Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 13, S. 24

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 13, S. 24

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Als ich das erfuhr, schrieb ich einen Brief an ihn, worin ich ihm sein Unrecht vorstellte, ihn ernstlich ermahnte, von seinem Vorhaben abzustehen, und mich zu jeder näheren Erörterung, sei es privatim oder öffentlich, bereit erklärte. Es wurden darauf noch zwei Kirchvorsteher und zwar solche, die stets sein besonderes Vertrauen genossen hatten, zu gleichem Zwecke zu ihm gesandt. Vergeblich. Er war bitter und höhnisch, schrieb diese Schritte der großen Furcht zu, die wir vor ihm hätten, ließ sich spöttisch über meinen Brief aus und rühmte sich, was er mir alles antworten wolle. Am 11. p. Trin. predigte er zuerst im Courthause, die Antwort aber ist er bis heute noch schuldig geblieben. Dabei gab er je nach Umständen und Personen verschiedenartige Gründe an, weshalb er seine Gemeinde verlassen habe. Bald hieß es, er habe zu wenig Gehalt bekommen, und es sei einem Manne, wie ihm, nicht zuzumuthen, daß er unter Bauern im Busch lebe. Bald deutete er auch einmal an, es gäbe hier keine richtige lutherische Kirche, oder die Gemeinde hier sei eigentlich noch die seinige. Bald gab er zu, die hiesige Zions-Kirche sei rechtgläubig, wer es ihm aber wehren wolle, eine zweite zu gründen, zumal da die unsrige ja schon zu voll sei? Die englischen Prediger machten es ja auch so. Man berief sich auch darauf, Pastor Grabau und Winkler hätten es ihm geheißen. Daneben wurden manche Mittel angewendet, unsere Kirchglieder abwendig zu machen und ihm sonst Anhang zu verschaffen. Es erschien eine Anzeige in der Zeitung; er selbst lud mehre der Unsrigen ein, selbst unter dem Vorgeben, der und der (z. B. selbst Vorsteher der Gemeinde, von denen keinem so etwas in den Sinn gekommen war) würde auch zu ihm übertreten, es würde überhaupt gewiß die Hälfte der Gemeinde ihm zufallen. Man verbreitete das Gerücht, daß bei den Amerikanern schon sehr bedeutende Summen zum Kirchbau collectirt seien—und dergleichen mehr. Deshalb wird es uns schwer zu glauben, daß Hr. Pst. S. gewissenshalber seine Buschgemeinde verlassen und sich wieder nach Cleveland gewendet hat. Sonst wäre er ja wohl nicht so heimlich und unredlich zu Werke gegangen, sondern wäre offen aufgetreten und hätte zuvor die Cleveland Gemeinde ermahnt, von dem vermeinten Unrecht gegen ihn, oder etwa falscher Lehre abzustehen, oder hätte doch wenigstens die angebotene Unterredung nicht ausgeschlagen.

Heutzutage hat nun H. P. S. wohl hinreichend Zeit gehabt, einzusehen, daß er sich in seinen großen Erwartungen doch einigermaßen getäuscht hat. Trotzdem nämlich, daß es am guten Willen, auch an Versuchen nicht gefehlt hat, unsere Gemeinde zu zerstören; trotzdem, daß Hr. Pst. Grabau selbst seitdem zweimal hier gewesen ist, ist uns bis jetzt kein einziges Gemeinde-Glied abfällig geworden, und Hrn. P. S's. Zuhörer anfangs circa sechzehn, sind nach und nach so zusammengeschmolzen, daß, wie wir aus bester Quelle erfahren, er schon einige Sonntage nicht mehr gepredigt hat. Die Euklider Gemeinde endlich, nach vielen vergeblichen mündlichen und schriftlichen Ermahnungen, hat ihm vor kurzem angezeigt, daß sie sich nun einen anderen Prediger berufen werde.

Dies ist, mit Uebergehung mancher einzelnen Vorfälle, welche auf Verlangen können nachgeholet werden, der Verlauf dieses betrübten Handels bis auf den heutigen Tag.

Nun wollen wir hören, was das Informatorium über diese Sache zu sagen hat. In Nr. 11, 1. Jahrg. heißt es:

„Bei dieser Reise soll er (Hr. Pst. Krause) in Cleveland einen Rottenprediger eingesetzt haben; denn—wie ich (Hr. Pst. Winkler) von Jemand, der es selbst erlebt hat, berichtet bin—hat dort die Missouri Synode dasselbe Spiel getrieben, wie in Detroit, hat den rechtmäßigen Pastor aus der von ihm mit schwerer Mühe erbauten Kirche verdrängt und einen ihrer Herren hineingebracht.“

Da Hr. Pst. S., wie berichtet, erklärt hatte, keinen Theil an diesen Worten zu haben, so forderten wir in Nr. 20 des „Lutheraners“ Hrn. Pst. Winkler auf, unter Angabe seines Berichterstatters das Gesagte entweder zu beweisen, oder aber zurückzunehmen. Ich denke, das war kein unbilliges Begehren. Denn wenn man auch schon weiß, daß an gesponnenem Garn und den Rotten-Nachrichten des Informatoriums meist ein gut Theil abgeht, so ist es doch immerhin keine Kleinigkeit, wenn man auf diese Weise in die Welt hinausgeschrieben wird.—Allein was thut nun Hr. Pst. W., der Mann, welcher immer schreit und schreibt: „Beweise, Beweise!“ und das mit großen Buchstaben, doppelt unterstrichen, was thut er?—ich wollte es ihm wahrlich nicht nachsagen, wenn es nicht schwarz auf weiß vor mir läge, er schrie sonst den Himmel ein,—er antwortet in Nr. 4:

„Hierauf diene zur Antwort, daß Unterzeichneter in der Sache weiter nachgefragt hat, und andere ehrliche Leute, welche Alles mit erlebt haben, die Angabe des ersten Berichterstatters für völlig wahr bestätigen.“ Und in einer andern Nummer bemerkt er gelegentlich, er habe jüngst wieder einen solchen ehrlichen Mann gesprochen.

Das ist ungefähr so, als wenn Hans zu Kunz sagte: „Du Bösewicht, du Galgenstrick! Du hast ja gestohlen!“ Und Kunz darauf antwortet: „Nun, nun!—womit beweisest du denn das?“—und Hans spräche dann: „Ich? beweisen?—o, guter Freund! gib dich nur zufrieden. Der ehrliche Gevatter Neidhardt hat mir's berichtet, die ehrliche Base Schnickschnack hat's bestätigt, und der ehrliche Herr Niemand hat's auch gesagt. Also glaub' es nur getrost, du bist und bleibst ein Galgenstrick!“

Ist das nun die Sorte von Beweisen, worauf Hr. Pst. W. immer so pocht, so läßt sich freilich damit ziemlich was beweisen, wenn die Tage lang und die Ohren der Zuhörer nicht zu kurz sind; aber würde er wohl zufrieden sein, wenn man ihn mit gleicher Münze bezahlte? Hr. Pst. W. ist ja freilich, wie man im Informatorium sieht, ein wahres Lamm; aber es wird ja wohl nicht unbescheiden sein, zu vermuthen, daß selbst Winkler'sche Sanftmuth solche Beweise nicht völlig genügend finden dürfte. Wahrscheinlich würde er so etwas—„Winkel-züge“ nennen, wenn er nicht einen gewissen natürlichen Widerwillen gegen dies Wort hätte. Es würde nun curios herauskommen, wenn Kunz dem Hans erst lang und breit beweisen wollte, daß er wirklich und wahrhaftig nicht gestohlen habe; er würde eher was anders thun! So mag der Leser sich selbst seine weiteren Gedanken von dem Hans machen. Wir wenden uns zu Hrn. Pst. Grabau.

Die Herrn Informatoren nämlich wissen sich trefflich in die Hand zu arbeiten. Der eine macht das Eisen heiß, der andere schlägt drauf. So gibt's Schlag um Schlag auf den alten Ambos; treffen sie auch den Nagel nicht auf den Kopf—sie hämmern doch.

In Nr. 3 schreibt Hr. Pst. G.: „In Cleveland, so viel uns durch Hrn. Pst. Schmidt selbst bekannt geworden, waren es Aufrührer und feindselige Leute, die ihn vertrieben, auf deren Seite sich Hr. Sihler stellte, den P. S., da er krank lag, zum Resigniren überredete, und den jetzigen Hrn. Schwan eindrängte. Somit ist denn der Schwan theils ein eingedrängter Prediger, theils ein wirklicher Rottenprediger, als der den Feinden ihres rechtmäßigen, vertriebenen Seelsorgers das Abendmahl reicht. Dieser Schwan wird nun der Amtsnachfolger des Hrn. P. Schmidt geheißen. Also wieder ein missourisches Stückchen! Krause soll den Rottenpriester zu Cleveland installirt und dabei den P. Schmidt gelobt haben.“

Das ist nun ein rechtes Pracht- und Cabinetstück aus der Buffaloer Schmiede, von ächtem Schrot und Korn und mit dem Stempel des Altmeisters. So viel Worte, so viel Unwahrheiten. Und sie sind nicht klein, sondern wie ihr Vater, der Grobschmied,—groß, grob, plump, dickbäuchig—haben aber kurze, dünne Beinchen. Da sie nun damit nicht lange laufen konnten, und also schon in Nr. 4 zurückgenommen werden mußten, so können wir uns wieder die Mühe sparen, sie in aller Form heimzugeigen. Es heißt nämlich in Nr. 4 unter dem Titel: Berichtigung einiger Irrungen im Informatorium:

„Hr. Pst. Schmidt in Cleveland ist so gütig, uns zu melden, ‚daß er resignirte, als zwei (ihm feindliche) Vorsteher zu ihm kamen und solches verlangten zu einer Zeit, wo er krank war (jedoch nicht krank lag). Ferner, daß Hr. Dr. Sihler es für weislich hielt, einen andern Prediger nach Cleveland kommen zu lassen, da er befürchtete, der Streit könne bald wieder losgehn! Er fragte den Hrn. P. S. nicht, ob er damit zufrieden sei! Hätte Hr. Dr. Sihler den Hrn. P. Schmidt zur Fortsetzung seines Amts aufgefordert und ihm (unter der Verfolgung der Widersacher) Muth zugesprochen, so würde er das Amt fortgesetzt haben. Viele seiner aufrichtigen Kirchglieder waren damit nicht zufrieden, daß er so vom Amt kam, gingen zu ihm und ersuchten ihn, Gottesdienst ferner für sie zu halten; er erwiederte ihnen damals (in Muthlosigkeit) daß er das Amt nicht fortsetzen könne,‘ d. h. wegen Feindschaft der Rottirer gegen Gottes Wort.

(Fortsetzung folgt.)

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When I learned this, I wrote a letter to him, in which I set before him his wrong, earnestly admonished him to desist from his purpose, and declared myself ready for any closer discussion, whether privately or publicly. Thereupon two more church elders, and indeed such as had always enjoyed his particular confidence, were sent to him for the same purpose. In vain. He was bitter and scornful, ascribed these steps to the great fear which we had of him, expressed himself mockingly about my letter, and boasted of all he would answer me. On the 11th Sunday after Trinity he preached for the first time in the courthouse, but the answer he has owed me to this day. Withal he gave, according to circumstances and persons, various kinds of reasons why he had left his congregation. Now it was said that he had received too little salary, and that it was not to be expected of a man like him that he should live among peasants in the bush. Now he hinted once that there was no proper Lutheran church here, or that the congregation here was really still his own. Now he admitted that the local Zion's Church was orthodox, but who would hinder him from founding a second one, especially since ours was already too full? The English preachers did the same. People also appealed to this, that Pastors Grabau and Winkler had bidden him do it. Besides, many means were employed to make our church members disaffected and to procure followers for him. An announcement appeared in the newspaper; he himself invited several of our people, even under the pretense that this one and that one (e.g., even elders of the congregation, none of whom had ever thought of such a thing) would also go over to him, that certainly half of the congregation would fall to him. The rumor was spread that among the Americans very considerable sums had already been collected for the building of a church—and the like. Therefore it is hard for us to believe that the Rev. Mr. S. left his bush congregation for conscience' sake and turned again to Cleveland. Otherwise he would surely not have gone to work so secretly and dishonestly, but would have come forward openly, and would first have admonished the Cleveland congregation to desist from the supposed wrong against him, or from any false doctrine, or would at least not have refused the proffered conversation.

Nowadays the Rev. Mr. S. has had ample time to see that he has been somewhat deceived in his great expectations. For in spite of the fact that there was no lack of good will, nor of attempts, to destroy our congregation; in spite of the fact that the Rev. Mr. Grabau himself has been here twice since, not a single member of the congregation has fallen away from us to this day, and the hearers of Pastor S., at first about sixteen, have by degrees so melted away that, as we learn from the best source, he has already for some Sundays not preached any more. The Euclid congregation, finally, after many fruitless oral and written admonitions, has recently notified him that it will now call another preacher.

This is, passing over many individual incidents which can be supplied upon request, the course of this sad affair down to the present day.

Now we will hear what the Informatorium has to say about this matter. In No. 11, 1st volume, it says:

"On this journey he (the Rev. Mr. Krause) is said to have installed a factionist preacher in Cleveland; for—as I (the Rev. Mr. Winkler) have been informed by someone who experienced it himself—the Missouri Synod has there played the same game as in Detroit, has driven the lawful pastor out of the church built by him with great labor and brought in one of their gentlemen."

Since the Rev. Mr. S., as reported, had declared that he had no part in these words, we called upon the Rev. Mr. Winkler in No. 20 of the "Lutheraner," giving the name of his informant, either to prove what he had said or to retract it. I think that was no unreasonable demand. For even if one knows already that from spun yarn and the faction-news of the Informatorium a good part generally falls off, it is nevertheless no small matter to be written out into the world in this fashion.—But what now does the Rev. Mr. W. do, the man who is always crying and writing: "Proofs, proofs!" and that in large letters, doubly underscored, what does he do?—I would truly not say it of him, if it did not lie before me in black and white, else he would cry to heaven,—he answers in No. 4:

"To this let it serve as answer that the undersigned has made further inquiry in the matter, and other honest people, who experienced all of it with them, confirm the statement of the first informant as entirely true." And in another number he remarks incidentally that he has lately spoken again with such an honest man.

That is about as if Hans were to say to Kunz: "You villain, you gallows-bird! You have stolen!" And Kunz answers thereupon: "Now, now!—and how do you prove that?"—and Hans then would say: "I? prove?—oh, good friend! just be content. The honest Gossip Neidhardt reported it to me, the honest Cousin Tittle-tattle confirmed it, and the honest Mr. Nobody has also said it. So just believe it with confidence, you are and remain a gallows-bird!"

If this is now the sort of proofs on which the Rev. Mr. W. is always so insistent, then one can indeed prove quite a lot with it, if the days are long and the ears of the hearers not too short; but would he be content if he were paid in the same coin? The Rev. Mr. W. is indeed, as one sees in the Informatorium, a true lamb; but it will surely not be immodest to suppose that even Winkler's meekness would not find such proofs entirely sufficient. Probably he would call something like that "Winkel-züge" [crooked dodges], if he did not have a certain natural aversion to this word. It would turn out curiously now if Kunz wanted to prove to Hans at length and in detail that he really and truly had not stolen; he would rather do something else! So let the reader make for himself his further thoughts about Hans. We turn to the Rev. Mr. Grabau.

The Informators, namely, know excellently how to work into each other's hands. The one makes the iron hot, the other strikes upon it. So it is blow upon blow on the old anvil; though they do not hit the nail on the head—they hammer all the same.

In No. 3 the Rev. Mr. G. writes: "In Cleveland, as far as has become known to us through the Rev. Mr. Schmidt himself, it was rebels and hostile people who drove him out, on whose side Mr. Sihler placed himself, persuading P. S., when he was lying ill, to resign, and thrusting in the present Mr. Schwan. Thus then Schwan is partly an intruded preacher, partly a real factionist preacher, as one who gives the Lord's Supper to the enemies of their lawful, expelled pastor. This Schwan is now called the successor in office of the Rev. P. Schmidt. So, again, a Missourian trick! Krause is said to have installed the factionist priest at Cleveland and in doing so to have praised P. Schmidt."

This is now a regular show-piece and cabinet-piece from the Buffalo smithy, of genuine grain and kind, and with the stamp of the old master. As many words, so many untruths. And they are not small, but like their father, the blacksmith,—big, coarse, clumsy, pot-bellied—yet have short, thin little legs. Since they could not run long with these, and so had to be retracted already in No. 4, we can again spare ourselves the trouble of giving them a proper drubbing. For it says in No. 4 under the title: Berichtigung einiger Irrungen im Informatorium:

"The Rev. Mr. Schmidt in Cleveland is so kind as to inform us, 'that he resigned when two elders (hostile to him) came to him and demanded this at a time when he was sick (yet not lying sick). Further, that the Rev. Dr. Sihler considered it advisable to let another preacher come to Cleveland, since he feared that the strife might soon break out again! He did not ask the Rev. P. S. whether he was content with it! Had the Rev. Dr. Sihler called upon the Rev. P. Schmidt to continue his office and encouraged him (under the persecution of the adversaries), he would have continued the office. Many of his sincere church members were not content that he thus left the office, went to him and requested him to hold divine service henceforth for them; he replied to them at that time (in faintheartedness) that he could not continue the office,' that is, on account of the enmity of the factionists against God's Word.

(To be continued.)