Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 14, S. 26

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 14, S. 26

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Sieh, lieber Leser, das sind die Untersuchungen und die Beweise der Hrn. Pst. Winkler und Grabau. Hätten wir nun Unrecht, wenn wir sagten, wir wollen damit nicht zufrieden sein? Wir wollen es aber einmal nicht so genau nehmen, wir wollen zufrieden sein und zwar aus besonderer Vergünstigung. Man muß seine Leute ansehen. Man legt ja die Worte nicht auf die Goldwage, welche ein Kranker in der Fieberhitze spricht. Und diese armen Herrn sind krank. Wie manche Leute Liebhabereien an Insecten oder Blumen haben, welche zuweilen zur Leidenschaft werden, wie vor Zeiten in Holland die Liebhaberei an Tulpen zu einer wahren Krankheit, ja zur Wuth geworden sein soll, so haben die Herrn Buffaloer nun einmal eine Leidenschaft für „Rotten,“ welche zu einer Krankheit geworden ist. Eine Rotte aufzuspüren, zu fangen, zu zerlegen— das geht ihnen über Alles. Die Rottenjagd ist ihre Liebhaberei. „Eine Rotte, eine Rotte, ein Königreich für eine Rotte! mit diesem Jagdruf fahren die edlen Jäger einher. Hat einer einen glücklichen Fund gethan, so wird in das große Horn gestoßen, die Waidgenossen versammeln sich um das Hochwild, die Messer werden gezogen und wer noch nicht alt genug ist, den Hauptstoß zu führen, begnügt sich einstweilen, in ein Bein zu stechen und verdient so die Rittersporen. Nun hat zwar die wilde Jagd seit Jahr und Tag manch Rößlein zu Tode geritten, in den Forsten ziemliche Verheerung angerichtet, aber auch fataler Weise in Ermangelung von Vierundzwanzig Endern meist Böcke geschossen—weshalb wir ergebenst vorschlagen möchten, noch mehr Spürer und Treiber anzustellen, und etwa einen Preis auf eine Rotte zu setzen, aber mit der ausdrücklichen Bedingung, daß es auch eine rechte, echte Rotte sei, (denn es ist doch immerhin fatal mit den Böcken) —aber die Lust ist den lieben Jägern noch nicht verleidet, vielmehr erst recht zur Krankheit geworden. Sie riechen, sehen und hören nichts als Rotten, sie reden im Schlaf von Rotten, sie haben eine eigne Sprache, in welcher jedes Wort mit Rotten zusammengesetzt ist und die sie in der Reihe und aus der Reihe hersagen können.

An dieser Krankheit liegt Hr. Pst. Grabau und seit einiger Zeit auch Pst. Winkler besonders schwer darnieder. Was ihm nur vor Augen kommt sind Rotten, er riecht sie über den Lake Erie hinüber, ja bis nach Missouri hin. Wenn ihm ein alter Kochofen springt, so sieht er eine Höllenmaschine darin, welche von den „Rotten“ geladen ist, ihn und sein Haus und seine Kirche in die Luft zu sprengen. Wenn ihn auf der Straße ein Möpschen anbellt, so muß es ein Rottenhund sein, den die Missourier dahin gestellt haben. Was soll man also mit solchen Leuten viel hadern? Es hat ihnen vielleicht jemand eine Freude machen und eine neue Rotte für's Informatorium liefern wollen und sich in der Eile an Cleveland vergriffen; es hat sie vielleicht ein Schalk zum besten gehabt. — Man muß Geduld haben!

Also, auf Wiedersehen, liebe Junker! Vergessen Sie aber nicht, wenn Sie wiederkommen, Ihre Berichterstatter mitzubringen, wir sind begierig, auch deren Bekanntschaft zu machen.

Doch nun Scherzes ein Ende! Man kann freilich mit diesen Herren ja kaum anders reden. Aber es thut uns in der Seele weh, daß es so ist, und wir wünschen ihnen von Herzen recht baldige Genesung. Glauben sie es nicht, so bitten wir den christlichen Leser, es uns zu glauben. Wir haben kein Gefallen an diesem traurigen Streit. Wir sehnen uns von Herzen nach Frieden mit so nahen Verwandten, zumal in diesen betrübten Zeiten, wo Alles mehr u. mehr auseinander geht. Wir behaupten nicht, daß unsere Gegner aus lauter verstockter Bosheit so gegen uns kämpfen. Wir wollen uns selbst nicht ganz weiß brennen, obgleich wir uns ja keiner absichtlichen Ungerechtigkeit gegen sie bewußt sind. Wir wissen, daß wir, wie sie, arme, gebrechliche, sündige Creaturen sind.

Aber durch unser Schweigen Anlaß geben, daß sie nur immer weiter auf dem betretenen Wege gehen und gar noch Andere mit sich ziehen — das dürfen wir nicht.

Aber unserm HErrn Christo die Schmach anthun, daß wir uns vor Menschen fürchten, so lange Er mit uns ist — das wollen wir nicht.

H. C. Schwan, Pastor.
Cleveland im Decbr. 1852.

Nachtrag.

Zur Vervollständigung obiger Geschichts-Erzählung und zur Rechtfertigung meines Verfahrens wider die groben Verleumdungen und Unwahrheiten der Herrn Pst. Grabau und Winkler in dem sogenannten Kirchlichen Informatorium habe ich noch folgendes kürzlich zu bemerken:

1. Fern davon, Hrn. Pst. Schmidt, wie in Nro. 3. des Informatorium's gröblich gelogen ist, zum Resigniren zu bewegen, war seine Resignation vor seinem und der Andern Ersuchen an mich, nach Cleveland zu kommen, bereits erfolgt, auch, schon vor meiner Ankunft, wiewohl vergeblich, Hr. Pst. Röbbelen berufen worden. Vielmehr strafte ich Pst. S. unter vier Augen um dieser seiner Resignation willen, da sie ja auch grade den gewünschten Zweck nicht erlangen konnte, sondern ihm eher den bösen Schein anheften mußte, als sei er doch schuldig, indem es zudem unmöglich war, durch seine Amtsentsagung die Verbreitung jenes bösen, obwohl ungegründeten Gerüchts, aufzuhalten. Vielmehr, sagte ich ihm, hätte er, den bösen Mäulern gegenüber, auf strenge Untersuchung dringen sollen.

2. Obzwar allerdings die Fehler des Hrn. Pst. S. in seiner Amtsführung nicht derartig waren, daß die Gemeinde ihn nach fruchtloser Anwendung von Matth. 18, 15–17. gerechter Weise hätte absetzen müssen, wenn er nicht selber abgedankt hätte, so kamen doch auch nicht unerhebliche Klagepunkte vor, die sich in der Untersuchung, bei welcher Pst. S. natürlich zugegen war, als begründet auswiesen. So z. B. hatte er die Beichtanmeldung ohne gründliche Belehrung und innerliche Ueberzeugung der Gemeinde aus seinem Amtsansehen eingeführt und doch bei geringem Widerstande weniger Einzelner sogleich wieder fallen lassen; und ähnlich war es mit diesen und jenen kirchlichen Ceremonien gegangen, die er in gutgemeinten Einfällen, ohne voraufgegangenen Unterricht und Bewilligung der Gemeinde, willkührlich einführte und alsbald wieder abthat, wenn sie diesen und jenen nicht gefielen. Und da sich zu dieser Haltungslosigkeit und Unklarheit noch andere Uebelstände gesellten, als z. B. unweise Vertraulichkeit und Schwatzhaftigkeit im seltsamen Wechsel mit feierlichen Amtsmienen und pathetischer Rede, Bevorzugung Einzelner, unvorsichtiges Urtheilen über abwesende Gemeindeglieder gegen Anwesende, so fehlte der Gemeinde mehr oder minder die rechte Achtung vor der christlichen Weisheit und Charaktertüchtigkeit ihres Seelsorgers, obwohl diese und jene eine gemüthliche Anhänglichkeit an ihn zeigten, indeß deren Gegner diese Uebelstände wiederum gehässig und ungerecht beurtheilten. Dazu kamen aber noch Beschuldigungen von lässiger Amtsführung in Hinsicht auf Krankenbesuche und Beerdigungen, zumal in der Cholerazeit, aus Furcht vor Ansteckung — Beschuldigungen, von denen Pst. S. sich nicht völlig reinigen konnte.

3. Doch wäre trotzdem, nach geschehener Versöhnung, seine Wiedererwählung noch thunlich gewesen, wenn nicht — und zwar, so viel ich weiß, nicht ohne sein Wissen und ungehindert von ihm — seine Anhänger ungerechte und gewaltsame Schritte dafür gethan hätten, also daß es zu einem förmlichen Tumulte und zu ärgerlichen Auftritten in der Kirche selber kam, die Gemeinde in 2 Partheien für oder wider Pst. S. zerrissen war und ich eine große Erbitterung der Gemüther vorfand.

4. Zudem hatte mir Hr. Pst. S. nicht nur hin und her in den Tagen meines Aufenthaltes zu Cleveland in vertraulicher Weise gesagt, daß ihm diese und jene Leute in der Gemeinde über den Kopf gewachsen seien und er sie nicht zu regieren verstehe, sondern unmittelbar vor der vierten und letzten Gemeindeversammlung, der er nicht beiwohnte und darin es sich schließlich darum handeln sollte, ob er wieder zu erwählen sei oder nicht, sagte er mir ausdrücklich, ich möge der Gemeinde erklären, daß er den Beruf, wenn er auf ihn falle, nicht annehmen werde. Doch gab ich, um nicht neuer Unlust wider ihn Stoff zu liefern, diese seine Erklärung gar nicht ab, da die Verständigen und Urtheilsfähigen selbst unter seinen Freunden, nach sorgfältiger Erwägung der Sachlage, klar genug erkannten, daß die Wiedererwählung des Pst. S. unfehlbar in Kurzem zu einer Spaltung der Gemeinde führen müsse, die jedoch, sammt allem Herzeleid, das sie bei sich habe, im vorliegenden Falle, da der Glaube und das Gewissen nicht beschädigt werde, sorgfältig zu verhüten sei. —

Gleichwohl wurde, als Ehrenerklärung für Past. S. folgender Gemeindebeschluß abgefaßt:

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See, dear reader, these are the investigations and the proofs of the Messrs. Pastors Winkler and Grabau. Would we be wrong if we said we will not be satisfied with them? But we will for once not take it so exactly; we will be satisfied, and indeed as a special favor. One must look at one's people. One does not weigh on the gold scales the words which a sick man speaks in the heat of fever. And these poor gentlemen are sick. As many people have fancies for insects or flowers, which at times become a passion, as in former times in Holland the fancy for tulips is said to have become a real sickness, indeed a madness, so the Buffalo gentlemen have for once a passion for "factions," which has become a sickness. To track down a faction, to catch it, to cut it up— that is to them above everything. The faction-hunt is their hobby. "A faction, a faction, a kingdom for a faction! with this hunting-cry the noble huntsmen ride along. If one has made a lucky find, the great horn is blown, the fellow-sportsmen gather about the high game, the knives are drawn, and he who is not yet old enough to deliver the chief thrust contents himself for the time being with stabbing into a leg, and so wins his knightly spurs. Now it is true that the wild hunt has for a year and a day ridden many a poor steed to death, wrought considerable devastation in the forests, but also, most unfortunately, for lack of twenty-four-pointed stags, has shot mostly bucks—for which reason we would respectfully propose to station still more trackers and beaters, and perhaps to set a prize upon a faction, but with the express condition that it be a proper, genuine faction (for it is after all rather unfortunate with the bucks) —but the zest has not been spoiled for the dear huntsmen; rather it has now become a sickness indeed. They smell, see and hear nothing but factions, they talk of factions in their sleep, they have a language of their own, in which every word is compounded with faction and which they can recite in order and out of order.

Of this sickness Pastor Grabau lies sick especially hard, and for some time also Pastor Winkler. Whatever only comes before his eyes is factions; he smells them across Lake Erie, yes, as far as Missouri. If an old cooking-stove bursts on him, he sees in it an infernal machine, loaded by the "factions" to blow him and his house and his church into the air. If a little pug barks at him in the street, it must be a faction-hound which the Missourians have posted there. What, then, is the use of quarreling much with such people? Perhaps someone wanted to give them a pleasure and to furnish a new faction for the Informatorium, and in his haste blundered upon Cleveland; perhaps some rogue has made a fool of them. — One must have patience!

So, farewell, dear young gentlemen! But do not forget, when you come again, to bring your informants along; we are eager to make their acquaintance also.

But now an end of jesting! One can indeed hardly speak otherwise with these gentlemen. But it pains us in our soul that it is so, and we wish them from the heart a very speedy recovery. If they do not believe it, we beg the Christian reader to believe it of us. We have no pleasure in this sad strife. We long from the heart for peace with such near kinsmen, especially in these troubled times, when everything goes more and more asunder. We do not assert that our opponents fight against us so out of sheer obstinate malice. We do not wish to burn ourselves quite white, although we are conscious of no intentional injustice toward them. We know that we, like them, are poor, frail, sinful creatures.

But by our silence to give occasion that they continue ever farther on the path they have taken and even draw others with them — that we dare not.

But to put to shame our Lord Christ, so that we fear men while He is with us — that we will not.

H. C. Schwan, Pastor.
Cleveland, in December, 1852.

Supplement.

For the completion of the above narrative of the history and for the justification of my proceeding against the gross slanders and untruths of the Messrs. Pastors Grabau and Winkler in the so-called Kirchliches Informatorium, I have still briefly to remark the following:

1. Far from persuading Pastor Schmidt to resign, as is grossly lied in No. 3 of the Informatorium, his resignation had already taken place before his own and the others' request to me to come to Cleveland, and also, before my arrival, though in vain, Pastor Röbbelen had been called. Rather did I reprove Pastor S. in private for this his resignation, since it indeed could not attain the very purpose desired, but must rather fasten upon him the evil appearance as though he were after all guilty, inasmuch as it was moreover impossible, by his resignation of office, to stop the spread of that evil, though groundless, rumor. Rather, I told him, he ought, in the face of the evil tongues, to have pressed for a strict investigation.

2. Although indeed the faults of Pastor S. in his conduct of the office were not of such a kind that the congregation, after the fruitless application of Matth. 18, 15–17, would justly have had to depose him if he had not himself resigned, yet there were also not inconsiderable points of complaint, which in the investigation, at which Pastor S. was naturally present, proved to be well founded. Thus, for example, he had introduced the announcement for confession, without thorough instruction and inward conviction of the congregation, out of his official authority, and yet at slight resistance of a few individuals had at once let it fall again; and it had gone similarly with this and that churchly ceremony, which he, in well-meant notions, without preceding instruction and consent of the congregation, arbitrarily introduced and soon abolished again, when they did not please this one and that. And as to this unsteadiness and unclearness there were joined still other evils, as for example unwise familiarity and talkativeness in strange alternation with solemn official airs and pathetic speech, partiality toward individuals, imprudent judging of absent members of the congregation in the presence of others, the congregation lacked more or less the proper respect for the Christian wisdom and strength of character of its pastor, although this one and that showed a hearty attachment to him, while their opponents, on the other hand, judged these evils spitefully and unjustly. To this were added further accusations of slack performance of his office with respect to visits to the sick and burials, especially in the time of the cholera, from fear of infection — accusations of which Pastor S. could not wholly clear himself.

3. Nevertheless, after reconciliation had taken place, his re-election would still have been practicable, if not — and indeed, so far as I know, not without his knowledge and unhindered by him — his adherents had taken unjust and violent steps to that end, so that it came to a formal tumult and to offensive scenes in the church itself, the congregation was torn into 2 parties for or against Pastor S., and I found a great embitterment of minds.

4. Besides, Pastor S. had not only told me, now and then, in the days of my stay at Cleveland, in a confidential way, that this and that person in the congregation had grown over his head and that he did not know how to govern them, but immediately before the fourth and last congregational meeting, which he did not attend and in which it was finally to be decided whether he should be re-elected or not, he expressly said to me that I should declare to the congregation that he would not accept the call if it should fall upon him. Yet, in order not to furnish new matter of ill-will against him, I did not deliver this his declaration at all, since the discerning and judicious ones, even among his friends, after careful consideration of the state of affairs, recognized clearly enough that the re-election of Pastor S. would infallibly in a short time lead to a division of the congregation, which, however, together with all the heartache it carries with it, was in the present case, since faith and conscience would not be injured, carefully to be prevented. —

Nevertheless, as a declaration of honor for Pastor S., the following congregational resolution was drawn up: