Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 8, S. 4

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 8, S. 4

Beilage zu No. 8, S. 1 Beilage zu No. 8, S. 2 Beilage zu No. 8, S. 3 Beilage zu No. 8, S. 4 Beilage zu No. 9, S. 5 Beilage zu No. 9, S. 6 Beilage zu No. 9, S. 7 Beilage zu No. 9, S. 8 Beilage zu No. 10, S. 9 Beilage zu No. 10, S. 10 Beilage zu No. 10, S. 11 Beilage zu No. 10, S. 12 Beilage zu No. 11, S. 13 Beilage zu No. 11, S. 14 Beilage zu No. 11, S. 15 Beilage zu No. 11, S. 16 Beilage zu No. 12, S. 17 Beilage zu No. 12, S. 18 Beilage zu No. 12, S. 19 Beilage zu No. 12, S. 20 Beilage zu No. 13, S. 21 Beilage zu No. 13, S. 22 Beilage zu No. 13, S. 23 Beilage zu No. 13, S. 24 Beilage zu No. 14, S. 25 Beilage zu No. 14, S. 26 Beilage zu No. 14, S. 27 Beilage zu No. 14, S. 28

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Glaube in der Gemeine so gesunken wäre, so wollte er lieber seinen Stock und seine Bibel nehmen und davon gehen. — Besonders als wir, ich und etliche Andere, ihm gründlich, aber mit aller Bescheidenheit, unsere Bedenken gegen den vorgelegten Bauplan darlegten und dies nicht ohne Einfluß auf Andere zu sein schien, stieg der Zorn des Herrn Pastors auf's Aeußerste und wir wurden bitter behandelt. Schreiend rief er aus: Es ist euer schändlicher Unglaube! Ihr Menschen seid so verstockt, wie Pharao, werdet auch wie derselbe zur Hölle fahren u. s. w.—Ferner sagte P. Grabau: Um diesen gottlosen Menschen (uns nämlich, die wir unser Bedenken gründlich geäußert hatten) zu zeigen, daß der größte Theil der Anwesenden nicht in solchem Unglauben steckt, so wollen wir einmal eine Umfrage thun. Darauf wandte er sich an ungefähr zwölf ihm nächstsitzende Glieder und fragte, wie viel ein Jeder zur Sache geben wollte. Da nun die Antworten zur Zufriedenheit ausfielen (gewiß nur aus Furcht), so rief er wieder uns zu: Nun, ihr gottlosen Menschen, schämt ihr euch noch nicht? Hier habe ich nur Wenige gefragt, und ist kein Einziger, der nicht sein Opfer bringen will; wollet ihr noch nicht umkehren und Buße thun? Darauf antwortete ich: Um ein solches Versprechen kann ich nicht viel geben. (Ich sah nämlich die Art und Weise, wie P. Grabau die Antwort aus den Gefragten heraus gepreßt hatte; dazu bemerkte ich zwei unter ihnen, die früher bei der Schuldentilgung nicht gethan hatten, was sie zu thun schuldig waren.) Auf diese meine Antwort forderte P. Grabau in scandalöser Weise die Gemeine auf, zu sagen, ob ich nicht damit die ganze Gemeine beleidigt hätte? Ein Theil der Gemeine schrie: Ja, Ja! der andere Theil: Nein, Nein! Ich erklärte darauf, daß ich nur diejenigen damit gemeint haben wollte, die bisher ihre Schuldigkeit an der Kirche nicht gethan hätten. Da nun ein zu großer Tumult entstand, so entfernten sich Mehrere und wir ebenfalls; aus dem Bauen aber wurde nichts.

Das Nächste war, daß ich in Kirchenzucht genommen wurde; ich hatte daher bald bei Hrn. P. Grabau zur Vermahnung zu erscheinen. Bei diesen sogenannten Vermahnungen behandelte er mich sehr schnöde und sprach mir geradezu die Kindschaft Gottes ab, sammt aller Hoffnung auf das ewige Leben; darum müsse man einen solchen Menschen vom Leibe Christi abschneiden.— Darauf erwiederte ich: Ich müsse zur Ehre und zum Danke meines Heilandes bekennen, daß ich das Zeugniß des heil. Geistes in meinem Herzen hätte, daß ich ein Kind Gottes sei; und diesen Trost sollte mir kein Teufel rauben, so wenig als er.

Später mußte ich noch mehrere Male vor P. Grabau und seinen Vorstehern (12—13 an der Zahl) erscheinen. Der Zweck aller dieser Conferenz-Vermahnungen, sollte nach Hrn. P. Grabau's Vorgeben sein, mich zur Erkenntniß und zum Bekenntniß zu bringen, daß ich mich mit meiner Aeußerung in der Gemeineversammlung an der ganzen Gemeine versündigt hätte. Da nun doch ein oder der andere Vorsteher bei diesen inquisitorischen Treibereien Herrn P. Grabau nicht immer Recht sprechen wollte, so entstand oft ein wahrer Scandal. Ich wurde nun zuletzt des Streitens müde, und, um nicht hartnäckig zu erscheinen, erklärte ich: Obwohl ich nicht einsehen könnte, daß ich mich von wegen dieser Aeußerung an der ganzen Gemeinde versündigt hätte, so wollte ich doch um des Friedens willen zugeben, daß ich damit zu weit gegangen sei und erklärte mich bereit, die gemachte Aeußerung zurückzunehmen und bat um Gottes Willen, nicht weiter in mich zu dringen, daß ich wider mein Gewißen handeln sollte.

Als nun darauf ein Vorsteher Hrn. P. Grabau ersuchte, doch mit meiner Erklärung zufrieden zu sein, antwortete er: Nein, mit nichten können wir damit zufrieden sein! Gesetzt auch, dieser Mensch sähe diese Sünde ein und wir kämen hierin zum Frieden, so muß er erst noch seine Missourische Schwärmerei einsehen und sonst viel mehr. (Was aber das für Schwärmerei sein sollte, wollte er mir nicht sagen.) Ich erklärte darauf, daß ich nun völlig überzeugt sei, daß seine Absicht nur wäre, mich aus der Gemeine zu entfernen; er möge nun thun, wie er zu thun gedächte.

So wurde ich denn öffentlich in den Bann gethan und zwar mit solchen haßsprühenden Worten, daß Jedermann leicht erkennen konnte, daß dieser Bann offenbar aus persönlichem Haß vollzogen wurde. Obgleich jedem Christen dabei geboten wurde, den gottlosen Menschen zu meiden, ihm nichts Liebes und Gutes zu erweisen; auch nicht zu ihm zu gehen, noch ihn in's Haus aufzunehmen, so wurde dies Gebot doch nur äußerst wenig, ja fast gar nicht beachtet. — Alle aufrichtige und der Sache kundige Leute wissen wohl, daß ich nicht als „öffentlicher und unbußfertiger Sünder,“ wie der Catechismus will, ausgeschloßen bin, sondern um der von Herrn Pastor Grabau erdichteten Sünden willen.

Jeder unpartheiische Leser kann daraus erkennen, wozu P. Grabau den Bann gebraucht; nämlich als eine Keule, womit er diejenigen moralisch todtschlägt und dadurch unschädlich zu machen sucht, die ihm in seinem hierarchischen Treiben mit Recht widerstehen. Also ganz ähnlich, wie es die römische Kirche allezeit gemacht hat.

Ich bin deshalb auch nicht der Einzige, den solches Loos betroffen hat, es sind Mehrere. Unter Andern hat P. Grabau einen ganz unbescholtenen christlichen Bruder, Namens Valentin Brück, darum gebannt, weil derselbe den Pastor Grabau wegen seines unchristlichen Verfahrens gegen mich zur Rede stellte und ihn deshalb vermahnte. Freilich werden im Verlauf des Bannprozeßes gewöhnlich noch andere Sünden angedichtet, welche dann bei Vollziehung des Bannes der, mit der Sache unbekannten Gemeine, angegeben werden, die deshalb, wenn sie abgelesen werden, oft ganz lächerlich lauten.

Ebenso hat P. Gr. einen alten sechszigjährigen Greis, der ein inniger Verehrer von ihm war, darum in den Bann gethan, weil selbiger den Herrn P. Grabau um seiner Seelen Seligkeit willen ermahnte von seinem Treiben abzustehen und namentlich zu erkennen, welche Tyrannei er an der Gemeine in Eden, bei Buffalo, begangen. Als der alte Mann bei P. Grabau war, ihn zu vermahnen, stand er auf und sagte zu seiner Frau in einem höhnischen Tone und auf den alten Mann hindeutend: Sieh', mein liebes Kind, hier ist ein Bußprediger, ein Bußprediger aus der Hölle; höre ihn doch an, er will uns ja etwas vorpredigen u. s. w.

Es ist schauderhaft und für den, dem die eigene Erfahrung mangelt, unglaublich, wie dieser Mann sein Amt mißbraucht. So hatte er in demselben Jahre 1850 mit seiner Gemeine einen Orgelstreit. Es sollte eine Orgel gekauft werden und nachdem die Gemeine in Erfahrung brachte, daß die Orgel, welche gekauft werden sollte, fehlerhaft sei, so wollte sie sie nicht kaufen; Herr P. Grabau aber bestand darauf, sie müßte gekauft werden, die Gemeine sei solches schuldig zu thun, aus gewissen Verbindlichkeiten gegen den Verkäufer, welches Alles aber ein falsches Vorgeben war. Bei dieser Gelegenheit verkündigte er öffentlich von der Kanzel, daß diejenigen, welche ihm in der Orgelsache widerstanden hätten, Buße thun und ihre Sünden erkennen müßten, wenn sie zum heil. Abendmahl zugelaßen werden sollten.

Es wird sich freilich mancher Leser wundern, wie eine lutherische Gemeine eine solche Tyrannei sich gefallen läßt; allein dies kommt daher, daß Herr P. Grabau seiner Gemeine längst eingepredigt hat, daß nur bei ihm und den Seinen die wahre Kirche Jesu sei und sonst nirgends; und in diesem Irrthum liegt auch der größte Theil der Gemeine gefangen. Man fühlt das tyrannische Wesen wohl und die Glieder klagen auch gegenseitig darüber; aber, sprechen sie: wo sollen wir hin, wir sind um des Wortes Gottes willen ausgewandert, unsere Kinder müssen Schule haben und—zu den Missouriern können wir auch nicht, die stehen auch falsch,* so müssen wir bleiben und warten, bis der Herr hilft. Neben solchen klagenden und seufzenden Seelen sind freilich auch nicht wenige Heuchler, die zwar, wenn sie zusammen kommen, über den Pastor losziehen, aber wenn sie vor sein Angesicht kommen, sich als gar „treue Kirchkinder“ zu stellen wissen; und es ist zu fürchten, daß um dieser willen die Gemeine noch lange unter dieser Knechtschaft zu stehen haben möchte. Der Herr aber, der gnädig und barmherzig ist, wolle nach Seiner Verheißung sich Seiner Heerde selbst annehmen und vor allem den Hirten zur Erkenntniß seiner gefährlichen Irrwege bringen.

(Fortsetzung folgt.)

* Daß die armen Leute dies glauben müssen, ist nicht zu verwundern, denn Jahr aus Jahr ein wird in den Predigten unaufhörlich über die „gottlosen Missourier“ gelästert und der „Lutheraner,“ das „gottlose Blatt,“ wird zu lesen verboten oder wenigstens davor, als vor einem höchst gefährlichen Blatte gewarnt. Gerade wie der Papst mit den lutherischen Schriften thut.

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faith in the congregation had sunk so low, he would rather take his staff and his Bible and go away. — Especially when we, I and some others, thoroughly but with all modesty set forth our misgivings against the proposed building plan, and this seemed not to be without influence upon others, the wrath of Mr. Pastor rose to the extreme and we were bitterly treated. Crying aloud he exclaimed: It is your shameful unbelief! You people are as hardened as Pharaoh, and shall also like him go down to hell, etc.—Further P. Grabau said: In order to show these godless men (us, that is, who had thoroughly expressed our misgivings) that the greatest part of those present are not sunk in such unbelief, let us take a vote. Thereupon he turned to about twelve members sitting nearest to him and asked how much each one would give to the cause. Since now the answers turned out to his satisfaction (certainly only from fear), he cried out again to us: Now, you godless men, are you not yet ashamed? Here I have asked but a few, and there is not one who will not bring his offering; will you not yet turn and repent? Thereupon I answered: On such a promise I cannot count for much. (For I saw the manner in which P. Grabau had squeezed the answer out of those asked; moreover I noticed two among them who had earlier not done, in the payment of the debt, what they were bound to do.) Upon this answer of mine P. Grabau called upon the congregation in a scandalous manner to say whether I had not thereby insulted the whole congregation? One part of the congregation cried: Yes, yes! the other part: No, no! I declared thereupon that I had meant only those who had hitherto not done their duty toward the church. Since now too great a tumult arose, several withdrew, and we likewise; but nothing came of the building.

The next thing was that I was taken into church discipline; I had therefore soon to appear before Mr. P. Grabau for admonition. In these so-called admonitions he treated me very scornfully and flatly denied me the sonship of God, together with all hope of eternal life; therefore, he said, such a man must be cut off from the body of Christ.— Thereupon I replied: I must confess, to the honor and thanks of my Savior, that I had the witness of the Holy Spirit in my heart that I was a child of God; and this comfort no devil should rob me of, any more than he.

Later I had to appear several times more before P. Grabau and his elders (12—13 in number). The purpose of all these conference-admonitions was, according to Mr. P. Grabau's pretence, to bring me to the acknowledgment and confession that I had sinned against the whole congregation by my remark in the congregational meeting. Since now one or another of the elders would not always declare Mr. P. Grabau in the right in these inquisitorial proceedings, a veritable scandal often arose. I at last grew weary of the contention, and, in order not to appear obstinate, declared: Although I could not see that I had sinned against the whole congregation by reason of this remark, yet for peace's sake I was willing to admit that I had gone too far therewith, and declared myself ready to take back the remark made, and begged for God's sake that they would not press me further to act against my conscience.

When now thereupon an elder requested Mr. P. Grabau to be content with my declaration, he answered: No, by no means can we be content with it! Suppose even this man saw this sin and we came to peace herein, he must yet see his Missourian enthusiasm and much more besides. (But what sort of enthusiasm that was supposed to be, he would not tell me.) I declared thereupon that I was now fully convinced that his intention was only to remove me from the congregation; let him now do as he thought to do.

So I was publicly put under the ban, and indeed with such hate-sparkling words that everyone could easily perceive that this ban was plainly carried out from personal hatred. Although every Christian was thereby commanded to avoid the godless man, to show him nothing of kindness and good; also not to go to him, nor to take him into the house, this command was nevertheless observed only extremely little, indeed almost not at all. — All honest people acquainted with the matter know well that I was not excluded as an "open and impenitent sinner," as the Catechism requires, but on account of the sins invented by Mr. Pastor Grabau.

Every impartial reader can perceive from this to what use P. Grabau puts the ban; namely, as a club with which he morally strikes dead those, and thereby seeks to make harmless those, who rightly withstand him in his hierarchical proceedings. Thus quite similarly as the Roman Church has always done.

I am therefore also not the only one whom such a lot has befallen; there are several. Among others P. Grabau banned a quite blameless Christian brother, by name Valentin Brück, because he called Pastor Grabau to account for his unchristian conduct toward me and admonished him on that account. To be sure, in the course of the ban-process other sins are usually invented in addition, which are then announced at the carrying out of the ban to the congregation, unacquainted with the matter, and which therefore, when they are read out, often sound quite ridiculous.

Likewise P. Gr. banned an old sixty-year-old man, who was a sincere admirer of his, because the same admonished Mr. P. Grabau, for the sake of his soul's salvation, to desist from his proceedings, and especially to acknowledge what tyranny he had committed against the congregation at Eden, near Buffalo. When the old man was with P. Grabau to admonish him, he stood up and said to his wife in a scornful tone, pointing to the old man: See, my dear child, here is a preacher of repentance, a preacher of repentance out of hell; just listen to him, he wants to preach us something, etc.

It is horrible, and for him who lacks personal experience incredible, how this man misuses his office. Thus in the same year 1850 he had an organ dispute with his congregation. An organ was to be bought, and after the congregation learned that the organ which was to be bought was defective, it would not buy it; Mr. P. Grabau, however, insisted it must be bought, the congregation was bound to do so, by certain obligations toward the seller, which, however, was all a false pretence. On this occasion he announced publicly from the pulpit that those who had resisted him in the organ matter must repent and acknowledge their sins, if they were to be admitted to the Holy Supper.

Many a reader will indeed wonder how a Lutheran congregation can let such a tyranny be put upon it; but this comes from this, that Mr. P. Grabau has long preached into his congregation that only with him and his people is the true Church of Jesus, and nowhere else; and in this error the greatest part of the congregation also lies captive. One feels the tyrannical nature well, and the members also complain to one another about it; but, they say: whither shall we go, we have emigrated for the sake of God's Word, our children must have school, and—to the Missourians we cannot go either, they also stand false,* so we must remain and wait till the Lord helps. Besides such complaining and sighing souls there are indeed also not a few hypocrites, who, to be sure, when they come together, rail against the pastor, but when they come before his face know how to present themselves as quite "faithful church-children"; and it is to be feared that for the sake of these the congregation may have to stand under this bondage a long time yet. The Lord, however, who is gracious and merciful, will, according to His promise, take upon Himself His flock, and above all bring the shepherd to the recognition of his dangerous errors.

(To be continued.)

* That the poor people must believe this is not to be wondered at, for year in, year out in the sermons there is unceasing railing against the "godless Missourians," and the "Lutheraner," the "godless paper," is forbidden to be read, or at least warned against as a most dangerous paper. Just as the Pope does with the Lutheran writings.