Collection › Der Lutheraner (St. Louis, Missouri) › Jahrgang 9, Nummer Beilage › Beilage zu No. 10, S. 11

Der Lutheraner St. Louis, Missouri — 1852-12-07, Beilage zu No. 10, S. 11

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Im Frühjahr darauf kommt der Senior Grabau nach Wisconsin, die Sache in Milwaukie beizulegen. (Es war zu dieser Zeit nämlich die Milwaukier-Filialgemeinde in einen höchst ärgerlichen und verdrüßlichen Streithandel mit ihrem Pastor, Krause, gerathen.) Von den Freistättern erhält er jenes Schreiben während seines Besuchs, und bestimmt auch für sie und ihre Angelegenheit einen Tag zur Untersuchung in ihrer 14 Meilen von Milwaukie entfernten Niederlassung. Zuerst suchte er aus der Klagschrift die nicht wohl und recht geordneten Redeweisen heraus, und wollte sie zum Gegenstande des Vorwurfs machen, um Sünde mit Sünde aufgehn zu lassen. Sie war, wie gesagt, unter Kindermann's Anleitung selbst verabfaßt worden. Bis spät nach Mitternacht dehnte er dann die weitere Verhandlung hinaus, dadurch die Leute schläfrig wurden, und so allmählig eine Art Versöhnung*) zwischen den Kirchhainern und Past. Krause herbeigeführt ward. Meiner Freistätter Gemeinde, sprach zugleich der letztere, kann ich so unbedingt noch nicht vergeben. Mancher mochte den übrigen Theil der Nacht vergeblich Schlaf gesucht haben. In aller Frühe erheben sich Mehrere, und suchen Grabau auf, der sich bereits nach Kirchhain begeben hatte, und erklären ihm, sie könnten Past. Krause nicht mehr als ihren Seelsorger ansehen, sie wünschten zu Kindermann zu gehören, das Schelten und tyrannisirende Toben jenes höre doch nicht auf. Grabau gestattete nun zwar ihr Gesuch nicht, bloß daß sie sich des Sakramentsempfangs von ihm enthalten könnten, versprach aber, nur für eine Zeitlang noch Geduld fordernd, ihn von Freistatt weg an die Studienanstalt in Buffalo zu nehmen und darüber mit der dortigen Gemeinde erst Rücksprache zu nehmen, nahm mit aller Freundlichkeit von ihnen Abschied, und reiste kurz darauf nach Milwaukie, um auch hier durch beharrliches in die Länge Ziehen die Streitigkeit zu schlichten. Doch auch hier geschah den nächsten Tag, obwohl nach Abschluß der Verhandlungen, dasselbe, wie in Freistatt, was von dem andern Theil als muthwilliger Versöhnungsbruch dargestellt wurde. Der Senior hatte, da er nach Buffalo zurückkehrte, ein Ermahnungsschreiben an die Gemeinden verlassen, sich zu hüten vor Unversöhnlichkeit; und es für Todsünde erklärend, so man bei Krause nicht verbliebe, in einem zweiten Schreiben die Pastoren unterrichtet, die drei Stufen der Kirchenzucht an den Widerstrebenden in's Werk zu setzen, nach deren letztem Grade die Excommunication erfolgen sollte. Krause weigerte sich zwar anfangs, den Bann zu vollziehen, fuhr aber fort sie von der Kanzel zu verfolgen. Vergebens beschwerten sich die Getäuschten, entrüstet über solche besonders den Freistättern unerwartete Zweideutigkeit, welche Krause mit Anerkennung seines Unrechts hierbei später selbst im J. 1850, wie in dem Milwaukier Lutherischen Gemeindeprotokoll zu lesen ist, in's Licht gesetzt hat, baten nochmals schriftlich auf das Dringendste, sie von demselben zu entbinden, und sagten sich, weil man einmal nichts mehr mit ihnen dergestalt zu thun haben wollte und ihnen gar nicht antwortete, von dem Kirchenministerio und ganzen Synodalverbande später los. Sie wurden als Sektirer dem Satan übergeben; es geschah zu Anfang des Sommers 1846.

*) Was für eine Versöhnung es müsse gewesen sein, geht aus der Aeußerung Kindermann's, welcher selbst erst die bis dahin mehr ruhigen Freistätter auf das Treiben Krausens aufmerksam gemacht und den Samen der Zwietracht und den Grund der Unzufriedenheit mit ihrem Pastor gelegt hatte, hervor, die er kurz nach der Entfernung Grabau's gegen seinen Vorsteher gethan: Er habe keinen Frieden, nachdem er diese Versöhnung sei eingegangen, Pst. Krause habe eine Heuchel[unleserlich] gethan, welche ihm Grabau aus den Backen geklopft. Grabau, mit dem Kindermann erst nicht einig sein mochte wegen Krausens, hatte den letztern vertröstet auf die Schwachheit jenes, wie bewiesen werden kann, während er wiederum vor den Kirchhainern über Krausens Handlungsweise sich ganz empört gezeigt. Ein räthselhaftes Einverständniß herrschte damals zwischen diesen beiden Pastoren, das mehr auf gegenseitige Furcht, als Liebe gegründet zu sein schien. Und doch, die Ersten werden die Letzten, und diese die Ersten sein. Weichen Herzens zog Kindermann, vor missourischer Ketzerei bange gemacht, es endlich vor, wider bessere Erkenntniß und sein Gewissen mit verdammen zu helfen; Krause aber, scheinbar der unbeugsamste unter den drei, wiewohl auch geistig überlegnere, ist nach und nach umgekehrt und hat mit den Brüdern und seinen ehemaligen Parochialen einen christlichen Weg gegenseitiger Verständigung eingeschlagen.

(Fortsetzung folgt.)

III.

„Die neue Rotte in Eden.“

(Fortsetzung und Schluß.)

Daß wir übrigens „des Nachts den Bewohnern der Häuser keine Ruhe ließen und an die Thüren schlugen, als ob Einbruch geschehen sollte,“ davon wissen wir nichts. Mag es immerhin einmal geschehen sein, so kann doch nicht bezeugt werden, daß solches gerade einer aus unserer Mitte gethan. Erst kürzlich pochte bei einem von uns in der Nacht Jemand stark an, und als nachgesehen wurde, wer so unfreundlich pochte, siehe, da war es ein Indianer!—Hätte Herr Pastor Grabau und Herr Schullehrer Hoge furchtlos nachgesehen, so würden sie ja wohl erfahren haben, ob es Jemand von den Unsern gewesen. Man sieht's und merkt's wohl, Hr. Pst. Grabau sucht Alles zusammen, um uns recht gräulich darstellen zu können. Gesetzt aber auch, ein ungezogener Bube unter uns hätte solchen Streich verübt, wie Solche ja in andern Gemeinen auch vorhanden sein können, so ist es doch gewiß der christlichen Liebe nicht gemäß, es der ganzen Gemeine zur Last zu legen, die solchen Unfug für sträflich hält. Was den „ausgeschlossenen Säufer“ betrifft, den wir, um den Haufen groß zu machen, zu uns genommen zu haben,“ beschuldigt werden, so antworten wir, daß wir denselben nicht zu uns „genommen“ haben, sondern er ist, wir wissen selbst nicht wie, in der Verwirrung, die Pst. Grabau unter uns anstellte, zu uns gekommen. Wir gestehen aber willig ein, daß wir ihn ernstlich hätten zurückweisen sollen. Es war dies allerdings ein Fehler von uns.—

Seite 66. und 67. erzählt Herr Pst. Grabau von der Erbrechung der Kirche. Nach seinem Berichte soll Herr Pastor Bürger die Kirche haben erbrechen lassen und an demselben Tage er und „seine Rotte“ eine solche Frechheit begangen haben, die „eine besondere Schrift und Darstellung“ verlangte, ja „gar nicht zu beschreiben wäre“ u. s. w.

Wir antworten: Weil wir lange Zeit sehen mußten, daß man vor uns die Thüre verschloß und die Fenster verschraubte und wir doch eben so gut Recht hatten in die Kirche zu gehen, wie Andere, so faßten wir selbst den Plan, unsere Kirche zu öffnen. Auf Herrn Pastor Bürger's Veranlassung ist es nicht geschehen, er rieth uns vielmehr ab. Er ist uns zwar, als die Kirche offen war, in dieselbe gefolgt, aber ungerne. Sonst ist am genannten Tage von unserer Seite keine Frechheit begangen worden. Wir haben auch keinen „feindlichen Angriff“ gemacht. Die Grabauische Beschuldigung vom „Angriff“ kommt aber daher: Hr. Pst. Grabau wollte unsern Nachmittagsgottesdienst vereiteln. Nachdem er seinen Vormittagsgottesdienst geschlossen hatte, den er nach dem unsrigen hielt, fing er daher auf's Neue an, singen zu lassen und ließ fort singen, bis es dunkel ward und er mit den Seinen nicht mehr singen, sondern nur kreischen konnte! Damit wir nun auch Abends nicht mehr Gottesdienst halten könnten, so nahmen die würdigen „Kirchväter“ des Hrn. Pastor Grabau die Leuchter von den Wänden. Diesem wollte Einer der Unsern wehren und die Leuchter dem eifrigen „Kirchvater“ abnehmen, dieser gab sie aber nicht her, sondern warf sie lieber eine Strecke weit von sich.—Weiter geschah von unserer Seite nichts. Wir kommen nun endlich zur Wahl und zum Streit über das Kirchengut. Schon früher hatten wir unsern Gegnern den Antrag gestellt, daß wir uns in die Hälfte theilen wollten. Wollten sie Alles behalten, sollten sie uns herausbezahlen. Wollten sie uns Alles lassen, wollten wir herausbezahlen. Das aber wurde nicht eingegangen. Als nun die gesetzmäßige Wahl gehalten werden sollte, wollten die Gegner uns als Ausgeschlossene nicht mitwählen lassen, wie zu ersehen aus dem Berichte selbst. Der Friedensrichter aber, der zugegen war, urtheilte, daß wir nach dem Gesetze zur Wahl berechtigt seien. Denn nach dem Gesetze waren wir es auch. Wir hatten „die Ordnungen und Gewohnheiten“ in unserer Gemeine gehalten, somit des Rechtes an der Wahl uns nicht verlustig gemacht. Herr Pastor Grabau wollte dieses Recht nicht gelten lassen, weil wir die „Ordnung“ von dem Schilling nicht gehalten hätten. Allein dieser Schilling war eben nie zur völligen „Ordnung“ geworden; weshalb hatte man denn 3 Jahre darüber gestritten, wenn dies „Ordnung und Gewohnheit“ gewesen wäre? Das sah der Friedensrichter sehr wohl ein, der ein gerechterer Richter war, als Herr Pst. Grabau. Wir hatten den Rich-

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In the spring following, the Senior Grabau came to Wisconsin to settle the matter in Milwaukie. (For at this time the Milwaukie filial congregation had fallen into a most vexatious and troublesome quarrel with its pastor, Krause.) From the Freistatters he received that letter during his visit, and appointed also for them and their affair a day for investigation in their settlement, 14 miles distant from Milwaukie. First he picked out of the complaint the expressions that were not well and rightly ordered, and wished to make them the subject of reproach, in order to let sin be offset with sin. It had been, as said, drawn up under Kindermann's own direction. Until late after midnight he then drew out the further proceedings, whereby the people became drowsy, and so gradually a kind of reconciliation*) between the Kirchhainers and Past. Krause was brought about. To my Freistatt congregation, said the latter at the same time, I cannot so unconditionally forgive as yet. Many a one may have sought sleep in vain during the remaining part of the night. Very early in the morning several arose, and sought out Grabau, who had already betaken himself to Kirchhain, and declared to him that they could no longer regard Past. Krause as their pastor, that they wished to belong to Kindermann, that the scolding and tyrannizing raving of the former would not cease. Grabau did not indeed grant their request, except that they might abstain from receiving the Sacrament from him, but promised, only demanding patience for a while yet, to take him away from Freistatt to the seminary in Buffalo and first to consult about it with the congregation there, took leave of them with all friendliness, and traveled shortly after to Milwaukie, in order to settle the dispute there also by persistent drawing out. But here also, on the next day, although after the conclusion of the proceedings, the same thing happened as in Freistatt, which was represented by the other party as a wanton breach of the reconciliation. The Senior, when he returned to Buffalo, had left behind a letter of admonition to the congregations, to beware of implacability; and, declaring it a mortal sin if one did not remain with Krause, in a second letter instructed the pastors to carry into effect the three steps of church discipline against those who resisted, after the last degree of which excommunication was to follow. Krause refused indeed at first to execute the ban, but continued to persecute them from the pulpit. In vain did the deceived complain, indignant at such ambiguity, unexpected especially by the Freistatters, which Krause afterward himself, in the year 1850, with acknowledgment of his wrong therein, as is to be read in the Milwaukie Lutheran congregational record, brought to light; they begged once more in writing, most urgently, to be released from him, and, because one would no longer have anything to do with them in such a fashion and did not answer them at all, they afterward renounced the Ministerium and the whole synodical connection. They were delivered to Satan as sectarians; it happened at the beginning of the summer of 1846.

*) What sort of reconciliation it must have been is evident from the utterance of Kindermann, who himself had first called the previously rather quiet Freistatters' attention to the doings of Krause and had laid the seed of discord and the ground of dissatisfaction with their pastor, which he made shortly after Grabau's departure to his superintendent: He had no peace since he had entered into this reconciliation, Pst. Krause had practiced a [illegible], which Grabau had knocked out of his cheeks. Grabau, with whom Kindermann at first could not agree on account of Krause, had put the latter off with the weakness of the former, as can be proved, while he in turn had shown himself quite indignant before the Kirchhainers over Krause's way of acting. An enigmatic understanding prevailed at that time between these two pastors, which seemed to be founded more on mutual fear than on love. And yet, the first shall be last, and these the first. With a soft heart Kindermann, made fearful of Missourian heresy, at last preferred to help condemn against better knowledge and his conscience; Krause, however, seemingly the most unbending of the three, though also the mentally superior, has by and by turned about and has with the brethren and his former parishioners entered upon a Christian way of mutual understanding.

(To be continued.)

III.

"The New Rotte in Eden."

(Continuation and Conclusion.)

That, moreover, we "at night allowed the inhabitants of the houses no rest and knocked at the doors as if a burglary were to happen," of that we know nothing. Even if it may once have happened, yet it cannot be testified that such a thing was done by one from our midst. Only lately someone knocked loudly at the door of one of us in the night, and when it was looked to see who knocked so unfriendly, behold, it was an Indian!—Had Mr. Pastor Grabau and Mr. Schoolteacher Hoge looked fearlessly, they would surely have found out whether it was any one of ours. One sees and notes it well, Mr. Pst. Grabau gathers up everything in order to be able to represent us as quite horrible. But supposing even that an ill-bred boy among us had committed such a prank, as such are indeed to be found in other congregations also, it is yet surely not in accordance with Christian love to lay it to the charge of the whole congregation, which holds such mischief to be punishable. As to the "excluded drunkard," whom we are accused "of having taken to ourselves in order to make the heap large," we answer that we did not "take" him to ourselves, but he came, we know ourselves not how, to us in the confusion which Pst. Grabau stirred up among us. We readily admit, however, that we ought to have earnestly turned him away. This was indeed a fault of ours.—

On pages 66 and 67 Mr. Pst. Grabau tells of the breaking open of the church. According to his report Mr. Pastor Bürger is said to have had the church broken open and on the same day he and "his Rotte" to have committed such an impudence as demanded "a special writing and description," indeed "could not be described at all," etc.

We answer: Because for a long time we had to see that the door was locked before us and the windows screwed shut, and we had yet just as good a right to go into the church as others, we ourselves formed the plan to open our church. It did not happen at the instigation of Mr. Pastor Bürger, he advised us rather against it. He indeed followed us into it when the church was open, but unwillingly. Otherwise no impudence was committed on our part on the day named. We also made no "hostile attack." The Grabauite accusation of an "attack," however, comes from this: Mr. Pst. Grabau wished to frustrate our afternoon service. After he had closed his forenoon service, which he held after ours, he therefore began anew to have singing, and let the singing go on until it grew dark and he with his people could no longer sing, but only screech! In order that we might now no longer hold divine service in the evening either, the worthy "church fathers" of Mr. Pastor Grabau took the candlesticks from the walls. One of ours wished to prevent this and to take the candlesticks from the zealous "church father," but he would not give them up, and rather threw them a distance away from him.—Further nothing happened on our part. We come now at last to the election and to the strife over the church property. Already earlier we had made to our opponents the proposal that we divide into halves. If they wished to keep everything, they should pay us out. If they wished to leave us everything, we would pay them out. This, however, was not entered into. When now the lawful election was to be held, the opponents would not let us vote as excluded persons, as is to be seen from the report itself. The Justice of the Peace, however, who was present, judged that we were entitled to the election according to the law. For according to the law we were so also. We had kept "the orders and customs" in our congregation, and thus had not forfeited the right to the election. Mr. Pastor Grabau would not let this right stand, because we had not kept the "order" concerning the Schilling. But this Schilling had never become a complete "order"; why then had one disputed 3 years about it, if this had been "order and custom"? This the Justice of the Peace saw very well, who was a juster judge than Mr. Pst. Grabau. We had the Jus-