Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 13, S. 21
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 13, S. 21
Beilage zu No. 8, S. 1
Beilage zu No. 8, S. 2
Beilage zu No. 8, S. 3
Beilage zu No. 8, S. 4
Beilage zu No. 9, S. 5
Beilage zu No. 9, S. 6
Beilage zu No. 9, S. 7
Beilage zu No. 9, S. 8
Beilage zu No. 10, S. 9
Beilage zu No. 10, S. 10
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Beilage zu No. 13, S. 21
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Beilage zu No. 14, S. 26
Beilage zu No. 14, S. 27
Beilage zu No. 14, S. 28
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German transcription AI-corrected against the scan
Beilage zu No. 13. Jahrg. 9. des Lutheraners.
(Eingesandt von Pastor Fürbringer in Freistatt und Kirchhain, Wisc.)
Geschichtlich-theologischer Beitrag
zu vollständigerer Beurtheilung der Streitigkeiten zwischen den Grabauianern und den sogenannten Missouriern.
(Schluß.)
Dieses Bekenntniß als fides, quae creditur, ist aber unzertrennlich von seinem formalen Prinzip, dem geschriebenen Worte der Apostel und Propheten; beide durchdringen sich gegenseitig, weil ohne Glauben (fides, qua creditur) das Wort nicht auf Erden sich und seine Kraft mittheilend ist und ohne Bekenntniß der subjektive Glaube nicht gedacht werden kann; und beide haben in dem wesentlichen Worte, Christo, ihre Einheit. Setze ich nun das Amt in concreto, entkleidet von seinem Zusammenhange mit der Kirche, mechanisch und äußerlich gegeben über dieselbe: so ist hiermit das Amt der einzige richtige und rechtmäßige Ausleger der Schrift, diese ohne jenes nicht vernehmlich, und weil das Amt die Kirche macht, das Schriftprinzip dem Zeugnisse der Kirche untergeordnet, und wenn einmal solche Fesseln einer unchristlichen Auktorität gesprengt werden, einer verderblichen Subjektivität u. Meinungsverschiedenheit der Einzelnen, dem Rationalismus preisgegeben.
Welche erschreckliche Folgerungen gehen aus solcher romanistischen Lehre hervor! Welcher Mißbrauch daher auch des Bannes muß nothwendig aus derselben fließen! Es ist kein Wunder, daß Grabau mit einem Feuer ohnegleichen, das unrein sein muß, für die letztere eifert und Alles daran setzt und wagt, wie Fanatiker thun, selbst auf die Gefahr hin, vor den Augen der ganzen Kirche des Inlands, wie des Auslands, als ein dem Gegenstande nicht gewachsener Schriftsteller, ja seiner Sache völlig ungewisser Lehrer zu gelten, uns wider sein Gewissen mit allerlei Ketzernamen überhäuft, als: Donatisten, Synkretisten, Pietisten ꝛc. ꝛc., die ihren Grund nur in der schmachvollen Verdrehung der Wahrheit bei ihm haben, uns lächerlicher Weise bei seinen Gemeinden in den Verdacht Unirtgesinnter bringt, um nur diese, welchen Union fast der lebendige Teufel selbst ist, bei sich und zusammen zu erhalten, gleichviel ob mit Lüge oder nicht—das Alles, weil er wohl weiß, wird ihm seine Lehre genommen, so steht die himmelschreiende Sünde seines ungerechten Bannes bloß und entdecket da. Aus dieser ist er durch Betrug des eignen Herzens in den dem Fleische angenehmen Irrthum tiefer gerathen, und eben derselbe hat ihn wiederum in seinen Sünden, welche er damit zu beschönigen gesucht, hart und fest gemacht und immer mehr bestärkt.—Wahrlich, er ist dem Manne in jener Fabel zu vergleichen, der erzürnt über die Musik, welche gewisse Thiere als unschuldige Gäste in seinem Vorsaal angestimmt, in der Finsterniß der Nacht hereinspringt—
"mit einem Prügel,
Schlägt um sich, zerstößt den Spiegel,
Wirft ein Dutzend Schaalen um,
Stolpert über einige Späne,
Stürzt im Fallen auf die Uhr,
Und zerbricht zwei Reihen Zähne—
Blinder Eifer schadet nur!
Warum kommt so viel darauf an, daß die Lehre von Kirche und Amt rein lutherisch behalten werde? 1) Wenn die äußere sichtbare Gemeinschaft in Lehre und Leben sich verdirbt, und ich komme, noch in derselben, zur Erkenntniß: so habe ich von Gottes wegen nach abgelegtem und nicht angenommenem Zeugniß von derselben wenigstens dem Geiste nach auszugehen und das glaubensbrüderliche Verhältniß mit ihr aufzuheben. Bin ich nun darum auch kein Glied am Leibe Christi mehr? Ei, gewiß bin ich noch ein Glied, denn derselbe ist im eigentlichen Sinn die unsichtbare Kirche aller Gläubigen. Falsche Propheten machen es zum Gewissen, Glied der sichtbaren Kirche zu bleiben auch in solchem Fall, und nennen das entgegengesetzte Thun Donatismus. (Vglch. die rechtgläubige Auslegung von St. Matth. 23 und Aug. Conf. Art. 8. bei J. Gerhard. harmon. p. 541. sqq.) 2) Wenn ich ungerechter Weise von der sichtbaren Kirche ausgeschlossen und excommunicirt werde, bin ich darum auch vom Leibe Christi abgeschnitten? Ei, gewiß nimmermehr; ich soll mich trösten der Gemeinschaft der unsichtbaren Kirche, außer welcher ist kein Heil und keine Seligkeit.—Und wenn solche arme Gebannte, von dem Empfang der Gnadengüter, der Absolution und Kommunion, durch die Hand des ungerechten Predigers zurückgestoßen, für sich zusammentreten, haben diese denn da kein Predigtamt, kein Wort und Sacrament, und müssen sie nun ohne dieselben bleiben ewiglich? Mit nichten. Sie haben Fug und Recht und Befehl, bei Verlust ihrer Seligkeit, das Predigtamt bei sich aufzurichten; und so sie anders rechte Gläubige sind, so kann bei ihnen die heilige christliche Kirche sichtbar werden durch reines Wort und Sacrament, während dort in der verlassenen ungerechten Gemeinschaft die Lehre nach und nach um so mehr sich verfälscht. Denn die christliche Kirche ist keine stumme Kirche, sie thut sich kund durch rechtes reines Bekenntniß, und zeugt wider das Verderben jener, welche die wahre, inwendige geistliche Gemeinschaft an dem unsichtbaren Haupte nur verachten, und mit dem äußerlichen Kirchenwesen Alles zudecken wollen.*
*Anm. Sollte man es für möglich halten, wenn man's nicht selbst vor Augen und vor den Ohren hätte, daß es so weit mit der Irrthumslehre von der Sichtbarkeit der Kirche gehen dürfe, daß unter solchen, die sie hegen, der blinde Wahn durchgängig sich verbreitet, von einem Prediger, wenn er nur im rechten Amte sei, obschon er mit der Lehre Mißbrauch treibe, dürfe doch, wer selig werden wolle, niemals weichen, es sei denn, daß ihn sein Kirchengericht, wo die mündigen Gemeindeglieder aber nicht selbst Sitz und Stimme haben, verurtheilet; desgleichen der Bann, welchen das rechte Amt führe, wenn er auch fehle, sei doch von schädlichen Folgen für den begleitet, welchen er treffe; ja Alles, was ein Prediger der wahren sichtbaren Kirche einrichte, wenn es nur nicht wider Gottes Wort sei, müsse um des dritten und vierten Gebots willen bei der Seelen Seligkeit gehalten werden, weil Christus durch ihn rede, (vgl. dagegen Apol. p. 295 sq. ed. German. nach Rechenberg S. 493 fg.—!)
Grabau setzt alles Ernstes außer der sichtbaren wahren Kirche kein Heil und keine Seligkeit. Da er nun seine Gemeinschaft für dieselbe hält, so spricht er auch ganz folgerecht ab den von ihm getrennten sogenannten Rotten die Gemeinschaft mit Christo. Abgesehen davon, daß er ganze Gemeinschaften gebannt, was doch ein Frevel ist, der greulich und schrecklich zu nennen, sintemal es keine von Berufenen, die Gottes Wort nicht gar verwerfen, gibt, darunter nicht Gläubige verborgen seien: so behauptet er nun auch, daß bei denselben keine Gewalt der Schlüssel und also auch kein Pastorat vorhanden sei, was wider alle gesunde Lehre streitet, man vergleiche nur außer einigen oben bereits angeführten Stellen noch Gerhardi locc. th. V. p. 278. VI. p. 93 sq.
Uns kann es an sich gleich sein, nachdem wir ihn vermahnt, ob er uns für lutherische Prediger halte oder nicht, wenn uns Gottes Wort und Seine Kirche dafür erkennt, wiewohl wir mit dem unglücklichen Manne inniges Bedauern hegen und das sehnlichste Verlangen, mit ihm wiederum einig zu werden. Er sei doch aber ehrlich und leiste auf den Namen Lutheraner lieber Verzicht, als daß er sich länger damit quäle und abmühe, einen Schleier über seine anti-evangelischen Tendenzen zu werfen. Vor Allem aber wünschen wir ihm und seinen Amtsgenossen von Herzen die Buße, welche Gott gibt, die Wahrheit zu erkennen und wiederum nüchtern zu werden aus dem Strick, von welchem sie gefangen sind. Er lasse, der barmherzige und treue Herr, sie und uns Alle dann bei Ihm verbleiben, in Seiner Gnade und Erkenntniß wachsen, und verleihe Beständigkeit, daß wir Sein Wort und Sacrament rein behalten bis an unser Ende: so wollen wir Ihm danken und Seinen Namen preisen, und anbetend ausrufen: Er hat Alles wohl gemacht, gelobet sei Sein heiliger Name ewiglich, Halleluja, Amen!
Die Pastoren Grabau und Winkler und die Gemeinde zu Cleveland.
Die Clevelander Gemeinde ist mehrmals Gegenstand heftiger Angriffe von Seiten der HH.
English translation AI translation
Supplement to No. 13, Volume 9, of the Lutheraner.
(Contributed by Pastor Fürbringer in Freistatt and Kirchhain, Wisc.)
A Historical-Theological Contribution
toward a more complete judgment of the disputes between the Grabauians and the so-called Missourians.
(Conclusion.)
This confession, as fides, quae creditur, is however inseparable from its formal principle, the written Word of the Apostles and Prophets; the two permeate one another, because without faith (fides, qua creditur) the Word is not imparting itself and its power on earth, and without confession subjective faith cannot be conceived; and both have their unity in the essential Word, Christ. Now if I posit the office in concreto, stripped of its connection with the Church, mechanically and outwardly imposed upon it, then the office is hereby the only correct and lawful interpreter of Scripture, Scripture is not intelligible without it, and since the office makes the Church, the Scripture principle is subordinated to the testimony of the Church, and when once such fetters of an unchristian authority are burst, it is abandoned to a ruinous subjectivity and diversity of opinion among individuals, to Rationalism.
What dreadful consequences proceed from such Romanistic doctrine! What abuse of the ban, too, must necessarily flow from it! It is no wonder that Grabau, with a fire without equal, which must be impure, zealously contends for the latter and stakes and ventures everything upon it, as fanatics do, even at the risk of being regarded, before the eyes of the whole Church at home and abroad, as a writer not equal to his subject, indeed as a teacher wholly uncertain of his cause, of heaping upon us against his own conscience all manner of heretics' names, such as Donatists, Syncretists, Pietists, etc., etc., which have their ground only in the shameful distortion of the truth on his part, of ridiculously bringing us before his congregations under the suspicion of being Union-minded, merely in order to keep these, to whom Union is almost the living devil himself, with himself and together, no matter whether with a lie or not—all this, because he knows well that if his doctrine is taken from him, the heaven-crying sin of his unjust ban stands exposed and uncovered. From this he has fallen, through the deceit of his own heart, deeper into the error agreeable to the flesh, and the same error has in turn made him hard and fast in his sins, which he has sought to gloss over, and has confirmed him more and more.—Truly, he is to be compared to the man in that fable, who, enraged over the music which certain animals, as innocent guests, had struck up in his vestibule, leaps in, in the darkness of the night—
"with a cudgel,
Lays about him, smashes the mirror,
Knocks over a dozen bowls,
Stumbles over some shavings,
Falls on the clock,
And breaks two rows of teeth—
Blind zeal does only harm!
Why does it matter so much that the doctrine of Church and Ministry be kept purely Lutheran? 1) If the outward visible fellowship corrupts itself in doctrine and life, and I come, while still in it, to the knowledge of it: then I have, from God's behalf, after having given testimony to it which was not accepted, to go out from it at least in spirit, and to dissolve the fraternal relation in faith with it. Am I now, on that account, no longer a member of the body of Christ? Why, certainly I am still a member, for that body is, in the proper sense, the invisible Church of all believers. False prophets make it a matter of conscience to remain a member of the visible Church even in such a case, and call the opposite course Donatism. (Compare the orthodox exposition of St. Matt. 23 and of Aug. Conf. Art. 8 in J. Gerhard, harmon. p. 541. sqq.) 2) If I am unjustly excluded and excommunicated from the visible Church, am I on that account also cut off from the body of Christ? Why, certainly never; I am to comfort myself with the fellowship of the invisible Church, outside of which there is no salvation and no blessedness.—And if such poor banned persons, repulsed by the hand of the unjust preacher from the reception of the gifts of grace, of absolution and communion, come together by themselves, have they then no ministry, no Word and Sacrament, and must they now remain without them forever? By no means. They have right and title and command, on pain of losing their salvation, to set up the ministry among themselves; and if they are otherwise true believers, the holy Christian Church can become visible among them through pure Word and Sacrament, while yonder in the forsaken unjust fellowship the doctrine is gradually and by so much the more falsified. For the Christian Church is no dumb church; it makes itself known by right and pure confession, and bears witness against the corruption of those who only despise the true, inward spiritual fellowship with the invisible Head, and would cover up everything with the outward church-system.*
*Note. Would one hold it possible, if one did not have it before one's eyes and ears, that it could go so far with the erroneous doctrine of the visibility of the Church, that among those who cherish it the blind delusion spreads universally, that from a preacher, provided only he be in the right office, although he make abuse of the doctrine, whoever wishes to be saved may nevermore depart, unless his church court, where, however, the adult members of the congregation themselves have neither seat nor voice, condemns him; likewise that the ban, which the right office conducts, even if he err, is yet attended with harmful consequences for him whom he strikes; yes, that everything which a preacher of the true visible Church ordains, if only it be not contrary to God's Word, must be kept, for the sake of the third and fourth commandments, on pain of the salvation of souls, because Christ speaks through him, (compare on the contrary Apol. p. 295 sq. ed. German. after Rechenberg p. 493 ff.—!)
Grabau, in all seriousness, sets salvation and blessedness nowhere outside the visible true Church. Since he now holds his own fellowship to be that Church, he quite consistently denies to the so-called factions separated from him fellowship with Christ. Aside from the fact that he has banned whole communities, which is an outrage, to be called horrible and dreadful, seeing that there is none of the called, who do not wholly reject God's Word, among whom believers are not hidden: he now also asserts that among them there is no power of the keys and therefore also no pastorate, which contradicts all sound doctrine; one need only compare, besides some passages already cited above, Gerhardi locc. th. V. p. 278. VI. p. 93 sq.
It can be all one to us, after we have admonished him, whether he holds us for Lutheran preachers or not, when God's Word and His Church recognize us as such, although we cherish heartfelt pity for the unhappy man and the most longing desire to become united with him again. Let him but be honest and renounce the name Lutheran rather than torment and wear himself out any longer with it, to cast a veil over his anti-evangelical tendencies. Above all, however, we wish him and his fellow-officers from the heart the repentance which God gives, to acknowledge the truth and to become sober again out of the snare by which they are held captive. May the merciful and faithful Lord let them and us all then abide with Him, grow in His grace and knowledge, and grant steadfastness, that we may keep His Word and Sacrament pure unto our end: so will we thank Him and praise His name, and worshipping cry out: He hath done all things well, blessed be His holy name forever, Hallelujah, Amen!
The Pastors Grabau and Winkler and the Congregation at Cleveland.
The Cleveland congregation has more than once been the object of violent attacks on the part of the Rev. Gentlemen