Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 11, S. 13
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 11, S. 13
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Beilage zu No. 11. Jahrg. 9. des Lutheraners.
(Eingesandt von Pastor Fürbringer in Freistatt und Kirchhain, Wisc.)
Geschichtlich-theologischer Beitrag
zu vollständigerer Beurtheilung der Streitigkeiten zwischen den Grabauianern und den sogenannten Missouriern.
(Fortsetzung.)
Anstößige Händel schließen sich im Verlaufe desselben Jahres an diese Trennung an, herbeigeführt durch Krausens Hartnäckigkeit, wobei leider auch nicht Alles entschuldigt werden kann, was von Seiten Einzelner unter seinen Gegnern vorgefallen ist. Man bedenke aber, durch was für eine Behandlung sie gereizt worden waren. Vergehungen von unten überwiegt das Unrecht, das von oben sie gezeugt hat. Es kommt sogar in Freistatt durch Pastor Krause, unter dessen Anleitung der ihm treu und günstig gebliebene Theil den Anfang machte, von wegen des Kircheneigenthums zu bürgerlichen Prozessen, nach deren Beendigung beide Partheien gutwillig durch Loose, davon das erste auf Krausens Anhänger gefallen war, Kirche, Pfarrei und das dazu gehörige Land unter sich theilen, und die Getrennten das Kirchengebäude mit der Hälfte des Landes erhalten. Man vergleiche nun damit den — auf's Gelindeste gesagt — ganz partheisüchtigen Bericht Grabau's in seinem 2. Synodalschreiben, das überhaupt ein seltsames Gewebe von Wahrheit, lügenhafter Entstellung, Verkehrung und Verleumdung ist, welches auch entschlafener Frommer in Wisconsin, wie in Missouri, nicht verschont. Mittlerweile bemühen sich die Kirchhainer, zumal da auch unter ihnen, obschon von den in Freistatt Abgetretenen mit Mißtrauen angesehn, viele Bedenkliche waren, Friede und Einigkeit herzustellen; und im Januar 1847 halten sie eine Gemeindeversammlung, wo sie, der Pastor und seine Kirchglieder, vornehmlich auf Betrieb des Vorstehers Retzlaff, des Schullehrers Stiemke, welcher auf St. Johannis Ev. 17. und den trefflichen, hochverständigen Jak. Andreä und dessen wahrhafte Einigung und Union durch auf einander folgende Konkordienformeln hinwies, und Anderer mehr, den Beschluß fassen, die Buffaloer Synode dahin zu vermögen, mit den missourischen Predigern eine Zusammenkunft zu bewirken, um die obschwebenden Streitigkeiten beizulegen. Dieser Vorschlag wird nicht angenommen, und Kindermann, der ihn erst selbst vor der ganzen Gemeinde für Gottes Werk erkannt und bezeugt hatte, will nichts mehr davon wissen. Als nun bei den gerichtlichen Verhandlungen des Freistätter Prozesses Krause durch sein leider unwürdiges Benehmen großes Aergerniß gegeben hatte: wurde er in einer Bußtagspredigt des Frühjahrs 1847 von seinem Kirchhainer Amtsbruder als ein Unschuldiger dargestellt, der um Christi und Seines heiligen Amtes willen, gleichwie der Herr selbst vor dem Gericht zu Jerusalem, gelitten habe und verhöhnt worden sei, und alle die auch von den Kirchhainern und neu Eingewanderten für keine Christen erklärt, welche mit seinen Gegnern in Freistatt noch Gemeinschaft oder Umgang pflegten. Kindermann hatte früher in seiner Gemeinde gegen Krause schweren Verdacht eingeflößt, jetzt strafte er die, welche demgemäß sich von jenem fern hielten und ihn freundlich daran erinnerten; er hatte geäußert, die Missourier Pastoren seien rechtschaffene Prediger, mit der Sendung Geyer's nach Wisconsin habe es eine ganz andere Bewandniß, als mit des Past. Klügel's Amtsübernahme, er habe seiner Gemeinde bei Watertown selbst zu der Berufung eines andern Predigers die Erlaubniß gegeben, derselbe sei auch nicht auf eignem Wege hierher gegangen, sondern nach Ordnung der Kirche, er wolle mit Past. Walther in St. Louis sich in Correspondenz setzen ꝛc. — jetzt stimmte er denen bei, welche Geyer einen Rottenprediger und seinen Beruf einen ungöttlichen nannten; und, wie Krause, griff er mit Schelten und Toben trotz aller Vermahnungen auch von der Kanzel gegen die ein, mit welchen er in gottgefälliger Eintracht vordem gestanden hatte. Man hat keinen Begriff, was für Personalien diese sogenannten Hirten der Schafe auf die Kanzel zu bringen sich unterstehn, was doch aller lutherischen Kirchenordnung straks zuwiderläuft. Auf das Empfindlichste und Tiefste verletzt machen einige seiner ihm bisher mit am treusten ergebenen Gemeindeglieder eine Eingabe an das Kirchenministerium in Buffalo, die natürlich der Form ermangelte, wie sie demselben wäre recht und genehm gewesen, und erhielten ein halbes Jahr darnach die allerdings etwas stylisirter abgefaßte Antwort. Darauf erklärt Kindermann in öffentlicher Gemeindeversammlung: Ich sehe hier 2 Partheien; derjenigen, welche mit dem Antwortschreiben übereinstimmt, pflichte ich von Herzen bei und deren Pastor bin ich, die Andern mögen für sich selbst schreiben (— nämlich dem Kirchenministerio wiederum antworten —), und sich zu den Town-Neunern (— d. h. zu den sogenannten Rottirern, den von Pst. Krause Getrennten —) schlagen. So hatte die Buffaloer Synode von Neuem die Spaltung in Kirchhain bloß durch eigne Schuld und Verblendung herbeigeführt. Denn die auf solche Weise selbst Hinausgestoßenen und von den Gegnern Beschimpften suchten Wort und Sacramente bei dem unterdeß im September 1847 nach Milwaukie und Freistatt berufenen Pst. Keyl, mit welchem sie sich 4 Wochen nach ihrer Lossageschrift vereinigten. Den Gemeinden der Buffalosynode blieb aus leicht begreiflichen Gründen die Decke hangen vor den Augen ihrer Herzen, welche man darüber gebreitet hatte; und wenn gleich die Separirten, in Freistatt oder in Kirchhain, durch Unbescheidenheit oder auch unlauteres Wesen zum Theil sich hier und da versündigt haben: der Bann, welcher sie von ihren bisherigen gegen Gottes Wort untreuen Predigern traf, und die sogenannten elenden Grade desselben sind verabscheuungswerth vor dem Allerheiligsten, und verdienten von Menschen verachtet zu werden.
Wie kann doch überhaupt von Kirchenzucht hier nur die Rede sein, da bei solchem Verfahren die Pastoren selbst vielmehr dieser hätten anheimfallen sollen! Der von Krause getrennte Theil hatte sich nach der ersten Vermahnung bereits vom ganzem Kirchenministerio mit Recht losgesagt, und die Art und Weise, womit sie aufgefordert wurden zurückzukehren, zeugte von demselben verkehrten, ungebrochenen, hochfahrenden Sinn, womit man bisher gegen sie gehandelt hatte, dergestalt, daß sie unmöglich den Namen der Stufen kirchlicher Disciplin führen durfte. Bei den Kirchhainern sind solche nicht einmal in ihrer Ordnung nach Christi Befehl vorgekommen, und daß sie auf die letzte Vorladung den Thoren närrisch geantwortet, ist der unsäglich lieblosen Herzenshärtigkeit der erstern zuzuschreiben, die sie dann wieder unter einer heuchlerischen Bußermahnung versteckten. Daß die Separirten in Kirchhain schon früher eine Zeitlang nicht zum Sakrament des Altars gegangen waren, weil sie die Gemeinschaft Kindermann's mit Krause nicht billigten, hatte zum Grunde jenen ernsten Eifer für rechte kirchliche Einigkeit, der bei den lutherisch gesinnten Preußen nur leider oft in seinem Ziele sich vergreift. Welcher abscheuliche Greuel ist hingegen vor Gottes Augen und der heiligen Kirche das gehässige Abkanzeln dieser Prediger, das sie mit Verachtung der Worte Christi Matth. 18, 15. trotzig gleichsam von Amts wegen sich anmaßen! Man bedenke dagegen, was der ehrw. Martin Chemnitz in seiner Harmonie zu dieser Stelle den Kirchendienern sagt. Die erste Stimme der Opposition, welche in einer nach Lehre und Leben verderbten Gemeinschaft dem Worte Gottes gemäß redet, sie komme aus einem Munde, wo sie wolle, geschieht auf Heißen, wie Luther sagt, d. h. durch Wirkung der unsichtbaren Kirche, und diese als unser Aller Mutter muß bei Verlust der Seligkeit gehört werden; sie allein hat auch nur das Recht von Gottes wegen, das Himmelreich zu- und aufzuschließen, die Prediger sind nur die Haushalter, die Knechte, die Verwalter dessen, was den Kindern, den Erben gehört; wohl ihnen, wenn sie selbst als Kinder
English translation AI translation
Supplement to No. 11, Volume 9, of the Lutheraner.
(Contributed by Pastor Fürbringer in Freistatt and Kirchhain, Wisc.)
Historical-Theological Contribution
toward a fuller judgment of the disputes between the Grabauians and the so-called Missourians.
(Continuation.)
Offensive quarrels followed upon this separation in the course of the same year, brought about by Krause's obstinacy, wherein, alas, not everything can be excused that occurred on the part of individuals among his opponents. But let it be considered by what treatment they had been provoked. The wrongs committed from below are outweighed by the wrong that from above begot them. It even comes about in Freistatt, through Pastor Krause, under whose direction the part that remained faithful and favorable to him made the beginning, by reason of the church property, to civil lawsuits; after the conclusion of these both parties willingly divided among themselves, by lot, of which the first fell to Krause's adherents, the church, the parsonage and the land belonging thereto, and the separated party received the church building with half of the land. Let one compare with this — to put it as mildly as possible — the wholly partisan report of Grabau in his 2nd Synodical Letter, which is altogether a strange web of truth, lying distortion, perversion and slander, and which spares not even the pious departed in Wisconsin, as in Missouri. In the meantime the Kirchhainers endeavor, especially as there were also among them many scrupulous persons, though regarded with distrust by those who had withdrawn in Freistatt, to establish peace and unity; and in January 1847 they hold a congregational meeting, where they, the pastor and his church members, chiefly at the instance of the warden Retzlaff, of the schoolteacher Stiemke, who pointed to St. John's Gospel, chapter 17, and to the excellent, highly judicious Jacob Andreä and his true unification and union by means of successive formulas of concord, and of others besides, adopt the resolution to induce the Buffalo Synod to bring about a conference with the Missourian preachers, in order to settle the pending disputes. This proposal is not accepted, and Kindermann, who had at first himself recognized and testified before the whole congregation that it was God's work, will have nothing more to do with it. When now, at the judicial proceedings of the Freistatt lawsuit, Krause had given great offense by his, alas, unworthy conduct, he was represented in a penitential-day sermon of the spring of 1847 by his Kirchhain fellow-minister as an innocent man, who had suffered and been derided for the sake of Christ and His holy office, even as the Lord Himself before the court at Jerusalem, and all those, even by the Kirchhainers and newly arrived immigrants, were declared to be no Christians who still maintained fellowship or intercourse with his opponents in Freistatt. Kindermann had formerly instilled into his congregation a grave suspicion against Krause; now he rebuked those who accordingly kept themselves aloof from him and reminded him kindly of it; he had declared that the Missourian pastors were upright preachers, that the sending of Geyer to Wisconsin was a quite different matter from Pastor Klügel's assumption of office, that he himself had given his congregation near Watertown permission to call another preacher, that this man also had not gone hither on his own way but according to the order of the Church, and that he would enter into correspondence with Pastor Walther in St. Louis, etc. — now he sided with those who called Geyer a sectarian preacher and his call an ungodly one; and, like Krause, with railing and raging, in spite of all admonitions, he even from the pulpit attacked those with whom he had formerly stood in God-pleasing concord. One has no conception of what personalities these so-called shepherds of the sheep presume to bring into the pulpit, which is directly contrary to all Lutheran church order. Wounded in the most sensitive and deepest manner, some of the members of his congregation who had hitherto been among his most faithful make a petition to the Church Ministerium in Buffalo, which naturally lacked the form that would have been right and acceptable to it, and received half a year afterward the answer, composed, to be sure, in somewhat more polished style. Thereupon Kindermann declares in a public congregational meeting: I see here 2 parties; those who agree with the written answer I heartily approve and am their pastor; the others may write for themselves (— namely, answer the Church Ministerium again —), and join themselves to the Town-Nine-ers (— that is, to the so-called Rotters, those separated from Pastor Krause —). Thus the Buffalo Synod had once more brought about the division in Kirchhain solely by its own fault and blindness. For those who were thus themselves thrust out and reviled by their opponents sought Word and Sacraments from Pastor Keyl, who in the meantime had been called in September 1847 to Milwaukie and Freistatt, and with whom they united 4 weeks after their letter of renunciation. To the congregations of the Buffalo Synod, for reasons easily understood, the veil remained hanging before the eyes of their hearts, which had been spread over them; and even though the separated, in Freistatt or in Kirchhain, have here and there in part sinned through indiscretion or even impure conduct: the ban which fell upon them from their former preachers, unfaithful to God's Word, and the so-called wretched degrees of it, are abominable before the Most Holy, and deserved to be despised of men.
How can there be any talk of church discipline here at all, since in such a proceeding the pastors themselves ought rather to have fallen under it! The part separated from Krause had, after the first admonition, already rightly renounced the whole Church Ministerium, and the manner in which they were summoned to return gave evidence of the same perverse, unbroken, haughty spirit with which they had hitherto been dealt with, so that it could not possibly bear the name of the steps of church discipline. Among the Kirchhainers such steps did not even occur in their order according to Christ's command, and that they answered the last summons foolishly, as fools, is to be ascribed to the unspeakably loveless hardness of heart of the former, which they then again concealed under a hypocritical admonition to repentance. That the separated in Kirchhain had already earlier for a time not gone to the Sacrament of the Altar, because they did not approve of Kindermann's fellowship with Krause, had for its ground that earnest zeal for right church unity which, among the Lutheran-minded Prussians, only too often, alas, goes astray in its aim. What an abominable abomination, on the other hand, is it before God's eyes and the holy Church, the spiteful denouncing from the pulpit by these preachers, which they, in contempt of the words of Christ, Matt. 18, 15., defiantly arrogate to themselves, as it were by virtue of office! Let one consider, on the other hand, what the reverend Martin Chemnitz says to the ministers of the Church in his Harmony on this passage. The first voice of opposition, which in a communion corrupted in doctrine and life speaks in accordance with the Word of God, let it come from whatever mouth it will, takes place at the bidding, as Luther says, that is, through the working of the invisible Church, and this, as the mother of us all, must be heard on pain of the loss of salvation; she alone also has the right from God to open and to shut the kingdom of heaven; the preachers are only the stewards, the servants, the administrators of that which belongs to the children, the heirs; happy are they if they themselves as children