, will reveal him, if he does not soon go into himself. Many souls banned by him most unjustly cry to heaven, and such sighs of the wretched will the LORD hear. Let one go to Buffalo, and hear and see how it stands in Pastor Grabau's congregation!—Let the blinded man call us a "faction"; a right to do so he has not; for again we repeat most emphatically: We have done and maintained nothing against the 15th Article of the Augsburg Confession, but for it.

From what has been said thus far, an impartial person can already sufficiently recognize that we are no faction. But since Pastor Grabau has yet invented seven grounds of exclusion to stamp us as a faction, we must answer these also briefly.

Second ground:

II. Because they, as a crowd in the congregation, asserted that they had power to overthrow it according to their will, and that the pastor and other church members must obey them therein."

Our answer: That is untrue, as sufficiently proved above. Not "a crowd in the congregation," but the whole congregation twice wished this so-called "Christian order" to be abolished. That we were in the end only a "crowd," that is, a part (yet the larger), comes precisely from this, that, as indicated above, several, out of fear of men, man-pleasing and out of fear of