Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 11, S. 14
Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 11, S. 14
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erfunden werden! Wie aber, wenn sie mit frevler That die Kinder bannen und verfluchen? Wie oft, wie ernst und dringend sind doch jene Pastoren, immer bis dahin, ehe der große Riß geschah, ermahnt, erinnert, gebeten und gestraft worden! Sie haben nicht gehört, sie haben die Gemeinde Christi nicht gehört, sondern verachtet, einen einzigen später ausgenommen. Wer sind nun die Rotten?
Daß auch von keiner Besserung bei ihnen in dieser Hinsicht zu spüren, beweist folgender Fall. Ein verheiratheter Mann aus Krausens Gemeinde in Milwaukie hatte einen Ehebruch begangen. Die Frau desselben erzählt erst nach längerer Zeit die geschehene That ihrer Mutter, welche in Freistatt wohnte; der Mann leugnet auch gar nicht, da die Frau Augenzeuge gewesen war. Die Mutter, wegen der zunehmenden Uneinigkeit beider Eheleute in Besorgniß, zeigt sie auf Rath eines Gemeindeältesten dem Pastor und auf dessen Befragen den ganzen Hergang ihres Haders an; dieser nimmt die Person, welche sich zum Ehebruch hatte hergegeben, ein Mädchen aus dem Busch, in Schutz, weil sie hartnäckig es nicht eingesteht; und an jener Mutter, obgleich der Schwiegersohn die That mündlich und schriftlich vor Verwandten und Bekannten, selbst vor dem Kirchengericht (und später vor der lutherischen Gemeinde in Milwaukie), bekannt hat, werden, darum daß sie eine Verleumderin sei, die gradus admonitionis, (welche in der That nur eigentliche durch Betrieb der Mutter selbst herbeigeführte Verhandlungen gewesen sind,) vollzogen, und sie endlich, da Krause inzwischen anderswohin berufen ward, durch seinen Nachfolger Müller in den Bann gethan. Kindermann, an den sie sich schon vorher in ihrer Noth gewendet, hatte ihr den Rath gegeben: da er diese Sache nicht über das Knie brechen könne, so solle sie doch an ihrem Theile, weil sie jenes Mädchen aus Ermangelung anderer Zeugen außer der eigenen Frau nicht überführen könne, vor der Gemeinde ihre frühere Aussage zurücknehmen, die sie auf Grund des Eingeständnisses von der einen Seite gethan hatte. Da sich nun das Gewissen der Mutter darwider empörte; so wollte ein Vorsteher ganz jesuitischer Moral gemäß es dadurch beschwichtigen, daß er antwortete: Sie können ja für sich glauben, daß es wahr sei — da Sie es aber doch nicht wahr machen können, so müssen Sie vor der Gemeinde sagen, daß es nicht wahr ist. Und Pastor Kindermann mit seinem Kirchengericht bestätigte durch Stillschweigen solche Rede. Ja derselbe hat gegen den reuigen Thäter die Aeußerung gethan: im Beichtstuhl könne er es ja bekennen, nur vor dem Kirchengericht solle er sein Geständniß zurücknehmen. Kann man es den Gewissen redlicher Jünger Christi wohl noch zur Sünde machen, wenn sie eine Kirche verlassen, die solche Handlungsweise nicht blos unter sich duldet, sondern sie mit der Lehre beschönigt? Der veste Grund Gottes besteht und hat dieses Siegel: Der Herr kennet die Seinen, — Und: Es trete ab von (einer solchen offenkundigen) Ungerechtigkeit, wer den Namen Christi nennet! — Doch nicht genug. Die gebannte Frau schloß sich an Hrn. Pst. Keyl an, und ihr Mann, ein auf unverantwortliche Weise von Kindermann und Müller vernachläßigter 80jähriger Greis, und zwei ihrer Kinder thaten ebenfalls diesen Schritt. Der an Krausens Stelle eingetretene Pastor, Müller, verfolgte nun diese mit gleichem Fortschreiten bis zur Exkommunikation, unter dem schändlichen Vorwand: „Obwohl der damalige Pastor Krause ein Heuchler gewesen, wie nun offenbar geworden, so darf doch niemand bei seiner Seligkeit, bevor nicht ein geistliches Gericht einen Prediger für falsch erkannt und ihn als einen Miethling und Wolf verurtheilet hat, sich von einem solchen Prediger trennen.“ Dieß sind urkundlich seine eigenen schriftlichen Worte. Ja, abgesehn davon, daß Krause, so lange er in dieser seelenmörderischen Gemeinschaft sich befand, ein treuer Pastor, ein treu verdienter Seelsorger hieß, und alle Uebergriffe desselben recht sein mußten, jetzt aber, seitdem er nichts mehr mit den Abtrünnigen zu schaffen hat, ein offenbar gewordener Heuchler ist und sonst auf das Freigebigste mit allerhand Ehrentiteln beschenkt wird: so will man mit frecher Stirn hierbei auch noch ein Lutheraner sein. Denn so heißt es in jener Zuschrift an die armen mißhandelten Leute weiter: „So hat es die rechtglaubige Kirche Christi immer gehalten, und so ist es auch Gottes Wort und unsern Symbolen gemäß.“ Und nachdem man sich auf den Schluß des 8. Artikels der Augsburgischen Konfession berufen, (— wohlweislich aber den Anfang verschwiegen —), fährt man fort: „Demnach können Sie mit Ihren Kindern wohl erkennen, in welche Hände Ihr gerathen seid, nämlich in die Hände der (— sc. verdammten —) Missourer Prediger, die nicht allein in dem schrecklichen Irrthum der Donatisten liegen, sondern in noch andern seelengefährlichen Irrthümern, (— die aber dieses Orts weiter anzuführen nicht für gut befunden werden mochte —) ꝛc. ꝛc. so ruft die geistliche Mutter, die christliche Kirche, (— d. i. Senior Grabau und seine Synode —) welche Sie mit Ihren Brüsten gesäugt hat, durch mich Euch zu, doch bald in ihren Schoß zurückzueilen, und die große Gefahr Eurer Seelen wohl bedenket ꝛc. ꝛc. Sprecht aber doch ja nicht, wie dort Dathan und Abiram, die Söhne Eliab's, da Mose sie rufen ließ: Wir kommen nicht hinauf. Ihren Ungehorsam, wie er belohnt worden ist, kann man lesen 4. Buch Mose 16. Die meinten auch, daß die Rotte eine Gemeine des Herrn und heilig wäre, aber der Ausgang erwies es gar anders, nun ist wohl wahr, daß Gott nicht immer gleich auf frischer That straft, doch sein Gericht schläft nicht. Es heißt, wie Gott der Herr selbst sagt: Es kommt die Zeit, wo ich sie heimsuchen werde.“ Wenn nun in diesem merkwürdigen Aktenstück unter Anderem das noch behauptet wird: „Sie, die Missourer, haben sich auch einer himmelschreienden Ungerechtigkeit zu Schulden kommen lassen, indem sie die damals Abgeordneten, Kaufung und Beebersdorf, ihre Anklage angenommen haben, anstatt sie an ihr ordentlich rechtmäßiges Kirchengericht zu verweisen; (und wenn dieses auch geirrt hätte, wären sie nach Matth. 18. verpflichtet gewesen, es dreimal zu ermahnen.) aber nein, da zeigen sie, welches Geistes Kinder sie sind, da sie den Abgeordneten den Rath geben: sofort sich von Pastor Krausen als einem Miethling und Wolf loszumachen, und einen andern Hirten zu berufen. Man sollte gar nicht glauben, daß solche unerhörte Ungerechtigkeit könnte begangen werden von solchen, die sich Lutheraner heißen, das ist, rechtgläubige Christen. Gottes Wort sagt doch deutlich genug: Richtet unser Gesetz auch einen Menschen, ehe man ihn verhöret und erkennt, was er thut? Joh. 7. Da haben sie sich recht als die Caiphas Brüder erzeigt: Was bedürfen wir weiter Zeugniß. —; so wird ein jeder unbefangne christliche Leser durch Vergleichung mit unserm obigen Bericht, den mehr als 100 Zeugen bestätigen, sowie mit dem ersten Synodalschreiben der Missourisynode 1847 und dem vom seligen Past. Löber herausgegebenen Schriftwechsel zwischen den Sachsen und Grabau (New York 1849), das Urtheil fällen können, wo die Wahrheit und die Lüge, die Rotte und die rechte Kirche, Christus und Belial zu finden sei.
Die Buffaloer Synode hat die Verhandlungen unserer Synode mit den von Pst. Krause Getrennten, sowie die Amtsübernahme Pastor Keyl's bei ihnen und den von Kindermann abgetretenen Kirchhainern mit bittern Schmähungen überhäuft. (Hr. Pst. Krause hat seine Theilnahme an denselben bereits widerrufen, und bußfertig bekannt, was zu bekennen war. Nicht Alles, was die Abgeordneten damals in Chicago ausgesagt, kann faktisch erwiesen werden.) Wir wollen den wichtigsten Differenzpunkt zwischen beiden, den Artikel von der Kirche, hier noch etwas näher beleuchten: so wird sich uns von selbst zeigen, wie Amtsführung und Gebrauch des Bannes darin wurzeln.
Pastor Krause hatte, wie die Buffaloer noch jetzt, gelehrt: die lutherische Kirche sei eine sichtbare, außer welcher Niemand selig werden könne. Diese Lehre ist pseudolutherisch, romanisirend. Wahrhaft katholisch, im eigentlichen Sinn des Worts, so daß außer ihr kein Mensch selig werde, kann niemals eine bloße Partikularkirche sein, (es ist contradictio in adjecto) und das ist die lutherische Kirche, insofern sie sichtbar ist. S. Carpzovii isag. in libb. symb. p. 876. Jo. Gerhardi locc. theol. V. p. 275. ed. Francofurt. Baieri compend. theol. pos. p. 769. 768. 770. ed. Lips. Grabau führt zwar eine Stelle aus Chemnitii locc. th. III. de eccl. ed. Witteberg. p. 115. ed. Francofurt. p. 106. zum Beweise seiner Lehre an; aber der besser Unterrichtete weiß, daß diese Worte dem Melanchthon angehören und zwar nicht der ersten Ausgabe seiner locc. von 1521, sondern den späteren, mit Zusätzen nicht allemal zu ihrem Vortheil bereicherten. Wer in solchen Sachen nicht
English translation AI translation
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be found! But how, if with wanton deed they ban and curse the children? How often, how earnestly and urgently were those pastors, ever up to the time before the great rent occurred, admonished, reminded, entreated and reproved! They have not heard, they have not heard the congregation of Christ, but have despised it, one single man excepted, who came later. Who now are the Rotters?
That also in this respect no improvement is to be perceived in them is proved by the following case. A married man from Krause's congregation in Milwaukie had committed adultery. His wife tells the deed that had taken place to her mother, who lived in Freistatt, only after a considerable time; the man does not deny it at all, since the wife had been an eyewitness. The mother, being apprehensive on account of the increasing discord between the two spouses, reports it, on the advice of a congregational elder, to the pastor, and at his questioning discloses the whole course of their quarrel; he takes under his protection the person who had given herself to adultery, a girl from the bush, because she obstinately does not confess it; and upon that mother, although the son-in-law had confessed the deed orally and in writing before relatives and acquaintances, even before the church court (and afterward before the Lutheran congregation in Milwaukie), the gradus admonitionis (which were in fact only proceedings actually brought about by the mother's own pressing) are carried out, on the ground that she is a slanderer, and she is finally, Krause having meanwhile been called elsewhere, put under the ban by his successor Müller. Kindermann, to whom she had already turned beforehand in her distress, had given her the advice: since he could not break this matter over his knee, she should at least on her part, because she could not convict that girl for lack of other witnesses besides the man's own wife, retract before the congregation her former statement, which she had made on the ground of the confession of the one party. When now the conscience of the mother rebelled against this, a warden, wholly according to Jesuitical morality, wished to quiet it by answering: You may indeed believe for yourself that it is true — but since you cannot make it true, you must say before the congregation that it is not true. And Pastor Kindermann with his church court confirmed such a speech by silence. Yes, he himself made to the penitent offender the remark: in the confessional he might confess it, only before the church court he should retract his confession. Can one still make it a sin to the consciences of honest disciples of Christ if they leave a church which not only tolerates such a manner of acting among itself, but glosses it over with doctrine? The foundation of God standeth sure, having this seal: The Lord knoweth them that are his, — And: Let every one that nameth the name of Christ depart from iniquity (such as is manifest)! — But that is not enough. The banned woman joined Pastor Keyl, and her husband, an old man of eighty years neglected in an inexcusable manner by Kindermann and Müller, and two of their children took the same step likewise. The pastor who had stepped into Krause's place, Müller, now pursued them with equal progress to excommunication, under the shameful pretext: "Although the former Pastor Krause was a hypocrite, as has now become manifest, yet no one, on pain of his salvation, may separate himself from such a preacher before a spiritual court has pronounced a preacher false and condemned him as a hireling and wolf." These are, on documentary evidence, his own written words. Yes, apart from this, that Krause, so long as he was in this soul-murdering communion, was called a faithful pastor, a faithfully deserving pastor of souls, and all his encroachments had to be right, but now, since he has nothing more to do with the apostates, is a hypocrite made manifest and is otherwise most liberally presented with all sorts of titles of honor: so with brazen forehead they will in doing this still be Lutherans besides. For thus it is said further in that address to the poor ill-treated people: "Thus the orthodox Church of Christ has always held, and thus it is also in accordance with God's Word and our Symbols." And after they have appealed to the conclusion of the 8th Article of the Augsburg Confession, (— prudently, however, concealing the beginning —), they go on: "Accordingly you with your children can well perceive into what hands ye have fallen, namely into the hands of the (— sc. damned —) Missourian preachers, who lie not only in the dreadful error of the Donatists, but in still other errors dangerous to souls, (— which, however, it did not seem good to cite at this place —) etc. etc. thus the spiritual mother, the Christian Church, (— that is, Senior Grabau and his synod —) which suckled you at her breasts, calls to you through me, to hasten back soon into her bosom, and to consider well the great danger of your souls, etc. etc. But say not, as Dathan and Abiram, the sons of Eliab, of old, when Moses sent to call them: We will not come up. Their disobedience, how it was rewarded, may be read in the 4th Book of Moses, chapter 16. They also thought that the Rotters were a congregation of the Lord and holy, but the outcome proved it quite otherwise; now it is indeed true that God does not always punish at once on the fresh deed, yet His judgment slumbereth not. It is, as God the Lord Himself says: The time cometh when I will visit them." If now in this remarkable document it is further asserted, among other things: "They, the Missourians, have also been guilty of a crying injustice, in that they accepted the accusation of the deputies of that time, Kaufung and Beebersdorf, instead of referring them to their own regularly lawful church court; (and even if this had erred, they would have been bound according to Matt. 18 to admonish it three times.) but no, there they show of what spirit they are the children, in that they give the deputies the counsel: forthwith to rid themselves of Pastor Krause as a hireling and wolf, and to call another shepherd. One should not believe at all that such unheard-of injustice could be committed by those who call themselves Lutherans, that is, orthodox Christians. God's Word says plainly enough: Doth our law judge any man, before it hear him, and know what he doeth? John 7. There they have shown themselves right as the brothers of Caiaphas: What need we any further witness. —; so every unprejudiced Christian reader will, by comparison with our report above, which more than 100 witnesses confirm, as well as with the first Synodal Letter of the Missouri Synod of 1847 and the correspondence between the Saxons and Grabau (New York 1849) published by the blessed Pastor Löber, be able to form the judgment where the truth and the lie, the Rotters and the true Church, Christ and Belial are to be found.
The Buffalo Synod has heaped bitter revilings upon the proceedings of our Synod with those separated from Pastor Krause, as also upon Pastor Keyl's assumption of office among them and the Kirchhainers who had withdrawn from Kindermann. (Pastor Krause has already retracted his participation in the same, and penitently confessed what was to be confessed. Not everything that the deputies stated at that time in Chicago can be proved as fact.) We will here illumine somewhat more closely the most important point of difference between the two, the article on the Church: thus it will show itself to us of its own accord how the conduct of the office and the use of the ban are rooted therein.
Pastor Krause had taught, as the Buffalo men still do now: the Lutheran Church is a visible one, outside of which no one can be saved. This doctrine is pseudo-Lutheran, Romanizing. Truly catholic, in the proper sense of the word, so that outside of it no man is saved, can never be a mere particular church, (it is a contradictio in adjecto) and that is the Lutheran Church, in so far as it is visible. See Carpzov's isag. in libb. symb. p. 876. Jo. Gerhard's locc. theol. V. p. 275. ed. Francofurt. Baier's compend. theol. pos. p. 769. 768. 770. ed. Lips. Grabau does indeed cite a passage from Chemnitz's locc. th. III. de eccl. ed. Witteberg. p. 115. ed. Francofurt. p. 106. in proof of his doctrine; but he who is better informed knows that these words belong to Melanchthon, and indeed not to the first edition of his locc. of 1521, but to the later ones, enriched with additions not always to their advantage. He who in such matters does not