Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 13, S. 23

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 13, S. 23

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Pst. Schmidt's mit seinem Temperament entschuldigt wurden, da ferner Hr. Pst. Schmidt bei meinem ersten Besuche wohl über früher erlittene Kränkungen von Seiten Einzelner klagte, aber kein Wörtlein verlauten ließ, als sei ihm bei der Untersuchung Unrecht geschehen, mir sogar gestand, er habe zwar in der langen Zwischenzeit mitunter den Gedanken gehabt, ob er wieder predigen solle, er sei nun aber froh, daß ich endlich da sei; da ich endlich fand, daß über die Gerechtigkeit und Weisheit des Verfahrens nur Eine Stimme war, so konnte in mir kein Zweifel an der Rechtmäßigkeit meines Berufes aufsteigen und trat ich in Gottes Namen das Amt an, in welches ich durch Hrn. Pst. Steinbach öffentlich eingeführt wurde.

Um die Zeit hatte Hr. Pst. Schmidt den Plan, hier eine englisch-lutherische Gemeinde zu bilden. Als es damit, sowie mit der Professur zu Ende war, erzählte er einigen hiesigen Gemeinde-Gliedern, er sei, u. zwar besonders durch einen herzlichen u. eindringlichen Brief Hrn. Dr. Sihlers, über seine bisherige Stellung bedenklich geworden und sehne sich darnach, wieder ein Predigtamt zu übernehmen. Er habe auch seine Bereitwilligkeit dazu bereits nach St. Louis gemeldet, es sei deshalb möglich, daß er von dort aus bald einen Ruf bekomme. Allein er bleibe lieber hier, oder in der Nähe. Wer ihn also nun haben wolle, müsse sich beeilen. Aehnlich und noch deutlicher ließ er sich gegen einige Gemeinglieder heraus, welche etwa 10 Meilen von hier in East Cleveland und Euklid wohnen. Er bot sich ihnen mehrmals förmlich zum Prediger an, versicherte, er werde mit allem zufrieden sein, er habe noch sonst Subsistenzmittel, und suchte sie zu bereden, mir nichts davon zu sagen, sondern ihn nur ohne weiteres zu berufen. Die Leute, die schon länger einen eigenen Prediger gewünscht hatten, waren nicht abgeneigt, wollten es aber nicht hinter meinem Rücken thun. Sie kamen also und stellten mir die Sache vor, meinten aber damals, mir die Art und Weise verschweigen zu dürfen, in welcher Pst. Schmidt sich ihnen angeboten. Sie versicherten dabei, sie wollten in Einigkeit mit der Cleveland Gemeinde bleiben, sich mit uns der Synode anschließen und deshalb auch Pst. Schmidt nur unter der ausdrücklichen Bedingung berufen, daß er bald thunlichst um Aufnahme nachsuche. Ich sah in diesem Begehren nichts Bedenkliches, die Gemeinde entließ diese Glieder aus ihrem Verbande, ich wurde ersucht, die Vocation aufzusetzen, worin ich auf ausdrückliches Verlangen die obige Bedingung aufnahm. Hr. Pst. Schmidt nahm sie an, lehnte dagegen Hrn. Dr. Sihlers Einladung nach St. Louis ab, und hielt am ersten Advent, 1851, seine Antrittspredigt. Er machte also auch damals die Ansicht noch nicht geltend, als sei er von Rechtswegen noch Pastor der Clevelander Gemeinde, sonst hätte er ja eine neue Vocation durch einen Theil derselben zurückweisen müssen. Nun predigte er zwar meist Sonntags draußen, verschob aber aus allerlei Gründen seinen Umzug: Es hieß um die Zeit schon, er gehe damit um, sich hier eine Gemeinde zu sammeln; da aber Hr. Professor Walther bei Gelegenheit seiner Durchreise ihn ernstlich davor gewarnt hatte, ließen wir es gut sein. Gegen Ende März, als in No. 11 des Informatoriums (ersten Jahrgang) der erste Artikel über Cleveland erschien, ging ich mit zwei Vorstehern zum Hrn. Pst. Schmidt und bat um eine Erklärung, ob er diese oder ähnliche Worte an Pst. W. geschrieben, oder sie sonst in einiger Weise veranlaßt habe. Pst. Schmidt versicherte darauf, daß er weder unmittelbar, noch mittelbar dazu Veranlassung gegeben, daß das dort Behauptete auch seine Meinung nicht sei. Er habe seit wenigstens anderthalb Jahren alle Correspondenz mit Pst. Winkler und Grabau abgebrochen. Ersterer habe ihm freilich vor einiger Zeit zugemuthet, die Vorfälle in Cleveland zu berichten, er habe ihm aber darauf gar nicht geantwortet. Es gefalle ihm auch gar nicht, daß Pst. W. so geschrieben habe, und er vermuthe, es sei nur aus der Absicht geschehen, um ihn (P. S.) dadurch herauszulocken und zum Schreiben zu nöthigen. Pst. S. versprach auch, das öffentlich zu erklären, und sandte zu dem Zwecke die in Nr. 20 des „Lutheraners“ befindliche Erklärung ein.

Bald darauf erklärte sich endlich Hr. Pst. S. bereit, nach Euklid hinauszuziehen, die Gemeinde aber, durch allerlei seltsame Aeußerungen ihres Pastors aufmerksam gemacht, verlangte zuvor eine runde Erklärung, ob er alle Bedingungen seiner Vocation zu halten gesonnen sei, oder nicht? Er beantwortete diese Frage bejahend, versprach, so bald er könne, an die Missouri Synode sich anzuschließen, und so wurde er denn nach Euklid abgeholt. Ungefähr um die Zeit machte P. W. einen Besuch in Cleveland.

Allein kaum war er draußen, so fing er an, sich unbehaglich zu fühlen, beständig über sein schmales Einkommen zu klagen und öffentlich auszusprechen, ihm sei in Cleveland Unrecht geschehen, er traue keinem von der Missouri Synode mehr, es falle ihm auch nicht ein, sich dort anzuschließen, wohl aber an die Buffaloer u. dgl. Er setzte seine Schulstunden oft aus, hielt sich zu Zeiten fast eben so viel in Cleveland, als in Euklid auf, las hiesigen Gemeinde-Gliedern Artikel des Informatoriums vor, lud sie zu seinen Gottesdiensten ein, warnte den einen vor dem andern, besah Bauplätze und Häuser, fragte auch wohl gerade zu an, ob man zu ihm halten werde, wenn er hier wieder predige, ꝛc. Das Alles, während die Leute in Euklid meinten, er sammle Geld für eine Kirche, die dort gebaut werden sollte. Und wenn er um die eine oder andere von diesen Sachen befragt wurde, so leugnete er oder gab ausweichende Antworten.

Endlich d. 10. p. Trin., d. 15. August, 1852, forderte P. S. nach geschlossenem Gottesdienst in Euklid die Männer auf, noch etwas da zu bleiben. Er sagte dann: es seien in Cleveland manche Seelen, welche an ihm hingen und nun in der Irre gingen, seit er nicht mehr predige. Der Gedanke an diese lasse ihm schon seit langer Zeit Tag und Nacht keine Ruhe, er könne es nicht verantworten, wenn sie verloren gingen—so habe er denn beschlossen, am nächsten Tage wiederum nach Cleveland zu ziehen, wo er vom nächsten Sonntage an auf dem Courthause predigen werde. Er wolle aber allenfalls alle drei bis vier Wochen einmal hinauskommen und sich nach einem Schullehrer für sie umsehen.

Damit griff er nach seinen Büchern und wollte gehen. Alle waren bestürzt. Ein hiesiger Vorsteher aber, früher einer der eifrigsten Verehrer Pst. S's., welcher zufällig dort zum Besuch bei seinen Verwandten war, bat um die Erlaubniß, zu reden. Er stellte dann vor, wenn es den Leuten, welche an ihm (P. S.) hingen, darum zu thun sei, selig zu werden, so wäre ja das reine Wort und rechte Sacramente in Cleveland zu haben und also gar nicht nöthig, daß er wieder dort predige—oder ob er etwa behaupten wolle, daß ihr Pastor und die Gemeinde falschgläubig sei? (P. S. zuckte die Achseln.)—Wenn aber jene Leute etwas eigenes suchten und es ihnen mehr um diesen oder jenen Prediger, als um die Predigt des reinen Wortes zu thun sei, wie der Augenschein lehre, so würde er sie ja nur in ihrer Unwissenheit oder ihrer muthwilligen Absonderung stärken, sie also noch mehr in die Irre führen. Die Euklider Gemeinde könne demnach unmöglich ihre Zustimmung zu diesem Schritte geben. Er bäte ihn also recht herzlich, davon abzustehen.

Darauf antwortete Pst. S.: Er wisse wohl, woher das Alles rühre. Pst. Schwan habe ihn abgeschickt, (ich wußte nichts davon,) der werde wohl in Angst sein. Es solle ihm auch bald heiß genug werden. Sein Haufen werde bald zusammenschmelzen. Aber er solle es sich nur unterstehen, zu mucken, so wolle er es ihm schon weisen ꝛc. Auch sei er (Pst. Schmidt) gar nicht gekommen, die Gemeinde um ihre Einstimmung zu befragen, sondern um ihr seinen Entschluß kund zu thun. Er sei kein Schuhputzer der Gemeinde, wie die Missouri Prediger, die ja blos das fünfte Rad am Wagen vorstellten, wie Prof. Walther selbst geschrieben habe, die Prediger stünden den Gemeinden blos zur Seite. Nein! er sei kein Beiläufer, sondern Vorsteher, und die Gemeinde habe zu gehorchen.

Es wurde ihm darauf von einem andern, einem frühern Vorsteher einer der separirten lutherischen Gemeinden in Preußen, der hier seit kurzem ansäßig ist, vorgestellt, er habe doch durch die Annahme eines ordentlichen Berufs sich dieser Gemeinde verpflichtet, ob es denn recht sei, diese Vocation so eigenmächtig und ohne Grund zu brechen?

Darauf erwiederte er: „Was geht mich die Vocation an, ich bin ordinirt, ich predige, wo ich will, ich mache, was ich will.“ Er hat zu Zeiten der Gemeinde selbst das Recht der Berufung abgesprochen, auch gemeint, der Pastor müsse von Rechtswegen den deed und die Schlüssel vom property haben.

Alles Bitten und Ermahnen war umsonst. Er ging davon mit den Worten, wer ihn hören wolle, solle ins Courthaus kommen!—Des andern Tages zog er nach Cleveland in einen Stadttheil, wo viele unsrer Glieder wohnen.

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of the Rev. Mr. Schmidt were excused on the ground of his temperament, since moreover the Rev. Mr. Schmidt at my first visit complained indeed of injuries formerly suffered at the hands of individuals, but let not a word be heard as though wrong had been done him in the investigation, even confessed to me that in the long interval he had indeed at times had the thought whether he should preach again, but that he was now glad that I was at last there; since I at last found that on the justice and wisdom of the proceeding there was only one voice, no doubt as to the lawfulness of my call could arise in me, and I entered upon the office in God's name, into which I was publicly installed by the Rev. Mr. Steinbach.

About that time the Rev. Mr. Schmidt had the plan of forming an English Lutheran congregation here. When that, as well as the professorship, had come to an end, he told several local members of the congregation that he had become uneasy about his former position, especially through a cordial and urgent letter from the Rev. Dr. Sihler, and longed to take up a preaching office again. He had also already reported his willingness thereto to St. Louis; it was therefore possible that he might soon receive a call from there. But he would rather remain here, or in the vicinity. Whoever, therefore, wished to have him must hurry. Similarly, and still more plainly, he expressed himself to some members of the congregation who live about 10 miles from here in East Cleveland and Euclid. He offered himself to them repeatedly and formally as preacher, assured them he would be content with everything, that he had other means of subsistence, and sought to persuade them not to tell me anything about it, but simply to call him without more ado. The people, who had long wished to have a preacher of their own, were not disinclined, but did not wish to do it behind my back. They came therefore and presented the matter to me, but thought at the time that they might keep silent to me about the manner in which the Rev. Mr. Schmidt had offered himself to them. They assured me thereby that they wished to remain in unity with the Cleveland congregation, to join the Synod with us, and for that reason to call the Rev. Mr. Schmidt only under the express condition that he should apply for admission as soon as practicable. I saw nothing questionable in this request; the congregation released these members from its union; I was asked to draw up the call, in which, at their express desire, I included the above condition. The Rev. Mr. Schmidt accepted it, declined on the other hand the Rev. Dr. Sihler's invitation to St. Louis, and on the first Sunday in Advent, 1851, preached his inaugural sermon. So he did not at that time assert the view that he was by right still pastor of the Cleveland congregation; otherwise he would surely have had to reject a new call through a part of it. Now he preached, to be sure, mostly on Sundays out there, but postponed his removal for all sorts of reasons: It was said at that time already that he was going about to gather a congregation for himself here; but since the Rev. Professor Walther, on the occasion of his passing through, had earnestly warned him against it, we let it be. Toward the end of March, when in No. 11 of the Informatorium (first volume) the first article about Cleveland appeared, I went with two elders to the Rev. Mr. Schmidt and asked for a declaration whether he had written these or similar words to Pastor W., or had in any way occasioned them. The Rev. Mr. Schmidt assured us thereupon that he had given occasion for it neither directly nor indirectly, and that what was asserted there was not his opinion either. He had, for at least a year and a half, broken off all correspondence with Pastors Winkler and Grabau. The former had indeed some time ago asked him to report the occurrences in Cleveland, but he had not answered him at all. It also did not please him at all that Pastor W. had written so, and he supposed it had happened only from the intention of enticing him (P. S.) out thereby and forcing him to write. Pastor S. also promised to declare this publicly, and for that purpose sent in the declaration found in No. 20 of the "Lutheraner."

Soon afterwards the Rev. Mr. S. finally declared himself ready to move out to Euclid; the congregation, however, having been made attentive by all sorts of strange utterances of its pastor, demanded beforehand a plain declaration whether he intended to keep all the conditions of his call, or not. He answered this question in the affirmative, promised to join the Missouri Synod as soon as he could, and so he was then fetched to Euclid. About that time Pastor W. paid a visit to Cleveland.

But hardly was he out there when he began to feel uncomfortable, to complain constantly about his scanty income and to declare publicly that wrong had been done him in Cleveland, that he trusted no one of the Missouri Synod any more, that it did not occur to him to join it, but rather the Buffalo people and the like. He often omitted his school hours, at times stayed almost as much in Cleveland as in Euclid, read to local members of the congregation articles from the Informatorium, invited them to his services, warned one against another, looked at building lots and houses, even asked outright whether people would hold to him if he should preach here again, etc. All this while the people in Euclid supposed he was collecting money for a church that was to be built there. And when he was asked about one or another of these things, he denied it or gave evasive answers.

At last, on the 10th Sunday after Trinity, the 15th of August, 1852, Pastor S., after the close of divine service in Euclid, called on the men to stay a little while. He then said: there were in Cleveland many souls who clung to him and were now going astray since he no longer preached. The thought of these had for a long time given him no rest day or night; he could not answer for it if they were lost—so he had resolved to move again to Cleveland on the next day, where from the next Sunday he would preach in the courthouse. But he would at all events come out once every three or four weeks and look about for a schoolteacher for them.

With that he reached for his books and wanted to go. All were dismayed. A local elder, however, formerly one of the most zealous admirers of Pastor S., who happened to be there visiting his relatives, asked leave to speak. He then represented that if it concerned the people who clung to him (P. S.) to be saved, then the pure Word and right Sacraments were to be had in Cleveland, and so there was no need whatever for him to preach there again—or did he perhaps mean to assert that their pastor and the congregation were false believers? (P. S. shrugged his shoulders.)—But if those people were seeking something of their own, and cared more for this or that preacher than for the preaching of the pure Word, as appearances showed, then he would only strengthen them in their ignorance or their wilful separation, and so lead them still more astray. The Euclid congregation therefore could not possibly give its consent to this step. He therefore begged him most heartily to desist from it.

Pastor S. answered thereupon: He knew well whence all this came. Pastor Schwan had sent him off, (I knew nothing of it,) he must be in fear. It should soon be hot enough for him. His company would soon melt away. But let him only dare to mutter, and he would show him. Also he (Pastor Schmidt) had not come at all to ask the congregation for its consent, but to make known to it his resolution. He was no bootblack of the congregation, like the Missouri preachers, who were, as Prof. Walther himself had written, merely the fifth wheel on the wagon; the preachers stood by the congregations merely at their side. No! he was no hanger-on, but an overseer, and the congregation had to obey.

Thereupon it was represented to him by another, a former elder of one of the separated Lutheran congregations in Prussia, who has been settled here for a short time, that he had surely bound himself to this congregation by the acceptance of a regular call; whether it was right, then, to break this call so arbitrarily and without cause?

To this he replied: "What do I care about the call, I am ordained, I preach where I will, I do what I will." At times he has denied to the congregation itself the right of calling, and has also held that the pastor must by right have the deed and the keys of the property.

All entreaty and admonition was in vain. He went away with the words that whoever wished to hear him should come to the courthouse!—The next day he moved to Cleveland, into a part of the city where many of our members live.